Vorhin hab ich gelesen: Es genügt ja schon ein kleiner Anlass, um mit dem Trinken wieder anzufangen (oder so ähnlich jedenfalls).
Da bin ich anderer Meinung, wie soll‘s auch anders sein.
Meine Meinung dazu ist, dass sich der Wiedereinstieg aus vielen kleinen Anlässen zusam-mensetzt. Ein kleiner Anlass genügt vielleicht um in der letzten Ecke im Kopf eine kleine Er-innerung zu wecken – so in der Art wie: Früher hätte ich mir einen eingegossen wenn mir das und das gelungen- oder auch nicht gelungen/passiert wäre, mach ich aber nicht mehr. Der Anlass, der kleine, der war da um daran zu denken und ist auch schon wieder weg und niemand redet darüber. Später – vielleicht viel später – wieder so ein kleiner Anlass der was auslöst, über den aber wieder nicht geredet wird – weil: Ist eh egal, mach ich nicht mehr. Anlass kommt zu Anlass, Gedanke zu Gedanke, nicht reden (oder schreiben zum Beispiel) zu nicht reden. Da entsteht vielleicht mit den Jahren ein regelrechter „Anlassstau“- vielleicht. Über die Zeit rede ich („ich“ jetzt mal als Beispiel) mir den „Anlassstau“ vielleicht auch noch schön aber nicht darüber. Ich bin nämlich – wieder vielleicht – auch noch stolz darauf, dass der „Anlasstau“ schon so lange da ist und ich nicht darüber gejammert habe, über den Stau. Ich glaube nicht, dass wenn beim kleinsten Anlass Alk zur Hand gewesen wäre – in der Nähe ist immer irgendwo Alk, ob ich will oder nicht – auch der Rückfall unbedingt da gewesen wäre. Nein, wahrscheinlich ist das Gegenteil der Fall, weil ich mit dem Nichttrinken doch wieder mal bewiesen hätte, dass ich doch im Grunde stark bin. Was ich damit ausdrücken will ist, dass – meiner Meinung nach - nicht der vielleicht im Keller stehende Alk oder ein kleiner Anlass der Anfang ist sondern vielleicht ein Sammelsurium an Unsinn im Kopf, das dort versteckt bleibt weil‘s entweder nicht raus gelassen wird – also nicht geredet. Oder weil’s jede Woche (irgendwie muss ich ja die Kurve kriegen
) gefüttert wird, in ‘ner Selbsthilfegruppe zum Beispiel. Wenn ich jede Woche eingeredet bekomme, wie gefährlich ich mit meinem kleinen Anlass im Kopf lebe, dann lass ich den irgendwann dort und sperre den ein, weil ich nicht will, dass mir was gefährlich werden könnte. Und dann hab ich Stress weil ich mich um jeden Tag und um den Mist im Kopf kümmern muss, der mir dort rein geredet wurde und nun dort Blödsinn macht.
Mein persönliches Fazit: Wenn irgendwas im Kopf klick macht – und das macht’s offensicht-lich, sonst wär’s keine Krankheit sondern eine Willenssache – und sich der Hebel auf Saufen legt, dann kann ich‘s erst mal nicht ändern und brauch mich weder bei mir noch bei anderen darüber beschweren, da hilft mir keine Selbsthilfegruppe, Therapeut und kein Gott zu dem ich bete. Dann kann ich das nicht ändern! Brutal oder? Und dann ist es mir – und wahrscheinlich allen anderen Alkoholikern auch – egal, ob Alk im Haus, auf dem Jahrmarkt im Supermarkt oder sonst wo zu finden ist, ich besorg mir welchen. So ist das, traurig aber wahr.
Bei mir – und nur von mir kann ich hier schreiben – ist der Auslöser dieses Sammelsurium im Kopf über das ich früher entweder nicht geredet habe oder ständig. Die „gesunde“ Balance hat gefehlt. Da wurde nicht gesoffen, weil der kleine Anlass da war sondern weil alle Anlässe plötzlich zusammen spielten. Da wurde gesoffen, weil ich mir irgendwelche Ziele einreden ließ und mir eingeredet habe, von denen ich wusste, dass das nicht meine Ziele sein können. Und dann (u. a.) war der große Katzenjammer da, wenn’s nicht funktioniert hat. Auch des-wegen: Kein anderer Mensch will ich werden, nur bissl anders denken vielleicht und reden wann und mit wem ich will und mir anhören/durchlesen was und vom wem ich das will. Und für mich ganz wichtig: Nicht andere müssen nur Rücksicht auf mich nehmen, ich auch auf andere. Und das alles für meine innere Zufriedenheit, ohne irgendwas nach außen darstellen zu wollen/müssen, was ich nicht bin und bissl Rücksicht auch für die Zufriedenheit der ande-ren.
Und deswegen ist mir das egal, ob Alk im Haus ist oder ob meine Freunde bei ‘ner Party Alk trinken, ich muss ja nicht mittrinken oder im Supermarkt ‘ne Flasche aus dem Regal reißen. Wenn ich das mache, dann liegt‘s garantiert nicht an dem Vorhandensein von Alk.
Ob das alles nun jetzt einigermaßen verständlich war, das weiß ich nicht aber ihr könnt mich ja fragen. Vielen Dank für‘s lesen.