Beiträge von Carl Friedrich


    Wir schweifen ab. Mir ging es in diesem Thread viel darum das sich Alkoholiker im Vorfeld schon eine Rechtfertigung im Kopf bereitlegen, um an einer „Suff oder Alkohol Veranstaltung“ teilzunehmen. Ich entziehe mich zwar auch nicht jeder Veranstaltung, jedoch macht es für mich einen Unterschied ob es jemand macht, der Jahre schon trocken lebt und das Rüstzeug dazu hat, als jemand der gerade mal paar tage Monate oder gar erst ein Jahr trocken lebt.

    Hallo Hartmut!

    Den Gedanken kann ich gut nachvollziehen und teilen.

    Ich bin auch verwundert, wenn Leute, die gerade mal leicht angetrocknet sind, vollmundig verkünden, es am Wochenende mal wieder richtig krachen zu lassen. Selbstverständlich mit den alten Kollegen. Als angebliche Absicherung wird dann einer als Aufpasser vorgeschoben, der selbst nicht trinkt.

    Ansonsten würde ich die nötige innerliche Festigung nicht an einer ganz bestimmten Anzahl von Monaten oder Jahren an Abstinenz festmachen. Ich habe nach 5 Monaten das erste Mal wieder ein Speiserestaurant aufgesucht. In der Zwischenzeit hatte ich schon einen Teil meiner ambulanten Therapie durchlaufen, einiges an Fachliteratur gelesen und mich reichlich hier im Forum getummelt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    die frage die ich mir manchmal stelle ist: kann man ohne persönlichen tiefpunkt überhaupt mit dem saufen aufhören?
    hier scheiden sich die geister, ich für mich persönlich würde sagen das es extrem schwierig ist aber nicht unmöglich.

    Ich kenne keinen, der es ohne Tiefpunkt geschafft hat. Ich hatte meinen persönlichen. Der reicht mir, obwohl er im Vergleich zu vielen anderen, keinen besonderen Tiefgang (z.B. Job weg, Familie weg, Führerschein weg, Gesundheit weg) aufwies.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Dann habe ich irgendwann den Ausstieg geschafft, als mein persönlicher Tiefpunkt erreicht war. Bei anderen ist dieser Punkt anscheinend noch nicht einmal erreicht, wenn sie dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen sind. Wie seht Ihr das?

    Hallo Caruso!

    Volle Zustimmung. Und wieder andere schaffen den Absprung nie. Es hat jeder das Recht, sich zu Tode zu saufen.

    Und die Tiefpunkte, die man erreichen muss, sind halt unterschiedlich tief bemessen und von der Persönlichkeit sowie den begleitenden sozialen Umständen des Probanden abhängig.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Es ist schön, dass Du auch den Morgen danach genießen kannst, ohne einen dicken Kopf zu haben.

    Das ist mir zuletzt an Neujahr so gegangen. Andere zogen sichtlich verkatert durch die Gegend, mir ging es blendend. Bezüglich der Risiken am Abend vorher, wäre jedoch eine Sensibilisierung ratsam. Nimm diese nicht auf die leichte Schulter, nur weil es diesmal gut gegangen ist. Das ist keine Garantie für die Zukunft.

    Ich rate, sich mal mit dem sog. Suchtgedächtnis auseinander zu setzen. Das kann schon mal erbarmungslos zuschlagen.

    Warst Du schon bei der Suchtberatung?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Mich nervt es nur, dass große Zeitungen über solche "Prommis" berichten, aber die vielen "normalen" trockenen Alkoholikern keine Silbe wert sind.

    Hallo!

    Es wird publiziert, was für die Allgemeinheit von Interesse zu sein scheint. Ein nicht unerheblicher Teil der Zielgruppe kennt den Promi (Sportler, Schauspieler...) aber nicht den "normalen Alki". Weshalb sollte dann von ihm berichtet werden? Die Zielgruppe kann mit dem Promi was anfangen, mit anderen nichts.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Bei mir machte s erst klick im Kopf, als mir die Familie die Pistole auf die Brust gesetzt hat: Entweder Therapie oder Trennung. Das war zu einem Zeitpunkt, als ich nicht mehr in der Lage war, mal Saufpausen einzulegen, wie es mir früher immer gelungen war.

    Vor dem finalen Gespräch hatte sich meine Familie, ohne mich zu informieren, Rat bei der Suchtberatung eingeholt und für mich dort einen Termin ausgemacht. Ich bin hingegangen. Wir sind immer noch zusammen.

    Gruß
    Carl Friedrich


    Ich habe den Eindruck, er hofft, dass sich das irgendwie von selbst erledigt und er beim Trinken stirbt.

    Hallo!

    Das kann passieren. In D kann sich jeder zu Tode saufen, fressen, koksen, spritzen...

    Es schafft halt nicht jeder, sich aus dem Klammergriff der Droge zu befreien. Das ist halt eine Art natürlicher Auslese. Die einen schaffen es, viele bleiben auf der Strecke.

    Daran kann ich nichts ändern, außer meinen Weg aufzeigen, den ich bislang gegangen bin. Laufen müssen die Betroffenen schon selbst. Ich kann und werde sie nicht tragen oder wie heißt es so schön: "Man hilft einer Omi nicht über die Straße, wenn sie nicht will."

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Mario!

    Das ist ein interessanter Ansatz.

    Vorab, nein, ich halte auch nicht alle Elemente der Grundbausteine ein und werde es wohl auch niemals tun. Dennoch sind sie für Neueinsteiger eine prima Orientierung, eine Art to-do-Liste, die die eigenen Chancen erheblich verbessert, clean zu bleiben, wenn man sie beachtet.

    Ich habe in den letzten Jahren gelernt , dass es mehrere Gründe in die Sucht, als auch mehrere Wege aus ihr heraus gibt.

    Es gibt hier einige Langzeittrockene, die ihren Weg auch ohne professionelle Hilfe gefunden und erfolgreich beschritten haben. Dafür gebührt ihnen mein voller Respekt.

    Ich betrachte Therapien als die zweite Seite der Medaille. Seite 1: Eigenes Engagement unter Beachtung meiner o.a. Grundsätze

    1. Die eigene Abstinenz hat absolute Priorität, alles andere ist weniger bedeutsam und muss zurückstehen.

    2. Sich den Alkohol, so gut es eben geht, auf Distanz zu halten und ihm nicht noch hinterher zu rennen.


    Seite 2: Professionelle Hilfe.

    Der Vorteil der professionellen Hilfe bestand für mich darin, dass ich das, was ich hier im Forum sowie anderweitig gelesen habe, in Beziehung zu dem setzen konnte, was ich dort hörte. Das rundete für mich das Gesamtbild ab. Auch lernte ich einige interessante Herrschaften kennen, die rückfällig wurden. Die Ausführungen der Rückfälligen waren für mich sehr wertvoll und ich profitiere noch heute von ihnen, zumal sie sich nahtlos in die Hinweise der Therapeuten einfügten.

    Allerdings verhält es sich mit den Therapien so wie mit der Schule, hat meinen gute Lehrer, profitiert und lernt man, taugen in Ermangelung genügenden pädagogischen Geschicks nicht viel, kann man's vergessen.

    Jedoch kann man Therapien nur dann beurteilen, wenn man mal an einer teilgenommen hat. Aber auch dann besteht das Risiko, von einer gleich auf alle zu folgern.

    Und nicht jeder ist subjektiv in der Lage, sein Problem nur mit dem Forum und ggf. zusätzlich einer realen SHG in Angriff zu nehmen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Und das mit dem Führerschein hatten wir auch schon mal. Das letzte mal hatte er seinen Führerschein nur 2 Jahre lang. Und davor konnte er ein ganzes Jahr lang abstinent bleiben, nur um den FS wieder zu bekommen, weil er ihn für die Arbeit brauchte. Am selben Tag, er dem er ihn sich abholte, ist er auf dem Heimweg Alkohol kaufen gefahren und 2 Stunden später schon war er total besoffen. Ich bin damals schier durchgedreht, weil mir klar war, dass er das alles nur wegen dem FS gemacht hat, und eben nicht um sein Leben zu ändern.

    Ich sehe auch nicht ein, warum immer der oder die Co gehen soll, wenn Trennung ansteht. Die saufen doch nicht. Soll doch der Säufer gehen! Weil dann zahl ich nämlich 2 Wohnungen bzw. das Haus und meine Wohnung. Der Vermieter braucht nur einen, an den er sich halten kann. Geht einem das Geld aus, ist der andere dran, das bin jetzt ich.


    Hallo!

    Die Führerscheinaspiranten in meiner ambulanten Therapie waren schon ein ganz spezieller Fall. Die meisten von ihnen gingen nur zur Therapie, um bessere Karten bei der MPU zu haben. Das ärgerte mich seinerzeit, heute nicht mehr, weil meine persönliche Erkenntnis zum Thema Sucht deutlich tiefgreifender ist, als damals. Auch die Therapeuten erklärten unverblümt, dass viele von ihnen einige Zeit später wieder auf der Matte der Suchtberatung stünden.

    Zur Wohnungsfrage: Wer hat denn den Vertrag unterschrieben? Falls beide, wird's schwer, den Trinker raus zu bekommen. Daher verfährt der nicht trinkende Teil besser nach der Devise, "der Klügere gibt nach", um sich selbst zu schützen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Hartmut!

    Erst mal gute Erholung.

    Ja, das sind typische Anfängerfehler, die gerne und schnell in einem Rückfall enden.

    Es werden die beiden wesentlichen Grundsätze der Abstinenz und somit des eigenen Überlebens in Frage gestellt:

    1. Die eigene Abstinenz hat absolute Priorität, alles andere ist weniger bedeutsam und muss zurückstehen.

    2. Sich den Alkohol, so gut es eben geht, auf Distanz zu halten und ihm nicht noch hinterher zu rennen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat


    Ich habe auch noch eine Frage. Wer von euch hat sich am Anfang eingeredet, er könne das Trinken irgend wann kontrollieren. Wie zum Beispiel , Anstoßen mit Sekt beim Geburtstag oder auch Mal ein gepflegtes Feierabendbier? Nicht täglich, nur zu Anlässen. Und wann habt ihr es gemerkt, dass dieser Weg für euch nicht richtig ist? Gibt es sowas überhaupt, wenn man Alkoholiker ist?

    Hallo Netti!

    Davon war ich jahrelang felsenfest überzeugt. Mit meinen Saufpausen hatte ich mir ja vorgemacht, alles im Griff zu haben, was tatsächlich nicht der Fall war. Denn nach der Saufpause war die alte Schlagzahl schnell erreicht.

    Bei mir kehrte die Einsicht ein, es nicht mehr ohne äußere Hilfe zu schaffen, als es mir nicht mehr gelang, wenigstens mal eine kurze Saufpause einzulegen, genauer gesagt, ich war nicht mehr fähig, wenigstens mal einen Tag auf Alkohol zu verzichten. Ich stand da und sprach zu mir selbst: "Jetzt stehst Du da wie ein Penner neben der Tanke und schüttest dir in "Windeseile" 2-3 Kannen Bier in die Birne. Du kannst nicht mehr ohne. Du bist am Ende. Der Alkohol hat dich geschafft." Es war ein Moment, indem ich mich sehr vor mir selbst geschämt habe.

    Für mich persönlich gilt: Ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken. Ich habe den point of no return schon vor langer Zeit hinter mir gelassen.

    Ich kann jedoch nicht zu 100% nicht ausschließen, dass es tatsächlich hier und da evt. mal einen Alkoholiker gibt, dem der Umstieg in einen moderaten und unbedenklichen Konsum gelingt. Es handelt sich dann um die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich habe bislang keinen kennengelernt.

    Ein großes Problem für viele frisch Abstinente ist der Gedanke, von nun an für alle Tage auf den Alkohol zu verzichten. Bei vielen spukt es noch im Hirn umher, irgendwann geht doch noch mal was mit Alkohol. Diesen Gedanken hatte ich in den ersten Wochen meiner Abstinenz auch. Ich dachte auch, nach 1-2 Jahren Abstinenz wäre evt. ein moderater Konsum möglich. Erst meine gründliche Beschäftigung mit dem Thema und einige Teilnehmer meiner ambulanten Therapie als abschreckendes Beispiel haben zu dem nötigen Umdenken geführt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Karsten!

    Du hast nach "Feiern" gefragt und ich habe darauf geantwortet, zu keiner Silvesterfeier zu gehen. Ich feiere Silvester nicht, sondern mache es mir mit meiner Frau daheim gemütlich.

    I.Ü. habe ich eine Menge für mich getan. Mich zieht es halt nicht zu Veranstaltungen, auf denen mehr oder weniger heftig getrunken wird. Da gehöre ich nicht (mehr) hin.

    Ansonsten ist bei mir alles im "grünen Bereich".

    Gruß
    Carl Friedrich