Beiträge von Ahoi

    update in Sachen Schwiegervater:
    Wir haben gestern Abend noch einmal telefoniert und es ist ganz erstaunlich, denn bereits jetzt beginnt er mit dem Bagatellisieren ala: Der arme Jung trinkt halt einen über den Durst, weil er depressiv ist, das wird schon, sobald er die Depression überwunden hat. Er meinte auch, er hätte der neuen Partnerin meines Ex lieber nicht erzählt, dass er in Gegenwart unseres Sohnes gesoffen hat, weil sie ihn ja dann sofort verlassen würde und er wollte ihm nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, weil er ihm noch ne Chance geben will ...
    Heute haben wir das Gespräch mit der Suchtberatung. Mal sehen. Ich muss mir mantramäßig selbst sagen, dass das alles nicht mehr meine Angelegenheit ist, weder mein Exmann, noch sein Umfeld.

    Nach dem Telefonat war ich wütend, wie man nur so blind sein kann. (haha - wie kann ich ihm verübeln, was ich selbst gemacht habe?), dann habe ich mich entschieden, dass es nicht mein Problem ist. Ich erkenne mein eigenes Denken in ihm. Ich bin wütend auf mich und auf den Rest. Am wütendsten auf meinen Exmann.
    Was mir total peinlich ist: Ich bin zudem neidisch. Ich weiß, spricht jetzt nicht unbedingt für meinen Charakter, aber ich denke: Er sitzt in seiner geilen Mega-Wohnung, mit jeder Menge Tagesfreizeit (um Geld muss er sich nicht sorgen), umsorgt und gepampert von Freundin und Papa, muss keinerlei Verantwortung für irgendwas übernehmen, zieht sich auf die Generalentschuldigung "Depression" zurück, für die er alles Mitgefühl bekommt und kann jede Entscheidung treffen, die er will. Und vor allem wird er gemütlich weitersaufen können ...
    Ich hingegen muss unser Kind (und vor allem die nächsten Schritte, was seine seelische Lage betrifft) und Arbeit und Umzug unter einen Hut bringen, Geld ist auch ein nerviges Thema ... immer zu wenig, immer rechnen, Zukunftsängste.
    Bah- ich seh schon, ich werde noch so ne verbitterte Exfrau, die den ganzen Tag nur über ihren dämlichen Exmann jammert. Nee, bitte nicht :)

    Vielleicht ist es auch normal, dass ich momentan so emotionsgeladen bin. ich denke, ich werde das schaffen. ich war zäh genug 13 Jahre bei einem Alkoholiker zu bleiben, ergo bin ich auch zäh genug, den Rest auf die Kette zu bekommen...

    Renate
    Wir haben zwei völlig unterschiedliche Hintergründe und dennoch fühlt sich Vieles so vertraut an, was du schreibst. Die Verliebtheit, die Angst, was ohne diesen Menschen aus meinem Leben wird und letztlich die Erkenntnis, dass der Weg der Lösung im Inneren zu finden ist.
    Du hast dich on der Vorstellung befreit, dass du einen Partner brauchst und dich entschieden lieber Single zu bleiben, als mit dem falschen Mann dein Leben zu verbringen.
    Vielleicht ist das so, wenn man sich selbst ein Freund ist? Wenn das so ist, braucht man keinen Partner mehr, sondern hat eine ganz andere Motivation für eine Beziehung, als innere Bedürftigkeit?
    Ich weiß es nicht, ich muss mir erst einmal ein Freund werden, um das zu wissen.
    Ich finde es toll, dass du ein Zuhause in dir und in deinen äußeren Umständen gefunden hast. das möchte ich auch :)

    Kitze

    :) Ich mag Wortspiele.
    Ja, sicher bekommt er viel mehr mit, als ich ahne, was dann unsichtbar in seinem Inneren weiterwirkt. Das Gesprächsangebot habe ich gemacht, sowohl bei unserer Trennung, als auch, als sein Vater die Depression bekam. Er hat mir ein paar Fragen gestellt und dann hatte er genug. Ich erneuere das Angebot regelmäßig ... zum Glück spricht er mit seinen Freunden über die Trennung. Wie es wird, wenn er die Bestätigung für die Alkoholkrankheit seines Vaters bekommt, weiß ich nicht.

    @ heidi
    In das Thema AKE habe ich mich bis jetzt noch nicht reingetraut, aber es hilft nichts - ich muss mich damit auseinandersetzen.

    Du fragtest nach der Kindheit meines Sohnes. Neben der Tatsache, dass Alkohol immer ein Problem war, hatten wir dennoch viele gute Jahre. Egal was mein Exmann verbockt hat - er war ein liebevoller Vater mit aufrichtigem Interesse an seinem Kind - solange er nüchtern war. Ich selbst fand es immer toll, dass es mein Kind gab. Wir haben ein liebevolles Verhältnis und verbringen gern Zeit miteinander. Er ist ein erstaunliches Kind mit jeder Menge Humor und einem freundlichen Herzen und vermutlich jeder menge Wut. Nichtsdestotrotz werde ich meine Spuren hinterlassen, das Schweigen, verdecken, den ungesunden Umgang mit seinem Vater. In vielen Punkten war/bin ich eine aufmerksame Mutter, doch den dicksten Balken habe ich bis jetzt ignoriert. Das tut mir unendlich leid.

    Ich würde nie meine Analysen meinem Sohn servieren. Das halte ich für überfordernd, aber dennoch bin ich ratlos. Deshalb habe ich den Termin bei der Suchtberatung vereinbart: Ich möchte hören, wie ich am besten mit dem Problem in Bezug auf mein Kind umgehe.

    Es ist gut, dass du schreibst, denn dadurch lerne ich die andere Seite kennen. Danke dafür.

    Liebe heidi,

    Ja, für ihn ist das normal. Was für eine unfassbar traurige, schmerzhafte Vorstellung.

    habe ich richtig verstanden, dass du das Kind alkoholranker Eltern bist?
    Hast du vielleicht Erfahrung, was einem Kind in einer solchen Situation hilft?
    Was kann ich für mein Kind tun?

    Danke euch für eure Gedanken und Antworten!

    Also, ich beginne von unten nach oben:

    heidi13
    Gute Denkanstöße.

    Der Schwiegervater hätte gern, dass ich alles regle und entscheide und mache :) deshalb muss ich mich entscheiden, ob ich ihn unterstütze oder nicht ... von daher ist mein Plan, ihm zu zeigen, dass er Anlaufstellen hat, die ihn besser helfen als ich (Caritas, Blaues Kreuz etc)

    Dass unser Sohn nicht mit ihm alleine sein darf, solange mein Ex trinkt, ist völlig klar.

    Renate

    Oh Mann, verrückt wie sehr sich manches gleicht. Nach unserer Trennung hatten wir ein Beratungsgespräch, nicht um wieder zusammenzukommen, sondern um uns so vernünftig wie möglich im Sinne unseres Sonne zu trennen. Er war nicht begeistert, als ich der Therapeutin den Grund sagte. Komisch damals war ich noch viel entschlossener als jetzt.
    Da fällt mir gerade auch auf, weshalb ... deshalb Danke für deine Erinnerungen, ich beginne etwas zu begreifen.

    Darf ich fragen, wie es sich angefühlt hat, bei dir angekommen zu sein?

    Aurora

    Nein, im Gegenteil, ich freue mich über deinen Roman!

    Merkwürdig, ich fühle mich gar nicht missbraucht, sondern viel eher als diejenige, die es nicht auf die Reihe gekriegt hat.
    Niemand aus meinem Umfeld wusste Bescheid. Ich habe mit niemandem geredet, dass ich mich trennen werde und warum. Ich habe zehn Jahre lang mit niemandem über meine Probleme gesprochen. Selbst meine beste Freundin fiel aus allen Wolken. Reden zu können ist der größte Gewinn meiner Trennung.

    Ja, unentbehrlich sein - da sagst du was! Das ist, was auch mich gehalten hat, befürchte ich. Ohne mich schafft er es ja nicht ... das ist Quatsch, denn offensichtlich hat er es ja auch mit meiner "grandiosen" Hilfe nicht geschafft.

    Ich bin erleichtert, dass du meine Schuldgefühle nachvollziehen kannst. Ich wurde zwar belogen, betrogen und benutzt, aber ich habe ja fröhlich mitgemacht, aber wie du gar nicht erkannt, in welch ungesunden Beziehung ich mich immer mehr verstricke.

    Mein Sohn (13) weiß noch offiziell nicht, obwohl er mit Sicherheit doch weiß. Er möchte nicht über die Trennung und nicht über seinen Vater sprechen. Er will einfach, dass alles wieder gut wird.Ich habe in drei Wochen einen Termin beim blauen Kreuz, um meine Fragen dazu zu besprechen, damit ich das so gut wie möglich hinbekomme.

    Danke für deine Einschätzung bezüglich "Schusslinie". Irgendwie nimmt mir dein Rat gerade eine Last von den Schultern.

    Ich bin wirklich froh über eure Antworten!

    Hallo Silberkralle,

    Ich glaube das wollte ich hören :)
    Ja, stimmt. ich muss die Verantwortung für mich und meinen Sohn tragen. Sonst für niemanden.
    Das klingt sehr einfach, aber woran merke ich, wenn ich beginne, mich in Bereichen außerhalb meiner Verantwortung aufzuhalten? Ich traue mir zurzeit selbst nicht so recht über den Weg, weil mein Handeln anscheinend so was von automatisiert und unbewusst abläuft, dass ich selbst entsetzt bin.

    Beispiel: Mein Schwiegervater hat mir angeboten, zu behaupten, er hätte es auf anderem Wege als von mir erfahren - das ist natürlich erst einmal erleichternd, da ich den Zorn meines Exmannes so nicht auf mich ziehe, aber alles in mir will kotzen, den Lügen schon wieder eine neue Lüge zuzufügen. Ich habs getan und ich stehe dazu.
    Was ist richtig? Mich aus der Schusslinie und dem Geschehen zu nehmen und seine jetzigen Bezugspersonen machen zu lassen oder mit der Ehrlichkeit eine erneute Konfrontation zu provozieren?
    An dem Punkt durchschaue ich mich nicht und habe angst, wieder genau das Falsche für mich zu tun.

    Auf deinen "Glück auf und Namaste Mix" hin, verabschiede ich mich mit Sayounara und bis die Tage :)
    Ahoi

    Hallo Renate,

    Ja, du hast recht. Ich habe gedacht, mit der Trennung die Weltumkreisung bereits erledigt zu haben und jetzt erkenne ich, dass die Muster noch in mir weiterwirken, dass mich diese Beziehung tiefer geprägt hat, als ich befürchtet habe.
    Ich fühle mich wie ein Versager, weil ich erst so spät darauf komme, weil ich so vieles falsch gemacht habe und mache.
    Den Schlussstrich habe ich wie im Traum gezogen und nun, Monate später, erwache ich. Und alles unbearbeitete scheint sich wie ein riesiger Berg vor mir aufzutürmen.

    Danke für deine Worte.

    Hallo Leute,

    Neu angemeldet, habe ich schon mehrere Ansätze gemacht, diesen Post zu verfassen und jedes Mal gedacht: Boah, viel zu lang, viel zu viel Gesülze, das liest kein Mensch zünde, der bei Vernunft ist :)

    Also versuche ich mich so kurz wie möglich zu fassen: Ich habe 13 Jahre mit einem alkoholkranken Mann zusammengelebt, wir haben ein gemeinsames Kind. Ende letzten Jahres habe ich mich aufgrund seiner Sucht von ihm getrennt. Ich konnte einfach nicht mehr so leben.
    Er hat unmittelbar danach eine neue Freundin gefunden und mir erzählt, er habe aufgehört zu trinken. Ich habe das geglaubt und ihm auf sein Drängen hin versprochen, seiner Familie nichts über den wahren Trennungsgrund zu erzählen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, mit diesem Zugeständnis meine Co-Abhängigkeit fortzuführen. Ich war einfach nur froh, aus der Nummer raus zu sein und habe mir von ihm nicht verbieten lassen, meinen Vertrauten die Wahrheit zu sagen, was er mir unwahrscheinlich verübelt hat und wofür ich mich erst einmal schlecht gefühlt habe.

    Wenn ich ihn bei gemeinsamen Telefonaten (er weigert sich seit der Trennung, mich auch nur 30 Sekunden persönlich zu treffen) fragte, ob er noch tränke, verneinte er, aber er erzählte, in eine Depression abzurutschen.
    Aufgrund dieser Depression- die sicherlich eine Tatsache ist, kümmerte sich sein Umfeld aufopferungsvoll um ihn, ohne von seinem Alkoholproblem zu wissen. Er selbst geht zurzeit weder zur Arbeit, noch pflegt er Kontakt zu unserem Sohn - er hat wegen seiner Depression absolute Narrenfreiheit. Er lässt seine neuen Connections die letzten Monate also ein Feld beackern, das eigentlich nicht seine Hauptbaustelle ist. In dieser zeit hat er sich zusätzlich immer wieder an mich gewendet, ob es nun Vorwürfe, Beschimpfungen, Liebesbekundungen waren. Ich habe mittlerweile begriffen, dass er seinen Tippi-Toppi-Co-Alki (das war/bin ich nämlich leider) wiederhaben will. Begriffen habe ich nicht, dass ich das mitgemacht habe, getröstet, zugehört, geschwiegen, aufgebaut, vermutlich, um meine Sonderstellung etc. zu behalten und außerdem war ich es ja so gewohnt. Begriffen habe ich auch nicht, dass er bereits wieder voll am Saufen war. Das ganze Programm. Ich habe ihn wegen seiner Depression aufrichtig bedauert und ihm mit den anderen alles abgenommen.

    Als er unseren Sohn nach langer Zeit letztes Wochenende (alleine) bei mir getroffen hat, fand ich später leere Wodkaflaschen, die er vergessen hatte, zu entsorgen und mir wurde klar, dass er nicht aufgehört hat zu trinken. Das traf mich widersinnigerweise wie ein Hammerschlag. Ich habe mich wieder einmal vollkommen hilflos gefühlt, voller Angst, voller Mitgefühl für mein Kind. Mir ging es wirklich schlecht - und ich bin wütend. Ich habe mich getrennt und komme dennoch nicht aus diesem Gefängnis der Sucht. Und ich habe begriffen, dass ich seine Sucht nicht mehr alleine tragen will.

    Anstatt ihm die üblichen Vorhaltungen und Gardinenpredigten zu halten, habe ich habe seinen Vater informiert, der sein einziger Kontakt neben seiner neuen Freundin ist. (er hat keine Freunde). Er hat meine Worte nicht bezweifelt, ihm selbst war das Problem ansatzweise schon aufgefallen. Das hat mich zunächst unfassbar erleichtert - endlich nicht mehr allein mit dem Wissen um die Krankheit. Wir haben beschlossen, übermorgen gemeinsam die Suchtberatung der Caritas aufzusuchen, damit er ein wenig Durchblick über Alkoholismus bekommt, bevor er seinen Sohn mit seinem neuen Wissen konfrontiert. Ich frage mich, ob es überhaupt gut ist, wenn ich darüber hinaus noch mitmische. Ich gehe nicht meinem Ex zuliebe mit, sondern um meinen Schwiegervater nicht alleine zu lassen, der natürlich momentan total am Arsch ist. Wie weit bin ich noch in der Verantwortung? Ich weiß es nicht. totaler Nebel bei dieser frage.

    Nach dem Blabla, nun mein eigentliches Anliegen, bei dem Betroffene oder Angehörige mir hier vielleicht etwas sagen können:
    Innerhalb unseres verrückten Suchtkonstruktes ist die Aufklärung seines Vaters der höchstmögliche Verrat, den ich begehen konnte. Seitdem ich „gepetzt“ habe, fressen mich meine Schuldgefühle auf. Ich habe Angst, sein Leben damit endgültig zerstört zu haben. Dieses Denken zeigt mir natürlich auch, wie sehr ich noch in der Co-Rolle stehengeblieben bin. Mein Kopf ist momentan voll von Angst, Schuldgefühlen und der Erkenntnis, WAS ich da eigentlich all die Jahre gemacht habe, ich frage mich, wie ich es meinem Kind gegenüber jemals wieder gut machen kann, dass ich die Scheiße so lange mitgemacht habe. Es tut mir so unfassbar leid. Für uns alle.
    Es ist völlig verrückt: mein Verstand sagt, ich habe die richtige Entscheidung getroffen, mein Co-Herz glaubt, ich habe ihn doppelt verraten und treibe ihn jetzt in den Selbstmord. Tief in mir weiß ich, dass ich auch angst habe, nicht mehr von ihm geliebt zu werden, weil ich ausgepackt habe. Er wird komplett durchdrehen, denn für ihn ist die höchste Priorität im Leben seine Sucht zu vertuschen. Das habe ich ihm nun genommen. Es ist gefühlsmäßig für mich wie eine zweite Trennung …
    Was für ein Murks.
    Momentan fürchte ich mich vor der Lawine, die ich mit meiner Ehrlichkeit ausgelöst habe und grübele ob, es wirklich in Ordnung war, mich an seinen Vater zu wenden. In meinem Hirn geht es gerade zu, wie auf dem Marktplatz, wo alle durcheinanderschreien.

    Danke fürs Lesen

    Ahoi