Guten Abend,
Penta , Dich habe ich ganz überlesen bei meiner letzten Antwort. Sorry, typisch Marco, schnell und hektisch überall drüber lesen. 
Da könnte was dran sein, dass ich mich gerade wegen der 24/7 Beschäftigung mit mir und der Sucht so abgekämpft bin. Vielleicht sollte ich nicht alles auseinandernehmen.
Zitat von Prusselliese
Das andere war die fehlende Entspannung. Da hapert es bei uns mMn gewaltig. Im Gegensatz zu "Gesunden" haben wir keine Mechanismen die anspringen oder bedient werd[en können, um uns runterzufahren. Vielleicht sind sie auch einfach nur verkümmert oder im Laufe der Zeit abgesoffen *haha* Wir haben uns externe "Entspannung" gesucht. Dass wir jetzt nicht sofort und augenblicklich diese fehlenden Mechanismen aufbauen können ist doch klar. Da dürfen wir uns gleich mal in Geduld und Gelassenheit üben.......
So, uns nun hoffe ich, dass diese Sätze ankommen......
Ich habe auch schon festgestellt und auch in der Gruppe formuliert, dass ich das Gefühl habe, entspannt sein verlernt zu haben. Das kann natürlich nach Jahren des Saufens und Drogenkonsums einfach so wieder zu einem zurück kommen. Ich denke das ist ein Prozess.
Ich gehe einmal wöchentlich zu einer realen SHG. Das ist ein guter Rythmus für mich.
Gestern war ich zusätzlich beim vorletzten Termin bevor mein Therapie Antrag an die Rentenkasse geht. Habe dort auch mit meiner Therapeutin gesprochen und habe Ihr gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass die Sucht sich gerade wieder verstärkt meldet nach den ersten richtig guten 7 Wochen. Sie meinte auch, das wäre ganz normal und da muss ich beharrlich bleiben. Ich würde Erfolge erzielen, aber das dauert halt einfach. Und ich solle den Kopf nicht hängen lassen, das wird sich alles verbessern, sonst würden ja alle trockenen Alkoholiker wieder anfangen zu saufen, wenn es so ein Krampf bleiben würde.
Also bestätigt sich meine Theorie, dass es einfach eine Frage der Zeit ist die richtigen Gedanken und Verhaltensänderungen auch wirklich zu verinnerlichen. Ich stelle mir das dann so vor, dass die Sucht noch mal ein paar Gedankengänge anschmeisst, die mir sagen: "Hey jetzt mach doch keinen Scheiss Marco! DU hast ja schon 2 Monate nix getrunken, Du kannst es und jetzt lass den Quatsch und gib mir hier mal ne ordentliche Dröhnung!!"
Da darf ich einfach nur nicht drauf eingehen und mit der Zeit werden die positiven Seiten des trocken Seins einfach überwiegen. So stelle ich mir das vor, dass es abläuft.
Zitat von Lena40
Am Anfang meines Weges in die Trockenheit habe ich das ähnlich gesehen und empfunden. Das hat mir oft zu schaffen gemacht und ich fühlte mich oft wie ohnmächtig. Ich konnte erst in meiner LZT einen Perspektivwechsel einnehmen. Dafür bin ich heute noch dankbar, denn dadurch ist vieles leichter geworden. In der Therapie ist mir klar geworden, das ich, als ich noch am trinken war, einen ständigen Kampf mit dem Alkohol geführt habe und diesen Kampf konnte ich nicht gewinnen. Der Alkohol war immer stärker als ich und trotzdem habe ich es immer wieder versucht und rutschte immer stärker in die Abhängigkeit. Diesen Teufelskreis kennen sicher viele hier.
Doch ich war fest entschlossen mich aus dieser Abhängigkeit zu befreien und trocken zu werden. Und in der Therapie war an einem Tag "Kapitulation" vor dem Alkohol ein Thema. Da wurde viel und durchaus kontrovers diskutiert, die Meinungen gingen weit auseinander. Doch für mich war das DIE Lösung. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll....aber daran hatte ich noch nie gedacht....vor dem Alkohol kapitulieren, mich geschlagen geben und damit auch (endlich) den Kampf aufgeben....
Ich konnte für mich akzeptieren, das ich, wenn ich weiter versuche gegen ihn zu kämpfen, immer wieder verlieren würde. Ich habe also den Kampf aufgegeben, ich habe vor dem Alkohol kapituliert und seitdem fühle ich mich frei. Ich kann meine Energie in meine Trockenheitsarbeit stecken, ich habe den Kopf endlich frei dafür....ich lasse den Alkohol nicht mehr in mein Leben, ich gehe den Weg der Risikominimierung und ich richte mich nach den Grundbausteinen....und das klappt seit über 2 Jahren sehr gut.
Vielleicht kannst du damit etwas anfangen....
Liebe Grüße, Lena 
Hallo Lena,
damit kann ich etwas anfangen. Ein Bekannter ist seit 2004 trocken und hat auch von der Kapitulation erzählt und wie unheimlich Ihm das geholfen hat.
Ich bin aber gerade mal bei Woche 9, meiner persönlichen Schallmauer wie es scheint. Es ist noch zu früh, als dass ich den wahren Sinn dieser Worte erfassen kann. Es wird sicher noch eine Zeit dauern bis ich an den Punkt komme, um diese Kapitulation wirklich zu verstehen.
Für mich heisst es jetzt erstmal die Gruppe weiterhin Montags zu besuchen bis mein Antrag wieder zurück ist. Hoffentlich mit der Kostenzusage für eine ambulante Therapie. Ich merke schon, dass meine Gedanken, auch gerade durch die vielen Tipps und Anregungen hier aus dem Forum in die richtige Richtung laufen. 
Wenn alles klappt kann ich dann einmal die Woche zur Therapie Gruppe und einmal die Woche zum Einzelgespräch. Zusätzlich lese ich ja eh täglich im Forum und habe so eine gute Mischung für mich gefunden.
Falls keine ambulante genehmigt wird, muss ich ernsthaft überlegen was ich tue. Eine stationäre ist im Moment sehr sehr ungünstig für mich, weil ich beruflich gut eingespannt bin und ein Leistungsträger in einer wirtschaftlich angeschlagenen Firma bin. Der Arbeitgeber weiss nicht Bescheid. Dann würde ich eher weiterhin Gruppen besuchen.
Mal was anderes; mein persönlicher Plan ist mich die kommenden 2 Jahre intensiv mit der Sucht auseinanderzusetzen und dann mal schauen wie weit ich dann gekommen bin. Ich würde natürlich anstreben nicht mehr wöchentlich eine Gruppe zu besuchen, sondern je nach Bedarf. Aber das ist noch weit weg, ich weiss. Ich frage mich nur, ob das realistisch ist, oder sollte ich so etwas besser gleich vergessen?
Ich möchte ja irgendwann auch mal einen Monat haben, in dem ich kaum mit der Sucht in mir in Berührung komme. Ich weiss auch, dass ich ein Leben lang süchtig bin. Trotzdem mag ich den Gedanken, auch mal Zeiten ganz ohne direkte Konfrontation haben zu können.
So da bin ich mal gespannt! 
Schönen Abend erstmal!!!!
Gruss
Marco