Beiträge von Ahoi

    Zitat von Kaleu


    Und wenn Du schon die Wahrheit gefunden hast, dass es nur Splitter sind? Und wenn sie sich nie zusammenfügen lassen weil Du nicht die Splitter bist? Und wenn Du die Splitter bisher mit Gewalt zusammengefügt hast - um etwas zu sein?

    (...)

    Fühl Dich verstanden.

    Hey, alles ist okay! :)

    Ich möchte keine Splitter sein T_T
    Ich will ein verlässliches, heiles Gefüge sein! Eine Ming Vase oder wenigstens ne Dose Ravioli ...
    Ist alles okay? Echt? ich weiß nicht.

    Etwas macht mich gerade glücklich, weils mir gerade nach dem Essen mit ihm zum ersten Mal aufgefallen ist. Seitdem wir alleine leben hat sich etwas verändert: Mein Sohn ist viel offener geworden. Und selbstbewusster. Er redet und erzählt anderen von seinen Gefühlen. Vor einem halben Jahr noch war das undenkbar. Und nun - endlich - sucht er sich Menschen (und manchmal auch mich) und lässt Dampf ab ...


    silberkralle
    Den brauch ich dringend, den Verstärker ... :)

    Zitat von Kaleu

    Sehr gut. Das mag Dich gerade erschrecken, aber wenn alles wackelt, dann kann man wirklich etwas lernen. Das Selbstbild was Du beschreibst, diente ja dann wohl eher dazu wie eine Decke die Wirklichkeit zu überdecken, damit man die nicht sehen muss.

    Irgendwann faults aber von unten durch und die Decke kriegt Löcher. Macht nix. Es war sowieso nur ein Selbstbild und nicht Du. Also ist nichts verloren sondern die beste Zeit für einen Anfang.

    Das Selbstbild hat die Wirklichkeit rechtfertigt ... ich hab sie mir handlich gemacht. Bis das System zusammengebrochen ist.
    Danke für deine Fragen heute.
    Aber wer bin ich, wenn nicht meine Interpretation meines Ichs? Wer handelt? Wer ...? Was ist mein wahres Ich? Die Co-Frau, die Schlussmach-Frau? Die gute Mutter? Die schlechte Mutter?
    Ich sehe die Splitter und vermag es nicht, sie zusammenzufügen.
    Es tut mir unfassbar leid für mein Kind, dass ich ein so unübersichtlicher Mensch bin. Und dass er keine Wahl hat, weil er sich auf mich verlassen können muss.

    Und jetzt jammer ich auch noch. Ätzend :(

    Zitat von lütte69

    Hallo Ahoi,

    bei allem, was Du geschrieben hast, hast Du Deinem Sohn doch aber auch vorgelebt, dass Du für Dich entscheiden kannst. Du hast Euch aus der Situation rausgezogen und sorgst für Euch. Das ist doch auch etwas, das Du ihm mitgibst. Das Leben in die eigene Hand nehmen, Situationen, die Dir nicht gut tun, verlassen.
    Hut ab und mach weiter so und es ist doch auch spannend, das eigene Ich wieder neu zu entdecken und zu definieren.

    Liebe Grüße
    Lütte

    Ja ... Danke für diese Sicht. Ein bisschen hilft sie.

    Ich kenne mein Ich nicht. Ich kenne nur meine Meinung über mein Ich. und momentan verachte ich das, was ich sehe. Ich habe 13 Jahre mit keinem einzigen Menschen geredet, wie es mir geht. Mein komplettes Umfeld ist aus den Latschen gekippt, als ich meinen Exmann verlassen habe. Keiner hat irgendetwas geahnt.
    Ich habe mein Kind mit meinem Schweigen und meiner Passivität erschlagen. Ich weiß, dass ich nie in böser Absicht gehandelt habe aber ändert das was am verheerenden Resultat?

    Nun, es ist nicht zu ändern. Right now muss ich Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen und vor allem die Gegenwart. Aber glücklich macht mich das, was ich scheinbar bin, nicht. Ich habe an der einzigen Stelle versagt, die überhaupt eine Relevanz hat, weil sie den Menschen betrifft, der nicht einfach gehen kann, wenn er will (im Gegensatz zu mir) ... Ich schäme mich furchtbar. Dabei ist und war mir mein Kind - überhaupt das Ernstnehmen und Aufmerksam-sein gegenüber Kindern immer wirklich eine Herzensangelegenheit ... und ausgerechnet ICH bin blind auf beiden Augen.
    Wer zur Hölle bin ich eigentlich?

    Sorry für das Blabla, aber der morgendliche Alki-Forum-Talk erwischt mich gerade tief ...

    Moin Kaleu,

    hast recht, die Frage: Warum trinkt er? habe ich mir nie stellen müssen, weil mir das relativ erklärlich erscheint.

    Was mich momentan sehr bewegt ist die Tatsache, dass ich entsetzt bin, wie lange ich das mitgemacht habe, aber nicht verstanden, was ich da veranstalte und was diese Tatsache über mich und mein Wesen aussagt. Ich traue mir momentan null über den Weg, fühle mich sehr unsicher mit mir.
    Mein Selbstbild und die Wirklichkeit klaffen so weit auseinander, dass ich mir selbst manchmal vollkommen fremd und unvertraut bin.

    Was mich momentan am meisten umtreibt: In diesem Zusammenhang habe ich furchtbare Schuldgefühle meinem Sohn gegenüber. Nein, ich habe ihn nicht vernachlässigt oder schlecht behandelt, aber ich habe ihm etwas vorgelebt, das Auswirkungen haben wird, die ich nicht abschätzen kann. Ich habe dem Menschen, der das Wichtigste für mich ist, ein absolut desolates Modell von Liebe mit auf den Weg gegeben und ihn gezwungen meine Neurosen und den Suff seines Vaters mitzutragen.
    Als ich die Beziehung beendet habe, war ich mir nicht so bewusst über die Tiefe meines Verhaltens und des daraus resultierenden Schadens, ich habe nur instinktiv gefühlt: ich muss hier weg und ich muss meinen Sohn aus dieser Situation befreien.
    Aber ich kann die Jahre zuvor nicht rückgängig machen. Es tut mir so weh, was ich ihm zugemutet habe, meinem freundlichen, tollen Kind. Das ist ein sehr großer Schmerz momentan für mich.

    Ich fühle mich, als ob ich aus einem Traum erwacht bin und noch nicht wirklich in der Wachheit angekommen.

    Na ja, ich meinte eigentlich gar nicht "Ihm sein leben zu lassen Blabla", sondern vielmehr: Reg dich doch mal auf, wie ungerecht das ist, anstatt dein Hirn damit zu quälen, vielleicht nicht selbstlos genug an seiner Seite zu stehen! Er benimmt sich wie die Axt im Walde und du ziehst die Tammy Wynette Nummer durch :D Stand by your man ist die Lösung der Opfer ;) Mann, der Song hat mich schon immer rasend gemacht. Nicht grundlos vermutlich.

    Ich weiß, Wut ist nicht der Ausweg und ich will dir nicht raten lebenslang wütend und unversöhnlich zu sein, aber vielleicht ist berechtigter Zorn ein Anfang der Abgrenzung. Wenn ich Mitgefühl habe, bin ich verbunden, wenn ich merke, dass ich schlecht behandelt werde und mich das wütend macht, bemerke ich meine Bedürfnisse und ziehe eine emotionale Grenze.

    Hey Cool, Artemis! Ich in deinem Strang, du in meinem :)

    Ja, hast recht, ich will immer am liebsten alle Schritte auf einmal machen und dann bläht sich alles mächtig auf. Liegt vielleicht an meiner Actionsucht (ich bin ja nicht so der Helfertyp, eher derjenige, der sich in emotionalen Grenzgebieten am wohlsten fühlt.)
    Das ist auch etwas an mir, das ich ändern möchte ...

    Ich denke anders, als du sagst, geht es nicht. Ich kann den Kontakt wegen des gemeinsamen Kindes ja leider nicht komplett abbrechen, also muss ich ihn innerhalb meines Rahmens so stark einschränken, dass ich möglichst wenig in Gefahr gerate, mich verstricken zu lassen.

    es ist auf jeden Fall gut zu hören, dass du das, was mir gerade so groß und belastend vorkommt gut hinbekommen hast. Ich will das auch :)

    Ahoi

    Hi Artemis,

    Bist du wirklich verpflichtet, dich um ihn zu kümmern, wenn er eine Therapie macht?
    Sieh es doch mal aus einem anderen Blickwinkel: Ihm ist scheißegal, ob es dir dreckig geht, weil er trinkt, er verängstigt dein Kind, belästigt dich mit seiner Unfähigkeit, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, gefährdet andere Verkehrsteilnehmer und deine Sorge ist es, ob es nicht nett von dir ist, ihn seine hypothetische Therapie selbst bewältigen zu lassen. Da stimmt doch was nicht, lach.

    ich habe mir lange eingebildet, der Magic Key zur Heilung meines Exmannes zu sein und meine Fresse - wie verblendet war ich eigentlich, das zu glauben?! Mein Job ist getan. All meine scheinbare Superkraft hat sich nicht gegen den Alkohol durchsetzen können! Wenn mein Exmann sich professionelle Hilfe sucht, wird er dort zehnmal besser aufgehoben sein, als bei mir und meinen Co-abhängigen Laien-Fingern :)

    Sieh mal, du kümmerst dich doch auch um deine Therapie - ganz ohne seine Unterstützung. Warum sollte er das nicht auch können? Das war jetzt keine rhetorische Frage, sondern ganz ernst gemeint: Warum glaubst du, braucht er deine Hilfe?

    Hi Artemis!

    Hmm ... also ich erkenne mich sehr wieder, in dem was ich lese. Was ich mir bei diesen Gedankenschleifen von Wut, Mitleid usw denke: ich will letztlich, dass er etwas macht, damit es mir besser geht. Nicht mehr trinken zum Beispiel, lol.

    In dem Moment, wo ich meine Befindlichkeit an seine kopple, hat mich das System wieder am Schopf gepackt. in diesen Momenten mache ich die Augen zu und sage mir: "Hey, Ahoi, er tut, was er tut. Ich tue was ich tue. Und gerade sehe ich uns in irgendeiner Verbindung, weil mein Gefühlshaushalt immer noch von seinem abhängig ist."
    Ich sag mir nicht: Lass es, es MUSS dir sofort egal sein oder sonstwas, ich erkenne es einfach nur, jedes Mal neu und mit jedem neuen Erkennen, dass ich immer noch etwas von ihm will, damit es mir gut geht, werde ich etwas freier. Denn was ich von ihm will ist mein Problem. Nicht seins.

    Erkenne, dass du ihm gegenüber nicht in der Pflicht ist, aber er genauso wenig dir gegenüber :) Es ist normal wütend zu sein, aber ich glaube die Synapse, dass er etwas tun muss/sollte, damit die Wut aufhört ist der falsche Weg, nämlich der zurück ins ungesunde reiz-Reaktions-Schema . Deine Wut, dein Deal mit der Wut. Nicht seiner.

    Banzai!

    Hallo Artemis!

    Ich glaube wir befinden uns in der gleichen Phase. Ich bin auch getrennt, aber die Schlingpflanzen der bereits beendeten Beziehung verwursteln sich immer noch zwischen meinen Füßen.

    Vielleicht bin ich aus diesem Grund ein schlechter Ratgeber, vielleicht auch nicht.
    Für mich ist momentan eine Phase, in der ich meine Reaktionen auf seinen Quatsch wie Schuldzuweisungen, Liebesbekundungen u.ä. als Gradmesser für meinen Zustand werte.
    Ich merke, wie meine Gedanken um ihn kreisen. Viel Wut, aber auch Trauer, denn jepp - es war auch eine wirklich große Liebe.

    Ich (und du wahrscheinlich auch) hatten eine intensive Beziehung. Bis wir wieder vollständig geheilt sind, die Wunden versorgt und das Leben neu weitergeht, wird es wahrscheinlich eine Weile dauern. Niemand würde von einem Menschen in Trauer verlangen sofort pronto alles zu vergessen und sich sofort ein wunderbares neues Leben aufzubauen, ohne diese natürliche Trauer und Abnabelungsphase zu durchleben. Ich glaube manchmal, das Hirn muss auch erst einmal umdenken lernen.

    Ich finde diese Post-Beziehungszeit, wo du zwar getrennt, aber immer noch unsichtbar verbunden bist, einfach zum Kotzen, weil sie so unruhig und schmerzhaft ist. Aber ich denke, sie gehört dazu, als Teil des Prozesses. Ich fühle erst jetzt die unfassbare Wut, die ich 14 Jahre lang nicht gespürt habe. Manchmal denke ich: "Junge, du solltest dir mal meine Sicht der Welt anhören" - und dann weiß ich, ich suche in Wahrheit wieder Kontakt zu meiner "Droge", der ich sagen will, wie gefährlich sie ist. Ziemlich paradox, denn die Droge kann nichts dafür, ob ich sie konsumiere oder nicht :) Dennoch war sie lange Teil meines Lebens und ich muss erst lernen, wie ich ohne sie leben kann.
    Immer wenn ich auf ihn auf die gewohnte Weise reagiere, bin ich mit einem Fuß wieder im Spiel drin ... also passe ich gut auf, was ich mache und lasse mich nicht von meinen Gefühlen leiten. die sind trügerisch.

    Innerhalb der Beziehung war die Alki/Co-Alki-Sache zwischen uns perfekt eingespielt. Mein Exmann meldet sich auch immer genau dann, wenn er gerade keinen anderen "Kümmerer" findet oder es ihm schlecht geht (Dann aber im Terrormodus). Und mir hilft es sehr, zu wissen, dass nicht Liebe ihn an mich bindet, sondern meine Funktion. Die Liebesschwüre sind natürlich verführerisch: Jaaaa ... ich bin die Einzige, die einzige, die ihn retten und verstehen kann ... aber: Bullshit. Ich bin in Wahrheit die Einzige, die tetrismäßig in seine (und ehemals meine) Bedürfniskette passt. Mit Liebe hat das nicht viel zu tun. Ich habe eher 8noch immer) die Funktion der emotionalen Versorgungseinheit. Und das will ich nicht mehr sein.

    Es hilft mir mich in dem System zu betrachten, das wir kultiviert haben und meine Distanz-Reaktionen nach der Trennung als Ausläufer dieses Biotops zu erkennen. Er ist die Klingel, ich Pawlows Pudel. Noch sabbere ich, wenn es "Bimmelimm" macht, aber ich fresse den Mist nicht mehr, der mir serviert wird. Auch wenn er verlockend aussieht.

    Ich wünsche dir viel Kraft weiterzugehen und vor allem auch so viele erstaunliche Momente der Selbsterkenntnis, wie ich sie habe. ist zwar ne harte Zeit, aber ich lerne mich besser kennen. Und Wissen ist Macht - die Macht die ich gut brauchen kann, um wirklich frei von meinen eigenen Zwangsverhaltensweisen zu werden :)

    Hallo Aurora,

    danke der Nachfrage. Nee, bei mir ist nichts klar. Ich kämpfe mich durch die Aufgaben, die momentan anstehen, mein Exmann meldet sich immer wieder (meist mit betrunkenen Liebesschwüren oder Verwünschungen), was mich zwar nicht von meinem Kurs abbringt, aber meinen Tag jedes mal durch den Wolf dreht. Es gibt noch einige Formalitäten zu klären, aber er entzieht sich vernünftigen Gesprächen unter dem Vorwand "eh verrückt" zu sein.
    Ich weiß momentan nicht so recht wie ich die vielen Baustellen (ich habe hier nicht jede aufgeführt, weil einige nichts mit dem Thema Alkoholismus zu tun haben) schultern soll.
    Liebe Grüße
    Ahoi

    Zitat von RenateO

    Ich brauchte den Weg sein Trinken als Krankheit zu begreifen was aber auch zuerst mal dazu führte ihm gegenüber nochmehr Milde walten zu lassen,es dauerte noch ne Zeit bis ich begriff es ging um Grenzen und Klarheit ,denn da waren kaum noch welche!!!

    In einer der Post-Trennungsdiskussionen warf mein Exmann mir vor, wie ich ihn nur verlassen könne, schließlich sei er (Alkohol)-krank, und es wäre das Letzte einen Kranken zu verlassen! Ob ich ihn auch verlassen hätte, wenn er Krebs gehabt hätte ...?

    Insofern ist dieser Krankheitsaspekt für mich schwierig. Bei ihm führt es dazu, dass er sich jeder Verantwortung für sein tun enthoben sieht. Und bei mir löste es sofort ein schlechtes Gewissen aus (das ich aber mittlerweile abgelegt habe) :)

    Grenzen und Klarheit haben sich bei mir definitiv aufgelöst. Und bei ihm auch. Es war fast ein symbiotisches Verhältnis. Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, wo er aufhört und ich anfange.

    Zitat von RenateO

    Und ich begriff meinen Anteil an dem Ganzen,denn ein anderer kann mit mir nur soviel ,,machen,, wie ich zulasse!!!

    Ja. Es sind immer 50% in Beziehungen. Ich kann die Verantwortung für sein trinken nicht übernehmen, nur für mein Bleiben oder Gehen.

    Zitat von RenateO

    Ich las mal einen schönen Spruch:
    Die Liebe zu sich selbst ,ist der Begin einer lebenslangen Romanze.
    Also sei gut zu Dir.
    LG R..

    Ich hätte wirklich gern eine Romanze mit mir. Ich wäre auch gern gut zu mir selbst - sagt einem ja jede Frauenzeitschrift - aber wie macht man das? Ich denke ja immer, ich bin gut zu mir, bis sich herausstellt, dass ich nur dachte, es zu sein, aber es gar nicht war ...

    Danke für deine Worte! Ich denke, sie werden noch in mir nachkochen.

    Hallo Kaleu!

    Zitat von Kaleu


    Viel wichtiger ist im Detail - womit bin ich glücklich und zufrieden, womit nicht? Was möchte ich ändern? Wovor drücke ich mich aus Angst?

    Musst du so schwierige Fragen stellen :D ? Aber vermutlich sind es die entscheidenden.

    Ich weiß wovor ich mich fürchte, das ist einfach. Wovor ich mich drücke, weiß ich teilweise und finde andere Teilstücke gerade heraus ... aber ich weiß nicht, was mich glücklich macht. Für das Glück scheint es in meinem Leben kein Muster zu geben, das ich reproduzieren kann. Ich hatte Erfolg und war unglücklich. Ich hatte nix und war glücklich. Und umgekehrt.

    Wow, jetzt ist mir gerade was eingefallen, was mir vielleicht keine Glückseligkeit, aber zumindest etwas Frieden geben würde: Ich hätte gern ein Zuhause.


    Zitat von Kaleu

    Hab bitte unbedingt Panik vor Schritt 2.786. :D

    Ja, darin bin ich gut =0


    Zitat


    Wenn Du Schwierigkeiten hast Dich auszuhalten - halt Dich aus. Und sei es nur mal 5 Minuten. Irgendwann sind es 10.
    .

    Faktisch muss ich mich jede Sekunde meines Lebens aushalten. Da gibt es kein Entrinnen. Insofern ist eher die Frage: wie halte ich mich aus? Denn um das "Dass" führt kein Weg herum.
    Wie hältst du dich aus?

    Mir geht in den letzten Tagen immer wieder die Frage durch den Kopf, inwieweit und ob überhaupt Co-Abhängigkeit ein Teil meines Wesens ist. Ich glaube, ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich bemüßigt sehen, anderen zu helfen. Daraus ziehe ich auch nicht mein Selbstwertgefühl.

    Ich habe allerdings auch recht wenig Vergleiche, wie ich mich in anderen Liebesbeziehungen verhalte, weil ich die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens mit meinem Exmann zusammen war. Was mich "süchtig" gemacht hat, war die Intensität, die durch diese Art Beziehung entstanden ist. Immer Drama, immer an den äußeren Grenzen der Emotionen ... schrecklich anstrengend, aber auch nie langweilig. Ich glaube ich leide unter so einer Art emotionaler Action-Sucht.

    Und so ist es bis heute. Obwohl getrennt, obwohl er eine neue Partnerschaft hat, kommen wir gedanklich nicht voneinander los. Das ist gruselig.
    Wie lange dauert es, innerlich mit einer so langen Zeit abzuschließen? Mir gehen immer wieder die letzten Jahre durch den Kopf, momentan vor allem meine Fehler, die Stellen, an denen ich schon damals hätte gehen müssen - und nicht konnte.
    Ich merke erst jetzt, wie tief mich die zeit verändert hat und wenn ich mich mit klaren Augen betrachte bleibt eigentlich nur ein Fazit: Ich habe nen kompletten Sockenschuss!
    Ist das überhaupt reparabel? Falls ich in ein paar Jahren wieder einen netten Mann oder Frau kennenlerne, was soll ich machen? Weglaufen oder beim ersten Date warnen, dass ich nicht ganz richtig im Kopf bin und nur in der Lage vollkommen kranke Beziehungen zu führen, weil ich jede Form von Ausgeglichenheit leider nicht aushalte?
    Zum Glück muss ich mir diese Frage konkret nicht stellen, ich bin ja jetzt nur in Beziehung zu mir und denke gerade: Gilt da nicht dasselbe? Im Grunde ist man dem anderen ja nur der Partner, der man sich selbst ist. Wie kann ich diese Sucht nach emotionalem Grenzgang stoppen?

    Renate schrieb irgendwo hier, ich solle die Stille und mich selbst aushalten. Wahrscheinlich ist genau das der Punkt, den ich schwer kann. Mein Kopf ist immer voll, ich brauche ständig Hirn-Action. Puh. Ich weiß momentan echt nicht wer ich eigentlich bin, alle Ansätze zerrieseln unter meinen Fingern, ich sehe kleine Ahoi-Versatzstücke und kann sie nicht zusammenbasteln. Ich bin natürlich nicht nur neurotisch und bekloppt, aber leider auch.
    ...
    Bläh.

    Aurora

    An die Langsamkeit muss ich mich erst einmal gewöhnen. Ich bin eher so der Ratz-Fatz-Mensch.
    Aber es ist ist beruhigend zu hören, dass die gefühlten Berge vor mir sich vermutlich ihrem Tempo gemäß abbauen werden. Ich dachte meine Trennung sei der Punkt gewesen, an dem ich mein Problem erkannt und gelöst habe, aber erst jetzt bin ich auch innerlich getrennt.
    Ich bin auch zum ersten Mal richtig traurig. Daran merke ich, dass es für mich nun wirklich vorbei ist, auch wenn es schon vorher vorbei war... ist schwierig zu erklären.
    Bei den Beschimpfungen denke ich mir oft: komisch, was er mir vorwirft, spiegelt exakt das, wie er sich selbst behandelt.
    Aber ich habe beschlossen, über das, was er sagt, macht und denkt nicht mehr zu grübeln. Aber es ist gar nicht so einfach, nachdem das knappe 14 Jahre dein Spiel war, sich über den anderen den Kopf zu zerbrechen. das hat sich garantiert irgendwie in die Hirnstruktur gebrannt und löst sich erst nach und nach.

    Heidi

    Ja, so ist es. Selbst wenn ich so ein schlimmer Mensch bin, hätte er seine Sachen packen und gehen können.
    Ja, ich weiß, wie lange das mit den Verhaltensmustern dauern kann. Ich hatte das schon mal (andere Baustelle) und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht, von daher vertraue ich darauf, es diesmal auch hinzubekommen, auch wenn es wahrscheinlich nicht so schnell und reibungslos geht, wie ich mir wünsche.

    Renate
    Dein Post hat mich schon beim Lesen zum Aufatmen gebracht. Ich sollte ihn mir kopieren, damit ich ihn parat habe, wenn ich mich durch meine Probleme hektisiere.
    Die Ruhe auszuhalten ist ein Knackpunkt, das hast du richtig erkannt. Momentan überfluten mich Erkenntnisse und Gedanken. Ist vielleicht auch normal, wenn man endgültig mit einem Lebensabschnitt abschließt. Danke^^


    Rhein
    Nachdem ich deine Worte gelesen habe, musste ich lachen und mir sind sofort ein paar Sprüche zu dieser überambitionierten These eingefallen, aber das ist das Internet und man weiß nie, was man mit solchen Sprüchen anrichtet ... Ich weiß nicht wie hilfreich so eine Woody-Allen-Psychoanalysemäßige-Theorie ist.
    Taugt die nicht auch ziemlich gut als Ausrede?

    Hat die Aussage des Psychologen einem von euch beiden weitergeholfen?

    Der Tag gestern war zu voll, um noch zu schreiben.
    Der Termin bei der Suchtberatung war gut. Ich glaube für uns beide. Für ihn, weil er nun eine Anlaufstelle hat, wenn er nicht weiter weiß und für mich, weil das Gespräch mir noch einmal mehr verdeutlicht hat, wo mein Job ist.

    Der Abend war dann noch nicht so schön. Mein Exmann hat wieder getrunken, mich versucht zigmal anzurufen, hässliche Sms geschrieben. Das ist nicht verwunderlich, nach meiner Ansage, unseren Sohn nicht mehr alleine zu sehen, solange er nicht an seinem Problem arbeitet, ist er sauer. Ich habe auf seine Anrufe und nachrichten nicht reagiert.

    Dennoch geht es mir nahe, wenn er schreibt, dass er nur Alkoholiker geworden, weil er so unter mir gelitten hat und mir droht und mich beschimpft. Klar, das ist Quatsch, da spricht der Suff aus ihm. Interessant ist allerdings, mich zu beobachten, meine inneren Reaktionen darauf, meine (unausgesprochenen) Rechtfertigunsmonologe ... im Kopf ist das Schema noch. Irgendwo habe ich hier gelesen, dass der Süchtige seinen Schnaps hat und der Co-Abhängige den Süchtigen ...
    Das Neue ist: Es fällt mir auf. Mir fällt auf, was in meinem Schädel vor sich geht. Die gesprungene Schallplatte, die Fragen die dann um ihn kreisen, statt um mich.

    Ich habe zwar nun einen Fahrplan der äußeren Abgrenzung, an den ich mich halte, aber ich habe trotzdem Bauchschmerzen, bei der Vorstellung was jetzt noch nachkommt. Ich bin gerade ziemlich erschöpft, es erschreckt mich, was ich noch alles bei mir unter der Oberfläche finden werde, wie schwer mir die innere Distanz fällt. Zurzeit weiß ich nicht, wie ich all die Baustellen in meinem Leben zugleich verpackt bekomme.

    So long
    Ahoi

    Wo kann man hier eigentlich editieren?
    Noch etwas Wichtiges: ich bin in keiner Beziehung und bin auch nicht scharf auf eine, das ist also kein aktuelles Thema bei mir. Wie kommt ihr darauf? Außer wenn ihr damit meine vor sieben Monaten offiziell beendete Beziehung zu meinem Exmann ansprecht, die ich scheinbar erst jetzt auch innerlich abschließen will.

    Hallo Leute,

    Woh - viele Posts seit dem letzten Eintrag, ich weiß nicht, ob ich sie alle jetzt beantworten kann. Falls nicht, gehe ich sie nach und nach durch, wenn Bedarf besteht.

    Zur Information, weil ich den Eindruck hatte, es wurde vielleicht durch die Erwähnung des Umzugs nicht richtig verstanden: Ich lebe bereits seit einem halben Jahr von meinem Exmann räumlich getrennt (er hat eine Wohnung) und verlasse nun auch das ehemalige, gemeinsame Haus. Ich habe ihn Ende letzten Jahres verlassen. Allerdings verbindet unser gemeinsamer Sohn uns, sodass wir durch ihn zwangsläufig in Kontakt stehen.

    Die Frage wurde aufgeworfen, ob ich meinem Schwiegervater nun meine Rolle zuschustern will. Ich habe darüber nachgedacht und die Antwort lautet: nein. Mit der Offenbarung habe ich vielmehr meinen Co-abhängigen Schweigevertrag, der meinen Mann vor lästigen Mitwissern schützt, gebrochen. Ich habe ein Band zerschnitten. Und das war gut, denn nun erkenne ich überhaupt mein Problem in seiner Tragweite.. Bis dahin habe ich ihn auf sein Drängen hin und durch meine Abhängigkeit von ihm durch meine Lügen geschützt. Das tue ich nun nicht mehr. Für mich der schwerste Schritt nach der Trennung. Was wäre die Alternative gewesen? Wieder zu schweigen, um meinem Schwiegervater vor der Möglichkeit meiner Rolle zu schützen? Er ist erwachsen, er kann selbst entscheiden, was er mit dem Wissen anstellt.

    Mein Schwiegervater hat mich gebeten, ihn zu der Beratung zu begleiten. Warum sollte ich ihm den Gefallen nicht tun?

    Ja und ihr habt Recht: ich bin neidisch, selbstmitleidig, ungerecht, total unweich und voller Fehler! Lach, zum Glück wusste ich das schon vorher, sonst wäre ich jetzt echt hart getroffen! Es ist halt so: Ich will nicht nur gesäuberte und korrekte Gefühle präsentieren, klar, ich könnte so tun, aber gelogen wärs doch.

    Update:
    Habe seit dem Flaschenfund vom WE, als mein Exmann alleine bei unserem Sohn war, zum ersten mal mit ihm gesprochen und ihn mit dem Fund und meiner Entscheidung für den weiteren Umgang konfrontiert.
    Das Gespräch war kurz, weil ich nicht mehr zu sagen hatte, als dass er, solange er sich nicht in professionelle Hände begibt um trocken zu werden, seinen Sohn zwar jederzeit sehen darf, aber nicht betrunken, nicht alleine und nicht über Nacht.
    Er spulte das Übliche ab, es sei ein einmaliger Ausrutscher blablubb, ich sähe das alles zu kaltherzig und eng, worauf ich meinen Entschluss noch einmal deutlich wiederholt habe. Er hat gemerkt, dass Diskussionen nun zwecklos sind und hat mich als Nächstes gebeten, dass ich "wenigstens" niemandem von seinem Trink-Problem erzähle. Daraufhin sagte ich, dass ich nicht mehr für ihn lüge und schweige.
    Daraufhin habe ich das Gespräch beendet.

    Ich bin froh, dass ich nicht eingeknickt bin.

    Ich bemühe mich, die Posts heute am späten Abend zu beantworten, der Job ruft und gleich ist noch der Termin bei der Caritas. Danach liefere ich euch garantiert noch mehr Stoff zum Meckern ;)

    Danke für die sanften und harten Worte, an jeden, der sich die Mühe macht, hier zu schreiben
    bis später

    Ahoi