Hallo Jim,
erstmal bin ich weit über 1 Jahr nirgends hingegangen, wo Alk konsumiert wird. Und nirgends heisst auch wirklich nirgends.
Ich kannte damals weder die Grundbausteine noch besuchte ich eine SHG.
Mein Bauchgefühl sagte mir einfach, das ich in gewissen Kreisen nix mehr zu suchen habe.
Später war ich mal auf Feiern, wo ab irgendwann Alkohol getrunken wurde und dieses von Dir erwähnte Verhalten und das besoffende, sich dauernd wiederholende Geschwätz nervten micht nur noch.
Es war für mich wie die pure Zeitverschwendung, derweil hätte ich so schön auf meiner Couch liegen könnnen mit einem netten Buch oder ne Radtour machen oder meinem Hobby Fotografie frönen
oder oder oder... mir fielen gleich auch dem stehgreif mehrere Sachen ein, die ich viel lieber gemacht hätte.
Von daher gehe ich auf solche Feiern erst gar nicht mehr, es bringt mir nix. Bzw. mache ich es so, das ich dann nach dem Kaffeetrinken gehe.
Somit hat sich die Frage irgendwann von selbst erledigt, wie gehe ich mit solchen Feiern um, ich gehe damit gar nicht mehr um.
Mir ist ganz einfach meine Zeit zu schade geworden.
Könnte sein, das Deine ehemaligen Saufkumpels sich über Dich lustig machen. Das tun sie allerdings dann wohl eher deshalb, weil Du ihnen einen Spiegel vorhältst, das ein Leben auch ohne Alk möglich ist und das sogar sehr gut.
Da schaut kein aktiv Trinkender gern rein.
Da ist es einfacher, sich über den nun abstinent Lebenden lustig zu machen. Oder sie können mit Dir nix mehr anfangen, kann auch passieren. Oder Du wirst sogar zum "Störfaktor" mit Deiner Abstinenz.
Wenn Du das als negative Folgen betrachtest, ist Deine Sichtweise evtl. etwas verschoben.
Denn überlege mal, ob es toll ist, jemanden abzulehnen, der nicht mehr saufen will, weil er krank dadurch geworden ist.
Wer dann SO mit Dir umgeht, ist und war nie Dein Freund.
Von daher wäre es mir sogar recht, wenn die angeblichen "Freunde" schnell ihr wahres Gesicht zeigen, umso eher kann ich sie aussortieren.
Zur Offenheit bezüglich unserer Krankheit:
Warum ich zumindest dem Partner gegenüber zeitnah offen wäre, möchte ich hier nochmals aufgreifen, auch wenn Dich das jetzt nervt 
Du hast es ja selbst schon erwähnt, die beginnende Abstinenz macht was mit uns.
Es gibt reizbare Momente, dann manchmal auch euphorische, die Stimmung kann schnell mal kippen, das geht dann von himmelhochjauchzend bis zutodebetrübt.
Der Partner merkt sowas ja auch und macht in dümmsten Falll jede Achterbahnfahrt mit. Und sowas ist anstrengend und ist gar nicht nötig.
Und man stelle sich bitte selbst auch mal vor, ob man so als Partner übergangen werden möchte?
Ich würde das zumindest als sehr kränkend empfinden, wenn mein Partner sich da nicht mir anvertrauen könnte.
Desweiteren können auch Partner eine sehr gute Unterstützung sein.
Und es ist auch so, Partner fühlen sich manchmal eh schon ausgeschlossen, wenn beispielsweise der Erkrankte eine SHG besucht, eine Therapie macht etc.
Dann sollte man ihn doch von Rest nicht völlig ausschließen, das ist jedenfalls meine Meinung.
Das ein unwissender Partner einen auch unbewußt in Gefahr bringen kann, kommt noch dazu.
Mein Mann hat im übrigen nie an mir rumgeschnüffelt oder war anderweitig mißtrauisch, das ich wieder trinke.
Er hat mir einfach vertraut, und das nach allen Lügereien im Suff.
Er konnte das irgendwie, weil er ganz fest der Überzeugung war, das ich das schaffe.
Er (und ich) kannten allerdings auch nicht die hohen Rückfallquoten
aber das war vielleicht auch ganz gut so.
Ich bin von Anfang an offen mit meiner Krankheit umgegangen, das hat aber vielleicht auch mit meiner persönlichen Geschichte zu tun.
Ich wurde nicht irgendwie "heimlich" trocken, sondern ich kam mit dem RTW ins Krankenhaus. Kam dort sofort auf die Intensiv und wurde da entgiftet.
Dann irgendwann auf die normale Station, ich war insgesamt knapp 4 Wochen im KH. Es folge eine über 4 monatige Arbeitsunfähigkeit aufgrund meines Zustandes.
Sowas kann man schlecht "geheim" halten
und ich wollte das auch nicht.
Also sagte ich, das ich lieber, was los ist.
Denn ich wollte keinesfalls einen neuen Lebensabschnitt mit erneuten Lügen beginnen.
Ansonsten trage ich auch kein Schild auf der Stirn, wo "Trockene Alkoholikerin" drauf steht.
Wird mir beispielsweise beim Chinesen oder beim Griechen ein alkoholisches Getränk hingestellt, dann sage ich, das es bitte wieder mitgenommen wird, weil ich keinen Alkohol trinke.
Denen erzähle ich nu auch nich grad meine gesamte Lebensgeschichte und das ich trockene Alkoholikerin bin.
Ich sage es aber, wenn jemand intensiver nachfragt, beispielsweise WARUM ich keinen Alk trinke? Denn dann ist ja offensichtlich Interesse da.
Oder ich sage es auch recht zeitnah Menschen, wo ich merke, das ich in Zukunft öfters Zeit mit ihnen verbringen werde.
Das ergibt sich sehr oft durch mein Hobby, da lerne ich dauernd neue Leute kennen und daraus ergeben sich dann auch oftmals regelmäßige Treffen.
Da ist es mir dann schon wichtig, das sie das wissen.
LG Sunshine