Beiträge von Wildflower

    Liebe Urmel,

    leider urteilen viele nach dem Äusseren, vielleicht weil sie von ihren eigenen Schwächen auf andere lenken und "Dicke" bieten sich leider gut dafür an.
    Ich glaube kaum, dass ein selbstbewusster Mensch dick ist, denn der wird sich wohl nicht mit minderwertiger Nahrung immer wieder zufrieden geben und der muss sich nicht ständig belohnen, weil er sich mittels eines gesunden Denkens auch seinen Geist gesund erhält. Und Essen als Ersatz entsteht auch meistens, wenn die Eltern auch irgendwelche Süchte haben. Ich habe einige Freundinnen, die Probleme mit ihrer Figur haben und deren Väter Alkoholiker waren. Auch die andere Richtung und zwar die der Magersucht hat oft einen Hintergrund im gestörten Familienumfeld.

    Doch was nutzt alles Wissen, wenn man es trotzdem immer wieder tut? also das falsche Essen.

    Meine Mutter starb, als ich 12 war. Es kommt bei mir jetzt wieder hoch, daher auch die Trauerbegleitung.
    Mit meinem Bruder komme ich nicht gut klar, denn er ist sehr neidisch auf mich, meint immer, ich hätte es so viel besser gehabt.

    Für heute war es das auch schon, ich muss morgen sehr früh raus und habe einen langen Tag vor mir.

    Lieber Gruß und einen schönen Abend wünsche ich dir!

    P.S.:

    und du darfst schön sein...........so wie ich lieben und leben darf........

    wir mussten uns ja lange klein machen, damit wir überhaupt durchs Leben kommen, so etwas prägt sich ganz, ganz tief ein......

    Ich denke, man kann die Prägung mit Hilfe auch wieder rausbekommen, vielleicht werden wir nie vor Selbstbewusstsein strotzen und das Urvertrauen wird immer wieder angezweifelt werden, doch ich denke, wir können bestimmt viel besser leben, wenn wir lernen, uns zu akzeptieren, wie wir sind, auch wenn das dauert......


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    frage mich was mein mann an mir liebt

    bestimmt vieles.......hast du ihn schon mal gefragt?

    Liebe Urmel,

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    aus den tipps die du mir gibst liebe wildflower kann ich viel anfangen denn ich beginne die sache aus einer ganz anderen perspektive zu sehen wie ich es bisher nicht konnte,danke.

    Das freut mich sehr :D .


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    eines meiner probleme ist seit ich denken kann mein gewicht....

    So geht es mir auch Urmel. Ich habe nach dem Tod meiner Mutter bei meiner Oma gelebt. Hatte meine Mutter schon zuvor nicht regelmäßig gekocht, weil sie auch in der Klinik zur Entgiftung war oder nicht konnte, weil sie zu viel getrunken hatte, hat meine Oma noch weniger gekoch, denn sie fiel nach dem Tod ihrer Tochter in eine tiefe Depression und starb auch 1,5 Jahre später.
    Ich holte mir dann immer etwas von der "Bude", vorzugsweise Chips, Raider und Cola und so nahm ich als 13-jährige ca. 15 Kilo zu. Als ich dann zu den Pflegeeltern kam, hänselte mein Pflegebruder mich ständig mit "Dicke" und meine Oma schaute mich auch immer naserümpfend an. Ich war zwischendurch auch mal richtig schlank, da haben diese beiden aber nicht gesagt, dass ich gut aussehe.
    Und als dann wieder mein Leben durcheinandergeriet, griff ich gierig nach dem "Zucker".

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    meine oma hatte einen spass daran mir von vaters reaktion zu erzählen als er mich das erste mal sah..die hat ja eine boxernase!!
    als wenn es nicht schlimm genug gewesen wäre für meinen vater das ich als mädchen geboren wurde!!
    all diese dinge haben mich so verletzt obschon sie sicher nicht so gemeint waren.
    immer wenn ich mit mama telefoniert habe und die sprache kam auf mein gewicht habe ich hinterher süsses in mich rein gestopft.
    einige mal habe ich ja schon gut abgenommen doch immer wieder alles drauf gehabt.

    Das ist richtig fies alles. Ich weiß nicht, ob die verletzenden Worte nicht doch irgendwie beabsichtigt wurden, damit der andere sich besser fühlen konnte indem er dir deine Energie abzapft und du dir dann buchstäblich Energie in Form von Kohlenhydraten wieder zuführen musstest. Du schreibst ja selber, dass deine Oma einen Spass daran hatte, dir von der Reaktion deines Vaters zu erzählen.......vertraue da deinem Gefühl....

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    ich fühle mich so mies das ich kürzlich weinend vor dem spiegel stand und mich gefragt habe warum ich nicht schön sein darf?!
    frage mich was mein mann an mir liebt,entschuldige mich im geschäft ,bei den ärzten und überall wo ich hinkomme für mein aussehen.

    Das war die Stelle, wo ich sehr traurig wurde, denn auch ich kenne diese Gedanken. Warum darf ich nicht am Leben teilnehmen, lieben und mich lieben lassen? das sind meine Gedanken in der letzten Zeit, denn da kam bei mir geballt so viel hoch und es fing mit der Trennung meines zuviel trinkenden Ex-Freundes an. Seitdem ist vieles in mir wund, meine verdrängten Gefühle der Minderwertigkeit brechen sich bahn und das tut manchmal sauweh.

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    als wenn ich 4 zentner wiegen würde und eine heruntergekommene erscheinung wäre,warum nur????
    es mag sich albern anhören doch mich macht das fertig!

    Warum nur? ist ja kein Wunder, dass du dich nicht liebst, wenn dir so oft und von so vielen Menschen eingeredet wurde, du seist nicht gut genug. Allein schon das Wissen, dass sich dein Vater einen Jungen gewünscht hatte. Also nur um dich zu beruhigen, deine Minderwertigkeitsgefühle sind sehr gut zu verstehen und was du schreibst, ist gar nicht albern, nein, es ist alles ganz schlüssig.

    Hast du eine Hilfe, die dich mit deinen Fragen nicht alleine lässt und dich begleitet? also eine Therapeutin? oder auch einen Thera?.

    Lieber Gruß und bis bald wieder

    M.

    Liebe Urmel,

    du schreibst:

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    erst einmal sorry,ich wollte dir nicht zu nahe treten doch ich verstehe was du mir damit sagen willst!!

    Es gibt nichts zu entschuldigen, denn du konnstest ja gar nicht wissen auf welchem Fuß du mich erwischst mit "meine liebe". Ich wollte es nur mitteilen, damit es keine Missverständnisse gibt. So ist es doch oft, man schleppt etwas mit sich herum und traut sich nicht, es dem anderen mitzuteilen und dann schluckt man es viel zu lange herunter.
    Ich finde es gut, dass du mich in diesem Punkt jedoch verstehst und es nicht persönlich nimmst :D .

    weiter schreibst du:

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    doch zeit meines lebens habe ich liebe ohne ende von ihr bekommen,sie war immer für mich da und hat auch nicht getrunken deshalb habe ich auch keinen anlass wütend auf sie zu sein.

    War es wirklich Liebe ohne Ende? oder hat sie dich gebraucht, damit du ihr Leben leichter und bunter gestaltet und sie somit eine Verbündete hat?
    Ich meine, sie hätte sich ja auch von deinem Vater trennen können und wenn sie es nicht konnte (was viele Frauen nicht schaffen, denn das ist ja das Wesen der Abhängigkeit und viele Frauen haben ja irgendwie in der Kindheit schon dieses Muster vorgelebt bekommen) hätte sie sich Hilfe suchen können und dich möglichst aus dem Spiel lassen sollen.
    Verstehst du, was ich damit meine? Daher könnte ich verstehen, wenn du wütend wärest. Dass du es nicht kannst, hat bestimmt mit dem zu tun, was du als Kind gelernt hast, halt für deine Mutter da zu sein, damit du wenigstens von ihrer Seite Aufmerksamkeit bekommst (aber es wahrscheinlich war es keine kindgerechte Aufmerksamkeit, könnte ich mir vorstellen).

    Dies sind jetzt mal Mutmaßungen von meiner Seite und ich möchte dir nur Gedankenanstösse geben. Vielleicht kannst du ja mit dem einen oder anderem etwas anfangen.


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    war ich auf vater wütend? ich kann da keine antwort drauf geben,ich hatte einen heiden respekt vor ihm bis zum schluss.
    ich wollte ihm gefallen ,seinen anforderungen entsprechen doch ich habe es nie geschafft!auch nicht als ich die mama inpflege hatte,2 haushalte,meinen job und meinen behinderten jungen,selbst das war nicht genug getan und das hat mich zutiefst verletzt.
    trotzdem gestatte ich mir keine wut weil mein respekt über seinen tod hinaus zu gross ist,albern ich weis und ich will es ablegen können Böse


    Auch hier möchte ich dir meine Gefühle leihen :oops: Wenn ich das lese, was du oben schreibst, da kommt in mir eine große Portion Wut auf deinen Vater auf, dass er anscheinend so verstrickt war in seinen eigenen Problemen, dass er überhaupt kein Feingefühl hatte und nicht sah, wie er mit seinen ungelösten Konflikten die Familie tyranisierte und dich auch nicht sah mit dem, was du leistetest und mit deinem Bedarf an Väterlichkeit, die du von ihm als Kind gebraucht hättest.

    Und es mischen sich Gefühle wiederum von Wut auf deine Mutter, weil sie ja mitgemacht hat in diesem Drama und ihre Rolle hatte. Und wenn du ehrlich bist, dann hast du ja diese Rolle der "deckenden" bei deinem Vater übernommen.

    Puh, ganz schön kompliziert, dein Familiensystem. Meins ist es auch. Ich verbringe schon lange Zeit damit, die Knoten zu entwirren, doch merke ich jetzt erst mit fast 50 Jahren, wie sehr ich betroffen bin und was dieser Wahnsinn in meiner Familie mit mir gemacht hat.
    Dadurch, dass mein Bruder behindert ist, wurde mir viel Verantwortung übertragen, also nicht nur für meine Mutter, die ständig krank war, sondern auch für meinen Bruder, der ja diesen "Freifahrtschein" hatte. Ich habe unbewusst gemerkt, wieviel die anderen von mir erwarteten, denn immer wenn ich an sich eine normale Leistung erbracht hatte, wurde ich von meiner Mutter auf einen Podest gestellt, dass ich so schlau und was weiß ich nicht wäre. Ich glaube, sie wollte an mir beweisen, dass wenigstens einer okay ist. Mich hat das jedoch völlig überfordert und mich zu einer Leistungserbringerin gemacht. Schwäche durfte ich mir nie erlauben. Selbst in Therapien wollte ich immer hinter die Geheimnisse der Therapeuten kommen und traute ihnen recht wenig zu, wollte sie therapieren. Schrecklich, denn das Vertrauen in jeden ist mir im Laufe der Jahre ziemlich zerstört worden.

    Und dass ich mir nichts zutraue und sehr sehr wenig Selbstbewusstsein habe, ist mir auch klar geworden.
    Meine Mutter starb früh an ihrem Alkoholismus, meine Oma hat ihren Tod nicht verkraftet und kam in eine Nervenklinik. Mein Bruder wurde in dem gleichen Jahr in eine Jugendpsychiatrie gesteckt, ich kam zu Pflegeeltern. Dort habe ich dem dysfunktionalen familiären System auch nur gedient, denn das kannte ich ja von Kind auf. Ich wurde selten gesehen mit meinen Bedürfnissen, selten wurden auch gesunde Grenzen gezogen. Wie gerne hätte ich einen Vater gehabt, der mir Abgrenzung zeigt, auch mal eine gesunde Härte, damit ich weiter komme im Leben. Ich kenne viel körperlichen und seelischen Mißbrauch. Da ich auch nur mit Jungs großgeworden bin, die ihrerseits missbraucht wurden, haben sie auch einiges auf mich als Schwester projeziert. Mein Frauenbild und meine Identifikaton als Frau sind ganz schön verdreht.

    Mittlerweile wird mir klar, dass nur eine wirklich gute Traumatherapie etwas bringt, doch die ist schwierig zu finden.
    Vielleicht bringen die Trauergespräche ja auch erstmal etwas Linderung. Und ich bleibe weiter am Ball mit Suche nach einer geeigneten Hilfe.


    Warum schreibe ich das alles? nicht um mich mit meinen traumatischen Geschichten hervorzutun, gewiss nicht. Ich wollte dir damit nur sagen, dass für mich die Zusammenhänge in meinem Leben mir zumindest einiges von der Hilflosigkeit genommen haben. Ich habe meistens Verständnis für mich, wenn ich mich wieder mal nicht genug achte und mit mir ins Gericht gehe. Ich verstehe auch, warum ich schlecht mit anderen Menschen umgehen kann und mich oft zurückziehe und "Liebe" abwehre.
    Ich bin zwar nicht "gesund" und möchte es doch mehr werden, so dass ich eines Tages auch jemanden lieben kann. Doch erst möchte ich mich selber lieben und verstehen können. Für mich ist das ein sehr langer und schwieriger Weg. Mittlerweile verstehe ich so vieles, bin auch nicht mehr in dieser Wut drin, mehr in der traurigen Erkenntniss, was da alles passiert ist und was es mit mir und meinem Bruder gemacht hat und wie schwierig es überhaupt ist, sich Jemandem mitzuteilen, weil viele wollen oder können auch nicht verstehen. So kommt auch noch die Trauer bei mir dazu, keine Zugehörigkeit zu haben, denn die Menschen, die viel weniger erlebt haben, verstehen nicht, warum ich so komsich bin und das tut mir sehr weh (deswegen schweige ich auch hier mehr und mehr), weil sie mich auch teilweise stigmatisieren. Und die, die viel erlebt haben, sind teilweise so zerstört, dass sie auch nicht reden können, bzw. so in ihren Mustern drin sind, dass sie auch kein hilfreiches Gegenüber sind.

    Ich kenne einige Pflegekinder, die es so schwer getroffen hat, dass sie Frührente beziehen. Gewollt hat das gewiss keiner und die Ignoranz vieler Menschen trifft dann zudem noch.

    Leider kann ich momentan nichts Schöneres schreiben. Vielleicht kannst du etwas für dich brauchen.

    Lieber Gruß und bis demnächst mal wieder

    M.

    P.S.:

    Zitat

    wildflower,ich bin nicht besonders geschickt was den pc angeht deshalb klappt nicht alles so wie ich es möchte!
    doch man soll die hoffnung nie aufgeben Winken

    Jetzt entschuldige ich mich, denn ich habe dir Tips gegeben, um die du mich nicht gebeten hast. Das gehört, glaube ich auch, zu meinem ungefragtem Helfenwollen. :roll:

    Hallo Urmel,

    jetzt habe ich mehr Muße, um dir zu schreiben. Ich habe auch schon geschaut, ob du etwas geschrieben hast, denn ich bin ein wenig ungeduldig :( .

    Du schreibst:

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    die schnauzerei meines vaters wenn er volltrunken heim kam hat mich sehr gezeichnet zwar ging es seltener gegen mich als gegen meine mama die so zerbrechlich erschien.
    ihre tränen haben mir als kind das herz gebrochen,sie war so eine liebe frau die alles getan hat um uns ein schönes zuhause zu schaffen.
    doch immer wieder fand er einen grund sie fertig zu machen.
    so habe ich gelernt das ich mich noch so bemühen kann es wird nie gut genug sein fazit....ich habe keine gute meinung von mir und dem was ich in meinem leben getan habe sondern mache mich ständig selbst nieder.
    genau wie die sache mit meinem haushalt...wenn ich nicht das erledige was ich mir für den tag x vorgenommen habe fühle ich mich schlecht ,unfähig und faul!!! kommt unverhofft besuch rattert es gleich los in meinem kopf....hast du auch alles ordentlich? kochen für besuch ist für mich ein spießrutenlaufen aus lauter angst das es nicht gut genug sein könnte!

    Irgendwie ist hier viel Verdrehung drin und zwar geht es darum, dass du als Kind deine Mutter trösten musstest und auch loyal ihr gegenüber warst. Weisst du warum ich das so schreibe? weil ich auch jahrzehntelang auf alle möglichen Menschen wütend war, nur auf meine Mutter nicht. Meine Mutter wurde von Ihrem Mann (Stiefvater) geschlagen und das tat mir in der Seele weh. Sie zu sehen, wie Sie immer mehr abbaute (sie war Alkoholikerin) brach mir das Herz. Aber wütend war ich lange nicht und kann es bis heute auch nicht richtig sein. Komischerweise auf meinen Vater war ich Zeit meines Lebens stinkwütend und auch auf meine Pflegemutter, aber halt nicht auf meine Mutter, obwohl sie so viel Schlimmes mir hinterlassen hat. Es ist aber in mir eingepflanzt, dass ich mit ihr Mitleid haben muss, weil sie halt krank ist (das wurde mir auch immer wieder gesagt und ich wurde gelobt, weil ich so stark und tapfer als kleines Mädchen war).

    Ich glaube, es ist auch ein Überlebensmechanismus, die Mutter zu schützen, denn wenn wir als Kinder die volle Wahrheit erkannt hätten, dass halt keiner für uns da ist, dann hätten wir das gar nicht verkraftet. Und ich glaube, da liegt auch mit die Wurzel der riesigen Unsicherheit, die wir mit unserem Selbstbild haben. Und dann diese Identifikation mit der Mutter, die da heisst: Frauen und Mütter sind arme Geschöpfe und Männer sind die Unterdrücker.....

    Verstehst du, was das mit einem macht? man begibt sich in die Opferrolle und oft bleibt man bis zum Lebensende in dieser Rolle.

    Ich bin ja auch erst vor kurzem hier in diesem Forum gelandet und da hat mir auch Jemand geschrieben, dass ich noch mit der Mutter verbandelt bin. Ja, es stimmt.

    Ich habe in 2 Wochen einen Termin bei einer Trauerberaterin, denn ich möchte meine Mutter endlich sterben lassen, in Frieden. Solange ich sie nicht loslasse, bin ich zu eng bei ihr und kann nicht mein Leben leben, sondern fühle mich ihr im Tod immer verbunden und loyal, wenn ich als Zombie mein Leben verbringe, denn ich darf nicht gkücklich werden, weil sie und auch ihre Mutter es nicht wurden.

    Ich bin noch mittem im Prozess, es tut weh..........und ich bin ihn jetzt erst gegangen nachdem ich mich getrennt habe von meinem Ex-Freund.

    Ich lasse das jetzt mal so stehen. Ich freue mich auf einen weiteren Austausch mit dir.

    Lieber Gruß

    M.

    Liebe Uschi,

    deine Worte könnten von mir stammen, denn auch ich habe ein paar Kilos zuviel, zwar sind es nicht zu viele zu viel, aber dennoch möchte ich doch wieder Mal schlanker sein, auch weil ich wahnsinnig gerne Rad fahre und tanze und ich weiß, wie schön es sich für mich anfühlte, als ich schlank war.

    Und deinen Kindheitstraum den find ich nur allzu menschlich, denn wer möchte als Kind nicht ein Held sein? ich glaube vielen Kindern mangelt es an Eltern, die es lieben dafür, dass es genau so ist, wie es ist. Es ist schon sehr erschreckend, denn ich treffe oft auf Menschen, die -auch wenn es nicht auf dem 1. Blick ersichtlich ist- die sich nicht mögen.

    Falls du nochmals etwas zitieren möchtest, kannst du es auch ein wenig eleganter machen (wenn du möchtest). Und zwar markierst und kopierst du das, was du zitieren möchtest, dann gehst du auf Antworte erstellen, dann fügst du den Text ein, dann musst du ihn aber noch markieren bevor zu oben auf "Quote" gehst. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Ich habe das auch nicht gewusst und habe es mir von einem Moderator erklären lassen.

    Ich schreibe die Tage mehr, bin momentan ausgelaugt wegen der Arbeit, wollte aber einen kleinen Text dalassen, weil ich, wenn keiner schnell antwortet, immer denke, es interessiere sich keiner für mich, ich bin falsch u.s.w........ich denke, das läuft auch unter wenig Selbstwertgefühl und selbsterfüllende Prophezeiungen. Denn komischerweise, wenn ich stark bin und nicht so an den Gedanken mich verhaft, man muss mich mögen, dann kommt meistens mehr von anderen zu mir rüber. Also machmal ist alleine die negative Energie in meinen Gedanken störend und hält die anderen ab.

    Und zum Schluß noch etwas, aber das meine ich nicht als Angriff. Ich verbinde mit der Anrede "meine liebe" nur negatives, warum weiß ich jetzt auch nicht so genau, ich glaube aber, es hat damit zu tun, dass meine Pflegemutter immer "mein Mädchen" zu mir sagte und mich damit aber zwang, lieb zu sein und damit meine gesunde Agression im Keim erstickte, was mir das Leben oft sehr schwer gemacht hat. Also dieses "mein oder meine" also alleine als posessiv-Pronomen ist für mich negativ behaftet, weil es auch Besitz anzeigt und ich mich damit als Eigentum eines anderen betrachte.

    Ich glaube, das war für mich halt so schlimm, weil ich meine Mutter früh verlor und ich mit 12 Jahren zu einer Pflegefamilie kam. Mein Opa sagte mir, ich müsse immer ganz lieb sein, sonst komme ich in ein Heim. Ja und ich mochte meine Pflegemutter auch nicht sehr, weil ich mich existentiell so abhängig von ihr fühlte und weil ich immer fühlte, sie nimmt mich, weil sie Vorteile hat und nicht, weil sie mich als Mensch so richtig wahrnimmt, sondern mich als seelischen Abladeplatz nutz. Und sie sagte auch immer, dass ich doch so dankbar sein müsse, weil sie und ihre Familie so großzügig gewesen seien, mich aufzunehmen.
    Übrigens empfinde ich meine Pflegemutter als co-abhängig, weil sie immer nur im Pflegen und Betüddeln von anderen ihr "Glück" fand. Und ich bin ja leider bei meine Mutter aufgewachsen (Alkoholikerin) und bin dadurch zur Co geworden und danach habe ich fast 5 Jahre ein "Vorbild" einer Co par excellence vor mir gehabt. Wahrlich keine guten Identifikationsfiguren für ein kleines Mädchen

    Deswegen ist dieses "meine" ganz schrecklich....

    Hoffe, du kannst es nachvollziehen, dass es nichts gegen dich persönlich ist...

    Bis bald mal wieder

    M.

    Liebe Urmel,

    wieder haben mich deine Worte ganz schön mitgenommen. Auch hier erkenne ich mich in einigem wieder.
    Ich möchte noch näher darauf eingehen, nur muss ich gleich los zur Arbeit. Doch wollte ich dir nur ein paar Worte dalassen.

    Auch mich hat die Sucht meiner Mutter und meines Stiefvaters so viel im Leben gekostet. Und auch ich fühle mich mit fast 50 so wenig wert, selbst als ich noch "mitten" im Leben war, fühlte ich mich immer distanziert von anderen und heute weiß ich, dass meine Seele abspalten musste, um mich zu schützen.

    Ich habe in einigen Artikeln über Alkoholismus gelesen, dass Kinder von Alkoholikern sehr wenig Selbstwertgefühl haben und eine übergroße Verantwortung für andere tragen. Das passt ja zu dem, was du über das Verhältnis mit deine Mutter sagst. Eine Tochter identifiziert sich ja auch mit ihrer Mutter, anders als der Sohn, der von ihr vereinnahmt wird und der dann später oft sein Leben lang (meist ist ihm das nicht bewusst) vor dem Klammergriff der Frauen flieht, obwohl er die Liebe einer Frau ja auch braucht.

    Auch ich habe mich sehr mit meiner Mutter identifiziert, die sehr früh, bereits mit 36 Jahren gestorben ist. Ich habe mich nie getraut, richtig zu leben und mir das Stück Kuchen vom Leben zu nehmen, weil mich immer so eine Art Schuldbewusstsein begleitete. Ich kann doch nicht glücklich sein, wenn sie so früh gestorben ist. Wie ein Fluch, der über mich lastet.

    Ach, jetzt habe ich doch so viel geschrieben. Mehr aber später....

    Ich verstehe dich sehr gut mit dem, was du schreibst, auch mit deiner Angst.

    Und ich bin froh, dass du meinst, ich hätte kein Blödsinn geschrieben. Wie du siehst, stelle ich mich auch sehr in Frage.

    Bis bald, lieber Gruß

    M.

    Hallo Urmel56,

    mich haben deine Worte sehr mitgenommen und ich möchte dir nur sagen, dass ich dich in allem sehr gut verstehen kann. Du schreibst:

    Zitat

    seit her hänge ich in der luft und weis nicht wohin mit meinen gedanken und gefühlen!!
    kann nicht in liebe an ihn denken,kann nicht hassen es sitzt ein männchen auf meiner schulter was mir verbietet schlecht über ihn zu reden!!
    dabei hat er meine trauer nicht verdient denn er hat meinem kind so weh getan,ihr leben kaputt gemacht und hat sein leben weiter gelebt ,uns den eltern frech ins gesicht gesehen.

    All deine Gefühle sind für mich ganz ganz klar nachvollziehbar. Ich kann dir nicht viel Trost zusprechen, nur dir sagen, dass deine ambivalenten Gefühle sehr gut verstehen kann. Ich wurde von meinem Stiefvater sexuell missbraucht und hatte vieles verdrängt (das Gehirn schützt einem so vor völligem Kontrollverlust). Als ich meine Erlebnisse endlich fühlen konnte, war mein Stiefvater schon lange tot und ich konnte mich gar nicht mehr mit ihm persönlich auseinandersetzen. Vielleicht auch ganz gut so, denn wenn er alles geleugnet hätte, wäre es für mich auch nicht besser gewesen.
    Auch ich habe in nachhinein an all das Gute gedacht, was ich für ihn gemacht habe, wie sehr er meinen kindlichen Glauben an die Liebe ausgenutzt hat. Dann war ich lange hilflos und ohnmächtig.

    Es muss ganz schrecklich sein, von der eigenen Tochter von den Übergriffen erzählt zu bekommen. Der Traum kam ja auch erst, als dein Vater gestorben ist und sie sich "sicher" sein konnte. Das hört sich vielleicht jetzt blöd an, doch ich glaube, das Unterbewusstsein mutet uns erst Dinge zu, wenn wir so weit sind.

    Ich hoffe, ihr findet Hilfe und könnt mit der Zeit verarbeiten. Wie steht denn deine Tochter zu dir? habt ihr ein vertrauensvolles Verhältnis?
    Ich glaube, es ist ein ganz persönlicher Weg, den jeder für sich anders geht. Denn ich könnte in deiner Situation ganz gewiss nicht eine Sekunde an Liebe für so einen Menschen denken und der Hass und die Wut, die berechtigt wären, die verbietest du dir, weil er dein Vater war und du ja auch von ihm als Kind abhängig warst. Du musstest ja selber deine Wahrnehmung über ihn als schrecklicher Vater ganz weit weg abspalten, um überhaupt in dieser Hölle zu überleben. So eine Denke setzt sich dann als Überlebensmechanismus tief im Gehirn fest.

    Lass dir Zeit und vor allem, verurteile dich nicht für deine ambivalenten Gedanken und Gefühle, die haben alle ihre Berechtigung.
    Ich wünsch Euch eine gute Begleitung.

    Ich glaube, ob du irgendwann verzeihst, ist deine ganz persönliche Entscheidung, ich finde wichtig, wäre es, erstmal Gefühle der Wut, Trauer und sogar des Hasses zuzulassen. Was irgendwann dann auch an milderen Gefühlen kommt (oder auch nicht) entscheidest du dann auch. Da kann, meiner Meinung nach, keiner wirklich was sagen. Ich habe eine Zeit lang viel in einem Forum gelesen und da waren die Meinungen, wie Jemand mit einem Täter umgeht, sehr unterschiedlich.

    Ich hoffe, ich habe jetzt nicht Blödsinn geschrieben, dann verzeih mir. DAs Thema ist ja auch heikel und Missbrauch trotz allen Fortschrittes immer noch nicht genug an der Öffentlichkeit (meiner Meinung nach).

    Liebe Grüße

    M.

    Liebe Aurora,

    vielen Dank für die Schilderung deiner Gefühle bezüglich deinem Ex-Mann.
    Du schreibst:

    Zitat

    Und eine Freundschaft wollte ich da auch nicht. Ich wusste für mich, dass das nicht funktioniert. Bei mir. Denn ich war immer stark in altem Verhalten, wenn wir zusammen kamen. Das ließ erst nach und nach nach, als wir aber auch keinen großen Kontakt mehr hatten. Und ich dann ja auch einen neuen Partner.

    Das kann ich gut verstehen, denn auch mir geht es so. Sobald wir nur mailen, verfalle ich wieder in gewohnte Muster. D.h. ich versuche, ihn umzukrempeln, kann es überhaupt nicht stehen lassen, dass er sich gar nicht ändern möchte. Für ihn steht fest, er hat kein problematisches Trinkverhalten und er hat auch keine Verletzungen aus seiner Kindheit/Ehe, das stülpe ich ihm über. Für mich wieder mal ein Kampf gegen Windmühlen, den ich so gut kenne, denn ich habe in meinem ganzen Leben immer darum gekämpft dass sich meine Eltern oder meine Partner mit ihren Mustern auseinandersetzen. Keiner wollte dies, die Quittung haben sie auch alle irgendwie auf die eine oder andere Weise bezahlt.

    Mir ist auf jeden Fall wieder mal klar geworden (wobei vielleicht noch nicht klar genug, denn ich spüre ja, dass ich immer noch hinter ihm herrenne gedanklich und es bei mir noch nicht so richtig "Klick" gemacht hat) dass er sich während unserer Beziehung nur ein wenig ändern wollte wegen mir, also weil ich ihn gedränft habe, aber "eigentlich hat es mich genervt" (seine Worte und eigentlich kann man(n) es nicht viel deutlicher sagen).

    Irgendwie verstehe ich den Sinn seiner Worte, er tut aber auch sehr weh und loslassen kann ich zu einem gewissen Grad, aber auch noch nicht ganz. Ich weiß ja, dass wenn ich glücklich werden will, ich ganz loslassen muss, aber ich habe ganz ehrlich auch Angst davor, denn irgend etwas hält mich noch, Vielleicht habe ich noch nicht genug gelernt und bin noch nicht mutig genug, mich auf mein Leben einzulassen. Ich muss auch sagen, dass ich in einer WG mit einem Mann zusammenleben (ist aber keine Liebesbeziehung), die auch von dieser Co-abhängigkeit durchdrungen ist. Mir ist klar, dass nur durch Abstand ich zu mir finde, aber die Angst vor dem Alleinesein und dem Hochkommen der ganz ganz schrecklichen Gefühle aus der Vergangenheit ist noch zu groß.
    Mit Therapie komme ich momentan auch nicht weiter, weil ich meine ganze Kraft auf meine neue Arbeit werfe, die ich ja auch erst seit einem Monat habe. Dennoch möchte ich weiter suchen, denn ich weiß, dass ich da alleine nicht rauskomme und meine Freunde sind nicht so bewusst, stecken sie doch selber in ihren Abhängigkeiten drin.

    Weiter schreibst du:

    Zitat

    Und mein Co-Verhalten? Ich habe ja einen neuen Mann, Sehr glücklich , bin in 2. Ehe verheiratet. Und mein Mann ist ja auch Alkoholiker, trocken seit vielen Jahren. Da habe ich dieses Verhalten nicht. Ich habe damals neu begonnen und hatte auch therapeutische Unterstützung dabei. Und mein Mann würde das nicht wollen, eine Co braucht er nicht. Und daher haben wir viel geredet und er hat mir auch mein Verhalten klar gemacht, hatte ich mal so Anwandlungen. Dadurch habe ich das anscheinend ganz gut trainiert. Ich habe immer noch bestimmte Tendenzen in mir, die an Co-Abhängigkeit erinnern, die mich ja da auch hingeführt haben. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Dadurch, dass ich in einer Beziehung bin, die auf Liebe, Augenhöhe und gegenseitige Achtung der Person aufgebaut ist, ist das aber nicht schlimm. Es kommt gewissermaßen nicht zum Ausbruch. Nicht bei meinem Mann. Nur in dem Maße, in dem es mir auch gut tut, weil ich eben mal einfach so bin.

    Das freut mich sehr für dich, dass du einen starken Mann an deiner Seite hast. Doch der ist ja auch erst in dein Leben getreten, als du dich mit dir selbst auseinander gesetzt hast. Das macht auf jeden Fall Hoffnung!

    Du schreibst ja auch, dass du immer noch bestimmte Co Tendenzen hast und auch das nehme ich für mich mit. Ich bin auf meinem Weg, werde auch nie "geheilt" werden, weil ich einfach zu lange in diesen Mustern gelebt habe. Doch mit Hilfe von anderen bewussten Menschen, die auch auf dem Weg sind, kann man ja doch bessere Beziehungen führen.
    Das ist auch mein sehnlicher Wunsch für mich und für alle hier.

    Dir eine gute Woche. Der 1. Advent ist ja nun fast vorbei :) Aber es kommen ja noch drei!

    Ganz lieber Gruß

    die Wildblume

    Guten Abend in die Runde,

    ich habe gestern geschrieben:

    Zitat

    Frage: kann man auch eine Freundschaft führen zu einem nassen Alkoholiker? irgendwann wenn Zeit vergeht? oder ist auch eine Freundschaft schwierig, weil man selber wieder in alte Verhaltensmuster reingerät oder weil die Ehrlichkeit ja auch in der Freundschaft fehlt?

    Ich habe heute gemerkt, dass ich diese Frage momentan mit einem Nein beantworten muss. Durch die E-Mail Korrespondenz ist wieder alles Mögliche an Gefühlen hochgekocht, nicht nur die mit ihm, sondern auch die aus früheren Beziehungen und die aus der Kindheit.
    Ich habe heute einen schrecklichen Tag mit Selbstvorwürfen gehabt, weil ich mich durch den Kontakt hab wieder so runter ziehen lassen.

    Mich würden andere Meinungen dennoch interessieren. Wie geht ihr mit euren Ex-Partnern um? und gibt es auch für uns Co´s bessere Zeiten? ich lese öfters im Bereich der trockenen Alkoholikern und da ist es ziemlich klar. Kein Alkohol mehr ist Pflicht, um nicht wieder rückfällig zu werden. Irgendwie ist es doch bei den Co-Alkoholikern verwaschener, oder? versteht ihr, was ich meine?

    Freue mich auf einen Austausch.

    Heute geht es mir anders. Warum anders? ich habe heute klare Worte gefunden für meinen Ex-Freund. Nur die Trennung hat mir das ermöglicht. Worte, die ich sonst immer abgemildert habe, um ihn nicht zu verlieren, weil ich wusste, er mag es so gerne, wenn ich gut mit ihm umgehe. Doch ich habe oft meine Wut geschluckt und dann ist sie irgendwann doch hochgekommen und dann war es wie ein Vulkan und dann hat das Feuer alles kaputtgemacht und dann als es erkaltet war, blieb kalte Asche zurück und dann bin ich wieder zurückgerudert und tat so, als sei alles in Ordnung.

    In den letzten Tagen habe ich gemerkt, wie ich wieder manipulieren wollte, ich konnte mir dabei zuhören, wie meine Gedanken im Kopf darum kreisten, ihn aus der Reserve zu locken. Und dann habe ich es doch nicht gemacht. Mir ist klar, ich fühlte mich damals bei meiner Mutter, so ungeliebt und dann diese Wand zwischen uns, dieses ungerechte Schweigen. Ich habe als Kind heftige Wutanfälle gehabt, habe manchmal Schuhe gegen die Wand geschmissen und meinen Kopf gegen die Wand geknallt, alles nur um diese Lieblosigkeit meiner Mutter und ihrem Zustand, wenn sie Alk trank, zu entgehen.

    So ähnlich ging es mir manchmal mit meinem Ex-Freund, diese Unverbindlichkeit, dieses Verdrehen der Wahrheit und ich? hab so vieles mitgemacht, beschönigt, um etwas Zuwendung zu bekommen. Doch im Grunde war ich bei ihm immer wieder dieses kleine Mädchen.

    Heute habe ich klare Worte gefunden und mich von ihm distanziert, denn ich brauche diesen Abstand, um zu mir zu kommen. Ich merkte, eine einzige liebevolle E-Mail, die aber darauf zielte, ihn weichzukochen, hat mich wieder total umgeschmissen und daher habe ich die 2. E-Mail geschrieben, diesmal was ich wirklich denke. Ich weiß, meine Worte mag er nicht hören, aber ich habe sie für mich geschrieben. Irgendwann wird es hoffentlich so weit sein, dass ich gar nicht mehr schreiben muss oder dann nur, um wirklich zu erfahren, wie es ihm geht. Noch bin ich zu verletzt, habe zu viele Dinge hingenommen und hatte mich selbst verloren.

    Irgendwann vielleicht kann ich vor ihm sitzen und sein Alkohol beeinträchtigt mich micht mehr.

    Frage: kann man auch eine Freundschaft führen zu einem nassen Alkoholiker? irgendwann wenn Zeit vergeht? oder ist auch eine Freundschaft schwierig, weil man selber wieder in alte Verhaltensmuster reingerät oder weil die Ehrlichkeit ja auch in der Freundschaft fehlt?

    Liebe Thalia,

    wie wunderbar, dass du auf deinem Weg und dem Prozess des ihn Gehens Glück empfindest.
    Das macht Mut und den brauchen wir hier doch alle.
    Mich haben deine Worte sehr angesprochen :)

    Ich finde auch, dass für mich manches verständlicher geworden ist seitdem ich so vieles weiß über Süchte, Verhalten, Muster, neuronale Bahnen, transgenerationaler Weitergabe von Traumata (hiermit beziehe ich mich vor allem auf die beiden Weltkriege), Bindungsverhalten, Ödipuskomplex u.s.w.....

    Ich glaube, das Lesen darüber hat mir geholfen nicht durchzudrehen und es hilft mir jetzt auch, da ich eine neue Arbeit angefangen habe.

    Dennoch sind in meinem Umfeld so wenige Menschen bereit, sich so wie ich, in der Tiefe mit ihren Mustern auseinanderzusetzen. Das tut mir dann weh, weil ich mich so einsam fühle und weil ich sehe, wie Menschen durch ihr Verhalten andere mit in den Sog ziehen (in meinem direktem Umfeld gerade sehe ich wie 2 Menschen ihr Kind instrumentalisieren und aus dem einst fröhlichem Kind wird ein stilles, hilfloses).

    Ich selber habe ja bis vor kurzem die Liebesbeziehung zu einem lieben, doch sehr unbewussten Menschen beendet, weil er trank und sich seine Welt passend redete und ich ihm als der Buhman erschien.

    Ich wünsche mir so sehr in meinem Umfeld Menschen mit denen ich reden kann, Verständnis, Empathie, Vertrauen, Innigkeit, aber auch gerechtfertigte Kritik, aneinander Wachsen, Zugehörigkeit und dennoch Freiheit.

    Ich muss wohl bei mir anfangen und meinem inneren Kind das geben, was es so viele Jahre entbehrte. Gleichzeitig möchte ich auch lernen, die erwachsene Frau zu sein, auch das ist ein Prozess. Ich habe mich ja in der Co-abhängigkeit jahrzehntelang an andere Menschen geklammert, weil ich dachte, ich sei nicht viel wert und die anderen so viel mehr. Ich habe meiner Wahrnehmung nicht vertraut.

    Das endete in einer Depression in die ich langsam reinrutschte. Diese Phase hielt sich über ein paar Jahre. der Zusammenbruch war unausweichlich, weil ich keine Hilfe bekam, weil ich aber auch nicht mich der Hilfe würdig befand. So entstand ein Kreislauf und ein Sog, der mich mehr und mehr in die Tiefe zog.

    Und dann in der Tiefe geschah aber auch etwas Gutes, denn ich, die immer so verantwortungsbewusst war, wurde auf einmal schlampig und bockig und verweigerte die Arbeit. Ja, ich wurde zur Hartz IV Empfängerin und lange Zeit juckte es mich auch nicht, denn ich dachte: "das System ist sowieso scheisse und die können mich alle mal".
    Da ich aber noch im materiellem verhaftet war, habe ich einige Versicherungen geplündert. Also befand ich mich ständig zwischen den Polen. Gesellschaft oder Einsiedlertum, Auto oder Fahrrad, Konsum oder Verzicht u.s.w...........

    Das waren schlimme Jahre, aber auch lehrreiche...

    Und dann kam das Tief, als die Frau vom Arbeitsamt mir sagte: "ne ne, bewerben Sie sich mal gar nicht, sie sind momentan nicht arbeitsfähig und warten Sie auf den Termin beim Psychiater"....

    Ne, das war dann doch zuviel. Da bin ich wach geworden, denn ich dachte: "wer bestimmt hier eigentlich über deinen Gesundheitszustand?".
    Solange ich rebellierte, war es für mich okay, aber jetzt wurde ich auf einmal abgestempelt und für unmündig erklärt und das hat mir geholfen. Da erwachten wieder meine Lebensgeister und ich besann mich auf meine Stärken und da wurde mir auch klar, dass ein Leben am Rande des Existensminimums nicht die Lösung für mich ist. Und jetzt, wo ich wieder im System drin bin, merke ich, dass es dir auch ein Stück Sicherheit und Selbständigkeit gibt. Ich hatte während meiner Zeit der "Freiheit" ja auch keine Lobby, habe das aleine durchgestanden und auch nicht gejammert, denn ich hatte mich ja dafür entschieden.

    Ich wünsche mir einfach mehr Menschen, die so offen sind wie ich und bei denen ich mich fallen lassen kann. Dieses ewige alleine Kämpfen, das ist schon sehr anstrengend.

    Aber ich bin auf dem Weg, merke, dass ich auch viel Kraft in mir habe und das diese Jahre der Entbehrung auch ihr Gutes hatten. In dieser Zeit habe ich meine Familienverhältnisse in Frage gestellt, habe zig Bücher gelesen, war viel mit dem Fahrrad unterwegs.

    Nur, wie gesagt, ich würde meinen Schatz gerne mit anderen teilen. Noch fühle ich mich recht einsam, aber ich hoffe, dass sich Türen für mich öffnen.

    Jetzt ist es doch recht lang geworden, aber es tut mir auch gut und dafür ist dieses Forum ja auch da, nicht? Denn genau das ist doch wichtig, dass ich bei mir bleibe und bei meinen Gefühlen, damit ich halt nicht wieder in die Versuchung gerate, meine Leere und Traurigkeit damit aufzufüllen, an einem anderen "du" anzudocken.

    Ich bin so froh, dass es auch Menschen gibt, die sich auf ihrem Weg befinden und diesen hier teilen.

    Liebe Grüße an dich Thalia...

    die Wildblume

    Hallo Aurora,

    das mit den Datenautobahnen fand ich gut. Ich habe auch darüber gelesen, dass man neue Spuren im Gehirn legen kann und das es dauert, aber machbar ist. Da habe ich auch Vorträge von Prof. Gerald Hüther gesehen.
    Man benutzt halt oft lieber die breiten, gut ausgebauten Bahnen, auch wenn die mittlerweile keine guten Wege mehr sind.

    Therapie ist für mich ein Thema für sich. Ich habe viele kleine Therapien gemacht, aber wirklich immer nur Stunden, das längst war mal eine Verhaltenstherapie, die über 25 Std. ging und die mir damals nichts gebracht hat, was aber auch daran lag, dass ich zu dem Zeitpunkt noch sehr blockiert war. Da war ich mit einem Mann zusammen, der Stimmen hörte und viel Alkohol trank, um diese zu bekämpfen. Das war meine hefigste Beziehung. Ab da war es nie mehr so schlimm.
    Ich habe auch in dem Jahr unseres Kennenlernens meinen Vater verloren und bin dann so richtig in dei Depression gerutscht, aus der ich jetzt erst so peu a peu rauskomme.

    Du schreibst:

    Zitat

    Dann bin ich jetzt noch in Therapie, nach dem Tod meiner Tochter und meines kleinen Enkels und dem Verlust meines Arbeitsplatzes, der sehr wichtig für mich war, bin ich kaum noch richtig auf die Beine gekommen. Ich habe Depressionen. Auch hier werden jetzt Muster, Prägungen sichtbar.

    Das tut mir sehr leid, dass deine Tochter und dein Enkel gestorben sind. Ich kann es zwar nicht ganz nachvollziehen, weil ich leider nie Mutter geworden bin, aber ich höre immer wieder von Müttern, dass dieser Abschied wohl der Schlimmste sei. Ich habe meine Mutter verloren als ich 12 war und meine geliebte Omi starb dann 2 Jahre später. Mein Vater wollte nichts mit mir zu tun haben, so dass ich mit 14 Jahren Waise war mit einem Bruder, der durch den Alkohol meiner Mutter, sehr angeschlagen war (sie hat während der Schwangerschaft getrunken). Ich denke, ich weiß, was Verlust bedeutet.
    Auch Depressionen kenne ich sehr gut. Ich war immer eine Kämpferin und dann ging nichts mehr. Ich, die voller Energie war, lag oft nur im Bett, teilnahmslos. Es war schrecklich und es hat lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte. Und irgendwann kamen meine Lebensgeister wieder. Heute versuche ich, es nicht mehr jedem recht zu machen und mir meine Kräfte einzuteilen. Gerade verantwortungsbewusste Menschen sind von Depressionen betroffen. Das Gute ist, man kann auch wieder genesen. Ich habe es ohne Tabletten geschafft. Manche brauchen aber welche, gerade wenn es ganz schlimm wird. Das muss wohl jeder für sich entscheiden,

    Ich suche aber noch einen Therapeutin oder auch eine Trauerbegleiterin. Ich habe die letzten Jahren Unmengen an psychologischen Büchern verschlungen, über Traumata, Sucht, Co-abhängigkeit, Mustern u.s.w....
    Ich war auch vor Jahren in den 12-Schritte Gruppen und ich habe viele Menschen mit meiner Geschichte verrückt gemacht, aber ich wollte halt verstehen, was los ist.

    Heute befinde ich mich langsam auf dem Weg der Besserung. Ich blicke zurück auf ein Scherbenhaufen und doch möchte ich wieder leben, zum ersten Mal ohne Mann, also ohne mein bevorzugtes Suchtmittel. Irgendwann auch wieder mit Partner, doch im Moment und das merke ich ganz klar, wäre das noch viel zu früh. Ich merke jetzt schon, dass ich immer klarer werde, je länger ich getrennt bin und Pläne für mich schmiede und lerne, mich wieder zu spüren.

    Für mich ist das Trauern momentan sehr wichtig. Ich bin dabei, mich meinem inneren Mädchen zu nähern und meiner Mutter, die schon so lange tot ist. Ich habe meine Mutterlinie ja so früh verloren und habe mit 14 einen richtigen innerlichen Bruch erlebt, das war wie eine Seite, die in mir geplatzt ist, ganz laut und ganz schmerzhaft. Das war sehr grausam, weil ich wusste, ich bin alleine, ohne Mutterlinie. Aber vielleicht habe ich sie ja auch sterben lassen aus lauter Schmerz und vielleicht können sie ja trotzdem in mir weiter leben. Leider nicht in meinen Kindern, denn ich habe schon früh beschlossen, dass ich keine Kinder haben werde. Heute würde ich gerne Kinder haben, weil ich denke, ich könnte eine gute Mutter werden. Lange dachte ich das nicht von mir, dachte, ich würde all das Dunkle weiter geben.

    Das ist jetzt doch sehr persönlich geworden. Aber ich schicke es trotzdem ab.
    Dir einen lieben Gruß und danke für deine Antwort.

    Liebe Thalia 1913,

    vielen dank für deine Wünsche!
    Auch wenn du mir geschrieben hast auch aus einem Verantwortungsgefühl, weil ich mir mehr Feedback erhofft habe, hat es mir ja gut getan.
    Doch ich verstehe auch deine Bedenken hinsichtlich dieses Verhaltens. Denn es ist ein schmaler Grat zwischen zu viel für andere zu tun und sich dabei zu vergessen und ein gesundes Maß an Empathie für andere.
    Auch ich kenne das sehr gut...........
    Uch, dieses eingeprägte.........ich suche ja eine Therapie, aber diese gestaltet sich sehr schwierig........
    Hast du auch Therapieerfahrung? oder wie gehst du mit deinen Mustern um? wie kommst du ihnen auf die Schliche? und gelingt es dir, die Qüalgeister ab und an mal im Schach zu halten?

    Lieber Gruß

    Wildblume

    Liebe Aurora,

    ich fand deine Antwort sehr wichtig, denn ein Satz ist mir heute mehrmals im Kopf geschwirrt und hat eine Blockade von mir aufgedeckt.

    Du schreibst:

    Zitat

    Wie andere Menschen über dich denken kannst du nicht beeinflussen.

    Das ist so wohltuend, denn das nimmt so viel Last von mir ab. Ich habe oft versucht, lieb zu sein, weil ich ja verdammt wenig Aufmerksamkeit als Kind bekam und als ich mit 12 in eine blöde Pflegefamilie reingesteckt wurde in der der Sohn alles auf dem silbernen Tablett bekam und ich mir alles erkämpfen musste und als ich noch sah, wie man meinen Bruder behandelte, der entmündigt wurde (ist eine zu lange Geschichte, würde hier den Rahmen sprengen), da ist mein bißchen Selbstwertgefühl auch nocht verpufft und ich wurde mir selbst fremd.

    Als Kind war es überlebenswichtig für mich, lieb zu sein und dass andere gut über mich denken. Heute kann ich im schlimmsten Falle von Hartz IV leben und mit wenig Dingen. Habe ich sogar auch einige Zeit lang wegen Depressionen gemacht und da war auch kein Freund zur Hilfe, wobei ich auch nie um etwas gebeten habe.

    Also es ist gut, die Menschen zu akzeptieren. Der eine mag mich, der andere nicht und ich kann das nicht beeinflussen, zumindest nicht die echte Akzeptanz aus dem Herzen.........

    Leider kann ich vorerst nicht ins geschlossene Forum, da ich gesehen habe, dass es etwas kostet.
    Ich habe nach langer Arbeitslosigkeit einen Job angefangen Anfang November und muss jetzt noch ein Monat Hartz IV zurückzahlen.
    Anfang des Jahres dürfte es mir wieder besser gehen.

    Lieber Gruß

    Wildblume

    Hallo Slowly,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Gut, dass du dich bei anderen Menschen inzwischen raushalten kannst.
    Ich bin dabei, es zu lernen. Alleine schon, dass ich mich hier oute, ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung.

    Schade, dass hier in diesem Bereich so wenig Austausch ist. Der ist mir einfach zu wenig. Ich versuche mal in den geschützten Bereich zu wechseln, wo ich mehrere erreichen kann.

    Lieber Gruß

    Wildblume

    Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken darüber gemacht, ob ich nicht generell ein co-abhängiges Verhalten habe.
    Meine Freundinnen habe alle irgendwie ein Suchtproblem und ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich sie retten möchte.
    Oft sehe ich mich dann nicht mehr und meine Bedürfnisse und erscheine ihnen vielleicht auch als besserwisserisch, wenn ich sie retten möchte.

    Ich bin traurig, weil ich merke, dass ich wenn ich beim anderen bin und bei seinen "Fehlern" weg von mir bin, urteile und bewerte und damit auch mich von den anderen entferne.

    Sind wir Co`s so kritiksüchtig?

    Mir hat sogar eine Freundin neulich gesagt, dass sie mich lange Zeit gemieden hat, weil sie mich so anstrengend findet.
    Mein Ex-Freund findet mich auch anstrengend.

    Und widerum habe ich auch eine liebe Seite, die aber auch meine Freunde und mein Ex mögen.

    Doch diese Kontrollseite, die die anderen beobachtet und ständig in Kritikbereitschaft ist, macht mich doch sehr traurig.

    Ich möchte nicht Jemand sein, vor dem die Menschen weglaufen. Vielleicht vordergründig sind sie nett und hinten denken sie ganz anders über mich. Ich weiß ja selber nicht, wie ich wirke.......

    Heute bin ich sehr traurig, weil diese Co Seite an mir mir unglaublich viel Leichtigkeit und Lebendigkeit nimmt.

    Kennt ihr das auch?

    LG

    M.

    Hallo Verzweifelt 15,

    danke für deinen Wunsch. Ja, ich versuche, meinen Weg weiterzugehen. Derzeit seit einigen Wochen solo, mit kleinen Rückfällen (1x gesehen und 2x telefoniert und E-mails).
    Wobei wir uns nach einem halben Jahr getrennt haben und die Beziehung nicht so stabil war, er auch keine Versprechungen gemacht hat und das Aus akzeptiert hat.

    Ich verstehe dich und dass es dich ziemlich fertig macht, dass du so abhängig bist, obwohl du ja meistens eine starke Frau warst.
    Ich möchte dir nur sagen, bitte mach dich deswegen nicht zusätzlich fertig.
    Vielen Frauen/Männern passiert dies. Genau wie viele Menschen in die Alkoholabhängigkeit geraten. Das hat bestimmt nichts mit einem schwachen Charakter zu tun.

    Ich suche derzeit Therapie, doch es gestaltet sich schwieriger, als erwartet.

    Liebe Grüße

    Wildflower