Heute feiere ich meinen vierten Trockengeburtstag. Vor vier Jahren habe ich (zum zweiten Mal) aufgehört zu trinken. Seltsam ist, dass ich mich an die ersten trockenen Tage und Wochen gar nicht mehr im Detail erinnern kann. Ich bin mir sicher, dass ich Suchtdruck hatte, denn ich war vorher eine Spiegeltrinkerin und habe es keinen Tag ohne Alkohol ausgehalten. Noch nicht mal einen Vormittag. Ich war bei meiner Hausärztin, weil ich Angst vor dem Entzug hatte, gerade vor dem psychischen. Meine Ärztin war sehr überrascht, dass ich Trinkerin war. Als ich ging, rief sie mich noch einmal zurück, schloss die Tür des Behandlungszimmers und gratulierte mir mit Handschlag und sagte, sie bewundere meinen Mut, mich ihr gegenüber zu offenbaren. Da ich zu dem Zeitpunkt ein seelisches Häufchen Elend war, voller Selbstverachtung und Schuldgefühlen und Scham und Angst, war diese Reaktion meiner Ärztin etwas ganz Besonderes für mich, und ich bin bis heute dankbar, wenn ich daran zurückdenke.
Ich glaube, die Tatsache, dass ich einem Menschen gegenüber laut ausgesprochen habe, dass ich die Kontrolle über den Alkohol verloren hatte (mein inneres Eingeständnis, Alkoholikerin zu sein, kam tatsächlich erst später) war einer der entscheidenden Punkte, die mir am Anfang halfen, Tag für Tag trocken zu bleiben. Denn am Anfang geht es um Tag für Tag.
Ich bin so froh, dass ich jetzt, vier Jahre später, immer noch trocken und mir selbst soviel näher bin als jemals zuvor in meinem Leben.
Trockenheit ist nicht alles, aber ohne Trockenheit ist alles nichts.
Nur nicht trinken reicht nicht.
Tun muss man tun.
Danke dafür.
Thalia