Beiträge von Thalia1913

    Liebe Dafina,

    vielleicht hast du ja auch Lust, dich - zusätzlich zum Forum - einer Angehörigengruppe anzuschließen. Diese ambivalenten Gefühle, die du hast, und die auch Aurora beschrieben hat, verstehen am besten andere Angehörige von Suchtkranken. Hier und auch im "analogen" Leben.

    Viele Grüße und alles Gute!

    Thalia

    Hallo Stricken und herzlich Willkommen hier im Offenen Bereich unseres Forums.

    Magst noch ein bisschen mehr erzählen?

    Was hast du bisher unternommen, um ein trockenes Leben zu beginnen?

    Unsere Grundbausteine kennst du ja vielleicht schon:

    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…echternheit.php

    Hast du zum Beispiel ein alkoholfreies Umfeld? Das war für mich am Anfang besonders wichtig. Ach, was red ich, das ist es heute noch.

    Ich wünsche dir hier einen guten, hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Hull,

    Danke für das Diskussionsthema.

    Ich hab für mich festgestellt, dass es für meine Gesundheit wichtig ist, dass ich an mir dranbleibe. Und das tägliche "ins-Forum-gucken" war für mich lange so eine Art Absicherung, dass ich dran bleibe. Anfangs (also die ersten ein zwei Jahre nach Beginn meiner aktuellen Abstinenz) waren sehr oft noch unangenehme Erinnerungen und Gefühle dabei. Das hat sich mit der Zeit gewandelt. Für mich war der Weg des Wegdrückens nicht der Richtige (glaube ich), sondern der des Hindurchgehens.
    Also ist für mich die tägliche Erinnerung daran, dass ich Alkoholikerin bin, nur eine andere Form der Erinnerung, dass es wichtig ist, dass ich mich wichtig genug nehme, um für mich zu sorgen. Und dass das kein Selbstläufer ist, auch nicht nach drei, vier oder mehr Jahren.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Vio,

    herzlich willkommen hier im Forum. Sich hier mit anderen Abhängigen und co-Abhängigen auszutauschen ist ein guter Weg, die eigene Trockenheit zu stabilisieren. Und sich auch nicht so alleine zu fühlen, denn das sind wir nicht. Hier findest du - wenn auch virtuell - viele andere, die auch ihre Alkoholsucht erkannt haben und trocken leben wollen.

    Hast du dich hier schon mal ein bisschen umgeguckt? Hier gibt's viel zu lesen. Ich bin jetzt dreieinhalb Jahre hier und finde immer noch Neues.

    Gerade auch zur Adventszeit gibt es gute Tipps, um das Rückfallrisiko zu reduzieren.

    Du schreibst, du kämpfst hart, um trocken zu bleiben. Was meinst du damit genau? Wenn du magst, schreib doch noch ein wenig mehr von dir und wie du dein trockenes Leben (im Gegensatz zu deiner nassen Zeit) gestaltest.

    Viele Grüße
    Thalia

    Heute feiere ich meinen vierten Trockengeburtstag. Vor vier Jahren habe ich (zum zweiten Mal) aufgehört zu trinken. Seltsam ist, dass ich mich an die ersten trockenen Tage und Wochen gar nicht mehr im Detail erinnern kann. Ich bin mir sicher, dass ich Suchtdruck hatte, denn ich war vorher eine Spiegeltrinkerin und habe es keinen Tag ohne Alkohol ausgehalten. Noch nicht mal einen Vormittag. Ich war bei meiner Hausärztin, weil ich Angst vor dem Entzug hatte, gerade vor dem psychischen. Meine Ärztin war sehr überrascht, dass ich Trinkerin war. Als ich ging, rief sie mich noch einmal zurück, schloss die Tür des Behandlungszimmers und gratulierte mir mit Handschlag und sagte, sie bewundere meinen Mut, mich ihr gegenüber zu offenbaren. Da ich zu dem Zeitpunkt ein seelisches Häufchen Elend war, voller Selbstverachtung und Schuldgefühlen und Scham und Angst, war diese Reaktion meiner Ärztin etwas ganz Besonderes für mich, und ich bin bis heute dankbar, wenn ich daran zurückdenke.

    Ich glaube, die Tatsache, dass ich einem Menschen gegenüber laut ausgesprochen habe, dass ich die Kontrolle über den Alkohol verloren hatte (mein inneres Eingeständnis, Alkoholikerin zu sein, kam tatsächlich erst später) war einer der entscheidenden Punkte, die mir am Anfang halfen, Tag für Tag trocken zu bleiben. Denn am Anfang geht es um Tag für Tag.

    Ich bin so froh, dass ich jetzt, vier Jahre später, immer noch trocken und mir selbst soviel näher bin als jemals zuvor in meinem Leben.

    Trockenheit ist nicht alles, aber ohne Trockenheit ist alles nichts.
    Nur nicht trinken reicht nicht.
    Tun muss man tun.

    Danke dafür.
    Thalia

    Liebe Eklisee,

    was ist denn "normaler Liebeskummer"? Ist das nicht all das, was du beschreibst? Kummer, Schmerz, weil das, worauf man (du, ich) vertraut hat, sich verlassen hat, weg ist? Und dann auch noch, weil der andere die Entscheidung getroffen hat. Und du merkst, dass er wirklich ein anderer ist, nicht Teil von dir irgendwie. Das ist für mich so schwer zu akzeptieren, dass ich den anderen nicht verstehe, obwohl ich doch geglaubt habe, ihm so nah zu sein, und das ist dann vielleicht der "co-abhängige" Anteil in mir (in dir?), dass dann doch immer wieder so eine unbewusste Verschmelzung stattfindet.

    Ich glaube, du machst das richtig, indem du tanzen gehst und Dinge machst, die dir Freude machen. Vielleicht kannst du ja sogar zu der Party gehen, wenn du dir eine Vertraute mitnimmst, die weiß, wie es dir derzeit geht.
    Und indem du redest und dich über deine Gefühle austauscht. Und dadurch verarbeitest. Zeit und Abstand hilft ja erfahrungsgemäß. Und wenn du merkst, dass das nicht reicht, gibt es ja auch die Möglichkeit, dich therapeutisch unterstützen zu lassen. Auch wenn du XY nicht mehr hast, musst du nicht alleine alles tragen.

    Ganz liebe Grüße
    Thalia

    Hallo Cadda,

    es freut mich richtig, das zu lesen. Ich empfinde dieses intensive Gefühl der Befreiung auch heute noch, und insofern habe ich mir wohl Teile der "Anfangseuphorie" erhalten. ;)

    Dass es natürlich Gründe gegeben hat, warum ich überhaupt Alkohol benutzt habe, also psychische Gründe, das zeigt sich dann, wenn ich längere Zeit nüchtern bin, und dann beginnt die Arbeit. Du fängst ja schon an, indem du wahrnimmst, wie du dich fühlst. Und untersuchst, welche Funktion der Alkohol bei dir hatte.

    Ich wünsch dir auch ein schönes Wochenende.

    Thalia

    Hallo Cadda,

    ich glaube auch nicht, dass das Schreiben hier vergeblich ist oder vertane Mühe. Wie du denke ich, dass hier vielleicht jemand liest, der genau im richtigen Moment das richtige liest, um sich in die Trockenheit aufzumachen. Außerdem sortiert das Schreiben auch die schon länger Trockenen. Ich schreibe hier ja auch nicht aus Selbstlosigkeit, sondern als Teil meiner eigenen Trockenarbeit, die ich auch Gesundheitsfürsorge nennen könnte.

    Ich wünsch dir morgen einen guten Start in die neue Woche.

    Hast du bei dir vor Ort schon einmal - als Ergänzung zum Forum - nach (anderen) Selbsthilfegruppen geschaut? Vielleicht gibt's auch eine in der Suchtberatungsstelle.

    Mir schrieb am Anfang mal Katharsis, als "harter Fall" (nicht wegen hartem Alkohol, sondern wegen hartnäckiger Selbstbetrügerei) könnte ich davon profitieren.

    Die Träume werden sich bestimmt verändern. Aber auch ich träume noch in Abständen vom Trinken oder Getrunken haben, und das zeigt mir, wie tief das Trauma sitzt.

    Viele Grüße
    Thalia

    Klasse, Cadda, elf Tage, weiter so.

    Ist es richtig, dass du den Termin in der Suchtberatung erst nächsten Freitag hast?

    Ich glaube auch, dass sie dir wegen einer Therapie gut weiterhelfen können, denn es wäre ja sinnvoll, dass der Psychotherapeut auch Suchttherapeut ist.

    Dir auch ein schönes Wochenende. Wie beugst du vor, falls du Suchtdruck bekommst?

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Biene,

    wie geht es dir inzwischen?

    Bitte entschuldige meine späte Antwort. Ja, ich habe mich in der Bemühung, die anderen (meinen Partner, eigentlich die ganze Welt) unter Kontrolle zu halten (damit er/sie lieb zu mir ist) auch selbst verloren. Und dann noch ein zweites Mal durch meine Alkoholabhängigkeit, beides hängt bei mir eng zusammen.

    Meine "offenen Sinne" für die Befindlichkeiten der Menschen, die mich umgeben, hatte ich immer schon (soweit ich mich an mich erinnern kann). Was davon Veranlagung ist und was auf die Familienkonstellation in der Kindheit zurückzuführen ist, ist für mich mittlerweile zweitrangig. Durchs Verstehen wird es letztlich auch nicht anders (auch wenn ich das gerne glauben mag).

    Du schreibst von Bedürfnissen. Die sind ein wichtiger Hinweis für dich. Wenn ich weiß, woran es mir mangelt, dann kann ich mich daran machen, diesen Mangel zu stillen. Ich! Nicht mein Partner, ich.
    Herauszufinden, was ich wirklich (!) brauche, das ist nicht leicht, finde ich.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Sany,

    auch von mir herzlich willkommen hier und Glückwunsch zu deinem Entschluss, ohne Alkohol zu leben.

    Ich kann auch vieles von dem, was du schreibst, sehr gut nachvollziehen. Mir ging es auch in ähnlichen Stressituationen anfangs wie dir mit den Gedanken an Wein als Reaktion. Mir hat da akut immer ein großes Glas Sprudelwasser geholfen. Und solche Situationen kann ich benutzen, um mich zu fragen, was mir in dem Moment wirklich fehlt. Damit komme ich mir auf die Schliche .. was brauche ich, das ich nicht habe.

    Das führte und führt dann nach und nach bei mir zu kleineren und größeren Veränderungen, die mir mein Leben lebbarer machen.

    Wenn es dir heute weiterhin nicht gut geht, geh mal lieber zum Arzt. Du bist ja jetzt noch in der Entzugsphase.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier!

    Thalia

    Hallo Fuzzi und herzlich Willkommen.

    Schön, dass du dich hier mit uns austauschen willst. Mir ist der Austausch mit anderen Menschen und das dadurch angeregte und angereicherte Nachdenken über mich selbst sehr wichtig geworden, um auf mich zu achten und dadurch auch meine Trockenheit wichtig zu nehmen.


    Wie ist es zum Rückfall gekommen? Ich schließ mich da Correns' Gedanken an.

    Hattest du im April eine Entwöhnungstherapie oder so etwas gemacht?

    Grüsse
    Thalia

    Hallo Biene,
    herzlich willkommen.

    Ich glaube, manche von uns - und gerade wir Kinder von psychisch kranken Eltern - haben sehr starke Antennen entwickelt, was die Befindlichkeiten unseres Umfeldes angeht. Und auch trainiert, die Verantwortung dafür zu übernehmen. So haben wir versucht ...stop, ich red mal lieber von mir statt von "wir", also: so habe ich versucht, irgendwie Einfluss zu nehmen, Kontrolle zu bekommen über die Unkontrollierbarkeit, Unberechenbarkeit. Das ist ein Muster, das ganz schön tief sitzt.

    Gerade, wenn du auch von Hochsensibilität sprichst, dann weißt du ja, was ich meine.

    Ich habe es nicht innerhalb meiner Beziehung geschafft, mich davon soweit frei zu machen, dass es mir besser ging. (Und bei meinem Partner spielte noch nicht mal Alkohol eine Rolle!)

    Ich glaube, dieses ungesunde aufeinander bezogen sein (denn das läuft ja in beiden Richtungen) kann man durchbrechen, aber es ist schwer, weil es mit soviel negativen Gefühlen (Schuldgefühlen, Angst vor Einsamkeit etc.) einher geht.

    Hast du schon mal über eine Psychotherapie nachgedacht?

    Viele Grüße
    Thalia

    Guten Morgen Kamarasow,

    Mir ging es sehr ähnlich wie dir. Es ist eine Herausforderung, jetzt - trocken - mit uns selbst umzugehen, ohne das Nervengift Alkohol.
    Und so wie bei dir sind Gelassenheit und Entspannung für mich zentrale Wegmarkierungen geworden. Ich nenn meine Akzeptanz.
    Mir ist mittlerweile der Austausch mit Menschen ein wichtiges Mittel geworden, meine Psyche zu sortieren und im Gespräch, oder beim Schreiben, zu mir zu finden. Nach Möglichkeit Menschen, die meine (Gedanken)runden mit mir drehen. Da hab ich einige hier im Forum gefunden und auch einige Freunde hier in der analogen Welt sowie meine reale Selbsthilfegruppe. Ich weiß, einige meiner trockenen Freunde haben auch eine Psychotherapie begonnen.
    Hast du um dich Menschen, denen du deine "Runden" mitteilen kannst und von denen du dich verstanden fühlst?

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!

    Thalia

    Hallo Hull,

    Ich bin seit Ende 2013 trocken. Im (wachen) Alltag habe ich nie den Gedanken, Alkohol zu trinken. Aber in unregelmäßigen Abständen spielt das bei mir im Traum eine Rolle. Entweder bin ich im Traum wieder "nass" und versuche es zu verbergen, oder ich finde leere Flaschen und weiß, ich muss getrunken haben, ohne mich daran erinnern zu können. Manchmal ist es im Traum ein ganz schreckliches Gefühl, manchmal ist es auch ganz "normal".

    Ich glaub, mein psychischer "Schaden" sitzt so tief, dass das noch eine Weile - auch in Träumen - verarbeitet werden will. Ich nehm es auch manchmal zum Anlass zu gucken, ob ich gerade im wachen Alltag irgendwo stark über meine Grenzen gehe. Insofern ist es auch ein Hilfsmittel für mich.

    Wie ist es denn bei dir?

    Gruß
    Thalia

    Liebe Eklisee,

    Zitat

    er meint ich würde bei ihm eingehen auf Dauer...


    Das fiel mir auf.
    Ich finde, einiges klingt so, als würde sich da einiges vermischen. Wieso lässt er nicht dich entscheiden, ob du "eingehen" würdest oder nicht.

    Ihr habt euch ausgesprochen, zweimal, und du hast klare Worte gefunden, und ...

    Zitat

    Ich habe gehofft, nachdem wir gegenseitig wissen, wo es bei dem anderen herkommt, dass er so oder so tickt, dass wir da einen Umgang finden. Das kann er nicht...will er nicht. Er nennt es verbiegen

    Wer müsste sich verbiegen ... er?

    Für mich klingt es so, als wolle er nicht klar beim Namen nennen, was er will und kann, oder eben nicht.

    Es tut mir sehr leid, dass du jetzt diese erneute Krise durchlebst. Ich wünsch dir Kraft, und gute Gesprächspartner für dich, die dir helfen, dich selbst zu sortieren. Ich schicke ganz herzliche Grüße!

    Thalia

    Hallo und danke für die bisherigen unterschiedlichen und interessanten Beiträge.

    Wenn ich zu dem Bild mit dem Pulverfass hinzufüge, dass es nicht "einfach so" explodiert, sondern ich es (das Streichholz) in der Hand habe, kann ich es für mich auch anwenden. Aber wie siehts mit dem Partner des trockenen (!) Alkoholikers aus. Der oder die muss doch letztlich Vertrauen lernen (wachsen lassen), dass der Partner nicht mit dem offenen Feuer spielt.

    Ich glaube auch, dass das viel Zeit und/oder viel Reden und sich einander Öffnen erfordert. Sind hier Partner von länger trockenen Alkoholikern, die dieses Vertrauen wieder aufbauen konnten, und könnt ihr in Worte fassen, wie das ging?

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende ins Forum.

    Thalia