Beiträge von Thalia1913

    Vielen Dank für die Rückmeldungen, darüber freue ich mich!

    PB, das könnte eine wichtiger Schlüssel sein: dass du für dich entschieden hast, ohne Druck von außen.

    Ich konnte auch erst trocken werden, als ich meine Lebenssituation so verändert hatte, dass ich meine Eigenverantwortung wieder spüren konnte.

    Barthell, stimmt, das passt!

    PB, Barthell, Matthias und allen, die vorbeischauen, einen guten Start in ein erholsames, trockenes Wochenende.

    Viele Grüße
    Thalia

    Ich kenne jemanden, der drei Tage nach Beendigung seiner teilstationären dreimonatigen Entwöhnungsbehandlung in einer Tagesklinik wieder rückfällig geworden ist. Er ist bereits körperlich schwer geschädigt vom Alkohol und wird wohl nicht mehr allzu lange überleben.

    Er kann nach wie vor nicht kapitulieren. Er kann nicht aufhören wollen.

    Nicht wollen zu können, daran erinnere ich mich auch noch. Ich bin so froh, dass ich es irgendwie geschafft habe, nicht mehr trinken zu wollen.

    Das ist der Klick, und wenn er nicht da ist, dann wird es sehr sehr schwer. Dann entscheidet sich jemand aus Vernunftgründen, aus Liebe, aus Angst, was weiß ich, nicht mehr zu trinken. Aber es bleibt die Hintertür offen, und dann bleibt es ein Kampf, mal mit Saufdruck, mal ohne, aber es bleibt ein Kampf.

    Wie lernt man - wie habt ihr es geschafft (die es können) - trocken leben zu wollen?

    Ich sehe in meinen beiden Selbsthilfegruppen Leute, denen ich sagen möchte, wie es geht. Aber ich weiß es selbst nicht.

    Sieh zu, dass du trocken bleibst, bis du auch wirklich trocken bleiben willst. So irgendwie. Nur leider ist das Trockenbleiben bis zu diesem Punkt echt schwer.

    Es ist wichtig, den Klick in sich zu suchen. Bei mir hat am meisten geholfen, mich ganz viel mit dem Thema zu beschäftigen. Hier und woanders ganz viel zu lesen. Und auch zu fragen und schreiben. Insofern habe ich wohl auch etwas dafür getan, dass ich jetzt trocken leben wollen kann. Aber darüber hinaus empfinde ich es auch als eine Art Gnade, die mir zuteil wird, und jetzt verstehe ich auch erst das Wort der Demut, das mir hier und anderswo in diesem Zusammenhang immer wieder begegnet ist.

    Viele Grüße,

    Thalia

    Thema: Erfahrungen, Tipps und Fragen rund um die Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker

    Hallo,

    ich war noch nie ein besonders leidenschaftlicher Weihnachtsmarktgänger, aber ich erinnere mich an den November/Dezember 2013, als ich ganz frisch trocken war, und dass die Adventszeit besondere Hürden für viele frisch Abstinente bereit halten kann. Und so denke ich mir: Lasst uns doch mal berichten (diejenigen, die bereits Erfahrungen haben) oder fragen (diejenigen, die von den Erfahrungen profitieren wollen), was so anfallen kann in den kommenden Wochen.

    Ich habe meine Firmenweihnachtsfeier im ersten Winter meiner Trockenheit tatsächlich ausfallen lassen. Ich hatte Angst, dass ich zur Abmilderung der Anspannung, die solche Veranstaltungen für mich immer bedeuten, etwas trinken würde. Denn das war vorher mein Muster: soziale Unsicherheit wegtrinken. Bei mir war es also gar nicht der Verzicht auf’s ausgiebige „Feiern mit Alkohol“, sondern der Wegfall des „sozialen Schmiermittels“.
    Ich habe mich krank gemeldet am Tag der Weihnachtsfeier.

    Ich würde mich freuen, wenn dieser Thread für einen Austausch rund ums Thema „Adventszeit für frisch trockene Alkoholiker“ genutzt würde, und werde auch selber noch mal nachdenken, was ich aus meiner Erfahrung für wichtig halte.

    Allen einen schönen Tag!

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Burkhardt,

    herzlich willkommen hier im Forum. Schön, dass du hergefunden hast.

    Mir hilft das Lesen und Schreiben sehr, zufrieden und trocken zu sein und zu bleiben.

    Hast du nach Beendigung des Entzuges noch eine anschließende Maßnahme, z.B. Entwöhnungstherapie?

    Wie gestaltest du deinen Alltag - hast du Änderungen vorgenommen?

    Kennst du unsere Grundbausteine schon? Die enthalten wertvolle Tips und Erfahrungen.

    Viele Grüße, und ich wünsche dir hier einen guten Austausch!

    Thalia

    Hallo Kamarasow,

    finde ich super, wie du dich reflektierst.

    Ich habe es auch so gemacht, dass ich versucht habe, einfach sehr aufmerksam mir selbst gegenüber zu sein. Und das wird nach und nach auch selbstverständlicher und automatischer, und das Gespür für mich selbst ist feiner geworden, so dass ich manche Belastung heute bereits im Vorfeld umwandeln kann, die ich zu nassen Zeiten gar nicht als solche erkannt habe.

    Weiter so, ich freue mich, weiter von dir zu lesen.

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    Du fragst: "Ist es für Alkoholiker wichtig, sich immer weiter mit ihrer Krankheit zu beschäftigen? Warum?"

    Ich kann dir nur eine für mich gültige Antwort geben. (Für die wissenschaftliche Antwort wäre dann ein Arzt /Suchtmediziner zuständig.)

    Für mich formuliere ich die Sache so: Da ich eine Suchterkrankung habe (die unheilbare psychische Erkrankung ist), deren Stillstand davon abhängt, dass ich nicht "vergesse", dass ich süchtig bin, ist es für mich wichtig, das Bewusstsein darüber lebendig zu halten und nicht zu verdrängen, sondern es allmählich zu integrieren, so dass es selbstverständlich zu mir gehört, Teil meines Selbstverständnisses wird.

    Das ist das eine. Das andere ist dies: da meine Suchterkrankung eben nicht nur körperlich ("Schalter" im Hirn ist dauerhaft kaputt), sondern psychisch ist, ist es für mich wichtig, mich mit meiner Psyche zu beschäftigen, mich selber nach und nach besser zu erkennen und anzunehmen, da hier für mich die Ursache dafür liegt, überhaupt Alkoholmissbrauch betrieben zu haben.

    Daher würde ich den Satz deines Arztes für mich so formulieren:
    Für mich ist es wichtig, mich ein Leben lang mit mir selbst zu beschäftigen, mit dem Ziel, in Kontakt mir mir selbst zu kommen, mich mit mir selbst anzufreunden, mit allem, was mich ausmacht, inklusive meiner Alkoholerkrankung. Das ist für mich der Schlüssel zur Zufriedenheit (zu innerem Frieden) und dieser innere Frieden ist für mich der Schlüssel zu allem anderen.

    Das ist meine sehr persönliche Antwort auf deine Frage. Vielleicht magst du sie aber auch nochmal in einem neuen, separaten Thread stellen, damit noch mehr Antworten kommen, auch von Leuten, die vielleicht deinen (Alb)Traum-Thread nicht lesen.

    Ich wünsch dir heute einen schönen Tag!

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Antje,

    dann wünsche ich dir und deiner Tochter mal baldige gute Besserung!

    Das mit der Therapie lässt sich etwas schleppend an - am Anfang stehen Formalitäten, lässt sich wohl nicht ändern. Aber dann geht es ja erst noch "richtig" los mit den therapeutischen Gesprächen. Findet das bei einer Suchtberatungsstelle statt?

    Ich wünsch dir ein hoffentlich trotz Krankheit schönes Wochenende.

    Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    du schriebst:

    Zitat

    Du meinst Du siehst den Alkohol in Deinen Träumen symbolisch für etwas anderes was Dir in diesem Moment fehlt

    - oder siehst, das im Alltag irgendwie hintenrum eine versuchte Verführung zum Alkohol ins Unterbewußtsein schlich?

    Kann beides sein.

    Manchmal sehe ich tatsächlich klarer, was mir (tagsüber) fehlt, wenn ich mich an meine nächtlichen Träume erinnere.

    Ich träumte vor einiger Zeit, dass ich Flaschen verschwinden lassen müsste. Ich hatte im Traum wohl getrunken (obwohl ich das Trinken selber nicht träumte), und stand vor der Situation, leere Flaschen entsorgen zu müssen. Damit ja keiner mitbekommt, dass ich getrunken habe.

    Also eine ganz ähnliche Situation, wie sie mir in meinem wirklichen, nassen Leben passiert sein könnte bzw. so oder ähnlich oft passiert ist. Vielleicht ist der Traum einfach eine Art Erinnerung, denn, wie schon geschrieben wurde, wir haben ja alle mehr oder weniger lange als nasse Alkoholiker gelebt, das ist alles noch drin in der Birne. Aber ich mag es, da genau hinzuschauen. Spür ich sonst irgendwo gerade Druck, mich anders zu zeigen, als ich mich fühle? Bin ich im unreinen mir mir? Was läuft gerade aktuell in meinem Leben ab? (Denn nur darauf habe ich ja im Heute Einfluss).

    Insofern sind Träume für mich durchaus Wegweiser, auch wenn sie manchmal (oft) nicht so leicht zu lesen sind. Aber ich bin froh, dass ich mich oft an meine Träume erinnere, denn dadurch bin ich mit Teilen von mir im Kontakt, mit denen ich sonst schwer in Kontakt komme.

    Wie geht es dir heute?

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Solea,

    deine Sicht auf die Co-Abhängigkeit teile ich. Ich selbst hatte keinen alkoholabhängigen Partner, aber trotzdem bin ich "co-abhängig strukturiert". Auch das finde ich hier an dieser Online Selbsthilfegruppe so gut, dass sich co-Abhängige und Abhängige miteinander austauschen. Danke für deinen Input!
    ---

    Mir ist heute noch was ganz profanes ein- bzw. aufgefallen, was ich an Selbsthilfegruppen gut finde. Profan vielleicht, aber wichtig.

    Mit zunehmender Dauer der Trockenheit wird es immer selbstverständlicher, dass man trocken ist, den Alkohol hinter sich gelassen hat. Und man will das Thema ja vielleicht auch nicht dauernd im "normalen Leben" thematisieren. Da möchte man (ich!) ja möglichst normal leben. Und da klopf ich mir dann nicht ständig selbst auf die Schulter und lobe mich dafür, dass ich jetzt zwei Monate, sechs Monate, ein, zwei, drei Jahre trocken bin. Das läuft so nebenbei.

    Aber in meiner Selbsthilfegruppe (hier oder in der anderen), da ist das weiterhin Thema, da wissen die anderen Bescheid, da weiß ich selber wieder, dass ich das eine auf jeden Fall klasse mache, egal, was sonst vielleicht gerade schief läuft. Trocken sein und bleiben.

    Das ist auch ein wichtiger Baustein für ein gesundendes Selbstwertgefühl.

    Also: Gratulation allerseits! :)

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Eni,

    puh, das liest sich wirklich sehr sehr anstrengend, vor allem, weil es dir auch so lange so schlecht gegangen ist.

    Bist du denn jetzt in psychotherapeutischer Begleitung?

    Dass die Ponderosa weg ist, ist vermutlich eine zweischneidige Sache, oder?

    Ich wünsche dir, dass du nach und nach und in deinem Tempo wieder aufbauen kannst, was für dich wichtig ist. Und alles andere einfach weg lässt.

    Ich bin tatsächlich meistens "drinnen" unterwegs, aber ich lese hier draußen auch mit und freue mich wirklich sehr, dass du wieder da bist.

    Warst du während der ganzen schweren Zeit auch rückfallgefährdet, oder gar nicht?

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Rosa,

    willkommen zurück. :)

    Mir ging es so wie dir. Eine ganze Weile. Jahrelang, um genau zu sein. Aber dann wurde es langsam schlimmer. Die Entzügigkeit. Die Angst. Die Schuldgefühle. Der Saufdruck.

    Als ich aufhören konnte, war ich von außen betrachtet noch nicht "ganz unten im Dreck" gelandet. Aber mir war klargeworden, dass das nur eine Frage der Zeit sein würde, wenn ich nicht aufhörte.

    Vielleicht hast du schon mal den Spruch gehört: Unsere Krankheit ist Einbahnstrasse. Es geht immer weiter, unaufhaltsam, in eine Richtung, wenn du nicht abbiegst.

    Vielleicht wäre ja eine Langzeittherapie etwas für dich? Dort kannst du dich auch um deine Begleiterkrankungen kümmern (Angst, Depression).

    Viele Grüße, und ich freue mich, wieder von dir zu lesen.

    Thalia

    Hallo Martina,

    Vom Alkohol zu träumen heißt erstmal nur, dass sich auch dein Unterbewusstsein damit beschäftigt. Das kann ja aus ganz verschiedenen Gründen so sein. Bei dir war es vielleicht, wie du vermutest, wegen der Unsicherheit, wie du das mit einem trinkendem Umfeld handhaben willst.

    Wenn ich Alkoholträume hatte oder habe, dann gucke ich schon auch genau hin, was da genau in mir vorgeht. Ich habe es noch nie als Vorboten für einen Rückfall empfunden.

    Glaubst du denn, dass sich bei dir ein Rückfall andeutet?

    Und noch eine Frage: wie willst du es denn deinem Umfeld gegenüber handhaben mit dem Alkoholtrinken?

    Viele Grüße
    Thalia

    Hallo Martina,

    herzlich willkommen hier bei uns. Schön, dass du hergefunden hast und auch hier aktiv werden möchtest.

    Ich träume auch hin und wieder noch von Alkohol, vom trinken oder nicht trinken. Das "arbeitet" in uns halt auch im Schlaf weiter, das Thema, und das ist auch gut so.

    Ich wünsche dir einen guten Austausch und gratuliere dir zu den ersten vier Wochen.

    Viele Grüße
    Thalia

    Danke dir, Matthias. :)

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    Da ich nicht mehr genau weiß, an welchem Tag vor drei Jahren ich zum letzten Mal Alkohol getrunken habe und mit welchem Datum dementsprechend mein trockenes Leben begann, ich aber für meine RL SHG ein Datum nennen sollte, damit mir dort gratuliert werden kann :), habe ich mir vor einer Weile bereits diesen Tag ausgesucht, den fünften November. Ich weiß, dass ich vor drei Jahren am 31.10. noch getrunken habe und in der Woche darauf mit meiner Hausärztin gesprochen habe. Der 05.11.2013 ist daher der Tag, den ich als den Beginn meines trockenen Lebens gesetzt habe und als solchen auch feiere, innerlich.

    So ein Jahrestag ist ja auch immer eine Gelegenheit, um zurückzuschauen, obwohl ich langsam begreife, dass Zurückschauen manchmal das Heute zu kurz kommen lässt. Was ich aber nicht möchte ist, die Augen zu verschließen vor dem, was war, weil ich es schlimm und schrecklich finde und mich schäme. Ich möchte mich erinnern und Trauer und Mitgefühl und Verantwortung spüren, nicht Versagen, Ekel und Schuld.

    Ich merke, dass mein Gefühl für mich als Alkoholikerin sich wandelt im Laufe meiner ja erst dreijährigen Trockenheit. Und das tut es erstaunlicherweise (scheinbar) ganz von selbst, wenn ich den Raum und die Zeit dafür bereitstelle. Die Zeit: indem ich trocken bleibe, und den Raum: indem ich mich nicht verschließe sondern öffne für die Erfahrungen anderer und für meine eigenen Erfahrungen, Gefühle und Gedanken, die Raum haben dürfen, die sein dürfen ohne Bewertung.

    Es scheint paradox: Durch das Annehmen dessen, was ist, ermögliche ich Veränderung. Indem ich Ja sage zum Hier und Jetzt, bewege ich mich im Fluss des Lebens. Durch das "anders sein wollen" und kämpfen, verleugnen, schämen, verhindere ich Veränderung, spüle mich quasi selbst ans Ufer und wundere mich, dass ich nicht vom Fleck komme, sondern im Schlamm steckenbleibe. (Um mal bei dem Bild vom Fluss zu bleiben :))

    Genauso, wie das heute für mich gilt, galt das auch für die Anfänge des Trockenwerdens. Indem ich mich jahrelang im Kampf befand gegen das, was ist (Ich bin Alkoholikerin), verhinderte ich die Heilung.

    Bei mir war das Loslassen, das Annehmen, (die berühmte Kapitulation) nicht ein einzelner Moment, sondern ein Prozess, der noch immer andauert. Wenn ich also heute mit einem Freund spreche, der ganz am Anfang steht und Angst hat, loszulassen, der immer noch im Kampf ist und sich festklammert ("vielleicht bin ich gar kein Alkoholiker") dann kann ich das gut verstehen, weil es mir selber lange so ging. Aber ich kann ihm jetzt erzählen, dass ich nicht fortgespült worden bin, sondern dass ich mich getragen fühle, umso mehr, je mehr ich annehmen kann, was ist, und wer ich bin.

    Thalia