Beiträge von Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Heute jährt sich meine Abstinenz zum ersten Mal. Anfangs rechnete ich in Tagen, dann in Wochen, später in Monaten. Mal schauen, in welchen Einheiten ich zukünftig mein abstinentes Leben rechnerisch erfasse, sofern ich nicht "verunfalle".

    Ich wähne mich grundsätzlich auf einem guten Weg und empfinde schon so etwas wie Stolz auf diese Leistung. Doch gilt es weiterhin, äußerst achtsam zu bleiben.

    Was unternehme ich gegen gelegentlichen Suchtdruck?

    Mich hinterfragen, warum ich ausgerechnet jetzt trinken will? Meine Antwort auf diese Frage: "Da läuft was verkehrt. Evt. Probleme lassen sich sicherlich anders lösen, auch wenn Du momentan den richtigen Weg (noch) nicht siehst. Das braucht halt Zeit und Geduld."

    Dazu halte ich mir mehrere Teilnehmer meiner ehemaligen ambulanten Therapie und meiner SHG vor Augen, die mir glaubhaft von ihren Rückfällen berichteten, wie sie in kurzer Zeit wieder alte Schlagzahlen erreichten, da ein moderates Trinken für uns nicht mehr möglich ist.

    Dazu unterrichte ich meine Frau, trinke erst mal Wasser und esse etwas, um mich sodann durch eine Beschäftigung, die mir Freude macht, abzulenken. Das hat bislang stets geholfen.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Wolfgang!

    Vor ziemlich genau einem Jahr stand ich vor der gleichen Frage. Ich habe dann, dank entsprechendem Druck meiner Familie, bei der Suchtberatung vorgesprochen und dort geklärt, ob und ggf. welche Therapie in Betracht kommt. Eine ambulante Therapie aus wöchentlichen Gruppen- und 14-tägigen Einzelgterminen ist nun wirklich nicht so zeitaufreibend und anstrengend, dass man sie nicht mit dem Job kombinieren kann, zumal Fälle von berufsbedingten Abwesenheiten entschuldigt und nachgeholt werden können, so meine Erfahrung.

    Mir hat diese Therapieform jedenfalls geholfen.

    Warum klärst Du deine Möglichkeiten nicht erst mal mit der Suchtberatung ab und entscheidest anschließend?

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Seco52

    bin jetzt wieder aus eigener Kraft 8 Tage trocken und ohne Medikamente. Aber ich bin den ganzen Tag müde. Hat bestimmt was mit dem Entzug zu tun...

    Hallo!

    Die Frage kann dir nur ein Arzt nach gründlicher Untersuchung einschließlich eines großen Blutbildes incl. des Vitaminspiegels beantworten.

    Trinkst Du ausreichend Wasser? 2l mindestens/Tag? Nimmst Du genügend Vitamine zu Dir?

    Gruß Carl Friedrich

    Ich bin zwar nicht Carl Heinz und weiß nicht, wie oft, in welchen Abständen und in welcher Heftigkeit bei anderen Suchtdruck auftaucht.

    Bei mir war da keine Konstante drin. Es ist halt unterschiedlich. Anfangs d.h. im ersten halben Jahr meiner Abstinenz waren die Abstände wesentlich kürzer, mal war er stärker, mal schwächer. Nach einem halben Jahr wurden die Abstände immer größer und eine richtig heftige Attacke hatte in diesem Jahr 2016 keine mehr. Das heißt aber nicht, dass sich jederzeit wieder eine einstellen kann. Die allermeisten Fälle von Suchtdruck verliefen bei mir sehr leicht und waren rasch beigelegt. Ausgelöst wurde sie zumeist durch Situationen, in denen ich früher getrunken habe. Halt dir dies vor Augen, dann weist Du, wann es dich erwischen kann. So bist Du wenigstens etwas vorbereitet.

    Nein ein Tagebuch habe ich darüber nicht geführt, ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Frisco!

    Das ist halt das Heimtückische an dem blöden Suchtgedächtnis. Es ist in unserem Gehirn festgebrannt. Du wirst es nie mehr los. Es wird sich immer wieder melden. Mit der Zeit werden die Abstände jedoch deutlich größer, auch verlaufen die Attacken unterschiedlich intensiv, mal mit scheinbarer Brachialgewalt, mal sanft nach der Devise steter Tropfen höhlt den Stein. Langzeittrockene in meiner SHG bestätigten mir dies. Auch sie werden gelegentlich noch heimgesucht. Ein pensionierter Gymnasiallehrer schilderte prägnant, dass Alk bei ihm normalerweise gar keine Rolle spiele, aber manchmal merke er schon am Morgen, dass er heute besonders auf sich aufpassen müsse. Er hört halt in sich hinein und merkt, dass sein Körper auf bestimmte Veränderungen regiert.

    Und die eine oder andere heftige Attacke musste ich auch über mich ergehen lassen, das gehört nun mal zur Abstinenz dazu. Zuletzt gab es bei mir nur milde Anfälle, die ich rasch auskontern konnte, indem ich mich mit anderen Dingen befasst habe, die mir Freude machen. Dazu habe ich stets viel getrunken wie Wasser, Kaffee, Tee, Saftschorlen, auch mal eine Cola.

    Und vergiss nicht, zufriedene Abstinenz erreicht man nicht in wenigen Wochen, das dauert Monate und Jahre. Genau genommen ist es ein lebenslanger Prozess. Ich fühle mich heute wesentlich besser, als noch im Sommer 15, als ich so weit war wie Du jetzt.

    Lies dich weiter ein. Zum Suchtdächtnis gibt es noch hoch interessante Ausführungen in der Suchtfibel von Schneider.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Frisco!

    Aha. Der Unterschied ist, dass Du noch arbeiten gehst und Sport treibst. War bei mir auch der Fall.

    Der Unterschied liegt darin begründet, weil bei Dir nach 2-3 Wochen Abstinenz das Problem Alkohol wieder auftaucht? Kenn ich. Ging mir genauso. Das ist das Suchtgedächtnis, das sich vehement in Erinnerung und in den Vordergrund schiebt.

    Wir beide scheinen in der Spirale der Sucht noch nicht so tief gesunken zu sein, wie andere hier im Forum, die halbtot in der Klinik abgeliefert wurden und deren Leben am seidenen Faden hing.

    Dann scheinen Dir Besuche beim Suchttherapeuten oder der SHG nichts zu bringen? Warum? Hast Du überhaupt für dich selbst akzeptiert Alkoholiker zu sein? Steckt da im Hinterstübchen nicht noch irgendwo der Gedanke, irgendwann bin ich geheilt und kann es mal wieder versuchen?

    Könnte es sein, dass Du wütend auf deine Krankheit bist, warum sie ausgerechnet dich heimgesucht hat?

    Übrigens ich habe kein Totschlagargument aufgestellt, sondern lediglich geschrieben, was ich im Laufe eines Jahres -ok 8 Tage fehlen noch- sowohl hier, als auch anderswo (Therapie und SHG) mitbekommen habe. Klar sind wir als Menschen aufgrund unserer Biographie, Bildung, Stellung in der Gesellschaft, Tätigkeit und unseren Empfindungen verschieden, aber die Sucht und ihre Auswirkungen ähneln sich enorm. Falls Du dich hier im Forum mal gründlich einliest, wird dir das mit der Zeit auffallen.

    Übrigens: Etwas Fachlektüre, sowohl aus Patienten- als auch aus Therapeutensicht, kann ich nur wärmstens empfehlen.

    Und zum Schluss wünsche ich dir ehrlich alles Gute.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von Frisco

    Ich habe von anderen hier im Forum gelsen, die am Anfang gemeint haben "bei Ihnen sei das mit der Sucht was ganz anderes".
    Irgendwie habe ich aber das Gefühl, es ist bei mir tatsächlich anders

    Hallo!

    Bleibt zu hoffen, dass Du da keinem Irrtum erliegst. Diejenigen, die für sich reklamieren anders zu sein, tauchen hier recht zügig wieder ab. Wohin? Ich tippe mal auf die Flasche.

    Ich kann von mir berichten, dass die Aufarbeitung meiner Biographie in Form meiner Suchtgeschichte im Rahmen meiner ambulanten Therapie geholfen hat. Daher kann ich nur anraten, sich zusätzlich nach professioneller Hilfe umzuschauen. Der/die Therapeuten sind häufig in der Lage, einem der so "anders" ist, mal die Augen zu öffnen und ggf. den Blick zu schärfen. Und auf einmal ist man dann doch nicht mehr so "anders", sondern irgendwie "gewöhnlich". Das ging mir genauso. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der Zeit -eher etliche Monate, als nur Tage oder Wochen- benötigt.

    Professionelle Ansprechpartner findet man bei der Suchtberatung.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo Wolfgang!

    Ich habe ähnlich lange wie Du gesoffen und bin seit knapp einem Jahr trocken. ich habe Folgendes gemacht:

    Nach der Entgiftung habe ich mich total durchchecken lassen. Ich war beim Hausarzt: Großes Blutbild, nicht das kleine, das die Kassen zahlen; Ultraschall aller Organe.
    HNO; Urologe; Hautarzt; Endokrinologe (Schilddrüse). Wir haben jahrelang Raubbau an unserer Gesundheit betrieben, da gehört halt alles mal auf den Prüfstand, was die Medizin so hergibt.

    Dann viel gelesen, hier im Forum und in Fachbüchern; dann eine ambulante Therapie gemacht und bin jetzt noch in einer realen SHG vor Ort.

    Gegen Suchtdruck helfen nur die üblichen Ratschläge: Viel Wasser trinken und irgendwas unternehmen.

    Dann mal klar machen, wann, wo und unter welchen Umständen, ich getrunken habe. Das erklärte mir, warum sich zu bestimmten Gelegenheiten der Suchtdruck meldete. Auf diese Art kann man prima im Vorhinein vorbeugen, z.B. ich fahre in den Urlaub und habe früher an der Strandbar erst mal ein paar Bierchen gekippt. Also stelle ich mich darauf ein, dass sich nach Ankunft am Urlaubsort, der Druck wieder meldet. Das Hirn signalisiert: "Urlaub? Prima, dann ist der Kanal gleich wieder voll." Oder: Freitags habe ich mich immer fürs Wochenende eingedeckt. Da meldete sich regelmäßig in den ersten Monaten die Erinnerung: Bier kaufen.

    Zum Suchtdruck kann ich nur bestätigen, dass er mit der Zeit nachlässt. Aber die eine oder andere heftige Attacke, hatte ich schon abzuwehren. Mit der Zeit werden aber die Abstände deutlich größer und die Attacken lassen in ihrer Heftigkeit deutlich nach.

    Wie heißt es so schön: Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit. Gilt auch für die Abstinenz.

    Und such Dir vernünftige Freizeitbeschäftigungen, die dich ausfüllen.

    Das Ganze getragen vom Prinzip der Risikominimierung. Ich gehe Gefahren konsequent aus dem Weg. Rudelgucken (Fußball), Kneipen etc. sind ersatzlos gestrichen. Mittlerweile zieht mich da nichts mehr rein.

    Daneben kann ich nur raten, sich beruflich und privat nicht unter Druck setzen zu lassen und sich Auszeiten zu nehmen.

    Ansonsten: Schau dir die Grundbausteine an, druck sie aus, häng die Liste auf und lerne von ihr.

    Eines steht fest und wird auch dir nicht gelingen: Weiter leben wie bisher, nur ohne Alk, das wird auch dir höchstwahrscheinlich nicht gelingen.

    Zum Schluss: Tausch dich hier regelmäßig aus, schreib, wenn Du Druck hast, setz dich mit dir und deinen Problemen auseinander. Die Kommunikation mit anderen hier hilft ungemein. Meinen ersten richtig heftigen Suchtdruck hatte ich im letzten Sommer und die kurze und knappe aufmunternde Äußerung eines Langzeitexperten hier hat mich ungemein aufgebaut und beflügelt.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von luzider Träumer

    Mir ist ja durchaus bewusst, dass ich mir da ein Hintertürchen offen halte. Ich weiß nur nicht, was ich dagegen unternehmen kann.

    Mir hat die Beschäftigung mit unserer Krankheit hier im Forum, in Fachliteratur und meiner ambulanten Therapie geholfen. Bei letzter insbesondere die Gespräche mit Rückfall-Teilnehmern, die mir klar vor Augen geführt haben, dass ich den "point of no return" schon lange überschritten habe, so dass mir moderates Trinken nicht mehr möglich ist.

    Gruß Carl Friedrich

    Zitat von luzider Träumer

    Selbst wenn ich sagen würde, Jungs tut mir leid, ich komm nicht zum helfen, lass uns ein ander mal treffen, dann wär das OK. Bei diesem Treffen müsste dann auch nicht getrunken werden. Eigentlich ist das ne gute Idee. Morgen spreche ich das mal ab.

    Vielleicht habe ich mich auch nur missverständlich ausgedrückt und diese Menschen nur auf das trinken reduziert.

    Hallo!

    Das ist doch schon mal ein Ansatz. Irgendwann wirst Du auch entscheiden müssen, ob und ggf. wen Du aus dieser Gruppe einweihst, sofern Du wirklich trocken bleiben willst und dir als scheinbarer "Amateurtrinker" nicht doch noch klammheimlich ein Hintertürchen offen hälst.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Ich finde, Du hast auf der Veranstaltung nächste Woche nichts verloren. Ich als frisch Angetrockneter würde dort nicht aufschlagen.

    Du siehst dich als Amateur? Also einer, bei dem noch nicht das Kind in den Brunnen gefallen ist? Dann ist es nicht weit zu dem Gedanken, irgendwann (z.B. nächste Woche) doch noch mal moderat was trinken zu können.

    Hier im Forum wird m.E. zu Recht die These der Risikominimierung vertreten. Wir sollten allen Gefahren, so gut es eben geht, aus dem Weg gehen.

    Denk mal drüber nach.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo atze-5!

    Glückwunsch! Das gibt Planungssicherheit für die Zukunft.

    Hinsichtlich der Bearbeitungsdauer, ich tippe mal auf ca. 4- 6 Wochen bis zum Bescheid, sobald alle benötigten Unterlagen vollständig vorliegen.

    Gruß Carl Friedrich

    Hi!

    Anknüpfend an die absolut zutreffenden Ausführungen von Martin: Du hockst da garantiert nicht alleine und dein Gegenüber kippt sich einen. Was meinst Du wohl, wie schnell Du da Alk geordert hast.

    Mein ehemaliger Therapeut hat dazu aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung ausgeführt: "Das geht ein paar Male gut, aber dann fällst Du um."

    Weiter leben wie bisher, nur ohne Alk, wird auch bei Dir höchst wahrscheinlich nicht funktionieren.

    Gruß Carl Friedrich

    Hallo!

    Heute ging ich mal kurz die Buchhandlung auf und stolperte dort förmlich über den Essay von Schreiber, den Du empfohlen hast und den ich bis dato nicht kannte. Nachdem ich ein paar Zeilen auf verschiedenen Seiten gelesen hatte, wurde er sofort gekauft. Er kommt in den Koffer für den Pfingsturlaub.

    Ein kleiner Nachschlag hinsichtlich möglicher Barbesuche: Das ist der falsche Ort für dich. Und wenn Du mal das Stadium des zufriedenen Langzeittrockenen erreicht hast, wirst Du merken, dass Du womöglich keinerlei Bedürfnis mehr nach so etwas verspürst. Mich jedenfalls zieht nach knapp einem Jahr nichts mehr dorthin, obwohl ich noch kein Langzeittrockener bin.

    Gruß Carl Friedrich