Hallo Wolfgang!
Ich habe ähnlich lange wie Du gesoffen und bin seit knapp einem Jahr trocken. ich habe Folgendes gemacht:
Nach der Entgiftung habe ich mich total durchchecken lassen. Ich war beim Hausarzt: Großes Blutbild, nicht das kleine, das die Kassen zahlen; Ultraschall aller Organe.
HNO; Urologe; Hautarzt; Endokrinologe (Schilddrüse). Wir haben jahrelang Raubbau an unserer Gesundheit betrieben, da gehört halt alles mal auf den Prüfstand, was die Medizin so hergibt.
Dann viel gelesen, hier im Forum und in Fachbüchern; dann eine ambulante Therapie gemacht und bin jetzt noch in einer realen SHG vor Ort.
Gegen Suchtdruck helfen nur die üblichen Ratschläge: Viel Wasser trinken und irgendwas unternehmen.
Dann mal klar machen, wann, wo und unter welchen Umständen, ich getrunken habe. Das erklärte mir, warum sich zu bestimmten Gelegenheiten der Suchtdruck meldete. Auf diese Art kann man prima im Vorhinein vorbeugen, z.B. ich fahre in den Urlaub und habe früher an der Strandbar erst mal ein paar Bierchen gekippt. Also stelle ich mich darauf ein, dass sich nach Ankunft am Urlaubsort, der Druck wieder meldet. Das Hirn signalisiert: "Urlaub? Prima, dann ist der Kanal gleich wieder voll." Oder: Freitags habe ich mich immer fürs Wochenende eingedeckt. Da meldete sich regelmäßig in den ersten Monaten die Erinnerung: Bier kaufen.
Zum Suchtdruck kann ich nur bestätigen, dass er mit der Zeit nachlässt. Aber die eine oder andere heftige Attacke, hatte ich schon abzuwehren. Mit der Zeit werden aber die Abstände deutlich größer und die Attacken lassen in ihrer Heftigkeit deutlich nach.
Wie heißt es so schön: Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit. Gilt auch für die Abstinenz.
Und such Dir vernünftige Freizeitbeschäftigungen, die dich ausfüllen.
Das Ganze getragen vom Prinzip der Risikominimierung. Ich gehe Gefahren konsequent aus dem Weg. Rudelgucken (Fußball), Kneipen etc. sind ersatzlos gestrichen. Mittlerweile zieht mich da nichts mehr rein.
Daneben kann ich nur raten, sich beruflich und privat nicht unter Druck setzen zu lassen und sich Auszeiten zu nehmen.
Ansonsten: Schau dir die Grundbausteine an, druck sie aus, häng die Liste auf und lerne von ihr.
Eines steht fest und wird auch dir nicht gelingen: Weiter leben wie bisher, nur ohne Alk, das wird auch dir höchstwahrscheinlich nicht gelingen.
Zum Schluss: Tausch dich hier regelmäßig aus, schreib, wenn Du Druck hast, setz dich mit dir und deinen Problemen auseinander. Die Kommunikation mit anderen hier hilft ungemein. Meinen ersten richtig heftigen Suchtdruck hatte ich im letzten Sommer und die kurze und knappe aufmunternde Äußerung eines Langzeitexperten hier hat mich ungemein aufgebaut und beflügelt.
Gruß Carl Friedrich