Hallo Zoi und girasole,
Zoi
Da hast du ganz Recht, dass ich dabei selbst meine eigenen Grenzen ignoriere. Es fällt mir so schwer, diese zu setzen und auch zu beachten. Ich hoffe, dass ich das mit der Zeit lerne und besser schaffe. Oft fällt es mir dabei auch schwer, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen, geschweige denn sie anzusprechen und umzusetzen. Gerade bei den Gesprächen mit meiner Mutter habe ich doch so oft wieder Mitleid mit ihr, fühle mich schlecht und verantwortlich. Obwohl du auch in dem Punkt genau Recht hast, sie ist selbst für sich verantwortlich, nur sie selbst kann entscheiden, ob sie in der Situation bleibt oder nicht, sie ist erwachsen. Nur oft kommt sie mir so hilflos vor. Ich habe ihr schon so oft geraten, sich selbst professionelle Hilfe zu holen. Dass sie co-abhängig ist, habe ich erst vor kurzem erkannt. Aber ich weiß schon lange, dass sie unglücklich und total überfordert, frustriert und was nicht alles noch ist...
Das ist etwas, was ich lernen muss. Sie ist erwachsen. Sie ist für sich selbst verantwortölich. Ich bin ihre Tochter.
Mein Bruder ist edit. Ich höre ihm zu und versuche aber auch oft noch durch Tipps zu helfen. Manchmal schreibt er mir abends, wie betrunken unser Vater wieder ist, dass er wieder mal den Herd angelassen hat oder allgemein, was für Ärger er mit unseren Eltern hat. Dann schreib ich ihm, dass ich das kenne und versuche ihm Tipps zu geben. Ich habe ihm auch schon direkt gesagt, dass das alles an der Krankheit Alkoholismus liegt und dass er mit seinem Psychologen darüber reden könnte. Ich weiß nicht, ob er es tut. Enmal kam von seinem Psychologen die Frage auf, ob das Jugendamt eingreifen soll. Aber das Thema war dann schnell wieder vom Tisch. Einerseits möchte ich meinem Bruder in seiner Lage wirklich weiter helfen, andererseits merke ich immer wieder, wie mich das selbst wieder in die Vergangenheit zieht. Dann geht es mir direkt wieder für einige Zeit viel schlechter.
In den Gesprächen mit meiner Mutter, versuche ich auch meinem Bruder zu helfen. Ich versuche, ihr seine Situation verständlicher zu machen, dass es vielleicht besser wäre, dass er bald auszieht und somit Abstand von den Streitigkeiten und von unserem Vater hat (Dabei fällt vielleicht mal das Wort Alkohol, aber nie Alkoholiker!). Ich sage ihr dann auch, dass sie mal mit meinem Bruder selbst über ihre Gedanken und Gefühle reden solle und nicht nur mit mir oder anderen. Denn das kenne ich noch von mir selbst. Es fühlt sich einfach blöd an, wenn niemand mit einem redet, man einfach nur die Wut spürt, ignoriert wird und sich so schuldig fühlt, für was weiß man oft selbst nicht.
Ja, ich hoffe doch so sehr, dass ich meine Ziele irgendwann erreichen werde. Es fühlt sich oft so unterschiedlich an. Manchmal denke ich, ich bin auf einem guten Weg. Dann wiederum denke ich, wie soll ich das alles nur schaffen...
Es tut mir auf jeden Fall gut, hier zu schreiben und eure Rückmeldungen zu bekommen. Danke! 
girasole
Danke für deine Worte! Das bestärkt mich darin, meinen Weg, bei dem ich noch ganz am Anfang stehe, weiter zu gehen...
Ich werde mir demnächst mal einen Termin beim Hausarzt holen und mich dort in Bezug auf eine Therapie beraten lassen.
So dachte ich eigentlich auch bzw. habe ich versucht so zu denken, dass mir das Geld usw. nichts bringt, wenn ich mit mir und meinem Leben dafür nicht glücklich bin. Jedoch habe ich wieder gezweifelt, wie schon so oft, ob meine Probleme denn nicht doch nichtig seien, ob es an mir allein läge und ich doch damit selbst fertig werden müsste... Dass die Schwierigkeiten Zuhause nicht so schlimm sind/waren, dass ich es nicht selbst schaffe. Dass andere eine viel schlimmere Kindheit hatten...
Ich glaube, mich belastet vor allem die emotionale "Gewalt", die in meiner Familie stattfindet. Geschlagen wurde ich nur als Kind und nur selten. Wobei ich mich noch erinnere, wie ich einmal von meiner Mutter davon gerannt bin und sie mit dem Schuh hinter mir her und mich dann damit schlug. Es war furchtbar... Wenn ich das so schreibe, klingt das wieder mal nicht nach einer "normalen" Familie und dennoch kommen immer mal wieder diese Zweifel in mir auf: So schlimm war es doch gar nicht... 
Ich hoffe, es klingt nicht alles zu durcheinander. Ich bin zumindest immer wieder durcheinander, was meine Gefühle betrifft.
Liebe Grüße, Toru-Chan