Beiträge von Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Der alljährliche Wahnsinn hat mal wieder das Rheinland ergriffen. Früher habe ich mich auch mal jahrelang ins Getümmel gestürzt, es war ja ein willkommener Anlass, mir gewaltig einen hinter die Binde zu kippen. Und in dem Chaos fiel ein Trunkenbold ja gar nicht großartig auf.

    Mich zieht nichts mehr dort hin. Statt dessen habe ich mir heute einen Saunabesuch gegönnt. Schwitzen statt saufen. Ich fühle mich gut erholt.

    Suchtdruck habe ich keinen.

    Gruß Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Eines gefällt mir nicht so besonders: Das Begriffspaar "trocken" und "nass".

    Mir sind diese Worte, die ich nur selten benutze, zu sehr mit dem Begriff der Inkontinenz von Kleinkindern verbunden.

    Ich sehe mich als "abstinent" an.

    Bevor hier ein paar "Schlauberger" auf die Idee kommen: Nein, mir fehlt es nicht an der nötigen Einsicht, alkoholkrank zu sein. Das weiß ich genau.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Hartmut


    Als ich trocken wurde oder besser gesagt, erstmal nüchtern, wollte ich alles was nass war im Sauseschritt hinter mir lassen.

    Mit der Zeit merkte ich jedoch das das nasse Hirn nicht mit der Geschwindigkeit stand halten konnte. Das machte natürlich Frust

    Hallo!

    So habe ich es auch erlebt. Ich habe ein paar Tage mal den Alk weggelassen und hielt mich schon "für über den Berg". Erwies sich als Trugschluss. Warum? Alles braucht halt seine Zeit.

    Wer sich jahrelang das Hirn mit Alk vernebelt und seine Organe parallel übel malträtiert hat, muss eine längere Zeitspanne einkalkulieren, bis das Oberstübchen und die neue Software namens Abstinenz sich so eingespielt haben, dass sie miteinander harmonieren.

    Dieser Prozess vollzieht sich nicht im Zeitraffer, sondern eher in "Super-Slow-Motion". Bedauerlicherweise fällt es den Neulingen sehr schwer, dies nachzuvollziehen. Das ging mir übrigens genau so. Als Neuling wollte ich rasch Erfolge sehen und ich war nicht geduldig genug, einen Gang zurückzuschalten und einfach mal in Ruhe abzuwarten.


    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Vollwaise


    Dein Posting hat was missionarisches...

    Hallo!

    Das war und ist nicht beabsichtigt.

    Es springt mir seit geraumer Zeit ins Auge, dass Herrschaften sich dem Klammergriff des Alkohols entwinden, jedoch die aus meiner Sicht wesentlich leichter zu beendende Qualmerei, irgendwie nicht sein lassen können.

    Komische Welt.

    Apropos: Tausende von Todesfällen sind direkt auf die Qualmerei zurückzuführen. Daher verbagatellisiere ich sie nicht als lediglich "dumm, sinnlos und teuer."

    Aber das muss ein jeder mit sich selbst ausmachen.

    Der Widerspruch, warum man die eine Sucht in den Griff bekommt, die andere jedoch nicht, ist für mich immer noch offen und ungeklärt. Das fällt mir nicht nur hier im Forum auf. Eine plausible Erklärung gibt es da für mich bislang nicht.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Hartmut


    Das Wissen alleine reicht auch beim Rauchen aufhören nicht aus. In der nassen Zeit als Alkoholiker war es ähnlich. An Wissen mangelte es nicht.

    Hallo!

    Einige hier benötigen halt einen persönlichen Tiefpunkt, um den Ausstieg aus dem aktiven Part der Sucht zu beginnen. Eventuell sind sie bezüglich des Giftes Nikotin noch nicht ausreichend tief gesunken. Es geht ihnen mit dem Laster wohl "noch" zu gut.

    Ist aber nur eine persönliche Hypothese.

    Ich kann jedenfalls nur jedem Qualmer nur anraten, sich des Themas anzunehmen.

    Es grüßt der nikotinfreie Carl Friedrich

    Hallo!

    So eine Nummer ist mir im ersten Jahr auch mal passiert. Ich habe daraus gelernt. Was? Mein Leben risikoärmer zu gestalten, vor allem in den ersten 12-18 Monaten, in denen ein Neu-Abstinenter noch nicht die nötige Standfestigkeit hat.

    Der Kelch (das Schnapsglas) ist diesmal an dir vorüber gegangen, aber beim nächsten oder übernächsten Mal? Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

    Ich hoffe, Du ziehst so wie ich anno 2015, die richtigen Schlussfolgerungen aus dem Ereignis. Was habe ich getan? Mir den Alkohol und trinkende Leute erst mal wieder gründlich auf Distanz gehalten, da ich ihm zu nahe gekommen bin.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Hartmut

    Hallo Carl Friedrich
    Mittlerweile ist es ja bekannt und es kommen eh meist nur noch Nachfragen von Menschen die ihr Trinkverhalten selbst in Frage stellen.

    Hallo!

    Stimmt. Gefragt wurde ich nur von solchen Leuten, die selbst offensichtlich mehr trinken, als ihrer Gesundheit bekommt. Den anderen ist es völlig egal, weil sie ein ganz entspanntes Verhältnis zum Alk haben und es sie demzufolge auch nicht verwundert, das man nichts trinkt.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Hartmut

    Ich trinke keinen Alkohol reicht ja als Information.

    Hallo!

    So sehe ich das auch. Ich schulde niemandem eine Erklärung.

    Komisch: Nachgebohrt wird bei mir so gut wie nie. Da kann sich jeder einen eigenen Reim drauf machen.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Auf Veranstaltungen, die primär durch den Alkohol zusammengehalten werden, hat ein frisch Abstinenter nichts verloren.

    Später, wenn Du stabiler unterwegs bist, wirst Du es dort eh nicht aushalten.

    Also (fast) alles richtig gemacht.

    Deine Frau wäre besser früher eingebunden worden. Mach ihr keinen Vorwurf. Sie kann sich nicht mit der Alkoholkrankheit auskennen. Es ist deine Aufgabe, sie insoweit zu sensibilisieren und aufzuklären.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Rauchfrei bin ich seit 5 Jahren, alkoholfrei seit 2 J. 9 Mo.

    Die Qualmerei aufzugeben war für mich viel einfacher, als die Finger vom Alkohol zu lassen. Schmacht auf Nikotin hatte ich nur ganz selten und jetzt schon seit mehreren Jahren gar nicht mehr.

    Das was Ihr zum Rauchen ausführt, habe ich schon oft anderweitig gehört. Ich kann es für mich aber nicht bestätigen. Es kann aber auch daran liegen, dass ich mich erst dem Verzicht auf Nikotin zugewandt habe und viel später erst dem Alkohol.

    Mein ehemaliger Therapeut, der selbst 4-5 Zigaretten pro Tag qualmt, pflegte nur auszuführen: Nehmen Sie nicht beide Süchte gleichzeitig in Angriff. Erst den Alkohol und wenn Sie sich stabilisiert haben (nach ca. 1 Jahr), dann auch das Nikotin.

    Dennoch bin ich überrascht, wie viele trockene Alkis partout nicht die Finger vom Nikotin lassen können. Dabei müssten sie doch genau wissen, dass ein Ausstieg aus der Sucht möglich ist.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Na ja, das Wort "hausieren" hat schon einen negativen und provozierenden Beigeschmack. Daher verwende ich ihn im Hinblick auf die Information anderer nicht mehr.

    Im ersten Jahr war ich sehr negativ eingestellt, was meine Krankheit betrifft. Ein kluger Kopf hat mal geschrieben, Alkoholismus sei auch eine Wutkrankheit. Ich war sauer auf die Krankheit und daher verstimmt, dass ich auch noch anderen Leuten just diese Krankheit, die einen schlechten Ruf genießt, beichten soll. Daher resultierte bei mir der Grundgedanke, den Kreis der Eingeweihten möglichst klein zu halten.

    Das hat sich bei mir gelegt. Es ändert jedoch nichts daran, das ich meine Krankheit nicht jedem, der fragt, auf die Nase binde.

    Allerdings haben mich bislang sehr wenig Leute gefragt. Ich verkehre vornehmlich in Kreisen, in denen der Alkoholverzicht keine Besonderheit ist, die Nachfragen auslöst, wenn ich auf Alkohol bewusst verzichte.

    Es gibt enorm viele Menschen die gar keinen oder nur sehr selten und dann auch sehr wenig trinken. Nur hatte ich diese früher gar nicht im Focus. Da waren mir Zecher lieber.

    So ändert sich so einiges im Verlauf der Abstinenz.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Hartmut

    Wenn du schon schreibst standhaft zu bleiben, gehe ich davon aus das du mit Urlaub Alkohol in Verbindung bringst. Würde ich nicht tun . Zudem empfehlen im ersten Jahr auf sowas zu verzichten.

    Hallo!

    An dem Rat, im ersten Jahr urlaubsmäßig kürzer zu treten, ist schon was dran.

    Urlaub kann das Suchtgedächtnis enorm triggern, vor allem, wenn man früher dort immer gesoffen hat. Das Hirn verknüpft dann die Komponente Urlaub mit Alkoholkonsum.

    Daher sei jedem angeraten, erst in den Urlaub zu starten, wenn eine gewisse Stabilität der Trockenheit entstanden ist.

    Auch das Urlaubsziel bedarf der Überprüfung. Ein AI-Hotel im Süden, in dem sich die Leute schon ab Vormittag einen in die Birne kippen, ist sicherlich der absolut falsche Ort.

    Ich habe meinen ersten Urlaub mit meinem ehemaligen Therapeuten abgestimmt und mir bei ihm "grünes Licht" geholt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich jedoch schon viel an meiner Abstinenz gearbeitet und schon mehrere Monate ambulante Therapie hinter mir.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das Thema, wen man einweiht, wird hier schon seit langem kontrovers gesehen und diskutiert.

    Die einen gehen sehr offen damit um und haben damit gute Erfahrungen gemacht.

    Die anderen ziehen den Kreis deutlich enger und sind damit erfolgreich und zufrieden.

    Das muss ein jeder mit sich selbst ausmachen. Eine für alle verbindliche und glückselig machende Empfehlung vermag ich nicht zu erkennen.

    Der von mir informierte Kreis ist sehr überschaubar gehalten und ich finde meine Vorgehensweise für mich angemessen und richtig. Es sind nur Herrschaften in Kenntnis gesetzt worden, die ich auch über andere schlimme und lebensbedrohliche Erkrankungen informieren würde. Meinen Kurs habe ich mit meinem ehemaligen Therapeuten abgesprochen und er hat mich ausdrücklich bestärkt.

    Relevant ist nur, dass wir schön abstinent bleiben.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Das mit dem Saft war 'ne richtig gute Idee.

    Wir dürfen nicht erwarten, dass ein Nicht-Alkoholiker sich mit unserer Krankheit auskennt. Bei vielen (auch bei diversen Alkis) herrscht der Irrglaube vor, eines Tages sei man geheilt und könne wieder "normal" einen trinken.

    Daher sollte man einem "Eingeweihten" klar machen, dass wir unsere Krankheit nur stoppen, niemals heilen können.

    In der Serie "Der Trocken-Doc" (absolut sehenswert) heißt es dazu: "Alkoholismus ist eine Sackgasse". Es gibt kein zurück in ein früheres Stadium.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von Florian73


    Denn der Alkohol mit seiner Wirkungsweise ist im Prinzip "stärker als ein Mensch", sofern man ihn konsumiert. So zumindest meine Meinung.

    Hallo Florian!

    Ist Karstens thread, daher ganz kurz: Das nennt man "Kapitualtion vor dem Alkohol". Klingt zwar militärisch, wird jedoch in deinem Sinne ausgelegt.

    Und tschüss.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von HH48


    Also was hat mich wieder zur/an die Flasche gebracht?

    Nachdenkliche Grüße

    Hallo!

    Könnte nicht aus Aufeinandertreffen mehrerer Ursachen zu dem Ergebnis geführt haben?

    Du hast dich aus einen Tief herausgearbeitet und bist womöglich an einen Punkt gelangt, dass Du meintest, Du hättest es geschafft.

    Daneben hast Du dich womöglich zu wenig mit deiner Krankheit befasst. Hier im Forum warst Du längere Zeit abwesend.

    War in einem Hinterstübchen deines Hirns evt. noch irgendwie der Gedanke vorhanden, irgendwann bin ich geheilt und kann womöglich doch noch mal moderat was trinken? Hast Du immer rück- und vorbehaltlos zu deiner Abstinenz gestanden?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Zitat von MieLa


    Plötzlich war ich bei folgender Situation: Irgendwann in der Zukunft, wenn ich stabil nüchtern geblieben bin, drückt mir jemand im beruflichen Kontext ein Glas Sekt in die Hand. Wie reagieren, wenn ich nicht auffallen und Nachfragen vermeiden will? Also könnte ich ja nur nippen und mich am Glas festhalten. Das wird schon nichts auslösen, immerhin bin ich ja schon lange stabil. Das werde ich unter Kontrolle haben und selbst wenn dies Suchtdruck auslöst: sooo schlimm waren die ersten Tage des Entzuges ja nicht - das kann ich wiederholen...

    Hallo!

    Dein Suchtgedächtnis piesackt dich. Das geht fast allen Neuanfängern in den ersten Monate so. Später werden die Abstände deutlich größer. Da musst Du notgedrungen durch.

    Lenk dich mit Dingen ab, die dir Freude machen z.B. Hobbies, raus in die Natur ...

    Zur Sektglasnummer: Auf die habe ich mich auch vorbereitet und umgesetzt. Mir drückt keiner ein Sektglas in die Hand. Ich lehne dankend ab. Falls ich wider Erwarten das Glas dennoch in die Hand nähme, wird es sogleich irgendwo abgestellt.

    Ich kann nur davor warnen, an dem Zeug zu nippen. Da ist die Gefahr zu groß, das Du dir den ganzen Becher rein kippst und dann gleich noch mal Nachschub orderst, weil Du meinst, ein, zwei Gläschen sind doch nur ein Tropfen auf den hohlen Stein.

    In der Anfangszeit habe ich keine Sektempfänge besucht und ich rate von so was in den ersten Monaten auch ab. Die Veranstaltung selbst kann enorm triggern. Selbst wenn man auf der Veranstaltung brav trocken geblieben ist, kann einen das animierte Suchtgedächtnis auf dem Heimweg in einen Laden/Tanke führen, um das aktivierte Bedürfnis zu befriedigen.


    Falls Du dennoch nicht um ein solches Ereignis herumkommst, nimm sofort in eine Hand ein Wasser-/Saftglas und in der anderen befindet sich dein Handy, dann hättest Du zumindest keine Hand mehr für ein Sekt-/Weinglas frei. Wohlgemerkt: Ich würde in dem frühen Stadium auf alhohollastigen Feiern/Veranstaltungen nicht antreten. Meine persönliche Sicherheit geht mir da vor.

    Genau so wenig renne ich demnächst an Karneval zu irgendwelchen Feiern. Warum? ich genieße meine Nüchternheit/Abstinenz. Mir gehen alkoholisierte Menschen inzwischen auf die Nerven. Das tue ich mir nicht an.


    Gruß
    Carl Friedrich