Hallo Forum, hallo Thalia,
ich habe mich zuletzt etwas rargemacht, nur noch gelegentlich, wenn ich von Gleichgesinnten hören wollte und einen schlechten Moment hatte, passiv mitgelesen, aber leider nichts mehr aktiv geschrieben. Und Dir Thalia nicht mehr geantwortet, obwohl ich mich immer über Antworten freue, weil ich selbst nicht wusste, wie ich nun weiter vorgehen will und nicht irgendwelche Versprechen hier machen wollte, die dann doch nicht in Angriff genommen werden.
Ich war zu Beginn meiner Abstinenz erstmals auf Entgiftung in einer Klinik. Neben der Anmeldung hier im Forum, indem ich vor meinem letzten Rückfall schon mal passiv mitgelesen hatte, habe ich mich über regionale SHG informiert und auch eine besucht. Dort waren alle nett, offen und haben mich freundlich aufgenommen. Wollte mir dann prophylaktisch nochmal weitere anschauen, wozu es bisher noch nicht kam, weil ich mich nämlich kurz später bei einer Suchtberatung vorstellig gemacht habe und dort dann erstmal aktiv weitermachen wollte.
Nach ein paar Wochen abwarten, nahm ich an einer Motivationsrunde mit mehreren Terminen teil. Interessant und sehr hilfreich wie sich völlig fremde Menschen binnen kürzester Zeit über ein Thema austauschen, über welches sie mit Ihren vertrautesten Mitmenschen vor Scham nicht reden wollen. In der Gruppe hätte ich am Ende gerne noch ein paar Termine weitergemacht, aber die war dann rum.
Mein Vorhaben war eigentlich von Beginn an eine ambulante Therapie, nie eine stationäre, der das o.g. immer voraus geht. Ich wollte eher langfristig etwas Feedback bei meiner Lebensumstellung haben. Dann wenn ich es brauche jemanden zu Austausch haben. Anstelle 2 oder 3 Monate die Sicherheit einer stationären Klinik, die dann von heute auf morgen weg ist! Die Crux einer erfolgreichen Abstinenz und irgendwann eines trockenen Lebens ist wohl eher die Aufrechterhaltung als das Aufhören!
Dann habe ich aber erfahren, welches zeitliche Volumen eine solche Therapie mit sich bringt und auch, dass es keine Einzeltherapie ist, sondern weiterhin "einfach" nur Gesprächsgruppen (soll nicht abmildert klingen, bringt auch viel).
Ich denke ich habe in der letzten Zeit schon, im Vergleich zu zuvor, schon viel über mich gelernt, aber gerade eine Einzeltherapie mit einer mir sympathischen und vertrauensvollen Person hätte mir vielleicht zudem noch etwas gebracht. Einmal wöchentlich am Feierabend ein persönliches Gespräch mit einem der Gruppenleiter hätte ich sehr gerne fortgeführt.
So aber sehe ich pauschal keinen so großen Mehrwert mehr gegenüber einer realen SHG. Für eine ambulante Therapie spricht natürlich die professionell ausgebildete Leitung gegenüber einer SHG, wobei das ja auch nicht immer was heißen muss! Die Leitung einer SHG ist ja meist (oder immer?) selbst ein Ex und weiß von daher aus Erfahrungen am eigenen Leib besser über was sie redet. Ich will jetzt hier aber auch keine Diskussion „Therapie vs. SHG“ eröffnen.
Erst wollte ich eine solche Therapie machen und dann eine SHG ggf. noch nachlegen. Wenn die Therapie nur einmal pro Woche wäre, dafür auch gerne doppelt so lange, könnte ich es mir ja noch vorstellen, aber so mit jeweils Hin- und Rückweg kann ich es mir irgendwie nicht mehr nur als Hilfe, sondern eher als zusätzlichen Ballast vorstellen! (Keine Frage, wenn eine Teilnahme nie mehr Rückfall und eine Nichtteilnahme mein Scheitern bedeuten würde, wäre es natürlich alle Mühe wert!)
Die Anmeldung liegt nun hier, aber ich denke eine persönliche Kombi aus realer SHG/Sport/persönlichen Auszeiten und Forum würde mir sogar vielleicht besser tun.
Und jetzt wollte ich mal eure Meinungen hören und es schlagen sich hier wahrscheinlich viele oder alle die Hände vor dem Kopf zusammen. "Wieso will er nur nicht!?" "Dass ein alkoholfreies Leben doch Arbeit bedeutet ist doch prinzipiell klar!" "Wird er nun schon wieder zu selbstsicher?!" "Fehlender Wille!"
Habe Job, Familie und Renovierung auf der Agenda. Ich müsste, woanders Einschnitte vornehmen, was mich sicher wiederum stressen und etwas unglücklich machen und mir auch noch etwas die gerade doch so wichtige Balance nehmen würde. Wie hier halt oft auch erwähnt wird, ist es doch besonders wichtig, auch auf sich selbst zu achten. Und genau dieser „Overhead“ würde mir meiner Meinung nach im Moment nicht so guttun. Dann gibt es nämlich z.B. keine Zeit mehr für einen Spaziergang nach der Arbeit.
Das soll absolut nicht heißen, dass ich meine, nicht weiter intensiv an der Krankheit arbeiten zu müssen! Seht ihr sowas als eine in gewisser Weise Kapitulation an?
Natürlich fühle ich mich nun nicht ganz wohl dabei ein eigentlich angedachtes Vorhaben zu dem allerwichtigsten Vorhaben, nämlich die lebenslange Abstinenz, nun auf Eis zu legen! Aber ich will ja nur eine neue Route wählen.
Weiterhin an mir arbeiten, genau auf mich achten, mich selbst reflektieren, besonders wenn es mir mies geht, und mich weiterhin mit der Materie befassen.
Weihnachten und Sylvester habe ich ruhig mit meinen Liebsten verbracht. Lebe weiterhin abstinent! Nicht mehr und nicht weniger. Von einer stabilen Trockenheit, will ich auch erst frühestens nach zwei Jahren reden. So wie es viele Langjährige hier auch einschätzen, alles andere wäre anmaßend. Aber das ist auch gar nicht so wichtig, denn eigentlich wird es vielleicht ab dem Tag, an dem ich dies über mich sagen kann, gerade wieder gefährlich.
Hochmut ist das, was mich in der Vergangenheit immer hat scheitern lassen… Der Weg ist das Ziel! Und dabei geht es mir, natürlich nicht immer, aber im Großen und Ganzen gut.