Beiträge von Meadow

    Nachtrag:

    Zitat

    woher kommt eigentlich dieses Thema? Hat dein Bruder dich gefragt?
    Hat er nicht, oder?
    Aber als klassische Co, zu der deine Eltern dich erzogen haben, brauchst ja gar nicht erst einen "Auftrag" um un Fahrt zu kommen. So wie die meisten Cos ja blitzschnell ungefragt Aufgaben für den anderen übernehmen. Da reicht ein klitzekleiner trigger (wie zb deine Freundin bzw deren Satz)

    Nein, natürlich hat er mich nicht danach gefragt. Es war nur der, nicht mal ernst gemeinte, Satz meiner Freundin. Es waren meine eigenen Gedanken und Unsicherheiten und Selbstvorwürfe, die sich in meinem Kopf ausgeweitet und mich zu diesen Zweifeln gebracht haben.

    Danke girasole!

    Danke für deine klaren Worte! Dadurch haben sich meine Gefühle wieder etwas entwirrt. Ja du hast wahrscheinlich Recht. Ich bin wieder in mein altes co-Verhalten zurück gefallen und konnte dadurch nicht erkennen, wieso ich mich so hin und her gerissen gefühlt habe. Einerseits diese ABSOLUTE Verantwortung, andererseits meine Vernunft mit meinen ICH-Gefühlen. Das kann ich durch deinen Beitrag jetzt zumindest besser trennen und dadurch unterscheiden, was ich möchte und was nicht und ich kann es endlich auch wieder besser fühlen. Zumindest für den Moment.

    Der Tipp, mich mal im Co-Bereich umzusehen, finde ich gut. Ich werde damit aber noch etwas warten, bis sich meine Gefühle noch etwas mehr gesetzt haben. Und ich dachte, ich wäre aus der co-Abhängigkeit schon raus, indem ich darüber rede, nicht mehr schweige, versuche, Abstand zu meinen Eltern zu gewinnen, aber anscheinend gehört mehr dazu... Ich werde mich in der nächsten Zeit mal darüber informieren und hier im Forum etwas stöbern.

    @Lorelei

    Zitat

    Ich bin auch Schwester und die Jüngste gewesen. Von meinen äteren Geschwistern hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht. Meine Eltern waren keine Alkoholiker, aber es gibt in fast jeder Familie etwas wo es Probleme gibt.
    So ein absolutes Abraten finde ich nicht ganz in Ordnung.

    Ich möchte damit meinem Bruder ja auch nicht jegliche Unterstützung verwehren. Und ich glaube auch nicht, dass girasole das so meinte. Aber ich möchte mich nicht komplett für ihn aufopfern. Das bringt ihm ja nichts, das erkenne ich zumindest im Moment wieder klarer. girasole hat Recht. Er würde bei mir keine Selbstständigkeit lernen, das liegt auch außerhalb meiner Verantwortung. Ich biete ihm meine Unterstützung durch Gespräche, Tipps, Aufzeigen von Möglichkeiten an. Das möchte ich auch. Aber auch das biete ich ihm nur an und dränge ich ihm nicht auf. Das ist alles, was ich tun kann. So sehe ich es im Moment und ich bin im Moment auch stolz, dass ich es so sehen kann. :)

    Liebe Grüße, Toru -Chan

    Hallo,

    oh je... ich habe mich jetzt seit gestern gedanklich wieder mal völlig verrückt gemacht... :(

    Mir ist aufgefallen (zum Glück!), dass ich aus Inas Post nur das Negative an mich herangelassen habe:

    Zitat

    man kann meine frühere Situation evtl mit der deines Bruders vergleichen. Und ich kann nur sagen: lass ihn nicht alleine.

    Zitat

    Ich habe mit 16 ein halbes Jahr bei meiner Schwester gewohnt.

    Daher kamen bei mir auch nur negative Gedanken hoch. Ich sei eine total schlechte Schwester, ich würde meinen Bruder im Stich lassen usw. usw. alles Mögliche... es war/ist total schlimm

    Erst im Laufe des Tages konnte ich auch das Positive zulassen, dass Ina geschrieben hat:

    Zitat

    Aber so wie es sich anhört tust du das auch nicht. Wenn es auch so bei ihm ankommt, dass er sich, wenn er das Bedürfnis hat, bei dir melden kann, ist es ja gut so. Mehr aufdrängen fände ich auch nicht gut.

    Zitat

    Aber ich war schon ziemlich selbstständig und es war einfach ein nettes lockeres Zusammenwohnen und nicht so, dass sie sich großartig um mich kümmern musste. Ich kann sehr gut verstehen, dass du nicht möchtest, dass dein Bruder bei dir wohnt. Das ist auch keine dauerhafte Lösung.. Bei mir waren eigentlich auch nur ein paar Wochen geplant.

    Dabei ist beim Positiven sogar mehr Text geschrieben. Das hat mir nur nochmal mehr vor Augen geführt, dass ich wirklich ein Problem habe und die Therapie dringend brauche...

    Auf jeden Fall bin ich noch sehr durcheinander mit meinen Gefühlen und muss erstmal wieder alles ordnen...

    Mehrere Punkte sind mir auf jeden Fall aufgefallen, weswegen ich meinen Bruder nicht aufnehmen möchte. Er ist für sein Alter noch sehr unselbstständig und ich hätte das Gefühl, alles für ihn übernehmen zu müssen bzw. ihn zu allem zu drängen (Wäsche, Essen, Aufräumen...); die Wohnung von meinem Freund und mir ist für uns zwei schon fast zu klein; mein Bruder hat therapeutische Hilfe vor Ort, die er dafür aufgeben müsste; das Gefühl, dass vor allem mein Bruder und ich, aber auch mein Freund und meine Eltern es nicht wollen.
    Auch wenn das alles nur wie eine Rechtfertigung klingt und wahrscheinlich ich mich damit auch vor mir selbst rechtfertige, denn es bin ja ich selbst, die sich das Negative immer wieder sagt... Ich musste es aufschreiben, um es für mich klar zu sehen. Das schelchte Gefühl bleibt irgendwie... Menno, ich fühle mich, als wäre ich ein schlechter Mensch und weiß gar nicht, ob das jetzt gerechtfertigt ist oder nicht. Ich häng da voll dazwischen und weiß nicht, wie ich da jetzt umdenken kann, was ich für mich als positiv rausholen kann, um mich wieder besser zu fühlen. :(

    Liebe grüße, Toru-Chan

    Hallo girasole und Zimttee,

    danke girasole. Ich hoffe sehr, dass mir der Therapeut dabei helfen kann, dass ich mit der Zeit weniger an mir selbst zweifele und meine Grenzen selbst besser erkenne und setzen kann. Bisher weiß ich nicht, woher die Zweifel genau kommen. Ich habe eine Ahnung, dass sie durch viele Erfahrungen in meiner Vergangenheit herrühren, aber was jetzt alles genau dazu beiträgt, muss ich mir dann wohl noch bewusster machen...

    Das Jugendamt war im Gespräch, weil mein Bruder dem Therapeuten gegenüber geäußert hat, dass er sich zu Hause unwohl fühle. Daraufhin redete der Therapeut mit meinen Eltern und stellte quasi ein Ultimatum bis wann sie etwas an der edit ändern sollten. Beim nächsten Mal äußerte mein Bruder wohl, dass er nicht von zu Hause weg wolle. Ich glaube auch nicht, dass die edit das eigentliche Problem ist... Auf jeden Fall war das Jugendamt danach kein Thema mehr. Inzwischen versucht der Therapeut meinen Bruder wohl auf eine edit vorzubereiten. Und in diesem Zusammenhang empfiehlt er meinen Eltern, dass es für ihn besser wäre auszuziehen, um selbstständiger zu werden und weil er sich ja auch nicht so wohl zu Hause fühlt.

    Ich selbst hatte meinen Bruder damals gesagt, dass der Abstand wahrscheilich hilft, um viele Dinge anders zu sehen, dass ich selbst erst vieles erkannt habe, als ich nicht mehr zu Hause gewohnt habe und dass ihm das bestimmt auch gut tun würde. Damals wollte er es auf keinen Fall und ich wollte ihn nicht bedrängen.
    Ein ander Mal habe ich gesagt, dass er sich am besten aus den Streitigkeiten und allem bei unseren Eltern raushalten soll, weil unser Vater die Krankheit Alkoholismus hat und unsere Mutter sich schon lange selbst aufgegeben hat. Dass beide nur sich selbst helfen könnten. Das war das erste Mal, dass ich ihm gegenüber das so direkt geäußert habe. Er hat nicht weiter darauf reagiert und danach hat er mir auch nicht nochmal was in der Richtung per SMS geschrieben oder mir erzählt, dass ich ihm bei etwas direkt helfen solle. Daher habe ich Angst, dass ich auch den Kontkt zu ihm verliere, wenn ich ihn so direkt weiter bedränge. Ich hatte mir vorgenommen, immer mal wieder ein Gespräch anzubieten bzw. per SMS etc. Kontakt aufzunehmen, um ihm das Gefühl zu geben, dass ich da bin. Wie schon erwähnt, sehen wir uns nur sehr selten. Alle paar Monate fahre ich zu meiner Familie und bleibe dann übers Wochenende.

    Also mein Vorsatz war es eigentlich, mich regelmäßig bei meinem Bruder zu melden, so den Kontakt zu halten, so zu zeigen, dass ich da bin. Und wenn er direkte Fragen oder Probleme hat, die er mit mir besprechen möchte, ich ihm dann helfe. Aber mehr nicht. Ich möchte ihn nicht zu irgendetwas zwingen, höchstens Möglichkeiten aufzeigen. Besonders mit dem Hintergrund, dass er therapeutische Hilfe vor Ort hat.
    Aber wie vorhin schon festgestellt, fällt es mir hierbei sehr schwer, meine individuellen Grenzen einzuhalten. Immer wieder habe ich Angst davor, dass das zu wenig ist und schwanke zwischen Angst um meinen Bruder und der Angst davor, mich selbst wieder aufzugeben...
    Ich hoffe, wie gesagt, dass mich die Therapie dabei unterstützen kann, dass ich bald klarer sehe...

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi,

    Zitat

    An sich versuche ich, ganz klare Regeln und Grenzen zu setzen bei meiner Oma... das klappt mal gut, mal garnicht. Da muss ich aber auch zugeben, dass ich da oft selbst schuld bin. Ich tappe dann bei irgendwelchen Kommentaren ihrerseits total in die Falle, erwidere etwas und dann führt ein Wort zum nächsten und ich rechtfertige mich, werde sauer/traurig und reibe mich auf... dumme Zoi =/

    Sag das nicht. Wir lernen doch noch. Gib dir Zeit. Du bist schon so einen weiten Weg gegangen, du hast mal selbst gesagt, es geht nicht alles von heute auf morgen. Ansonsten finde ich die Idee von girasole mit den Zetteln gut, dass man sich so selbst immer wieder daran erinnert. :)

    Zitat

    In anderen fang ich das Gespräch schon relativ unbedacht an und es wird ein einziges Chaos und danach bin ich fix und fertig und weine.

    Das kenne ich auch. Vielleicht hilft es hier, sich vorher genau beswusst zu machen, dass das Telefonat anstrengend wird. Vielleicht hilft es, wenn man sich vorher seine Zettel nochmal durchliest, um sich bewusst zu machen, wie man reagieren möchte, wo die eigenen Grenzen sind. Vielleicht hilft es auch, das alles vorher nochmal laut für sich zu sagen. Vielleicht hilft es auch, sich hinterher zu sagen: Toll, dass ich das heute so gut geschafft habe. Oder: Es ist o.k., dass ich es heute noch nicht so geschafft habe, wie ich es gerne wollte, aber ich übe es und versuche es das nächste Mal wieder neu.
    Das ist etwas, was ich selbst gerne auch noch üben möchte.

    Zitat

    Es klingt vielleicht seltsam, aber im Nachhinein frag ich mich, ob ich das eigentlich extra gemacht habe? Um diese Auseinandersetzung zu bekommen, um zu überzeugen? Ich weiß es selbst nicht so genau.

    Das kenne ich auch. Manchmal frage ich mich im Nachhinein, ob ich mich nun mit Absicht in irgendeinen sinnlosen Konflikt hineingesteigert habe. Das muss noch nicht mal mit meiner Familie sein. Und dann frage ich mich immer, wieso mache ich das? Eigentlich will ich das doch gar nicht.

    Liebe Zoi, es freut mcih, dass du mit deinem Cousin über die Familie geredet hast und dass dir das so gut getan hat, dass du jemanden in der Familie hast, der dich versteht. :) Und vor allem, dass du das Schweigen im Familiensystem brechen konntest.

    Was das negative Denken der Eltern angeht. Bei meiner Mutter habe ich ganz oft das Gefühl, dass sie sich gar nicht richtig freut, wenn ich ihr etwas Schönes erzähle. Das ist bei Noten so eine 2 ist besser als eine 3, eine 1 ist besser als eine 2 und eine 1+ besser als eine 1. Und wenn es eine 1+ ist und andere diese auch haben, dann war es wohl nicht so schwer. Nicht nur bei Noten, bei ganz vielen Sachen ist es so, als seien die Dinge, über die ich mich so freue, plötzlich gar nichts mehr Wert...

    Zitat

    Sie ist aber erwachsen und verantwortlich für ihr Leben. Niemand zwingt sie, so zu leben! Und du bist einfach nicht ihre persönliche Seelsorge, sondern ihre Tochter.

    Danke für diese Sätze. Die werde ich auf meine Zettel schreiben! :)

    Zitat

    Ich frage mich, wie sie wohl reagieren würde, wenn du mal sagen würdest: Weißt du Mama, wenn es dir so schlecht geht... dann geh! Du kannst alles tun, was du willst und scheinbar willst du dort verharren und jammern.

    Ersteres, dass sie sich scheiden lassen soll. Das habe ich ihr zumindest schon ganz oft gesagt. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich es das erste Mal gesagt habe, es ist schon lange her... Aber sie tut es ja nicht. Aber den zweiten Teil, dass sie alles tun und lassen kann, was sie will und scheinbar verharren und jammern will, das habe ich bisher noch nicht gesagt. Das hatte ich früher nie so erkannt. Ich glaube, sie wäre wütend, wenn ich ihr das sagen würde, würde mich vielleicht ignorieren, würde vielleicht weinen, ich weiß es nicht. Es käme wohl darauf an, wie ich es sage. Wenn ich es vorsichtig formulieren würde, würde sie wahrscheinlich gar nicht darauf reagieren. Noch bin ich nicht dazu bereit, vielleicht irgendwann. Aber für meine eigenen Gedanken, hilft mir diese Sichtweise sehr.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi,

    Zitat

    Nochmal kurz ein Gedanke zu deinem kleinen Bruder:
    Du hast geschrieben, dass er am liebsten solange dort leben wollen würde, wie es geht. Vielleicht kommt das daher, dass er sich genauso verantwortlich für die Eltern fühlt wie du? Er sieht ja tagtäglich, was da los ist und wie (scheinbar) "hilflos" deine Mutter reagiert. Vielleicht hat er deshalb Angst, deine Eltern allein zu lassen...?

    Ja, das kann schon sein. Ich weiß es nicht. Ich wohne recht weit weg, bin also nicht so oft dort. Ich fühle mich dabei hin und her gerissen. Eine Freundin meinte mal halbernst, ich könne ihn doch bei mir aufnehmen und mich um ihn kümmern. Erstens glaube ich nicht, dass er das will, zweitens würden meine Eltern das nicht wollen und drittens: ich möchte es auch nicht. Mir fällt es besonders in Bezug auf meinen Bruder sehr schwer, eine Grenze zu ziehen. In wie weit bin ich für ihn verantwortlich, wie weit gehe ich? Inwieweit schade ich dann auch mir selbst? Seitdem er einen Psychologen hat, versuche ich da eigentlich einiges abzugeben, mir selbst zuliebe. Ich weiß nicht, ob das richtig oder falsch ist. Ich dachte nur, es sei besser, wenn jemand außerhalb der Familie mit meinen Eltern und meinem Bruder reden kann. Wie gesagt, das Thema Jugendamt und auch das Thema Auszug für die edit und die Selbstständigkeit sind schon angerissen worden. Ich möchte meinen Bruder ungern damit bedrängen, denn er muss es ja auch selbst wollen oder nicht? Hat er nicht genügend Unterstützung durch seinen Psychologen? Reicht es dann nicht, dass ich meine Unterstützung und meine Gespräche, meine Tipps bei Fragen usw. immer mal wieder anbiete? Ich weiß es wirklich nicht, aber ich habe auch Angst, mich selbst wieder aufzugeben, wenn ich mich zu sehr reinsteigere, dass es mir selbst dann wieder noch viel schlechter geht. Oder ist das egoistisch und ich sollte es einfach tun, weil mein Bruder erst edit ist und ich schon erwachsen und somit verantwortlich bin?

    :(

    Das ist vielleicht ein weiterer Grund, weshalb ich mir selbst einen Psychologen wünsche, der für mich selbst da ist und mir sagen kann: So weit und weiter nicht. Meine Grenzen, die ich wahrnehme sind richtig und nicht egoistisch. Denn davor habe ich so Angst, andere im Stich zu lassen, ungerechtfertigt egoistisch zu sein. Doch mehr hätte tun können. Aber eigentlich dachte ich, ich wäre damit in der Vergangenheit schon an meine Grenzen gegangen und weit darüber hinaus...

    Mein Bruder ist dabei ein ganz schwieriges Thema für mich, weil ich mich da gar nicht so richtig abgrenzen kann, es dann doch versuche und nicht weiß, ob das total falsch ist. Aber ich möchte mich dabei selbst nicht vergessen, vor allem, weil er doch eigentlich professionelle Hilfe vor Ort hat... Oder sind die Gedanken falsch? :(

    Zitat

    Liebe Toru, vielleicht hilft dir das hier ein bisschen: Du musst dich nicht entscheiden. Du darfst deine Mutter lieben und gleichzeitig wütend auf sie sein. Auch Menschen, die man liebt machen Fehler... sogar schwerwiegende. Der Gedanke hat mir mit am meisten geholfen! Ich darf ambivalente Gefühle haben, ich darf gleichzeitig lieben und verachten.

    Das muss ich mir wohl auch noch viel mehr sagen.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo,

    ich habe vorhin mit meiner Mutter telefoniert. Ich fand es gut, dass ich mich vorher darauf einstellen konnte, dass alles negativ sein wird. Das hat mir zumindest heute im Gespräch geholfen. Heute habe ich es auch geschafft, ihr nicht alles positiv zu reden. Nicht, weil ich es nicht so sehe, sondern einfach nur, um mich selbst zu schützen. Nach dem Telefonat habe ich deinen letzten Beitrag gelesen, girasole. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich quasi auch fast nichts über mich erzählt habe...

    Manchmal, wenn ich hier so schreibe, denke ich, ich würde vor allem meiner Mutter unrecht tun. Dann sag ich mir Sachen wie, es war doch nicht alles schlimm. Sie hat auch oft versucht, für uns da zu sein, hat tolle Sachen für uns gemacht, hat uns auf ihre Art und Weise unterstützt. Dann bekomme ich ein ganz schlechtes Gewissen... Andererseits weiß ich auch, dass vieles hätte anders laufen müssen, dass wir Kinder in ganz anderen Bereichen Unterstützung gebraucht hätten. Das schlechte Gewissen aber bleibt...

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo,

    Zitat

    Mit Telefonaten geht es mir mit meiner Mutter wie dir mit deiner Oma. Es ist wahnsinnig anstrengend und ich sitze quasi auf habacht am Telefon, dass sie mir nicht wieder eine unterschwellige Botschaft unterjubelt und ich mich noch Tage später wundere, warum es mir schlecht geht.

    Das kenne ich auch. :shock: Vor allen Dingen, sieht meine Mutter immer ALLES so negativ. Es ist eigentlich egal, worüber sie redet, alles ist immer schlimm und furchtbar. Ob es die Familie, die Arbeit, das Wetter oder sonst was ist. Manchmal weise ich sie darauf hin oder erkläre ihr, dass man das ein oder andere ja auch anders, also positiv sehen kann, aber eigentlich raubt mir das auch nur meine Kraft. Ich finde es nämlich auch immer schon anstrengend genug, ihr einfach nur zuzuhören. Dabei geht es mir danach auch oft tagelang schlecht und ich weiß nicht wieso. Auch bei einem Besuch ist es so. Da fängt es meist schon Tage vor dem Besuch an, dass es mir so geht... :?

    Zitat

    Deine Mutter muss nichts aushalten. Sie möchte. Sie hat ihr Leben in der Hand. Sie kann sich jeden Tag neu entscheiden, zu gehen.
    Das ist klassisch Co- ich muss ja so viel aushalten. ..

    Danke girasole, das muss ich mir wohl immer wieder neu sagen. Das ist für mich noch sehr ungewohnt, so zu denken.

    Zitat

    Dass du als Kind alleine nachts im Bett weinen musstest, ist leider auch klassisch- deine Mutter hat sicher jederzeit- wie so viele Co- Mütter/ Vater hier- Stein und Bein geschworen, dass die Kinder "nichts mitkriegen".
    Kotz.

    Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir dabei auf, dass es eine Zeit gab, in der es für mich eigentlich normal war, dass ich mich in den Schlaf weinte. Es gab Zeiten, da war das normal für mich, so einzuschlafen, anders kannte ich es kaum noch, dabei weiß ich jetzt nicht mal mehr wieso es so war.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo girasole,

    stimmt eigentlich, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Die Badewanne und das Buch haben gestern auf jeden Fall schon mal geholfen. Zeichnen oder Malen kann ich mir auch noch gut vorstellen, das habe ich auch ewig nicht mehr gemacht, hat mir früher aber auch gut getan...

    Vielleicht lege ich mir auch mal eine schriftliche Sammlung an, wo ich dann nachsehen kann, was mir alles gut tut. Die Idee mit der Abstufung finde ich sehr gut! :)

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi,

    Zitat

    Ich weiß nicht, wielange ich sie noch haben werde... der Gedanke allein versetzt mich in Panik! Vielleicht verlangsamt das meinen Prozess, aber ich möchte sie in meinem Leben haben, solange sie noch da ist Traurig
    Das bring ich einfach nicht übers Herz...

    Das verstehe ich. Deshalb hatte ich ja auch dazu geschrieben, dass sich so ein Tipp leichter schreiben lässt als ihn selbst umzusetzen. Ich kann mich noch nicht mal von meinen Eltern lösen und kann mir das momentan auch noch nicht vorstellen... Da bist du mit deinem Vater schon weiter als ich.

    Dass das Trinken von den Eltern meines Vaters ignoriert wird, kenne ich auch. Er ist in ihren Augen auch der Allerbeste. Nur, dass bei uns nicht ich die "Böse" in ihren Augen bin, sondern meine Mutter, sie muss in dieser Hinsicht auch viel aushalten.

    Ansonsten kenne ich auch die Streitigkeiten, das Ignorieren, die Beschimpfungen usw. in der kompletten Familie, echt schrecklich... Als ich noch ein Kind war, ist mein Vater nach so einem riesen Familienkrach einfach betrunken ins Auto gestiegen und nachts davon gefahren. Ich hatte so schrecklich Angst, dass er nie wieder kommt oder sich in den Tod fährt. Dabei hat meine Mutter totale Panik gehabt. Ich hab fast die ganze Nacht nur geweint, dabei war ich ganz allein und niemand wusste von meiner eigenen Angst.

    Wegen deiner Oma kannst du ja vielleicht einfach sehen, wann dir der Kontakt gut tut bzw. in Ordnung für dich ist und wann es dir zu viel wird, sie deine Grenzen wieder überschreitet. Ich würde es ihr dann immer wieder ganz deutlich sagen. Das wurde mir damals in meinem Coaching in Bezug auf meine Mutter empfohlen: "Das ist meine Grenze. Das belastet mich." Aber so wie ich das gelesen habe, versuchst du das auch schon ganz viel.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi,

    vielen Dank für deine Tipps. Es hilft schon allein zu wissen, dass es auch anderen so geht... Und auch der Gedanke, dass man es für den Moment einfach versuchen soll hinzunehmen, hat mir auch etwas geholfen. Ich habe das mit dem Bad und dem Buch ausprobiert, es hat mir gut getan. :D Auch, wenn die Wand noch nicht ganz weg ist, geht es mir jetzt gerade doch schon um einiges besser. Danke!

    Die Erklärung der Therapieformen fand ich auch sehr hilfreich. Mit dieser Erklärung, denke ich, dass die Verhaltenstherapie dann auch erstmal sinnvoller für mich ist. Und, nein, das verunsichert mich nicht, es gibt mir gerade eher etwas mehr Sicherheit bzw. eine Richtung, in die meine Entscheidung gehen kann.

    Ich bin wirklich froh, dass ich mich hier angemeldet habe, dass ich durch eure Beiträge Unterstützung erfahre und durch die stillen Mitleser, die meinen Weg begleiten. :D

    Liebe Grüße und einen schönen Abend, Toru-Chan

    Hallo,

    danke Ina! Vor allem deine letzten beiden Sätze haben mich nochmal in der Entscheidung, eine Therapie zu machen, bestärkt.

    Ich werde mich nächste Woche mal vom Hausarzt beraten lassen, was er mir da so vorschlägt und dann wahrscheinlich mal anfangen herumzutelefonieren...

    Heute ist irgendwie kein guter Tag. Und wie so oft, weiß ich nicht wieso. Es kam ganz plötzlich. Eigentlich war so weit alles in Ordnung. Und auf einmal machte es BAMM und da war sie wieder, diese Mauer, diese unbestimmte Traurigkeit, das Gefühl des Alleinseins... Das alles kann kommen, obwohl ich unter Leuten bin, auch wenn es wirklich gute Freunde sind. Kennt ihr das? Ich habe überlegt, ob ich mir heute Abend durch ein warmes Bad auch mal was Gutes tue. Immerhin habe ich heute etwas Sport gemacht, um mir und meinem Körper damit auch etwas Gutes zu tun und gleich mache ich noch einen Spaziergang. Ich hoffe, das hilft. Manchmal bleibt die "Mauer" nur für einige Stunden, manchmal auch länger... Dann kommen plötzlich wieder alle Zweifel in mich hinein gekrochen oder aus meinem Inneren hervor, ich weiß es nicht...

    Was macht ihr in solchen Situationen? Wie tut ihr euch dann vielleicht etwas Gutes?

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo,

    die Idee von girasole finde ich gut, deine Oma einfach vorher direkt darauf anzusprechen, ihr deine Grenzen mitzuteilen. Du wirst dann ja schon sehen, wie sie darauf reagiert. Wenn du an ihrer Reaktion schon erkennst, sie lädt ihn ja doch ein, dann würde ich ihr den Besuch mit dieser Begründung absagen. So schade es auch erscheinen mag. So wie du schreibst, habe ich aber auch den Anschein, dass deine Oma dir nicht gut tut und du unter diesen Umständen (wenn sie deine Grenzen nicht respektiert), lieber auch zu ihr (vorerst) den Abstand suchen solltest. Halte dich an die Familienmitglieder bzw. Menschen, die hinter dir stehen. Deine Mutter und deine Schwester scheinen momentan ja besser für dich da sein zu können und dich besser verstehen zu können. Vielleicht könnte einer von ihnen oder dein Freund dich ja auch bei deinem Besuch begleiten, falls dir das hilft?
    Es schreibt sich hier so leicht. Wenn ich auf mich gucke, weiß aber wie schwer so etwas ist, wie wenig ich den Abstand selbst einhalten kann... :(

    Was die Gefühle einem selbst gegenüber angehen, dann kann ich mich bei euch, Zoi und girasole, einreihen. Auch mir fällt es oft soo unglaublich schwer, mich selbst zu mögen, mich anzunehmen, mich nicht ständig abzuwerten und fertig zu machen. Auch wenn ich theoretisch weiß, was ich alles erreicht habe, dass ich einen ganz tollen und liebevollen Partner an meiner Seite habe... Das allein hilft leider nicht... Zumindest auch mir nicht...

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Lisa,

    ich kenne diese Angst auch. Und ich bin auch immer noch etwas ängstlich, wenn ich an die Therapie denke. Aber gleichzeitig freue mich darauf. Denn ich erhoffe mir davon, dass es danach besser wird. Mag sein, dass es während der Therapie schlimm ist. Aber das sind ja nur Sachen, die eh schon unter der Oberfläche ruhen. Wenn man sie nicht behandelt, gehen sie nicht weg, sondern werden vielleicht sogar schlimmer. Daher habe ich mich für die Therapie entschieden, auch, wenn ich Angst davor habe, was dabei alles an die Oberfläche kommt und auch, wenn es mir sehr unangenehm ist, vor anderen zu weinen...

    So weit meine Gedanken dazu, die ich mir in den letzten Tagen gemacht habe.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo,

    Das mit dem Aufschreiben der Wünsche ist eigentlich eine gute Idee. Wahrscheinlich wird es mir auch so gehen, dass viele Wünsche mit mir selbst zu tun haben werden. Ich bin ja auch die einzige, die meine Wünsche erfüllen und daran arbeiten kann. Nur manchmal weiß ich eben noch nicht wie. Bzw. manchmal erahne ich es, aber schaffe es noch nicht.

    Mit meinem Bruder habe ich so ein Gespräch bereits geführt. Es kam heraus, dass er am liebsten so lange wie möglich bei unseren Eltern wohnen würde, dabei nur lieber mehr Freiräume hätte. Ich habe ihm gesagt, dass mir selbst der Auszug damals wirklich gut tat und auch der Abstand, den ich jetzt habe, dass ich viele Dinge erst dann wahrnehmen konnte. Es kann sein, dass es an seiner Unsicherheit liegt, dass er nicht ausziehen möchte, aber ich möchte ihn da nicht zu sehr drängen. Ich habe versucht, ihm ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen. Ich weiß aber auch, dass das Thema Auszug noch mit seinem Psychologen besprochen wird, auch nochmal mit meinen Eltern. Vielleicht ergibt sich daraus mehr...

    Ja, ich denke auch, dass meine Mutter momentan dabei nicht wirklich helfen kann, da sie co-abhängig ist. Ich würde ihr so sehr selbst eine Therapie wünschen, damit sie das alles erkennt. Aber auch dafür ist sie leider selbst verantwortlich. Ich habe die Hoffnung, dass der Psychologe meines Bruders ihr einige Dinge in dieser Richtung näher bringen kann. Ich habe ihr nur immer wieder gesagt, dass ich es gut fände, wenn mein Bruder ausziehen würde, um aus dieser familiären Situation heraus zu kommen. Sie reagiert darauf nicht weiter...

    Zu den Hochs und Tiefs. Ich habe gestern noch einen Termin bei meinem Hausarzt für ein Beratungsgespräch vereinbart. Außerdem habe ich mich im Internet schon mal über verschidene Therapeuten informiert, zu denen ich eventuell gehen könnte. Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung! :D

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi,

    Zitat

    Wir müssen lernen, uns selbst ernst zu nehmen Smilie

    Damit hast du Recht. Das möchte ich für mich selbst noch viel mehr lernen!

    Zitat

    Wenn das der Preis dafür ist, dass ich mein Leben habe und gesund bin, dann nehm ich ihn in Kauf. Dann bin ich für ihn irre und verrückt, dann werde ich nicht ernstgenommen. Davon hängt mein Leben NICHT ab! (Das schreibe ich auch als Appell an mich!)

    Und damit versuchst du genau das, dich selbst ernst zu nehmen. Du nimmst dich, deine Gefühle und Bedürfnisse wahr. Du nimmst dich wichtig und stellst dich damit über deinen Vater. Du machst dich damit unabhängig von ihm, seinen Gedanken und Manipulationen. Denn nichts anderes versucht er mit deiner Schwester, wenn er so etwas zu ihr sagt. Du machst es richtig so!
    Dein Vater projiziert seine Probleme in dich. Er verdreht die Sachen. Und du schreibst richtig, dann bist du eben für IHN irre usw. Aber NICHT für DICH. Du hilfst dir selbst, indem du Hilfe annimmst und deinen Weg gehst, die Vergangenheit aufarbeitest, den Abstand zu deinem Vater suchst. Nur er kann es nicht so sehen. Aber die Hauptsache ist, dass du es kannst und darauf kommt es an.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Lisa,

    erstmal herzlich willkommen hier im Forum! :D

    Mir sind auch erst mit dem räumlichen Abstand (Kontakt habe ich noch) bewusst geworden, dass in meiner Familie und auch mit mir selbst etwas nicht stimmt, dass meine familiäre Situation und meine Entwicklung, sag ich mal, nicht normal sind.

    Auch ich habe noch nicht so oft mit anderen über den Alkohol in meiner Familie geredet. Ich finde es gut, dass du das Schweigen darüber brechen möchtest! Es ist ein wichtiger Schritt. Ich kann verstehen, dass du diesen Schritt erstmal mit jemanden gehen möchtest, dem du vertraust, den du kennst.
    Besteht denn in naher Zeit die Möglichkeit, dass ihr euch treffen könnt? Wäre ansonsten auch Telefonieren für dich eine Möglichkeit? Es ist zwar etwas anderes, als wennn man sich persönlich sieht, aber vielleicht ist das zumindest eine Alternative, wenn das Treffen in naher Zukunft nicht klappen sollte.

    Ansonsten ist es schon mal ein guter Schritt, dass du dich hier im Forum angemeldet hast. Hier kannst du dich mit Menschen austauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Mich hat das Forum bei meiner Entscheidung unterstützt, eine Therapie zu machen. Gestern habe ich bei meinem Hausarzt angerufen und mir einen Termin für nächste Woche geben lassen, um mich über eine psychologische Psychotherapie zu informieren. Außerdem habe ich mich im Internet schon mal darüber informiert, welche Therapeuten eventuell für mich in Frage kommen.

    Ansonsten wurde mir von Zoi auch eine entsprechende Hotline zur Beratung empfohlen. Vielleicht wäre das ja auch was für dich. Du würdest dort zwar mit niemand Bekanntem reden, aber es wäre auch noch keine Therapie, auf die du dich festlegen würdest.

    Auch Selbsthilgegruppen für Angehörige von Alkoholikern gibt es, die dir eventuell helfen können.

    Am besten überlegst du einfach mal, womit du dich am wohlsten fühlst.

    Du kannst auch jederzeit die Dinge, die dich beschäftigen, hier aufschreiben. Mir hat der Austausch hier, wie gesagt, schon geholfen.

    Liebe Grüße und alles Gute, Toru-Chan

    Liebe Zoi,

    das klingt wirklich schlimm, was du in deiner Kindheit und Jugend durchmachen musstest. Es freut mich aber, dass dir meine Tipps gegen den inneren Kritiker gefallen. Vielleicht erleichtern sie dir etwas die Wartezeit auf die Therapie. Die ängstlich-panische Vorfreude kenne ich. Obwohl ich noch gar nicht weiß, wann und wohin ich zu einer Therapie gehen werde. Es ist so ein kleines Glücksgefühl, dass ich mir diese Therapie gönnen möchte und dass damit hoffentlich einiges besser oder zumindest verständlicher wird. Nur manchmal wird dieses Gefühl wieder durch Selbstzweifel erstickt. Habe ich ja schon bei mir im Thread geshrieben.

    Wie war dein Arztbesuch? Hat er gegen die Verspannungen geholfen?

    Die Situation, von meinem Vater abgewertet und irgendwie abgestempelt zu werden, kenne ich. Nach so einem Erlebnis habe ich mir immerhin geschworen, nicht mehr mit ihm über eines seiner Hirngespinnste zu reden und zu diskutieren, bringt ja eh nichts.
    Über andere Erkrankungen meines Vaters habe ich auch schon nachgedacht. Aber dann wäre nur die Ursache eine andere, das Ergebnis wäre das gleiche.
    Geh deinen Weg weiter so! So wie ich es bisher hier gelesen habe, klingt das wirklich gut. Wenn ich auf meinen Vater hören würde, würde ich mir nie irgendwelche Hilfe holen. Du machst alles richtig so, dein Vater kann es leider nur nicht sehen und versucht, dich von deinem Weg abzubringen. Aber du musst an dich denken. Genau, tu dir etwas Gutes! :D

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Hallo Zoi und girasole,

    Zoi
    Da hast du ganz Recht, dass ich dabei selbst meine eigenen Grenzen ignoriere. Es fällt mir so schwer, diese zu setzen und auch zu beachten. Ich hoffe, dass ich das mit der Zeit lerne und besser schaffe. Oft fällt es mir dabei auch schwer, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen, geschweige denn sie anzusprechen und umzusetzen. Gerade bei den Gesprächen mit meiner Mutter habe ich doch so oft wieder Mitleid mit ihr, fühle mich schlecht und verantwortlich. Obwohl du auch in dem Punkt genau Recht hast, sie ist selbst für sich verantwortlich, nur sie selbst kann entscheiden, ob sie in der Situation bleibt oder nicht, sie ist erwachsen. Nur oft kommt sie mir so hilflos vor. Ich habe ihr schon so oft geraten, sich selbst professionelle Hilfe zu holen. Dass sie co-abhängig ist, habe ich erst vor kurzem erkannt. Aber ich weiß schon lange, dass sie unglücklich und total überfordert, frustriert und was nicht alles noch ist...

    Das ist etwas, was ich lernen muss. Sie ist erwachsen. Sie ist für sich selbst verantwortölich. Ich bin ihre Tochter.

    Mein Bruder ist edit. Ich höre ihm zu und versuche aber auch oft noch durch Tipps zu helfen. Manchmal schreibt er mir abends, wie betrunken unser Vater wieder ist, dass er wieder mal den Herd angelassen hat oder allgemein, was für Ärger er mit unseren Eltern hat. Dann schreib ich ihm, dass ich das kenne und versuche ihm Tipps zu geben. Ich habe ihm auch schon direkt gesagt, dass das alles an der Krankheit Alkoholismus liegt und dass er mit seinem Psychologen darüber reden könnte. Ich weiß nicht, ob er es tut. Enmal kam von seinem Psychologen die Frage auf, ob das Jugendamt eingreifen soll. Aber das Thema war dann schnell wieder vom Tisch. Einerseits möchte ich meinem Bruder in seiner Lage wirklich weiter helfen, andererseits merke ich immer wieder, wie mich das selbst wieder in die Vergangenheit zieht. Dann geht es mir direkt wieder für einige Zeit viel schlechter.

    In den Gesprächen mit meiner Mutter, versuche ich auch meinem Bruder zu helfen. Ich versuche, ihr seine Situation verständlicher zu machen, dass es vielleicht besser wäre, dass er bald auszieht und somit Abstand von den Streitigkeiten und von unserem Vater hat (Dabei fällt vielleicht mal das Wort Alkohol, aber nie Alkoholiker!). Ich sage ihr dann auch, dass sie mal mit meinem Bruder selbst über ihre Gedanken und Gefühle reden solle und nicht nur mit mir oder anderen. Denn das kenne ich noch von mir selbst. Es fühlt sich einfach blöd an, wenn niemand mit einem redet, man einfach nur die Wut spürt, ignoriert wird und sich so schuldig fühlt, für was weiß man oft selbst nicht.

    Ja, ich hoffe doch so sehr, dass ich meine Ziele irgendwann erreichen werde. Es fühlt sich oft so unterschiedlich an. Manchmal denke ich, ich bin auf einem guten Weg. Dann wiederum denke ich, wie soll ich das alles nur schaffen...
    Es tut mir auf jeden Fall gut, hier zu schreiben und eure Rückmeldungen zu bekommen. Danke! :D

    girasole
    Danke für deine Worte! Das bestärkt mich darin, meinen Weg, bei dem ich noch ganz am Anfang stehe, weiter zu gehen...
    Ich werde mir demnächst mal einen Termin beim Hausarzt holen und mich dort in Bezug auf eine Therapie beraten lassen.
    So dachte ich eigentlich auch bzw. habe ich versucht so zu denken, dass mir das Geld usw. nichts bringt, wenn ich mit mir und meinem Leben dafür nicht glücklich bin. Jedoch habe ich wieder gezweifelt, wie schon so oft, ob meine Probleme denn nicht doch nichtig seien, ob es an mir allein läge und ich doch damit selbst fertig werden müsste... Dass die Schwierigkeiten Zuhause nicht so schlimm sind/waren, dass ich es nicht selbst schaffe. Dass andere eine viel schlimmere Kindheit hatten...
    Ich glaube, mich belastet vor allem die emotionale "Gewalt", die in meiner Familie stattfindet. Geschlagen wurde ich nur als Kind und nur selten. Wobei ich mich noch erinnere, wie ich einmal von meiner Mutter davon gerannt bin und sie mit dem Schuh hinter mir her und mich dann damit schlug. Es war furchtbar... Wenn ich das so schreibe, klingt das wieder mal nicht nach einer "normalen" Familie und dennoch kommen immer mal wieder diese Zweifel in mir auf: So schlimm war es doch gar nicht... :(

    Ich hoffe, es klingt nicht alles zu durcheinander. Ich bin zumindest immer wieder durcheinander, was meine Gefühle betrifft.

    Liebe Grüße, Toru-Chan

    Nachtrag:
    Mir ist noch eingefallen, was ich versuche, um meinen inneren Kritiker kleiner werden zu lassen. Ich schreibe bewusst "kleiner werden", denn weg ist er wohl noch lange nicht, wenn das überhaupt jemals geht...

    Ich schreibe mir einmal in der Woche auf, worüber ich mich in dieser Woche gefreut habe und was mir gut gelungen ist. Das kann alles Mögliche sein, auch Kleinigkeiten.
    In einem nächsten Schritt schreibe ich mir meine verallgemeinerten negativen Gedanken auf, welche ich anschließend durch positive Gedanken ersetze. Z.B. "Niemand mag mich." wird dann zu "Nicht alle müssen mich mögen. Ich muss es niemandem Recht machen. Ich habe Freunde, die mich mögen und akzeptieren, wie ich bin. Ich darf Fehler machen und bin ein liebenswerter Mensch."

    Außerdem habe ich eine Zeit lang alle Komplimente, die ich bekommen habe und seien es auch noch so kleine oder seien es Sachen, die ich selbst an mir so gar nciht sehen konnte, auf kleine Zettel geschrieben und in eine extra schöne Dose getan. Wenn es mir schlecht ging, habe ich sie herausgeholt und mir durchgelesen. Manchmal auch einfach nur so, um mich an meine positiven Seiten selbst besser zu gewöhnen.
    Vielleicht gelingt es dir so auch, deine Kreativität und das Lob darüber besser anzunehmen und zu erkennen.

    Dann habe ich früher auch mal versucht, 10 positive Dinge über mich aufzuschreiben. Das war gar nicht so einfach. Aber dadurch habe ich gesehen, dass auch Dinge, die einem als selbstverständlich und nichtig erscheinen, positiv sein können. (wie z.B. tierlieb oder kann gut zuhören)

    Ich hoffe, die Tipps helfen dir ein wenig, deinen inneren Kritiker zu besiegen. Vielleicht ist ja zumindest eine Sache dabei, die dir behilflich ist und zu dir passt.

    Alles Gute!

    Liebe Grüße, Toru-Chan