Ab und zu finde ich im Netz eine Reportage über meine Krankheit, Alkoholismus, und manchmal stelle ich sie hier auch ein. Ich bin jetzt ein paar Jahre trocken und lerne immer noch mehr über meine Suchterkrankung.
Manchmal ist es auch schmerzhaft. Manches kann ich mir auch nicht ansehen, zu schmerzhaft ist es. Gerade wenn es darum geht, wie Kinder unter der Sucht ihrer Eltern leiden. Das hätte mein Kind sein können. In einigen Szenen ist es mein Kind. War ich diese Mutter. Das ist auch weiterhin für mich sehr schwer auszuhalten. Aber macht mich auch wieder einmal sehr dankbar, dass ich aufhören konnte, dankbar und auch demütig, (das schwierige Wort), demütig, weil ich mir nicht sicher bin, warum oder wie ich es vor ungefähr fünf Jahren geschafft habe, mit dem Trinken aufzuhören und mein Leben zu ändern. Ich sehe es als eine Mischung aus eigenen Entscheidungen, die ich getroffen habe, aber auch ein Stück ... weiß nicht ... Glück? ... etwas, das die Veränderung ermöglichte, stabilisierte, zusätzlich zu meiner bewussten Handlung. Schwer in Worte zu fassen. Jedenfalls entsteht daraus dieses besondere Gefühl der Dankbarkeit.
Warum ich aber eigentlich heute schreibe: Gestern sah ich eine Reportage aus 2017, glaube ich, vom NDR, in der ein älterer, alleinstehender Alkoholiker bei seiner Entgiftung und anschließenden Entwöhnungstherapie begleitet wurde. Es kamen auch weitere ältere alkoholkranke Menschen zu Wort. Bei allen spielte Einsamkeit eine Rolle. Als „Grund“, zu trinken, aber auch generell als Auslöser von Traurigkeit bis zur Depression.
Das bestätigte meine Wahrnehmung, dass ich auch deshalb trocken und zufrieden leben kann jetzt, weil ich nicht einsam bin. Weil ich in den vergangenen knapp fünf Jahren Verbindung hergestellt habe zu anderen Menschen, Alkoholikern und nicht-Alkoholikern, zum Beispiel über dieses Forum, auch über meine Selbsthilfegruppe, und einfach, indem ich mich mehr und mehr getraut habe, Menschen an mich heranzulassen. Mich zu zeigen. Und (ganz wichtig,) auch versuche, andere Menschen wirklich zu sehen, in ihrem Sein, das anders ist als meins. Und doch manchmal gleich tickt (und wie beglückend ist das!).
Ich brauche sehr viel Zeit für mich allein, so bin ich einfach. Ich brauche das, um immer wieder den Kontakt auch zu mir selbst herzustellen.
Aber ich fühle mich jetzt seit Jahren schon nicht mehr einsam. In Kontakt sein mit mir und anderen. So einfach. Und offenbar doch nicht, denn ich konnte es so lange nicht. Aus Angst.
Viele Grüße an dieser Stelle auch an Hans im Glück, der seinen fünften Trockengeburtstag sicherlich bereits hinter sich hat.
Thalia