Guten Morgen.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut das Forum einem hilft, sich immer wieder selbst zu erinnern und sortieren. Manchmal öffne ich diese Seite und lese einfach nur und manchmal möchte ich nur jemand Anderem etwas schreiben, so wie eben in dem Thread "Unsicher" von Jessica und schon ist man gedanklich automatisch wieder in der eigenen Geschichte. Als ich Jessica eben was geschrieben habe, nämlich, dass es mein Untergang war, als ich anfing, zu Hause im Alltag meinen Wein zu trinken, da musste ich nochmal eine Zeit nachdenken. War das wirklich erst mein Untergang oder war es schon viel früher? Ich war schon vorher süchtig, das weiß ich. Aber als der Alkohol im Alltag eine Rolle spielte, da war eine weitere Grenze überschritten und deshalb ging es mit der Abwärtsspirale nochmal deutlich weiter nach unten. Es war ein besonderer Schritt für mich, auf einmal Wein zu Hause zu haben und ungehemmt jederzeit da auch allein bei zu gehen und mir ne Flasche zu öffnen. Haben ja viele so gemacht. Warum nicht auch ich? Zum Entspannen, beim Kochen und so weiter. Aber DAS war im Grunde genommen ein Verhalten, was ich nicht kannte von zu Hause aus meinem Elternhaus. Deshalb hat es auch lange gedauert, bis das bei mir soweit war.
Ich weiß, dass ich mich wiederhole, ich hab es hier schon mal beschrieben, aber ich greife es trotzdem nochmal auf. Das erste Mal betrunken war ich mit 14. Ich war bei Freunden und ich war direkt hackevoll. Kontrollverlust beim ersten Mal. Der Beweis, dass ich noch nie mit Alkohol umgehen konnte. Ich hab nicht oft was getrunken am Anfang, aber als ich nachher los durfte, in die Dorfdisse und zu Privatpartys im Jugendalter gab es im Grunde genommen keine Party?, an der ich nichts getrunken habe. Es ist nicht jedes Mal ausgeartet, weil ich in einem bestimmten Alter ja noch ne Uhrzeit mitbekommen habe, aber spätestens, nachdem ich solange weg bleiben durfte, wie ich wollte, war die Party erst zu Ende, wenn ich voll war. Ich bin auch nie Fahrerin gewesen. Damit ich bloß trinken kann. Wenn ich Montags an die peinlichen Geschichten dachte, hab ich immer gesagt "ich trink nächstes Wochenende nichts, ich fahre". Darüber wurde sich nachher schon lustig gemacht, weil ich sowieso Freitags entschieden hatte, dass ich doch nicht fahren werde. Da war ich doch im Grunde genommen schon drin in der Abhängigkeit. Ich konnte das, was ich mir selbst vorgenommen habe, nicht einhalten. Absolut nicht.
So lebte ich von Party zu Party. Ich habe nie in der Woche zu Hause getrunken. Deshalb freute ich mich schon Montags auf Freitag bzw. Samstag-Abend. Wenn irgendwo ne Scheunenfete war, haben wir schon die Flyer ins Auto gehängt und wenn ich in der Woche mit dem Auto unterwegs war bekam ich immer ein gutes und euphorischers Gefühl, wenn ich durch den Flyer erinnert wurde "Samstag ist Party". Vergleichbar ist das mit dem Gefühl, was ich später hatte, wenn ich mir zu Hause meinen Wein geöffnet habe. Nein, nicht vergleichbar. Es war absolut gleich merke ich gerade. Dieses "Ja, jetzt trinke ich was" hatte solche Glücksgefühle ausgelöst. Viele werden es kennen, wenn nicht sogar alle. Beim Schreiben bekommt man direkt Lust drauf und wenn ich dann aber meine Methode anwende und den Gedanken zu Ende denke.....wie geht es nach dem ersten und zweiten Glas weiter. Wie sieht es nach der ersten Flasche aus?? Bereits DAS reicht mir, um die Lust auf das Trinken wieder zu verwerfen, denn bereits nach der ersten Flasche konnte man mich in die Tonne hauen. Wenn mir diese Gedanken nicht reichen, denke ich nochmal daran, wie es am nächsten Morgen ist, wenn ich mit einem Kater wach werde und mich definitiv nicht mehr daran erinnern kann, wie ich ins Bett gekommen bin und dann bin ich ein für alle Mal bedient mit der Lust auf ein Glas Wein. Gern kann ich mir als Krönung noch vorstellen, dass ich morgens im Bett liege, ich mich schäme, wenn ich meine whats app Nachrichten ansehe und wie meine Kinder reinkommen und sagen "Mama, Du warst ja gestern schon wieder so durcheinander" und wie ich mich dann frage, ob ich die Kinder eigentlich ins Bett gebracht habe oder mein Partner oder ob sie vielleicht sogar selbst gegangen sind. Heulen könnte ich gerade, wenn ich daran denke!!!! Laut los heulen, ganz ehrlich. So etwas sollten Kleinkinder niemals erleben müssen.
Es ist ganz komisch gerade. Ich habe gerade das beste Beispiel live im Absatz davor durchlebt, wie es mir geht, wenn ich Lust auf etwas zu Trinken bekomme. Als ich anfing von der Partyzeit zu schreiben bekam ich beim Schreiben WIRKLICH Lust auf das Gefühl, was ich selbst beschrieben habe. Dieses euphorische Glücksgefühl. Ich hab dann genau das weiter geschrieben, was ich dachte. Zu Ende dachte. Meine Methode. Ihr ward quasi live dabei
Und könnt ihr Euch vorstellen, wie die Lust auf ein Glas Wein am Ende meines Absatzes komplett weg war?? Es ist so. Ich bin jetzt, keine 3 Minuten später angewidert bei dem Gedanken an Alkohol....
So nun bin ich abgewichen von dem, was ich eigentlivch schreiben wollte. Ich schicke auch einmal kurz ab, weil ich Angst habe, dass mein Laptop meinen Text wieder einmal verschluckt....