Beiträge von Thalia1913

    Hallo,

    ich würde, angeregt durch den Beitrag von Hull bei Martina, gerne etwas zur Diskussion stellen, bzw. die Frage an alle richten.

    Zitat von Hull

    Wie kommt es denn eigentlich, dass man sich nicht als Alkoholiker erkennt oder erkennen will? Ist es nicht offensichtlich?

    Wer hat Lust, dazu was aus seiner/ihrer Erfahrung zu schreiben?

    (Ich mach das auch noch, wenn ich später mehr Zeit habe...)

    Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    Zitat

    Ist es Dir denn noch nicht so ergangen, das Du mit jemandem gar nicht kommunizieren wolltest?


    Doch, auf jeden Fall.

    Zitat

    In jedem Fall ziehe ich ein ruhiges miteinander (!) Schweigen dem aufgezwungenen Dialog ohne Inhalt vor.

    Das geht mir auch so.

    Als ich mal in einer Therapiegruppe war, konnte ich mit einer Teilnehmerin der Gruppe so gar nichts anfangen. Mithilfe meiner Therapeutin bin ich dann der Sache auf den Grund gegangen, was da bei mir gerade stattfindet. Was durch diese Person in mir ausgelöst wird. Das hat nicht unbedingt bedeutet, dass ich hinterher die Frau besonders sympathisch fand, aber ich hab durch ihre Anwesenheit in der Gruppe was über mich gelernt. Insofern ist es manchmal da besonders interessant (und hilfreich), wo es besonders unangenehm piekt.

    Dir ein hoffentlich angenehmes Osterwochenende.

    Gruß, Thalia

    Hallo Slowly,

    ich freue mich, von dir zu lesen. Bei mir nicht, glaube ich (das Gähnen). Auf jeden Fall wünsche ich dir zum baldigen 5. Trockengeburtstag alles Gute und noch weiterhin ein hoffentlich schönes Frühjahr.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    Zitat von Martina02

    Nanu. Diesen Eindruck hatte ich nun gar nicht von Dir. Ich fand, das Du sehr verständig formulierst und ich kam zu der Meinung, das Du auf Dich aufpasst:

    - ob Dir Texte anderer gut tun, oder sie dich verwirren könnten.
    - oder Du Deine Prioritäten für Dich vorerst woanders setzt.

    Ich kann mich ja täuschen.

    Doch, ja. Ich glaube, ich gucke darauf, ob mir Texte anderer hilfreich sind. Und danach setze ich auch meine Prioritäten. Unter anderem. Worin glaubst du dich (womöglich) zu täuschen? Da verstehe ich wieder etwas nicht.

    Das meinte ich. Ich verstehe nicht immer, worauf du hinaus willst. Es ist, als fehle mir ein Stück aus der Kommunikation. (Und nicht immer ist es mir dann wichtig genug, nachzufragen.)

    Zitat von Martina

    Oh Thalia, dem kann ich so nicht zustimmen!
    Ich selbst habe es über Jahre hinter mir, wie ich nach diversen Vorkomnissen (Mobbing, abwerten, Lügen verbreiten, ignorieren,irre machen u.a.)
    keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte und auch keine Worte mehr fand. Ich möchte nicht näher ins Detail gehen.
    Es gibt natürlich Menschen und Situationen in die sie geraten können, wo sie sich nicht äußern können wie sie es möchten.


    Du schreibst, Kommunikation klappt nicht immer und nicht in jeder Konstellation. Find ich auch. Bin aber der Meinung das es sich in einigen Kostellationen ändern kann.

    Viele Grüße :)

    Du scheinst sehr schlechte Erfahrungen mit Kommunikation gemacht zu haben. Das tut mir leid.
    Ich glaube, wie ich schon schrieb, dass Kommunikation eines der wichtigsten Mittel ist, die wir haben, weil es Verbindung herstellt.

    Worin stimmst du mir nicht zu? Dass es gelingen kann, diese Verbindung herzustellen, wenn man sich Mühe gibt? Ja, vermutlich gelingt es nicht immer. Aber zumindest habe ich dann in dem Versuch, mit jemand anders zu kommunizieren, mit mir kommuniziert. Und wer weiß, wo, wie und bei wem das ankommt.

    Würdest du sagen, deine Art zu kommunizieren hat sich in der Zeit deiner Trockenheit verändert? Wie?

    Grüße,
    Thalia

    Hallo Baghira,

    ich finde interessant, dass du beschreibst, was "sich verändert hat", nachdem ich dich gefragt habe, was "du verändert hast."

    Versteh mich nicht falsch, es freut mich, dass sich positive Entwicklungen zeigen, aber meine Frage zielte bewusst darauf, was du aktiv verändert hast, außer nichts mehr zu trinken. Hattest du schon mal geguckt, was in den "Grundbausteinen" steht, die dir Martin verlinkt hat?

    Viele Grüße
    Thalia

    Liebe Baghira,

    Herzlich willkommen hier und meine Hochachtung, hier so früh nach deinem Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören, schon so ehrlich und offen schreiben zu können. Das ist ganz viel wert.

    Ich finde meine eigene Geschichte in vielem von dem, was du schreibst, wieder. Auch ich habe "heimlich" getrunken, auch ähnliche Mengen.

    Und auch ich konnte mir in der ersten Zeit noch nicht vorstellen, nie wieder ein "schönes Glas Wein" zu trinken. Sehr lange sogar. Es gibt nun einmal auch kein Schalter, der sich umlegt, von "nass" auf "trocken". Es ist ein Prozess, und die Kunst ist es gerade am Anfang, dem Prozess die Chance zu geben, indem du Tag für Tag, einen nach dem anderen, abstinent bleibst. Und dich mit der Krankheit, die du hast, die ich habe, auseinandersetzt.

    Mir hat geholfen, darüber zu lesen. Erfahrungsberichte hier im Forum, aber auch Bücher. Für mich war auch wichtig, gegenüber meiner Ärztin offen zu sein. Du glaubst gar nicht, welchen Unterschied das macht, wenn du diesen Schritt gehst und sagst - es ist so, ich bin krank, alkoholkrank.

    Das mir selbst gegenüber wirklich einzugestehen hat übrigens viele viele Monate gedauert, nachdem ich schon aufgehört hatte.

    Wie gesagt, ich seh mich in dir gespiegelt und bin dir dankbar, dass du deine Geschichte hier erzählst, und ich würde mich freuen, weiterhin hier von dir zu lesen.

    Erzähl mal, wenn du magst, was du in den letzten 12 Tagen noch verändert hast, ausser nicht zu trinken.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Hull,

    willkommen. Und danke für deine ausführliche Vorstellung.

    Eine - wenn auch leicht andere - Ausprägung von Hochsensitivität habe ich auch. Auch ich habe einen Zusammenhang mit meinem Trinken hergestellt. Ich war allerdings Spiegeltrinkerin und kann dir daher leider nicht mit eigenen Erfahrungen eines "Wochenendalkoholikers" dienen, weiß aber von anderen trockenen Alkoholikern, dass es da spezifische andere Schwierigkeiten gibt, eine dauerhaft stabile Trockenheit zu erreichen.

    Auch mit deiner Persönlichkeitsstörung habe keine eigene Erfahrung. Bist du deshalb in die irgendeiner Form von Therapie?
    Ich könnte mir vorstellen, dass es wichtig und hilfreich für dich sein könnte, deinen Alkoholismus im Zusammenhang mit deiner Persönlichkeitsstörung professionell behandeln zu lassen. Eventuell greifen bei dir andere Dinge als bei Alkoholikern ohne die Psychopathie.

    Du schreibst, du bist offen für Fragen und beteiligst dich gern an einer Diskussion.

    Was würdest du denn gerne diskutieren?

    Und würdest du sagen, dass das Vermeiden von Langeweile eine deiner Hauptmotivationen darstellt?

    Grüße,
    Thalia

    Hallo Martina,

    Zitat

    Ja, mir ist aufgefallen, das Du klare und deutliche Worte bevorzugst.

    Ich weiß gar nicht, ob das so ist. Dass ich sie bevorzuge. Ich verstehe sie oft nur besser. Aber in meinem Kopf ist es oft sehr verschwommen und wenig klar und eindeutig, und daher wundert (und freut) mich deine Wahrnehmung.

    Zitat

    Mir ist sehr wichtig, das ich hier primär für mich schreibe und nicht zur Unterhaltung anderer.
    Manchmal hab ich einfach Erlebnisse aufgeschrieben - vielleicht unbewusst alternativ zum Suchtdruck.
    Warum sollte ich das auch nicht tun?


    Das habe ich auch schon öfter getan – geschrieben, um mir selber über etwas klar zu werden. Oder um es einfach nur in Worte zu fassen. Es gibt keinen Grund, warum du das nicht „tun solltest“, im Gegenteil, wenn du feststellst, dass das ein gutes Mittel ist, dich mit dir selbst auseinanderzusetzen, ist das doch super.

    Zitat

    Auch da wurde ich nicht immer verstanden, was ich nicht schlimm finde. Nur ist es dann nicht verwunderlich, wenn viele hier nicht mehr weiterschreiben. Das muss ja Gründe haben. Wird wohl nicht immer nur der Alk(Rückfall) sein.
    Wahrscheinlich irgend eine Kombi aus Nicht klar sein, sich unverstanden fühlen, Verzweiflung, kein Bock und anderen Problemen.

    Naja, wenn jemand es möchte, findet er oder sie meistens einen Mittelweg bzw. eine Ausdrucksweise, die einen Dialog ermöglicht. Du hast ja auch einen Dialog hier gefunden. Kommunikation ist ja immer das Schaffen von Verbindung, und das klappt halt nicht immer und nicht in jeder Konstellation.

    Aber ich gebe dir recht, dass sich die Ausdruckweise im Laufe der Trockenheit womöglich ändert – analog zum Denken, das sich glücklicherweise auch ändert. Bei mir war es bestimmt so. Und ist so. Ich finde das sehr interessant, darüber nachzudenken. Vielleicht mache ich dazu mal einen separaten Thread auf.

    Danke dir und hab einen guten Tag!
    Thalia

    Hallo Kamarasow,

    ich kenn das auch. Mir hilft definitiv, mit Leuten meine sonnige Freizeit zu verbringen, die Eis und Limo konsumieren bei schönem Wetter. Ansonsten selber immer Mineralwasser dabei zu haben. Und, so wie du es auch tust, aufmerksam zu sein. Und mich wieder stärker mit der Sucht beschäftigen, vielleicht (nochmal) ein Buch lesen oder Gespräche mit anderen Trockenen führen. Hier schreiben.

    Und im Hinterkopf immer das Vertrauen, dass es besser wird und das Suchtgedächtnis mehr in den Hintergrund tritt, je länger ich zufrieden trocken bin. So ist nämlich meine Erfahrung.

    Was macht deine Bewerbung?

    Viele Grüße
    Thalia

    Moin Freddy,

    vielen Dank, dass du das alles hier so schonungslos aufschreibst. Ich kann davon viel für mich "mitnehmen", so unterschiedlich unsere Situationen auch sind. Die Sucht und die daraus entstehenden Gefühle sind ja doch ähnlich.

    Wenn du heute das Theaterstück deine Tochter ansiehst, bedeutet ihr das bestimmt viel. Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern. Ich hab auch immer noch mit Schuldgefühlen und Scham zu tun, obwohl ich ja weiß, dass viel von dem, wie ich mich verhalten habe, durch meine Suchterkrankung so war, und ich deshalb nicht "schuldig" bin, sondern krank. Aber dennoch war vieles schlimm und hat anderen Menschen Leid zugefügt. Und das darf mir auch sehr leid tun.

    Ich finde das ganz und gar nicht leicht, für mich zu klären, wofür ich mich verantwortlich halte und wofür ich aufgrund der Suchterkrankung gar nicht verantwortlich sein kann. Daran arbeite ich auch nach wie vor.

    Klar ist mir nur, dass ich die Krankheit gestoppt habe und daher für mein Handeln heute die Verantwortung trage und auch tragen kann. Auch meinen Mitmenschen, meinem Kind gegenüber. Was ich heute tue, zählt. Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern.

    Einen schönen Tag dir heute!

    Thalia

    Noch ein Alkoholiker an den Folgen seiner (meiner) Krankheit gestorben. Dieser Alkoholiker hat bis zum Schluss nicht glauben können, dass die Krankheit wirklich stärker ist als er.
    Gibt es den Punkt, an dem ein Stop, eine Umkehr nicht mehr möglich ist?

    Ich bin erschüttert heute, und traurig, und habe das Gefühl, ich habe in einen Spiegel geschaut, der mir meine Zukunft zeigt. Eine mögliche Zukunft, die immer noch möglich ist.
    Auch hierfür dient Selbsthilfe, auch wenn's grausam ist. Zu sehen, zu erfahren, wie die Krankheit Leben zerstört, und letztlich beendet, ohne letztlich alle Erfahrungen selbst machen zu müssen, um was zu begreifen.

    Thalia

    Hallo Martina,

    ich lese schon (das meiste) bei dir, nur kann ich nicht immer deiner Schreibweise folgen und habe dann vielleicht auch keine rechte Lust, nachzufragen. Vielleicht kam daher dein Eindruck, dass der Austausch (mit mir) abreisst.

    Mir gefällt, was du Calida geschrieben hast - du bist jetzt stabiler als vorher und noch nicht so stabil wie später. Stimmt so auch für mich. Wenn ich am Ball bleib und auf mich aufpasse.

    Bei mir hat es etwa anderthalb trockene Jahre gedauert (plus minus ein paar Monate), bis die Vorstellung, doch irgendwann mal wieder das Glas Wein am Mittelmeer (oder sonstwo) zu trinken, ganz und gar verschwunden war.

    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das Trockenwerden weiterhin so linear in eine Richtung verläuft.

    Spürst du bei dir eine Veränderung? Wie lange bist du jetzt schon komplett abstinent?

    Zum Thema Würde: Ja, ich glaube, es hat mit der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu tun. Und indem ich meine Krankheit annehme, kann ich langsam wieder beginnen, mich selbst zu respektieren. Ganz. Ohne ständig etwas auszublenden. Und kann mich ganz langsam von den Schuldgefühlen verabschieden, die Teil meiner Krankheit sind. Geht ganz langsam bei mir. Aber es bewegt sich.

    Grüße,
    Thalia

    Hallo Martina,

    warum gehst du davon aus, dass ich den Beitrag nicht lese? Das verstehe ich nicht.

    Danke für deine Nachfrage, warum ich aufgehört habe zu trinken. Ich hatte das Gefühl, sonst alles zu verlieren. Ich hatte eine Riesenangst davor, was passieren würde, wenn ich nicht aufhören würde.

    Gegen die Erkenntnis, alkoholabhängig zu sein, habe ich mich innerlich sehr lange gewehrt. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, wenn ich das nicht zugebe, also auch nicht vor mir selber, dann behalte ich einen letzten Rest ... Würde oder so?

    Dabei war es genau anders herum.
    Das konnte ich aber erst nüchtern erkennen. Daher sehe ich es durchaus ein wenig anders als andere hier. Also nicht als Meinung, sondern als meine Erfahrung.

    Wenn du dazu weitere Fragen an mich hast, kannst du mich gerne fragen.

    Viele Grüße und dir morgen einen trockenen, zufriedenen Tag.

    Thalia

    Hallo Marius,

    das klingt richtig gut, was du schreibst.

    Ansonsten: hab Geduld und lass die Dinge (dich selbst) sich verändern. Die Veränderung, das Trockenwerden, geht ja immer weiter. Ich hab mich zum Beispiel erst nach anderthalb abstinenten Jahren bei einer realen SHG angemeldet, die mir mittlerweile wirklich wichtig geworden ist. Aber ganz am Anfang konnte ich es mir noch nicht vorstellen. Das musste sich erst entwickeln.

    Ein schönes Wochenende!
    Thalia

    Hallo Freddy,

    das ist ja nicht schön, dass du dich so wenig ernstgenommen fühlstest von dem Gutachter. Dass du das nicht - so als "Opfer" - auf sich beruhen lassen willst, find ich eine gute, gesunde Reaktion, und dass du deine Sozialarbeiterin bei dem Termin dabei hattest, umso besser.

    Mit deiner Entscheidung für ein trockenes Leben hat das aber doch nichts zu tun, wie ich es sehe, oder? Dir werden ja nicht "Steine in den Weg gelegt", weil/obwohl/("wenn man"), du dich für ein trockenes Leben entschieden hast. Das sind zwei paar Schuh, oder verstehe ich da was falsch?

    Viele Grüße und gute Erholung! Was machst du, um dich jetzt zu entspannen?

    Thalia

    Hallo Freddy,

    ich habe deinen erschütternden und erschreckenden Bericht gelesen. Du hast schwere Zeiten durchgemacht.

    Ich wünsche dir für deinen Termin morgen alles Gute!

    Ich glaube dir, dass es schwer ist, manches zu ertragen. Eins fällt mir hierzu jedoch ein: Wenn du nüchtern bist, musst du manches auch nicht ertragen. Weil du nur nüchtern die Möglichkeit hast, Dinge (dein Leben) mitzugestalten.

    Viele Grüße
    Thalia

    Lieber Matthias,

    mir wirst du fehlen, und dem Forum mit Sicherheit mindestens so doll. Ich danke dir sehr für viele Anstöße, die du gegeben hast, und für das Beispiel, dass du vorgelebt hast mit deiner klaren, kompromisslosen, aber auch herzlich-humorvollen Art, deine Trockenheit zu leben.

    Ich wünsch dir alles Gute und dass sich deine Probleme lösen lassen.

    Viele herzliche Grüße
    Thalia