Beiträge von Rattenschwanz

    Zitat von Esmiralda

    ... und wer trinkt schon Hochprozentiges zu Kaffee und Kuchen?

    Also, so paar Cognac oder Weinbrände zu Kaffee und Kuchen mussten auf Familienfeiern schon sein, das war normal ...

    Mit dem "nie wieder" - da geb ich "Seidenraupe" recht -, das ist ganz schlecht und klingt irgendwie endgültig und auch irgendwie bängstigend - mir gings jedenfalls so. Denk von Heute auf Morgen wenns um den Alk geht, das ist schon mal ganz schön viel. :)

    Wenn ich jemandem "auf die Füße getreten bin", bitte ich um Entschuldigung. Mir kam's halt so vor, wie ich's geschrieben habe. Und mich ärgert immer wieder dieses "Alleinstellungsmerkamal"- und nur die angebliche Richtigkeit Eures Weges. Obwohl den ja nun auch nicht alle Alkoholiker erfolgreich gehen. Aber gut und egal jetzt ...

    Übrigens Gestern war ich wieder Blutspenden und da gibts immer so ein kleines "Dankeschön". Mal ist es Fahrradwerkzeug, mal ne Wärmedecke für Verletzte, mal ... Gestern wars 'ne Flasche Sekt :roll: Ich habe mit Unverständniss reagiert und gefragt was so was soll. Auf der anderen Seite war auch Unverständniss vorhanden, ich hab's dabei belassen.

    Ich wünsch Euch einen guten Rutsch.

    Das hab ich mir gedacht, dass sich dieser „Kenneth N“ mit seinem Thread „Aller Anfang ist schwer“ nicht mehr meldet. Der hat ja auch sofort die „volle Breitseite“ abbekommen von wegen „Du willst ja gar ni aufhören“ und so. Ich hätte mich bei der Reaktion vielleicht auch nicht mehr gemeldet.

    Solche Momente kenne ich, in denen du vielleicht auch noch Alk drin hast und es k.otzt dich grad wieder mal an mit der Sauferei und du willst aufhören aber kein Mensch hört dir zu. Also suchst du dir ein Forum im Internet, das „hört“ dir zu und du bist froh, dass du erst mal alles loswerden kannst und schreibst und schreibst.. Du willst einfach nur mal Irgendjemandem was von deiner Situation erzählen, einfach nur mal wahrgenommen werden.

    Und was passiert, du bekommst von den „Trockenen“ mit einer – meiner Meinung nach – unvergleichbaren Arroganz durch die Blume „gesagt“, dass du ja wissen müsstest, dass du endlich ganz mit dem Alk aufhören sollst und ja wissen müsstest, dass es so wie du das praktizieren willst ja überhaupt nicht funktioniert, das weiß ja schließlich jeder. Das wollte der gar ni wissen, denk ich mal. Der wird als Mensch mit seinem seelischen Elend aber ni wahr-genommen sondern als „Opfer“. Der muss sich durchlesen – wenn er will – wie großartig wir uns doch alle auf dem Weg zur Trockenheit verhalten haben. Schade. (Vielleicht seh ich das auch verkehrt, ich lasse mich gerne belehren.)

    Der Großteil der Mitglieder dieser Community kommt mir manchmal vor wie die Wohnung eines ehemaligen Arbeitskollegen: Immer vorbildlich sauber und aufgeräumt. Unbewohnt.

    Zitat von silberkralle

    glück auf alle

    wieso glauben bzw. hoffen immer wieder intelligente menschen, dass ausgerechnet sie überleben, wenn sie von "der autobahnbrücke" hüpfen.
    ich will s wirklich verstehn :shock:

    Moin "silberkralle",

    ich kann ja nur von mir ausgehen. Also das war so, dass ich mir nie vorstellen konnte nie mehr in meinem Leben Alkohol zu trinken, das war für mich der Horror schlechthin. Deswegen konnte das auch nicht so laufen, wie die alten Trockenen das wollten oder empfohlen haben, sondern es musste einen Ausweg geben. Und da ich ja auch noch nicht wirklich die Einsicht hatte krank zu sein sondern immer noch und immer wieder mit dem Gedanken an einen starken Willen spielte, gabs eben viele Versuche „den Sprung von der Brücke“ zu überleben, weil ich ja der Meinung war, überleben zu können wenn ich nur will. Mit der Einsicht in die Krankheit wurde vieles besser, bei mir jedenfalls.

    Ist nicht irgendwie jeder Rückfall eine bewusste Entscheidung für die Krankheit?

    Wenn ich mir das jetzt so überlege, hab ich ja jedes Mal gewusst was kommt und mich trotzdem für den Alk entschieden. Natürlich (bei mir natürlich) immer mit dem Gedanken im Kopf ... oder immer damit, mir einzureden, vielleicht gehts ja gut.

    Zitat von atze der 23

    Hi.
    prima das du das machst,ich darf erstmal aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.Habe seit 1972 gespendet und es ging mir gut dabei.Noch ein Grund nüchtern zubleiben.
    ATZE

    Ja, das ist ein Grund und mir geht's auch gut dabei und ich bin blutwertemäßig bissl unter Kontrolle. Zum Glück hab ich - trotz reichlich Alk über all die Jahre - ''organisch'' gesund überlebt.

    Vorhin – beim Beitrag schreiben zu ''Tians'' Problemen - hab ich wieder gemerkt, wie mich das ankot.zt, dass ich nicht selbst bestimmen kann was in meinem Kopf passiert, dass die Sache mit dem Alk irgendwie außerhalb meines Einflussbereichs liegt, schade. Nicht, dass ich wieder saufen will aber ich hab gern alles – oder wenigstens mich – bissl unter Kontrolle. Kein Grund zur Panik. :lol:

    Ich kenne diese Anfangseuphorie, dieses ‘‘alles besser machen wollen‘‘, dieses ‘‘neue Wege um jeden Preis‘‘ gehen … und all dieses ‘‘auf einmal bin ich ein toller, neuer Mensch‘‘ – Gedöns (‘tschuldigung aber was anderes fällt mir dazu nicht ein) und ich weiß wohin das bei mir geführt hat. Was war ich auf einmal wieder für ein ‘‘ toller Hecht‘‘, wie verständnisvoll ich der Sucht gegenüber war, wie wunderschön war die Welt, weg waren all die Probleme … so verständnisvoll, so toll, so wunderschön, so weg, dass ich dem Alk ja nun auch noch in seine Fratze lachen konnte - dachte ich. Trotzdem wünsch ich dir alles Gute ''Tian'' und manchmal haben auch die ‘‘Vogellehrer‘‘ hier recht.

    Natürlich isses ‘ne Krankheit, wenn’s keine wär, dann hätteste ja jederzeit wenn du gewollt hättest, für immer und ohne Schwierigkeiten mit dem Saufen aufhören kön-nen, konnteste ja aber offensichtlich nicht. Oder wolltest du nicht? Na also. Ich kenne genug Menschen die saufen wie die Löcher können aber jederzeit ohne Entzugserscheinungen aufhören wenn sie wollen, die sind eben nicht alkoholkrank.

    Und wenn mich Ärzte bei meinem letzten Selbstversuch des kalten Entzuges nicht wieder von meinen Halluzinationen befreit- und sich auch danach nicht mehr um mich gekümmert hätten, dann hätte ich am letzten März 2012 das letzte Mal ein Eichhörnchen inmitten schwarzer Vögel gesehen.

    Ich will mal noch dazu schreiben, dass ich mich seit langer Zeit gegenüber der "Rückfallzeit" irgendwie viel sicherer in allem fühle - hoffentlich kommt das nicht wieder verkehrt an. Aber es hat sich- und ich habe so viel verändert und geändert, dass ich mich einfach "sauwohl" fühle.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass ohne Alk mit Freunden gefeiert wird, kein Alk im Haus ist u. s. w. Aber, ja aber, irgendwie komm ich do trotzdem - ob ich will oder nicht - mit Alk in Berührung. Übrigens: Feiern im Haus mit Alk und überhaupt Alk im Haus gibt's auch bei mir noch nicht sooo lange wieder.

    Zitat von Hartmut

    Du hattest doch schon Rückfälle, wieso meinst du das und sprichst nicht aus Erfahrung?

    Rückfälle fangen im Kopf an. Heißt aber nicht das es nur bewusst anfängt sondern, das weit aus unübersichtlicher, unbewusst . So wie ich dich lese und du das gar nicht wahrhaben möchtest und immer wieder dagegen strampelst :) ist ein absolutes alkoholfreies Umfeld, in den Anfangszeiten, mit am wichtigsten .

    Wenn da nichts passiert oder "man" macht sich etwas vor, das es nichts ausmacht, ist dieses immer nur eine Handbreit vom Alkohol weg .

    Gruß Hartmut

    "Meine Meinung" deshalb, weil's ja hier auch andere Meinungen gibt und natürlich habe ich mir meine Meinung anhand meiner Erfahrungen gebildet.

    Dass Rückfälle im Kopf anfangen - meine jedenfalls -, das habe ich ja geschrieben.

    Zum alkoholfreien Umfeld: Wo gibts das oder in welchem Umkreis? Mitten in der Taiga vielleicht aber doch nicht hier, wo mir der Alk an jeder Ecke hinterher geschmissen wird. Jetzt mal ehrlich, in D z. B. dem Alk immer und überall aus dem Weg zu gehen, das artet doch in Stress aus oder in Selbstvera.rschung. Ja gut, ich - ich ja nun nicht aber andere - kann ja auch zu Hause bleiben.

    Was ich Gestern ausdrücken wollte ist, dass der Rückfall – meiner Meinung nach – nicht plötzlich und unerwartet („der kleinste Anlass“) kommt, sondern im Kopf „von langer Hand“ vorbereitet wird. Bis dann endlich der Moment da ist, an dem es wieder losgehen kann. Endlich deshalb, weil die „Qualen“ im Kopf endlich aufhören – erstmal, bis die neuen anfangen – weil irgendwie ein Ziel erreicht ist, auf das der Kopf lange und schwer hin arbeiten musste. Dass das erreichte Ziel nicht gerade das erstrebenwerteste ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

    Ich weiß noch genau, wie das 2001/02 bei meiner ersten Langzeittherapie war. Schon in der Mitte – so ungefähr jedenfalls – ging das wieder los. Die Gedanken fingen langsam an um den Alk zu kreisen. Und das hat sich in den restlichen 2 Monaten hochgeschaukelt ohne Alk zu trinken, obwohl fast täglich – Ausgang - die Gelegenheit dazu da war. Und dort hab ich‘s verpasst darüber zu reden, obwohl wir ja jeden Tag darüber geredet haben. Wieder zu Hause kam der Knall (obwohl kein Alk im Haushalt war aber um die Ecke 3 Supermärkte und ‘ne „Tanke“) und ich hab gleich wieder „voll zugeschlagen“, endlich. Allein in der Wohnung, ge-schieden, finanziell ging‘s so, den Termin für den Beginn der Umschulung in der Tasche, niemandem Rechenschaft schuldig und Zeit und Alk. Also kein plötzlicher kleiner Anlass sondern der langsame, systematische Aufbau einer tiefen Freundschaft. Dass das am Ende nicht gut ging, das ist klar. Im Moment aber, da war‘s schön. Das Unangenehme war weg, für die erste Zeit jedenfalls, der Mensch ist eben auch Verdrängungskünstler.

    Ich weiß nun nicht, ob Erinnerungen an irgendwas besonders Besch.issenes im Leben ir-gendwann verblassen oder vergehen können oder das vielleicht auch ohne eigenen Willen einfach so passiert (Zurzeit ist alles noch sehr deutlich da.). Wenn ja, wären ja alle Wege für einen Rückfall offen...

    Vorhin hab ich gelesen: Es genügt ja schon ein kleiner Anlass, um mit dem Trinken wieder anzufangen (oder so ähnlich jedenfalls).

    Da bin ich anderer Meinung, wie soll‘s auch anders sein.

    Meine Meinung dazu ist, dass sich der Wiedereinstieg aus vielen kleinen Anlässen zusam-mensetzt. Ein kleiner Anlass genügt vielleicht um in der letzten Ecke im Kopf eine kleine Er-innerung zu wecken – so in der Art wie: Früher hätte ich mir einen eingegossen wenn mir das und das gelungen- oder auch nicht gelungen/passiert wäre, mach ich aber nicht mehr. Der Anlass, der kleine, der war da um daran zu denken und ist auch schon wieder weg und niemand redet darüber. Später – vielleicht viel später – wieder so ein kleiner Anlass der was auslöst, über den aber wieder nicht geredet wird – weil: Ist eh egal, mach ich nicht mehr. Anlass kommt zu Anlass, Gedanke zu Gedanke, nicht reden (oder schreiben zum Beispiel) zu nicht reden. Da entsteht vielleicht mit den Jahren ein regelrechter „Anlassstau“- vielleicht. Über die Zeit rede ich („ich“ jetzt mal als Beispiel) mir den „Anlassstau“ vielleicht auch noch schön aber nicht darüber. Ich bin nämlich – wieder vielleicht – auch noch stolz darauf, dass der „Anlasstau“ schon so lange da ist und ich nicht darüber gejammert habe, über den Stau. Ich glaube nicht, dass wenn beim kleinsten Anlass Alk zur Hand gewesen wäre – in der Nähe ist immer irgendwo Alk, ob ich will oder nicht – auch der Rückfall unbedingt da gewesen wäre. Nein, wahrscheinlich ist das Gegenteil der Fall, weil ich mit dem Nichttrinken doch wieder mal bewiesen hätte, dass ich doch im Grunde stark bin. Was ich damit ausdrücken will ist, dass – meiner Meinung nach - nicht der vielleicht im Keller stehende Alk oder ein kleiner Anlass der Anfang ist sondern vielleicht ein Sammelsurium an Unsinn im Kopf, das dort versteckt bleibt weil‘s entweder nicht raus gelassen wird – also nicht geredet. Oder weil’s jede Woche (irgendwie muss ich ja die Kurve kriegen :D ) gefüttert wird, in ‘ner Selbsthilfegruppe zum Beispiel. Wenn ich jede Woche eingeredet bekomme, wie gefährlich ich mit meinem kleinen Anlass im Kopf lebe, dann lass ich den irgendwann dort und sperre den ein, weil ich nicht will, dass mir was gefährlich werden könnte. Und dann hab ich Stress weil ich mich um jeden Tag und um den Mist im Kopf kümmern muss, der mir dort rein geredet wurde und nun dort Blödsinn macht.

    Mein persönliches Fazit: Wenn irgendwas im Kopf klick macht – und das macht’s offensicht-lich, sonst wär’s keine Krankheit sondern eine Willenssache – und sich der Hebel auf Saufen legt, dann kann ich‘s erst mal nicht ändern und brauch mich weder bei mir noch bei anderen darüber beschweren, da hilft mir keine Selbsthilfegruppe, Therapeut und kein Gott zu dem ich bete. Dann kann ich das nicht ändern! Brutal oder? Und dann ist es mir – und wahrscheinlich allen anderen Alkoholikern auch – egal, ob Alk im Haus, auf dem Jahrmarkt im Supermarkt oder sonst wo zu finden ist, ich besorg mir welchen. So ist das, traurig aber wahr.

    Bei mir – und nur von mir kann ich hier schreiben – ist der Auslöser dieses Sammelsurium im Kopf über das ich früher entweder nicht geredet habe oder ständig. Die „gesunde“ Balance hat gefehlt. Da wurde nicht gesoffen, weil der kleine Anlass da war sondern weil alle Anlässe plötzlich zusammen spielten. Da wurde gesoffen, weil ich mir irgendwelche Ziele einreden ließ und mir eingeredet habe, von denen ich wusste, dass das nicht meine Ziele sein können. Und dann (u. a.) war der große Katzenjammer da, wenn’s nicht funktioniert hat. Auch des-wegen: Kein anderer Mensch will ich werden, nur bissl anders denken vielleicht und reden wann und mit wem ich will und mir anhören/durchlesen was und vom wem ich das will. Und für mich ganz wichtig: Nicht andere müssen nur Rücksicht auf mich nehmen, ich auch auf andere. Und das alles für meine innere Zufriedenheit, ohne irgendwas nach außen darstellen zu wollen/müssen, was ich nicht bin und bissl Rücksicht auch für die Zufriedenheit der ande-ren.

    Und deswegen ist mir das egal, ob Alk im Haus ist oder ob meine Freunde bei ‘ner Party Alk trinken, ich muss ja nicht mittrinken oder im Supermarkt ‘ne Flasche aus dem Regal reißen. Wenn ich das mache, dann liegt‘s garantiert nicht an dem Vorhandensein von Alk.

    Ob das alles nun jetzt einigermaßen verständlich war, das weiß ich nicht aber ihr könnt mich ja fragen. Vielen Dank für‘s lesen.

    Zitat von Kaleu


    Fühlst Dich in SHG und/oder Forum nicht wohl, schau mal ob Du irgendwo 'ne Suchtberatung hast. Viele grössere Städte bieten das für Umme an. Ich geh bis heute gern mal, da kann ich im geschlossenen Rahmen reden und ich hab das große Glück eine Beraterin zu haben, die zuhört und nicht an mir rumdoktern will.

    So kann ich immer mal was aufarbeiten und selbst entscheiden wann's mal wieder Zeit dafür ist, ohne Druck oder Zwang.

    Ich empfinde das als sehr lohnenswert.

    Bei der Suchtberatung (Diakonie) bin ich gewesen, das war in Ordnung, da konnte ich Termine machen wenn mir so war und die dort natürlich Zeit hatte, da iss niemand gesprungen weil dem ''Rattenschwanz'' grad mal so war also keine falsche Rücksichtnahme. Die gute Frau hat mir nicht ständig irgendwelche Vorschriften gemacht. Leider ist sie verzogen und mit den anderen dort konnte ich ni, na ja.

    Was den Führerschein angeht, zieh ich jetzt erst mal den Abstinenznachweis durch und dann gehts weiter. Ich hätte das Ding gelassen wo es ist, wenn ich ni plötzlich Bock auf Motorrad bekommen hätte.

    Das ist ja ni so, dass ich mir hier ni wohl fühle, ich lasse mich ungern kontrollieren.

    Paar Gedanken, die ich mir grad gemacht habe:

    Und dieses ganze irgendwelchen hausgemachten ‘‘gefährlichen‘‘ Situationen aus dem Weg zu gehen, zeigt doch nur eins: Der Alkohol bestimmt weiterhin mein Leben. Der Alkohol bestimmt welche Freunde ich haben darf und welche nicht. Zu welchen Feiern ich gehen darf und zu welchen nicht. Wo ich einkaufen darf und wo nicht … Das ganze weitere Leben – jede Sekunde – bestimmt der Alkohol wenn ich mir ständig Gedanken machen soll, wo ich Alkohol aus dem Weg gehen muss. Was entsteht? Wieder irgendein Zwang dem ich unterliegen soll/muss. Was passiert im schlimmsten Fall? Ich bin der Sache nicht mehr gewachsen, bin enttäuscht über mich und …gehe zur Selbsthilfegruppe. Nee eben nicht, ich hol mir irgendwo ne Pulle weil ich der Selbsthilfegruppe nämlich auch nicht mehr erzählen will, dass ich schon wieder von mir enttäuscht bin oder mir die perfekten Selbsthilfegruppenmitglieder sagen, dass das alles ni so schlimm ist und schon wieder wird. Oder so ähnlich. Und nun schreibe mir bitte kein Mensch, dass er mit einem Leben das ständig vom Alk fremdbestimmt wird (immer in ‘‘Hab acht Stellung‘‘) zufrieden ist.

    Aber das wird uns ja so eingeredet, dass wir unser Leben total auf Vorsicht ausrich-ten und völlig umkrempeln müssen. Aus meiner Sicht absoluter Unsinn. Zu dem Kraftakt der Erkenntnis ohne Alk leben zu müssen wenn das Leben weiter gehen soll – das ist nun erst mal so ehe das ohne Alk leben gewollt wird – kommt nun noch die Aufforderung alles in seinem Leben zu ändern. Da isses doch kein Wunder, wenn der Alki rumrennt wie ein Griesgram. Kopf runter und ‘ne Fresse ziehen, hinter jeder Ecke lauert ein anderer Feind. Das geht doch während der Therapie schon los, dass der Alkoholiker wie ein kleines Kind behandelt wird – Leipzig war‘s jedenfalls so. Das hat mir ja noch ganz gut gefallen, damals hab ich nicht darüber nachgedacht. Das war schön, weg vom Alk und 4 Monate von vorn bis hinten „bemuttelt“ ohne irgendwelchen Schwierigkeiten ausgesetzt zu sein. Aber wir wollen doch auch alleine überlebensfähig sein – ich jedenfalls. Das ist doch mit der Ehrlichkeit auch so ein Ding, da hauste den Leuten/Freunden irgendwelche – deiner Meinung nach – ehrlichen Dinge an den Kopp, dann gucken die dich/mich erst blöd- und dann nicht mehr an. Und darauf soll ich stolz sein? Gut, such ich mir andere Freunde. Solche, die mir sagen wie toll ich doch in meinem abstinenten Lebensverbesserungswahn bin. Solche, die immer und überall Rücksicht auf mich nehmen, mir immer nach dem Mund reden, weil ich ja keine Probleme haben soll wegen Alk – aha, da isser wieder der Feind – und so. Nee, das gefällt mir ni.

    Dass was geändert werden muss, ist klar nur was wirklich wichtig ist, das weiß ich noch ni – ja, das weiß ich immer noch ni. Für mich war wichtig, dass ich nach zig Jahren endlich mal meine private Situation mit meiner Ex-Frau geklärt habe, dass finanziell alles wieder in geordneten Bahnen läuft und dass ich meine Arbeit habe. Und da waren schon drei Sachen im Lot, bei denen ich vor Verzweiflung immer zur Flasche gegriffen habe. Klar, um das zu ändern musste ich schon mal länger nüch-tern sein um auch ernst genommen zu werden. Mein Freizeitverhalten hat sich da-hingehend nicht geändert, als dass ich immer noch mache, wozu ich Lust habe. Das waren vor drei Jahren noch andere Dinge – na ja so viel anders auch nicht – als jetzt aber nichts Erzwungenes, was für Alkoholiker ‘‘schick‘‘ ist. So wie: Ich lese ab jetzt in der Bibel zum Beispiel (wer das brauch solls machen). Ich lebe viel stressfreier ohne diese alten Probleme und da schaffe ich mir doch keine neuen mit aufgezwängten Feinden.

    So, das reicht jetzt erst mal. Nen schönen Tag wünsch ich euch noch.