Moin Andreas,
neee, ich weiß nicht, wer das Wort Demut inflationär benutzt. Aber is nu auch egal, wie man es nennt, es sind nur Begrifflichkeiten, wie Du schon schreibst. Wir wissen beide, was gemeint ist ![]()
Die Geschichte von Deinem Onkel ist sehr traurig
Dazu fällt mir ganz spontan etwas ein, was ein von mir sehr geschätzter Arzt und Autor in einem seiner Bücher über die Alkoholkrankheit schreibt. Mal mit eigenen Worten sinngemäß:
Es sind oft die besonders sensiblen, dünnhäutigen, einfühlsamen Menschen, die süchtig werden nach einem Suchtstoff. Voll abgebrühte Menschen trifft es viel weniger.
Es wird nach immer mehr gestrebt im Leben, immer mehr soll erreicht werden, der (oft auch selbstgemachte) Leistungsdruck wird immer höher.
Alkoholiker sind aber oftmals sehr feinfühlig und können auch durch die aggressiven Normalos in der heutigen Leistungsgesellschaft in die Sucht getrieben werden.
Es tut mal gut, sowas auch mal von einem Arzt zu hören, der in seinem speziellen medizinischen Bereich tagtäglich mit Alkoholkranken zu tun hat.
Denn Vorurteile vom dummen, versoffenen und rücksichtslosen Alkie halten sich immer noch hartnäckig.
Dabei ist oftmals das Gegenteil der Fall, Alkoholismus trifft besonders auch die feinfühligen und intelligenten Menschen!
Siehe eben auch Dein Onkel. ![]()
Ja, und dann führt eben die Krankheit dazu, versoffenen und rücksichtslos zu werden. Wir sind abhängig geworden, lügen unsere liebsten Menschen an und Logik ist in unserem Verhalten kein bisschen mehr erkennbar.
Das sind aber nur die typischen Symtome unserer Krankheit, wenn wir bereits abhängig sind. Also krankheitsbedingt "normal". Und da durchlaufen wir alle im Grunde den gleichen Weg.
Wir waren aber nicht immer versoffen, rücksichtslos etc.
Viele von uns waren vorher nämlich nur Menschen, die mit der heutigen Leistungsgesellschaft nicht klar kamen aufgrund ihrer Sensibilität.
Oder im Fall Deines Onkels dieses Hin-und-Hergeschubste in seinem Beruf. Er vorlor dadurch ja auch sein soziales Umfeld und am Ende sogar die Freundin
Das sind schwere traurige Einschnitte im Leben und er reagierte darauf mit einer Sucht.
Und da unsere Welt immer kälter wird, soziale Kontakte immer weniger werden, ja sogar Freundschaften werden mittlerweile übers internet "abgewickelt"
kann man wohl davon ausgehen, das Suchterkrankungen immer häufiger werden.
Da hilft dann am Ende auch alle Aufklärung nicht, wenn die Gesellschaft sich in dieser Richtung weiter entwickelt ![]()
Das wollte ich mal gern dazu angemerkt haben...
Von daher lasse ich es mir auch sicher nicht gefallen, mir Dummheit andichten zu lassen, nur weil ich alkoholkrank geworden bin. Denn oftmals ist das genaue Gegenteil der Fall.
LG Sunshine