Guten Morgen,
gestern wae ein Kumpel bei mir. Wir haben so viele schöne Zeiten gehabt, die natürlich früher auch mit Feiern zu tun hatten. In den Zeiten, wo wir jedes Wochenende unterwegs waren, konnte ich auch schon nicht mit Alkohol umgehen, aber es waren natürlich auch Abende voller Spaß dabei. Zu den Zeiten habe ich noch nicht Tags über getrunken oder morgens ein Bier raufgekippt, um den Kater loszuwerden. Das waren die Zeiten, an denen ich Sonntags völlig fertig war, weil ich halt noch nicht auf die Idee gekommen war, auf den Restalkohol noch was raufzukippen. Ich hab dann die Sonntage irgendwie ausgehalten und mir jedes Mal vorgenommen, dass ich am nächsten Wochenende fahre. Gemacht hab ich es dann nie, denn Freitags war ja alles wieder gut.
Mein Kumpel trinkt seit Ewigkeiten. Anders als ich damals. Er trinkt seine paar Bier am Tag und man merkt ihm nichts an. Er hat keine Ausfälle, kommt nie betrunken rüber. Er ist einer der wenigen Leute, die irgendwie an einem Punkt in der Abwärtsspirale stehen geblieben sind. Es geht nicht weiter runter. Schön ist es aber auch nicht. Ich denke immer daran, dass seine Familie ja zumindest seine Fahne auch riecht. Zu Hause trinkt er wohl nicht. Ich weiß es nicht, ob er es heimlich in der Garage macht oder nicht. Jedenfalls arbeitet er, viel und gut im Handwerksbereich. Er ist fleißig ohne Ende und wahnsinnig gut in seinem Job, kann sich vor Angeboten kaum retten. Nach der Arbeit besucht er hier und da mal jemanden und ist dann immer zum Abendbrot pünktlich zu Hause bei seiner Familie.
Warum ich das erzähle? Einfach nur, weil es mir durch den Kopf geht. Da haben sich viele Menschen mit diesem täglichen Alkoholkonsum abgefunden und es gehört zum alltäglichen Leben dazu und wenn man das so durchdenkt oder jetzt oben durchliest, dann frage ich mich "Ob er es wohl als Problem sieht?" Also im inneren. Ich hab natürlich schon mal mit ihm drüber geredet, da sagt er, dass er es so gut findet, wie es ist. Er würde ja wissen, wann Schluss ist und hat nie einen Kater. Wie es innerlich in ihm aussieht kann ich schlecht einschätzen. Er macht wirklich einen zufriedenen Eindruck und ich frage mich, ob es wirklich Alkoholiker gibt, die zufrieden sind? Also so RICHTIG zufrieden aus tiefsten Herzen. Weil ich immer denke, dass man doch im Grunde genommen weiß, dass man trinkt. Egal, ob es nun negative Auswirkungen hat oder nicht. Man weiß doch trotzdem, dass man Alkoholiker ist.
Wie dem auch sei... ich bin jedenfalls froh, nicht mehr trinken zu müssen. Nicht nur, weil ich ständig Kontrollverlust hatte. Aber ich frage mich seit gestern, wie es gelaufen wäre, wenn ich mich so verhalten würde, wie mein Kumpel. Wenn ich kaum negative Auswirkungen gemerkt hätte. Hätte ich dann auch aufgehört zu trinken? Denn es fehlt ja irgendwie der persönliche Tiefpunkt. Wisst ihr, wie ich meine?