Beiträge von Cadda

    Ich habe nicht behauptet, dass Du so etwas geschrieben hast. Ich wollte Dir lediglich erklären, dass nicht nur ein direkter Satz wie beispielsweise „Ihr Alkis seid alle ätzend“ herablassend ist, sondern auch andere Schreibweisen durch die Blume, so wie Du es tust. Du beklagst Dich quasi, was wir Alkoholiker in diesem Co-Bereich zu suchen haben. DAS ist mitunter herablassender und beleidigender als es der nackte Satz „Ihr Alkis seid ätzend“ wäre... So habe ich das gemeint, Yvonne.

    Oder aber, wie Du in Deinem vorletzten Beitrag im zweiten Absatz mit mir umgehst. Das ist wirklich unterste Schublade.
    Ich habe nicht gesoffen, um „meinen Alkoholiker“ durch Trinken zu unterstützen. Sondern weil ich selbst alkoholKRANK bin.

    Du hast das Recht, wütend zu sein. Aber Du hast nicht das Recht, mit mir umzugehen, als wenn ich der letzte Dreck bin, denn so schreibst Du mich an.

    Ich lese hier schon sehr, sehr viele Jahre mit und ich habe auch schon sehr viele, verletzte und wütende Co.-Abhängige gelesen. Aber mit so einer herablassenden Art wie Deiner, hatte ich noch nicht das „Vergnügen“.

    Da erscheint der Satz von Dir „wir sind etwas besseres“ auf einmal doch in einem ganz anderen Licht.

    Ich bin sehr froh, dass ich trotz Jahre langen Saufens noch genügend Hirnzellen für Anstand und Emphatie habe.

    Den Satz „wünsch Dir trotzdem alles Gute“ kannst Du Dir sparen, Yvonne.


    Liebe Ziele,
    ich merke beim Schreiben, dass wir uns noch in Deinem Thread befinden und dafür möchte ich mich entschuldigen. Aber ich bin jetzt eh weg hier, denn das „Gespräch“ möchte ich auch beenden. So muss ich nämlich nicht mit mir umspringen lassen. Da bin ICH in diesem Fall was Besseres. In diesem Sinne.....

    Ich halte es überhaupt nicht für hochgradig fahrlässig. Allein schon die Tatsache, dass Du das Thema eröffnest, zeigt ja, dass ihr Euch vernünftig mit der Sache auseinander setzt und alles gut durchdacht wird.

    Ich denke, dass dieses „Erben“ oftmals eher damit zu tun hat, dass Eltern, die Alkoholiker sind, das Verhalten einfach vorleben.
    Meine Eltern haben gar nicht gesoffen, ich bin eher durch meinen damaligen Freundeskreis reingerutscht. Durchs „Party machen“.

    Ich denke, dass ihr sogar den Vorteil habt, Euer Kind sehr gut sensibilisieren zu können, wie Carl-Friedrich schon schrieb.

    Ich bin übrigens auch wütend auf meinen Ex-Partner. Er hat immer gesagt „Gemeinsam schaffen wir alles“ und als es darauf ankam, hat er mich den Weg ohne Alkohol allein gehen lassen. Ich musste mit meinen beiden kleinen Kindern ausziehen. Er war im Suff widerlich zu mir und meinem Sohn. Ich hab von Dir gelesen, was Dein Ex mieses zu Dir gesagt hat und ich kann Dir versichern, dass ich so gemeine Dinge auch hören musste, nachdem ich ausgezogen war. Es sind sogar noch viel schlimmere Dinge passiert, die ich hier im offenen Bereich nicht schreiben möchte.

    Aber weißt Du was? Wenn er aufhören würde zu trinken und trocken sein würde, von mir aus auch mit einer trockenen Alkoholikerin. Dann würde ich mich freuen, wenn er es schafft. Weil es eine abartige Krankheit ist, die ich niemanden wünsche, den ich einmal geliebt habe.

    Weißt Du, Yvonne... Ich behaupte von mir einfach mal, dass ich wirklich eine sehr diplomatische Person bin, die beim Schreiben auf die Gefühle der Anderen Rücksicht nimmt. Aber Du fühlst Dich ja direkt sowas von angegriffen. Die Art und Weise, wie Du schreibst ist es einfach, die unpassend ist. Du fragst, wieso sich immer wieder Alkoholiker auf Dich/Euch einhacken. Was ist das bitte für eine dämliche Frage? Entschuldige bitte jetzt mal meinen direkten Ton... Wir befinden uns hier in einem Forum, in dem es um das Thema Alkohol geht. Da schließt das eine Thema das andere Thema einfach nicht aus. Du selbst hast doch auch bei den Alkoholikern wutentbrannt gefragt, wo denn die Schuldgefühle bei den Alkoholikern bleiben und noch vieles mehr. Hast Du Dich da nicht auch bemerkbar gemacht, weil die Themen nun einmal ineinander fließen?

    Du bist verbittert und wütend. Ja und wenn man wütend ist, dann ist es schwer, manchmal den richtigen Ton zu treffen. Aber Du wirfst hier gerade alle in einen Pott und das finde ich nicht fair.
    Davon mal abgesehen habe ich bereits geschrieben, dass mich auch die Seite der Co-Abhängigkeit betrifft. Schon allein vor diesem Hintergrund ist es mega abwertend, hier zu betonen, dass wir Alkoholiker uns hier in dieses Thema "einhacken". Und selbst WENN jemand nicht direkt betroffen ist oder co-abhängig ist, so hat es dennoch mit dem Thema zu tun. Denn auch wir Alkoholiker haben Menschen um uns herum gehabt, während wir gesoffen haben, die vielleicht auch co-abhängig waren und es könnte uns interessieren, wie die Co-Abhängigen sich fühlen.

    Ja, Du kannst gern Deine Gefühle und auch Wut hier kund tun. Aber dieses herablassende den Alkoholikern gegenüber, das ist schon sehr extrem auffällig. Das ist dann nicht der plumpe Satz "Ihr Alkis seid alle..... was weiß ich was".
    Nein, aber auch dieses Schreiben, so nach dem Motto "was habt ihr hier eigentlich zu suchen"... DAS ist die Art und Weise die ich meine. Die gefällt mir einfach nicht und das sind meine Gefühle, die ich nun aufschreibe. Punkt!

    Hallo Garcia,

    Ich denke, da kommt es tatsächlich auf die Sache an Dich an. Wenn ich beim Essen gierig bin, macht es meine Welt nicht bunter, sondern mich dicker :mrgreen:
    Und wenn ich gierig getrunken habe, hat es zwar die Welt kurzzeitig bunter- aber mich auch umso besoffener gemacht.

    Wenn ich aber ganz viel lese, spazieren gehe oder liebe, dann kann es die Welt tatsächlich besser oder bunter machen :)

    Abschließend möchte ich sagen, dass ich von der Co-Seite her verstehen kann, wenn man sich nicht mal eben so einfach trennen kann und fertig. Sonst wäre man ja nicht hier. Ich hänge wie gesagt immer noch an meinem Ex-Partner, eben WEIL ich mir sicher bin, dass diese Beziehung es geschafft hätte, wenn er mit mir gemeinsam aufgehört hätte.
    Und selbst wenn man weiß, dass die Beziehung auch ohne den Alkohol gescheitert wäre, ist es manchmal trotzdem schwer loszulassen. Man sollte hier seine Gefühle schreiben können. Ich kann die Wut auf die Krankheit Alkoholismus auch verstehen. Ich habe sie selbst.
    Aber manchmal ist es einfach tatsächlich so, dass "der Ton die Musik macht". Da ist dann ein Beitrag, in dem gar nicht so etwas Schlimmes geschrieben wurde, einfach das i-Tüpfelchen, weil man vorher schon einige verletzende Dinge abgespeichert hatte.

    Ich finde, dass dieser Austausch hier gerade gar nicht so verkehrt ist. Offene Worte sind doch besser, als wenn es so öde vor sich hindümpelt :)

    Grundsätzlich bin ich aber schon der Meinung, dass viele Probleme in Beziehungen dem Alkohol geschuldet sind. Hier wird leider oftmals behauptet, die Probleme wären ohnehin vorhanden und man kann nicht alles dem Alkohol ankreiden. Das stimmt, aber einiges kann man ganz sicher dem Alkoholismus ankreiden. Ich habe es selbst erlebt. Ich war einige Jahre mit meinem Ex-Partner zusammen. In all den Jahren haben wir NIEMALS nüchtern gestritten. Im Suff sogar so sehr, dass es schon einmal zu Handgreiflichkeiten kam. DAS hat sehr wohl der Alkohol gemacht. Nun könnte man denken, dass der Alkohol nur das zu Tage getragen hat, was einen nüchtern auch beschäftigt hat. Nach dem Motto, die Probleme waren schon da und "im Wein liegt Wahrheit", aber das stimmt nicht bei allen. Ich habe besoffen Dinge zum Streitthema gemacht, die ich nüchtern selbst nicht nachvollziehen konnte. Mein Partner hat teilweise so ein wirres und beknacktes Zeug von sich gegeben, der hätte sich nüchtern in Grund und Boden geschämt, wenn er sich im Nachhinein gehört hätte. Mein Ex-Partner ist überall beliebt, ich habe ihn immer auf ein Podest gestellt, weil er einfach ausschließlich gutherzig für mich ist/war. Dadurch, dass er später ständig getrunken hat, hat einfach eine Wesensveränderung stattgefunden. Ja, ich gebe im Nachhinein absolut dem Alkohol die Schuld für das Scheitern der Beziehung. Wie gesagt, in einigen Beziehungen ist der alkoholisierte Zustand vielleicht nur ein Auslöser. Das war in meiner Beziehung davor sicherlich auch so, weil ich zu viel getrunken habe. Ich bin nämlich scheußlich, wenn ich getrunken habe und nüchtern finde ich mich selbst echt in Ordnung. Da stimmte aber einiges in der Beziehung nicht und es kam lediglich betrunken besser zum Vorschein. In meiner langjährigen Partnerschaft stimmt aber alles, BIS gesoffen wurde.
    Von daher würde ich dieses Thema nicht verallgemeinern. Es MUSS nicht immer nur der Alkohol Schuld sein. Es KANN aber zumindest zum größten Teil der Alkoholismus Schuld sein....

    Hallo an Alle, die sich hier gerade austauschen, was mir im übrigen gefällt. Ich möchte einfach auch einmal so ganz allgemein meine Meinung zu einigen Dingen abgeben. Für mich ist es hier sehr interessant, da ich mich so wahnsinnig gut in beide Seiten hinein versetzen kann. Einige wissen es ja, ich bin Alkoholikerin, seit einem Jahr trocken. Aber ich habe mich auch im Co.Bereich herumgetrieben, da mein Ex-Partner leider nicht bereit war, mit dem Trinken aufzuhören und es fiel mir sehr schwer, mich von ihm zu lösen. Zumindest gedanklich habe ich es bis jetzt noch nicht einmal richtig geschafft, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls kenne ich auch aus der Beziehung (obwohl ich selbst getrunken habe), dass ich mich co-abhängig verhalten habe. Wie gesagt, sowohl innerhalb der Beziehung, als auch hinterher, nachdem ich aufgehört habe, zu trinken und die Beziehung offiziell beendet war. Das nur mal kurz am Rande, als Erklärung, warum ich meiner Meinung nach beide Seiten absolut nachvollziehen kann.

    Ich kann absolut verstehen, dass Du Yvonne, sehr verletzt und gekränkt bist. Ich kenne Dich und Deinen Ex nicht und kann mir natürlich kein Urteil erlauben, aber nachdem, was ich gelesen habe, habe ich bei Deiner Geschichte tatsächlich das Gefühl, dass die Probleme nicht nur vom Alkohol gekommen sind. Schau, er ist jetzt trocken (auch wenn das noch nicht so lange der Fall ist) und er möchte diese Beziehung aber trotzdem nicht mehr und ist nun offensichtlich glücklich, wie es jetzt ist. Wenn Beziehungen überwiegend wegen des Alkoholproblems auseinander gehen, VERSUCHT der Betroffene doch zumindest, die Beziehung zu erhalten.
    Ich kann wie gesagt dennoch verstehen, dass Du wütend bist. Ich bin auch ganz ehrlich, ich persönlich habe Deinen Satz "Wir sind besser" auch nicht als kränkend empfunden. Denn sogar ICH habe für MICH ja selbst das Gefühl, dass ich besser bin, als vorher, wo ich noch getrunken habe. Ja, es ist eine Krankheit. Dennoch schäme ich mich heute noch dafür, dass ich meinen kleinen Kindern durch mein Gesaufe das Leben schwer gemacht habe. Ich konnte mich selbst nicht mehr ausstehen, deshalb war vermutlich auch mein Selbstbewusstsein im Keller und ich habe mich von meinem Ex-Partner schlecht behandeln lassen. Heute, nach einem Jahr Nüchternheit, ist mein Selbstbewusstsein nach und nach zurück und ich finde mich BESSER.

    Aber, jetzt kommt das Aber: Dass man Deine Beiträge durchaus auch anders deuten kann, wie z. B. sunshine das getan hat, das wundert mich absolut nicht, denn ehrlich gesagt, hast Du eine Art zu schreiben, die schon so rüberkommt, als sei Dein Ex der absolute Vollpfosten, weil er "Alki" ist. Es gibt ja noch mehr Beiträge von Dir. Und wenn Du Dich in denen darüber auslässt, dass er jetzt mit einer Oma zusammen ist und sich da sozusagen zwei Alkis gefunden haben, wo Du schon von vorne herein erwartest, dass das nicht gut geht und beide sicherlich bald wieder saufen werden, dann kommt das schon ziemlich unfair rüber. Nun könnte man sagen, dass es kein Wunder ist, dass Du auch unfair und verletzend wirst, denn Dein Ex war ja auch verletzend. Aber DAS hat tatsächlich absolut überhaupt nichts mehr mit dem Trinken zu tun, sondern ist einfach ein Beziehungsproblem, was nicht dem Alkohol geschuldet ist.
    Du hast Dir Gedanken im Vorwege gemacht, ob Du Euer Kind zu diesen "Alkis" geben kannst, aufgrund mangelndem Vertrauen. War es wirklich Deine Angst, dass die zwei wieder das Trinken anfangen? Oder hat Dich vielleicht einfach gestört, dass Dein Ex jetzt in jemand Anderes verliebt ist und es vielleicht sogar klappt, dass die zwei sich gegenseitig stützen und trocken bleiben?? Selbst DAS wäre völlig ok und ich könnte es nachvollziehen, weil Du natürlich verletzt bist. Aber auf das Trinken sollte es dann nicht geschoben werden, denn sie trinken ja nicht. Das sind ungelegte Eier, über die Du Dir da Gedanken gemacht hast und somit wurde etwas auf den Alkohol abgewälzt, was damit aber nichts zu tun hatte.

    Da mein PC ab und zu abstürzt, schicke ich mal kurz ab....

    Hallo Ziele,
    mir ging es auch sehr viele Jahre ums stille Mitlesen. Ich war noch nicht einmal angemeldet, konnte also ausschließlich im offenen Bereich lesen. Es hat mir extrem viel geholfen, aber das habe ich hier ja schon beschrieben. Wenn ich nun -manchmal bewusst, denn ich äußere mich ja manchen Verfassern gegenüber direkt in Bezug auf ihr Problem- und manchmal unbewusst, indem ich von meinen Erfahrungen berichte, helfen kann, dann freut mich das schon.
    Ich finde es auch ok, wenn man das bewusst nicht tun möchte, wie Hull z.B.
    Ich selbst denke da zwar anders und gebe zu, dass das für mich auch recht hart rüber kommt, aber es ist ok und nicht alle sind gleich.

    Dass Du, liebe Ziele, Dich hier angemeldet hast und bisher nichts schreiben mochtest, ist auch ok. Vielleicht kommt das noch. Ich finde es aber gut, dass Du Dich mal kurz dazu gemeldet hast. Denn so bekommt man mal direkt mit, dass nicht alle, die nichts schreiben, sich vom Acker gemacht haben :lol:

    Was das Essen angeht, ist es bei mir auch so. Meine Therapeutin sprach ebenfalls von „Suchtverlagerung“. Wobei ich es bei mir eher so empfinde, als würde ich es benutzen, um mich auf etwas freuen zu können, die Gemütlichkeit zu haben. Früher hab ich mich auf den Wein gefreut. Jetzt fahre ich nach Hause und denke „geil, gleich aufs Sofa und was richtig leckeres essen“.
    Ich esse auch den Teller leer, weils ja gut schmeckt, obwohl ich satt bin. Echt bescheuert, weil ungesund!
    Zum Glück bin ich viel auf der Arbeit in Bewegung, sonst würde ich ganz schön auseinander gehen.

    Trotzdem hab ich dann mal eine Phase zu fassen, wo ich echt oft esse und dann habe ich null Bock auf Sport, also freiwillige Bewegung. Wenn ich dann doch mal was zugenommen habe, komme ich irgendwann an einen Punkt, wo es ins andere Extrem geht. Dann esse ich total gesund und mache dauernd Sport oder gehe spazieren.

    Egal, was ich mache. Ich kann es immer nur ganz oder gar nicht. Das war früher mit dem Alkohol so und jetzt ist es bei anderen Sachen auch so.

    Danke für die Glückwünsche ihr Lieben.

    Thalia, Du hast es ganz gut zusammengefasst. Sicherheiten, Unsicherheiten, Zweifel und Freude. So hab ich es das ganze, erste Jahr über erlebt. Aber alles positiv gesehen.
    Carl-Friedrich, es ist so, wie Du sagst, mit dem ersten Jahr. Man macht ja alles quasi "das erste Mal" nüchtern. Alle Situationen durchlebt man anders, als im Jahr zuvor. Jetzt im zweiten Jahr, hat man alles schon einmal abstinent erlebt. Ich bin gespannt, denke aber, dass ich da jetzt noch genauer weiß, was ich will und was nicht.
    Correns, ich hab ja schon öfter mal auch hier draussen ausführlicher geschrieben. Schön, dass Dir das gefällt. Mir selbst ist das wichtig. Weil ich nur durch solche Berichte immer mutiger wurde, es auch zu schaffen. Mich würde es freuen, wenn es Menschen gibt, die sich dadurch motivieren.
    Hull, Du hast vollkommen Recht, was die Kinder angeht. Meine haben wohl teilweise heimlich gelitten, aber sie haben sogar - obwohl sie die ganze Saufzeit über noch klein waren, mir zu spüren gegeben und auch teilweise gesagt, dass sie das nicht wollen. Ich schäme mich heute noch dafür, dass ich ihnen das angetan habe. Umso glücklicher bin ich, zu sehen, wie sehr sie mir jetzt vertrauen, wo ich nichts mehr trinke.
    Ich habe damals den Titel "Hintertürchen geschlossen" gewählt, weil mir bewusst war, dass die Tür zu muss. Ich wusste schon lange, dass ich irgendwann aufhöre zu trinken. Aber ich wusste auch, dass es dann kein Zurück mehr gibt. Mir war also von Anfang an bewusst, dass ich für den Rest meines Lebens nicht mehr trinken möchte, wenn ich aufhöre.
    Horizont, ich habe in einem anderen Tagebuch gelesen, dass Dein Satz an mich zum Thema wurde. Dass ich "die Sucht hinter mir gelassen habe". Ich weiß, dass diese Sucht mich ein Leben lang begleiten wird. Aber ich weiß genau, wie Du es meintest und hab es auch richtig verstanden. Aber nennen wir es doch so: Ich habe den negativen Teil der Sucht, in dem man trinkt, hinter mir gelassen :)
    Danke auch an Sunshine, Mario, Karsten und Morgenrot :)

    Guten Morgen,


    heute habe ich es rum, das Jahr und ich wollte noch berichten:

    Ich habe einen neuen Job :) Ich war gar nicht so unzufrieden in meinem alten Job, aber die Voraussetzungen sind jetzt einfach noch viel besser für mich. Lange hab ich mit dem Job schon geliebäugelt, also mit dem anderen Betrieb, aber zu der Zeit, wo ich noch getrunken habe, hätte ich es gar nicht probieren brauchen. Hab mich eh nicht getraut und die Motivation hätte ich gar nicht aufbringen können. Nun, vor ein paar Wochen, hab ich mich getraut. Und vor allem: Ich hab es MIR auch ZUgetraut. Also habe ich mich beworben, das Gespräch lief absolut gut und es hat geklappt. Das habe ich definitiv meiner Trockenheit (jetzt nach einem Jahr nenne ich es einfach mal schon so, denn ich fühle mich irgendwie trocken) zu verdanken.

    LG Cadda

    Ein sehr guter Beitrag, Maria.

    Ich habe vor ein paar Jahren übrigens auch noch erlebt, wie einige aus meinem Umfeld meine Sorge um meinen eigenen Alkoholkonsum als übertrieben- und mein Verhalten als „normal“ abgetan haben. Meist waren das die Menschen, die selbst zu viel trinken.

    Später, also in der letzten Zeit, wo ich noch getrunken habe, hat mein Umfeld auch gemerkt, dass ich es nicht mehr im Griff habe. Die mir wichtigen Menschen, also mein ganz nahes Umfeld, hat es allerdings schon früh erkannt.

    Mir ist es auch egal, wer was von mir denkt. Das Wichtigste ist letztendlich, dass ich selbst weiß, dass ich alkoholkrank bin und nicht Andere.

    Das ist interessant, Hartmut. Dass Du erst eine Stabilität brauchtest, um zurückzublicken. Ich empfinde es momentan anders herum. Ich bekomme Stabilität, indem ich zurückblicke und etwas von meinem früheren Verhaltensweisen „lernen“ kann. Ich habe vor 26 Jahren meine ersten Besäufnisse als angenehm empfunden, weil mich der Alkohol sicherer und lockerer machte. So war es im Grunde genommen auch noch vor etwas über einem Jahr. Nur, dass ich am Ende ständig das Bedürfnis hatte, da es dann mein Missbrauch mehr war, sondern sich die Krankheit entwickelt hatte.

    Ja, für mich ist es sehr schnell eine Krankheit gewesen. Denn psychisch abhängig ist man schnell und bereits DAS empfinde ICH als krank. Alkoholkrank bin ich nicht erst, wenn ich körperlich abhängig bin. Wenn ich mich hier angemeldet habe, bin ich bereits krank. Das ist meine Meinung.

    Ob das aber Andere auch meinen oder ob sie mich einfach nur als „Alki“ sehen, die selbst Schuld hat, das ist mir egal. Vielleicht deshalb, weil ich weiß, dass alle mir wichtigen Menschen es auch als Krankheit empfinden.

    Mir gefällt Dein Text auch sehr gut, Karsten. Du beschreibst sehr gut das Thema mit dem Rückfallrisiko und das man halt Lösungen finden muss, mit bestimmten Situationen anders umzugehen.

    Im Grunde genommen geht es hierbei tatsächlich um die Anfänge, weshalb man zu Alkohol gegriffen hat und in welchen Situationen. Später war’s egal, da hat man immer Grund zum Saufen gehabt. DAS ist dann die Krankheit, die sich entwickelt- und einen Saufen lassen hat.

    Hartmut, vielleicht denken wir da unterschiedlich, weil Du viel länger trocken bist, als ich. Ich habe nächste Woche mein erstes Jahr geschafft. Darauf bin ich zwar stolz und es ist auch schon eine ganze Weile, aber gerade am Anfang haben Einige vielleicht öfter mal diesen Suchtdruck. Bei mir ist es dann so, dass ich mich beobachte, in welchen Situationen das vorkommt und dann setzte ich mich automatisch mit mit dem Thema auseinander, was mich zum Trinken gebracht hat.

    Allerdings ist das jetzt, nach einem Jahr bereits weniger, als ganz zum Anfang. Wenn ich erst einmal so lange trocken bin wir einige von Euch, denke ich vermutlich auch nicht mehr darüber nach.

    Ich habe in der Suchtberatung/Therapie auch mehr das Bedürfnis meine Zukunft ohne Alkohol zu stabilisieren, als in der Vergangenheit zu kramen. Manchmal schließt das Eine das Andere allerdings nicht aus.

    Wie gesagt denke ich aber, dass das in ein paar Jahren anders aussehen könnte.

    Ah ok. Ich bin tatsächlich mehr auf Deine Einleitung eingegangen, als auf Deine Frage.

    Ich versuche nicht, zu verstehen, um eine Lösung zu finden. Die gibt es im Nachhinein ja eh nicht. Wie Du schon sagst, ich bin ja erkrankt und kann es nicht mehr ändern.

    Aber verstehen, WARUM es dazu kam, kann mir helfen, um einen Rückfall zu vermeiden.

    Wie mein Umfeld es nennt, ob Krankheit oder was auch immer. Das ist mir tatsächlich völlig Wurst. Das muss niemand verstehen- geschweigedenn akzeptieren. Das Einzige, was zählt ist, dass ich jetzt nicht mehr trinke. Fertig.