Weißt Du Grethe, ich behalte gar nicht gerne recht, sondern ich würde mich viel mehr freuen, wenn ich Unrecht behalten würde mit bestimmten "Voraussagen" oder Ahnungen.
Ich würde mich viel mehr freuen, wenn möglichst viele Menschen ihre Alkoholsucht stoppen könnten.
Aber... ich habe die Krankheit im nassen/akuten Zustand selbst erlebt und weiß somit, wie das läuft.
Und ich kenne andere trockene Alkoholiker, mit denen ich auch viel in einer realen SHG viel sprach.
Wir erkannten uns oft im anderen beinah 100% wieder, wie wir waren im nassen Zustand unserer Krankheit.
Und hier ist es im Grunde ebenso.
Und ich habe hier wahrscheinlich hunderte von Geschichten gelesen, im Alkoholiker ebenso wie im CO-Bereich.
Ich trage da also keine rosa Brille, sondern kenne nun mal die brutalen Realitäten.
Ohne die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten werden über 90% rückfällig. Diese Zahlen allein sprechen schon für sich.
Mit Inanspruchnahme der Hiflsangebote sinkt die Rückfallquote erheblich auf um die 50%.
Die ganz exakten Zahlen kenne ich nicht, aber so um den Dreh sieht es nun mal aus.
Wenn nun also jemand keine Hilfe annehmen will, dann weiß ich auch, wie groß seine/ihre Chancen sind 
Zitat
Freitag war er bei der Beratung, tatsächlich. Aber er hat nur gehört was er hören wollte. Er eröffnete mit den Worten: Der Berater fand es nicht gut, dass ich jetzt gar keinen Alkohol mehr trinke, denn das bedeutet ja einen Verlust von Lebensqualität. Sehr glücklich Ja, was soll ich dazu noch sagen.
Es fielen dann noch Sachen wie: Risikoarmer Konsum, und wenn er denn bald wieder was trinken wird.
Grethe, Du warst bei diesem Gespräch nicht dabei, oder?
Das ist ja meist so.
Geh mal davon aus, das Dein XY Dir da nicht die Wahrheit über das Gespräch erzählt.
Es kommt doch immer darauf an, ob ich wirklich gerafft habe, das ich abhängig saufe und ob ich wirklich Hilfe möchte !
Wenn dem so ist, dann bekomme ich auch welche.
Weil ich dann die Sache auch DRINGLICH mache und ganz klar sage, was wirklich los ist, wie schlimm es steht.
So, wenn ich das aber nicht will, sondern die Sache auch bei einer Beratung abwiegel, verharmlose oder sogar falsche Angaben mache, wie soll mir dann jemand helfen können?
Und genau dann drehe ich mir auch angebliche Worte eines Beraters genau so hin, wie ich das haben will!
Und zwar so, das ich weitersaufen kann, nun auch "mit Erlaubnis".
Und dagegen kannst Du nix machen... was denn auch?
Nochmals:
Wenn jemand trinken will, dann wird er trinken !!
Und genau das sehe ich bei Deinem XY. Er dreht sich Sachen so hin, um weitertrinken zu können.
Saufen ist mit Sicherheit kein Stück Lebensqualität!
Für uns Alkoholiker ist weitersaufen ganz einfach TÖDLICH.
Das sollte mal klar sein.
Und nochmal zum kontrollierten Trinken, was hier auch ab und an mal erwähnt wird:
Davon halte ich rein GAR NIX.
Wenn ich schon "kontrolliert trinken" muss, dann habe ich doch bereits ein akutes Alkoholproblem !
Denn nichtabhängige Menschen, die ab und an mal Alk trinken, machen sich über kontrolliertes Trinken ja nicht mal Gedanken, die kennen diesen Begriff meist nicht mal.
Sie trinken mal was, und dann auch wieder mal ne lange Zeit gar nix, weil sie kein Bedürfnis haben und auch keine Verzichtsgedanken.
Von daher ist kontrolliertes Trinken für mich einfach nur absurd und verschleiert letztendlich auch das wirkliche Problem.
Nämlich, tatsächlich alkoholkrank geworden zu sein.
Alkoholkrank zu sein ist aber keine Schande !
Das kann nun mal passieren und uns allen (den Alkoholikern hier) hier ist es ja auch passiert.
Aber es ist ne Schande, nichts dagegen zu tun.
Nicht wegen anderer Menschen.
Sondern weil man sich selbst damit unaufhaltsam zugrunde richtet. 
Zitat
Soll ich Dir mal was sagen, Grethe?
Das ist für mich einer der schlimmsten Zustände.
Wenn ich bei irgendwas resigniere, dann werde ich innerlich ganz traurig.
Klar ist mir das auch schon passiert, das ich resignierte, weil alles keinen Sinn mehr hatte.
Aber es ist mir das verhassteste Gefühl von allen.
Gar nichts mehr tun zu können, sondern nur noch zuschauen zu können.
Ich habe das mit meiner Mutter so erlebt...sie verschlechterte geradezu systematisch ihre Gesundheit (kein Alkohol oder andere Drogen) bis sie am Ende war.
Wir alle konnten dabei nur hilfelos zuschauen.
Alle Hilfsangebote, alles Reden schlug fehl.
Am Ende hatte ich auch resigniert. Und das war schrecklich für mich.
Ich möchte nicht resigniert sein, ich möchte viel lieber optimistisch in die Zukunft schauen können.
Solea schrieb Dir:
Zitat
Es hat lange gedauert, bis ich mich wirklich lösen konnte und es war, wie bei allen Abhängigen. Ich konnte erst loslassen, als dieser Wunsch tief in meinem Inneren gereift ist und
ich für mich den Entschluss fasste, auf mich zu schauen und meinen eigenen Weg vorwärts zu gehen, egal was er sagt oder tut oder nicht tut.
Mir ist es mal ähnlich bei einer unglücklichen Liebe gegangen.
Ich wollte mich lösen, schaffte es aber immer wieder nicht,
fiel immer wieder irgendwie zurück, lies mich auch wieder belabern und sonstwas.
Tief in mir arbeitete es aber trotzdem längst in Richtung Loslösung.
Und dann kam irgendwann der Tag, wo es mir wirklich 100% ernst war und dann konnte ich es endlich auch durchziehen.
Ich wünschte heute, ich hätte es viel eher getan.
Denn ich habe in dieser Zeit gelitten.
LG Sunshine