Beiträge von Cadda

    Liebe Mirella,

    es ging mir auch so. Ich fühlte mich allein und das, obwohl ich Freunde und Familie um mich herum hatte. Dennoch war ich anders als sie. Ich trank und sie nicht. Ich habe mich damit selbst ins Abseits gedrängt. Sie haben nicht so gelebt, wie ich. Ich konnte nicht mehr „mithalten“, mit dem „normalen“ Leben.
    Jetzt, wo ich nicht mehr trinke... jetzt fühle ich mich wieder zugehörig.

    Meinen Kindern gegenüber fühle ich mich nicht mehr so schlecht. Ich kann das Leben wieder genießen. Diese ganzen schönen Momente, dieses sich FREI fühlen. Dafür lasse ich gern das kurze, gute Gefühl des ersten Glases weg und gebieße anstatt ne halbe Std am Abend lieber mein Leben.

    Meine Frage ging auch eigentlich an den Beitrag über mir, von „Poster“.

    Du hast das nicht bestritten, das hab ich schon verstanden. Klar. Denn man kann selbstverständlich auch alkoholkrank sein, auch wenn man „nur“ am Wochenende trinkt. Ich habe viele Jahre auch „nur“ an den Wochenenden getrunken. Alkoholikerin war ich da trotzdem schon. Irgendwann blieb es nicht mehr beim Wochenede. Wenn die Einsicht zur Krankheit bei Dir erst einige Jahre später gekommen wäre, könnte ich mir vorstellen, dass es Dir auch so ergangen wäre. Aber das spielt ja zum Glück keine Rolle mehr, da Du aufgehört hast.

    Wie gesagt... meine Fragen bezogen sich auf den Beitrag von Poster und ich bin gespannt auf die Antworten meiner Fragen.

    Danke Correns für Deine netten Worte. Ja ich bleibe optimistisch :)

    Correns und Hull,
    ja, es ist so, dass ich mir sicher bin, nicht mehr zu trinken. Nur weil ich mich sicher fühle, bedeutet es jedoch nicht, dass ich es ausschließen kann. Ich habe beim Schreiben gar nicht groß darüber nachgedacht und das war in dem Moment einfach mein Gefühl. Es bedeutet jedoch nicht, dass ich mich zurücklehne. Ich weiß, dass ich immer am Ball bleiben muss. Ich bin generell ein Mensch, der immer auch auf das Schlechte vorbereitet ist. Ich bin skeptisch, umsichtig, vorsichtig und immer auf der Hut. Es soll bei mir also was heißen, wenn ich mich sicher fühle. Ich fühle mich sicher, aber nicht ZU sicher, um mich gerade dadurch in Gefahr zu bringen.

    Sehr interessante Diskussion, hier in Deinem Thread, Hull. Gestoßen bin ich darauf durch Deinen Beitrag in meinem Tagebuch und durch den Beitrag von Correns. Ich werde hierzu auch noch antworten.

    Ich habe aber eine Frage an Poster:

    Wenn Du kein Alkoholiker bist.... weshalb ist es Dir dann so wichtig, nichts mehr zu trinken? Ein Glas ab und zu kann dann (wenn Du nicht alkoholkrank bist) ja nicht so schlimm sein???

    Hallo St. Georg,

    ich habe gerade mal bei Dir reingelesen. Was das Thema Essen/Naschen angeht: Bin ich auch voll drin im Kreislauf. Leider. Bei mir ist es so, dass ich jetzt fast ein Jahr nichts trinke und trotzdem habe ich dieses "Problem" noch. Es wird also inzwischen nicht mehr der Grund sein, dass mein Körper sich das holt, weil er es als Ersatz benötigt, sondern meine Psyche. Leider... Also meine Therapeutin meinte zumindest, dass es oft so ist, wenn man trocken ist, dass man sich andere "Glücksmomente" herbeiführt. Suchtverlagerung ist ja auch ein Begriff dafür. Da ist auf jeden Fall was dran. Muss ich definitiv bei mir dran arbeiten.

    Ich finde es gut, wie Du ansonsten mit der Sache umgehst. Du nimmst die Dinge an, die man schreibt und machst Dir Gedanken darüber. Dieses "auf der Hut sein" finde ich SEHR wichtig. Stand und steht bei mir ebenfalls ganz weit oben. Nie zu sicher fühlen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag :)

    Hallo ihr Lieben,

    die Zeit rennt. Nächsten Monat bin ich ein Jahr trocken. Es kommt mir viel kürzer vor. Ich bin immer noch so froh darüber, dass ich ganz oft daran denke, WIE glücklich ich eigentlich dadurch bin. Die Momente, in denen ich gern etwas trinken würde, sind viel seltener geworden. Ich kann sie inzwischen direkt benennen. Also am Anfang hatte ich dauernd Situationen. Da brauchte ich nur irgendwo vorbei gehen und jemanden etwas trinken sehen und schon war ich neidisch, dass ich nicht normal trinken kann. Inzwischen sehe ich das gar nicht mehr so. Ab und zu ja, aber nicht jedes Mal. Ich achte einfach nicht mehr so darauf. Es ist selten, dass ich bewusst wahr nehme, dass sich gerade ein Gefühl einschleicht, wo ich gern etwas trinken würde. Ich gehe dann auch nicht die Wände hoch, sondern ich nehme das Gefühl wahr und denke mir einfach nur "Nein." Am Anfang hab ich den Gedanken ja immer zu Ende gedacht. Was passiert, wenn ich DAS jetzt trinke. Wie geht es weiter. Das hat mir SEHR geholfen. Ich kann es nur immer wiederholen. Es hat mir wirklich wunderbar über die ersten Monate geholfen. Manchmal mache ich das sogar jetzt noch. Wenn der Gedanke nicht sofort durch mein "NEIN" wieder verschwindet, wende ich die Methode noch an. Aber in der Regel reicht das klare "Nein" in meinem Kopf und ich denke an etwas anderes.


    Liebe Grüße

    Cadda

    Hallo Mirella,
    mein Thema hier im offenen Bereich heißt "Hintertürchen geschlossen. Auf geht's nach vorne,...". Ich habe da Einiges geschrieben. Dann habe ich noch ein Tagebuch im geschlossenen Bereich, das kannst Du nur sehen, wenn Du Mitglied bist. Dort habe ich etwas offener geschrieben, über mich selbst, weil dort halt nicht jeder mitlesen kann, so wie hier. Man zahlt hierfür einen Beitrag (ich sehe es so, dass es ein minimaler Teil des Geldes ist, das ich jetzt spare, indem ich keinen Alkohol mehr trinke :) ) und ist dort nur unter Betroffenen, die das ebenfalls tun. Hierfür muss man sich an Karsten wenden, mit dem dann alles weitere zu klären wäre, wenn dieses gewünscht ist. Wie gesagt habe ich aber auch hier im offenen Bereich ein Tagebuch. Wollte es nur mal berichten, wie das läuft, weil Du mich um den link gebeten hattest.

    Meine Kinder sind 11 und fast 10. Ja, sie haben es definitiv mitbekommen und sehr darunter gelitten. Nach außen hin war noch so einigermaßen alles ok. Ich bin zumindest arbeiten gegangen, habe meinen Haushalt super in Schuss und habe mich - zumindest grundsätzlich - um alles gekümmert. Wenn ich getrunken habe, dann allerdings bis zum Kontrollverlust und ich habe auch oftmals morgens direkt weiter gemacht, weil es mir unglaublich peinlich war, vor anderen und vor mir selbst. Meine engsten Leute haben mich angesprochen, sie haben sich Sorgen gemacht. Die Leute um mich herum haben das schon mitbekommen, ja. Aber alle, die mir jetzt nicht so wahnsinnig nahe standen, haben das eher so ausgelegt, als ob ich halt einfach beim Party machen über die Stränge schlage. Das am Ende aber auch so oft und ausgiebig. Arbeitgeber hat aber beispielsweise nichts mitbekommen. Wenn ich nicht arbeiten konnte, hatte ich eine Ausrede. Vor mir selbst habe ich das alles lange Zeit schön geredet. Irgendwann nicht mehr. Ich wusste schon seit Jahren, dass ich Alkoholikerin bin und irgendwann aufhören werde, zu trinken. Ich wusste nur noch nicht, wann.
    Nun ist es fast ein Jahr her, als ich meinen Entschluss gefasst habe und es kommt mir viel kürzer vor.

    Glaub mir, Mirella. Ich hab es auch so oft vermisst, trinken zu können. Dieses Gefühl beim ersten Glas. Ich hab gedacht, das hört nicht auf. Tut es auch nicht, aber die Situationen werden viel, viel, viel weniger und seltener. Du schaffst das und es wird von Zeit zu Zeit besser werden. Bleib am Ball! Es lohnt sich so sehr und ich möchte um nichts in der Welt mehr tauschen mit jemanden, der Alkohol trinken kann. Meine Kinder sind darüber wohl die glücklichsten Menschen, gemeinsam mit mir zusammen.

    Liebe Mirella,
    ich schreibe Dir nochmal ausführlich, aber schon einmal vorweg: Ich habe immer den Gedanken zu Ende gedacht. Wenn ich jetzt etwas trinke, wie geht es dann weiter. Ich glaube, ich habe es ausführlich auch hier in meinem Tagebuch im offenen Bereich geschrieben. Ich kenne es auch, mit Kindern im Haus, wir beide sind ungefähr ein Alter :) Vielleicht liest Du mal rein, wenn Du es schaffst. Kann ja sein, dass Du Dich in manchen Sachen wieder findest.
    Ich wollte Dir einmal einen lieben Gruß da lassen! Das Wort FREI begleitet mich jeden Tag, seit dem ich nichts mehr trinke! Darüber bin ich gestolpert :)

    Hallo MiLa,

    ich habe zwar länger nicht mehr im Forum geschrieben, aber gelesen. Ich wollte Dir einfach nur mal sagen, dass ich Deine Beiträge sehr gerne lese und auch etwas daraus mitnehmen kann. Du schreibst ja in den verschiedenen Themen und ich finde es klasse, wie Du Dich ins Forum einbringst. Ich möchte auch wieder mehr schreiben und werde mich mal aufraffen. Ich hab irgendwie den Anschluss verpasst.
    Ganz liebe Grüße

    Mala, nur kurz, da vom Handy:

    Danke für Deinen erfrischenden Bericht gestern Abend :-
    Ich habe das Gefühl, Du schreibst einfach drauf los und viele Gedanken kommen mir bekannt vor. Du wirkst auf mich wirklich unglaublich sympathisch, das wollte ich mal kurz loswerden :)

    „Man ist das Leben gerade schön“.... Ja!!! Das denke ich auch erst jetzt wieder, zu Saufzeiten nicht mehr so bewusst.

    Das Leben ist wirklich schön. Und wenn man so gut aussieht, lässt Dich auch das „Büro-Gehocke“ leichter ertragen :D

    Aber nun erstmal ein schönes Wochenende....

    Ich bin das noch einmal... Nun habe ich, nachdem ich den Text hier im offenen Bereich geschrieben habe, noch einen Beitrag im geschlossenen Bereich verfasst. Ich wusste noch gar nicht, was ich schreiben wollte, als ich angefangen habe, aber es hat sich dann so ergeben, dass ich von einem Erlebnis berichtet habe und so im Schreibfluss ist mir dann so einiges bewusst geworden und ich bin gerade froh, hier heute etwas geschrieben zu haben, denn durch das Schreiben wird einem manchmal mehr bewusst, als ob man nur mal kurz drüber nachdenkt.

    Als ich dann mit meinem Beitrag im geschlossenen Bereich fertig war, habe ich festgestellt, dass das, was ich da berichtet habe, genau DAS war, was mich früher als stille Mitleserin motiviert hat, endlich das Trinken sein zu lassen. Nur durch einige Berichte von Euch hier im Forum habe ich mich so oft wieder erkannt und war unglaublich neidisch, dass ihr bereits das erleben dürft, was ich auch so gern wollte. Erfolgserlebnisse haben durch das Nüchtern-Sein, das ist es doch, wo man Motivation findet.

    Deshalb werde ich jetzt einfach den Text aus dem geschlossenen Bereich hier rein kopieren. Wenn es dann tatsächlich jemanden da draussen gibt, der mich wieder erkennt aufgrund der Details, dann ist das eben so. Alles, was ich hier schreibe, würde ich auch in einer Runde mit guten Bekannten erzählen und von daher ist es nicht so wild. Und außerdem: WENN hier tatsächlich jemand mitliest, dann liest er ja auch nicht umsonst hier mit :)

    Hier also mal mein Eintrag:

    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    Guten Morgen,

    wie ich schon im offenen Bereich geschrieben habe, geht es mir sehr gut und die Therapie hat nun "offiziell" begonnen. Ich bin gespannt, was mich dort alles so erwartet und wir mir das alles so gefällt.

    Ansonsten geht es mir wirklich gut. Das Arbeiten macht Spaß, wir haben zur Zeit absolut schönes Wetter, was ich sehr genieße. Ich liebe den Sommer und hoffe, dass es noch lange anhält mit dem schönen Wetter.

    Ich warte im Moment noch darauf, dass ich endlich etwas ruhiger und gelassener werde, das hab ich leider immer noch nicht im Griff. Ich hab es früher immer auf den Alkohol geschoben, dass ich so schnell genervt und aggressiv (ja so möchte ich es wirklich nennen) werde, wenn Kleinigkeiten nicht so laufen, wie sie laufen sollen. Nun trinke ich nicht mehr und bin trotzdem noch so ein Pulverfass. Das finde ich wirklich nervig, denn manche Streitereien mit den Kindern, eskalieren einfach derart, dass ich mich hinterher wahnsinnig über mich selbst ärgere, dass ich nicht die Ruhe bewahren konnte. Also versteht mich nicht falsch, natürlich weiß ich, dass es auch mal einen Streit geben kann, der ausartet, weil einfach das Fass übergelaufen ist und die Kinder einen mit Respektlosigkeit oder Diskussionen in den Wahnsinn treiben, aber bei mir ist das Fass quasi immer randvoll und läuft dementsprechend ständig über. Das stört mich. Weil ich von außen betrachtet einfach viel zu wenig Gründe habe, immer gleich so auszuflippen. Ich habe das gestern mal bei meiner Therapeutin angesprochen und erhoffe mir da zukünftig ein paar Tips, wie ich mit solchen Situationen besser umgehen kann, wenn mich mal wieder die Genervtheit und Wut packt.

    Trotzdem sehe ich natürlich auch Fortschritte, denn zumindest auf der Arbeit, in Freundschaften oder Beziehungen kann ich besser mit Sachen, die mich stören, umgehen. Ich warte erstmal geduldig ab und wenn der Zeitpunkt richtig ist, bringe ich meine Sachen, die mich nerven, diplomatisch ans Licht.
    Ich habe in meiner Partnerschaft früher immer alles sofort und direkt im Brausebrand auf den Punkt gebracht. Mit einer Übertreibung und einer Dramatik, weil ich es sofort geklärt haben wollte und weil ich einfach unbedingt wollte, dass mein Gegenüber sofort und auf der Stelle versteht, dass ich Recht habe Ich muss im Nachhinein selbst drüber schmunzeln, obwohl es durchaus massig Situationen gab, die dann gar nicht mehr zum Schmunzeln waren, weil sie einfach derartig eskaliert sind... Im Suff lässt sich eben schlecht diskutieren. Das klappt nun natürlich deutlich besser. Man bringt seine Sachen nüchtern weniger verletzend und überlegter auf den Punkt. Das hilft natürlich ungemein für ein gutes Gespräch in der Beziehung. Sicherlich hilft es auch ungemein, dass der Partner gegenüber jetzt ebenfalls nüchtern ist und nicht ebenfalls 3,8 Promille auf dem Kessel hat. Also ich sehe jetzt wirklich in voller Pracht, wie angenehm es laufen kann, wenn einem mal negative Dinge auffallen. Wie ruhig und sachlich man doch über manche Dinge sprechen kann. Diesbezüglich ist es natürlich alles besser geworden.

    ABER die Dinge mit den Kindern, die hab ich noch nicht so im Griff. Die schaffen es weiterhin, mich sowas von überkochen zu lassen, weil sie selbst natürlich nicht so bemüht sind, die Dinge ruhig und sachlich zu besprechen, wenn sie wütend sind. Logisch... sind ja auch Kinder.... Aber ICH sollte es doch allmählich mal schaffen, mich der Situation zu entziehen und erstmal Ruhe einkehren zu lassen. Ich hab dann aber immer das Gefühl "klein beizugeben" und habe Angst, dass die Kinder sich das merken und dann immer mehr denken, dass sie hier der Boss sind. Und das bin ja nun mal ich.
    Hört sich herrisch an, so soll das gar nicht gemeint sein. Aber ich glaub, man kann ein wenig zwischen den Zeilen lesen, wie ich das Ganze meine. Nun ja, ich arbeite daran und eine Sache, die über Jahre so eingefahren war, kann sich natürlich auch nicht innerhalb weniger Monate komplett ändern. Ich muss da vielleicht auch etwas gnädiger mit mir selbst sein.

    Meine "Bekanntschaft" hatte Geburtstag und ich habe dort einige neue Leute kennengelernt. Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr mir der Tag bevor stand. Ich hatte ja bereits berichtet, wie schrecklich ich neue Begegnungen und Situationen finde. Ja, so geht es mir ja oftmals vor einigen Situationen. So auch vor dem Vorstellungsgespräch, vor einem Abendessen mit einem befreundetem Pärchen von ihm und und und.... Erst Recht natürlich vor seinem Geburtstag, wo einige Leute waren, die ich nicht kannte. Und was soll ich sagen? Es war (wie immer) überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Ich behaupte mal, ich hab das völlig gut gemeistert und habe mich total gut unterhalten und es war ein netter Abend, der mir sehr geholfen hat, denn bei den nächsten Veranstaltungen werden nun immer einige dabei sein, die mir nicht mehr fremd sind. War quasi gezwungenermaßen alles ein Abwasch, durch den Geburststag.
    Das stand mir wirklich Wochen lang und das ist nicht übertrieben... wirklich WOCHEN lang bevor und dementsprechend erleichtert laufe ich nun seit Montag durch die Gegend. Es ist wirklich verrückt....

    Interessant finde ich auch, von dem Thema mit meiner Unsicherheit mal abgesehen, wie sich das Thema Alkohol so auf mich auswirkt. Ich hätte an dem Tag wieder mal am liebsten was getrunken, um locker zu sein und keine "Angst" mehr zu haben. Als dann aber alles in Gange war und man unterhaltend am Tisch saß, hatte ich absolut kein Verlangen mehr nach Alkohol. Ich hab es genossen, alles im Griff zu haben, die Gespräche bewusst und überlegt zu führen und den Tag schön zum Abschluss zu bringen. Es hat sogar richtig Spaß gemacht. Wenn ich da an früher denke: Da stand ein Geburtstag an, ob es nun der eigene, der meines Ex oder eines unserer Kinder war... Ich hab immer schön nebenbei Sekt getrunken, um nicht unsicher zu sein. Ich war gut gelaunt, hab alles mit links gemacht, war die Partykanone schlecht hin und alle fanden es toll, wie ich das mache und man konnte gut mit mir feiern und "nebenbei" hab ich mich um alles gekümmert. DAS hätte ich nach wie vor gern, DAS hat Spaß gemacht. Bis dahin...

    Später am Abend, wenn dann nur noch der kleine Kreis da war und das "offizielle" alles erledigt war, dann war ich meistens so besoffen, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekommem habe. Ich konnte mich am nächsten Tag nicht mehr richtig erinnern, wie die letzten Gespräche im kleinen Kreis verlaufen sind, am nächsten Tag bin ich völlig verkatert aufgewacht und es sah alles aus wie Sau zu Hause, ich konnte nichts mehr wegräumen. Da war nicht mehr viel von der "tollen Frau", die alles im Griff hat, übrig geblieben und es gab keinen Grund mehr, stolz auf mich zu sein. Alles, wo man stolz sein konnte auf mich, hab ich mir in den letzten 2 Stunden grundsätzlich selbst zunichte gemacht.

    Auf dem Geburtstag meines jetzigen Freundes war es anders. Ich hab alles Möglichkeit mit geholfen und vorbereitet, so gut ich konnte. Natürlich mit angezogener Handbremse, weil ich dort ja nicht zu Hause bin und jeder seinen eigenen Alltag hat. Ich war also nicht - wie sonst - hauptsächlich verantwortlich, sondern hab nur mitgemacht. Aber ich finde, ich hab es alles gut gemacht. Klar war ich nicht ganz so überdreht und gut gelaunt, wie früher mit ner Flasche Sekt im Kopf. Aber das muss ja auch gar nicht sein.

    Und noch etwas: Jetzt, wo ich das alles so aufgeschrieben habe, merke ich, wie wichtig es auch ist, solche Erlebnisse mal aufzuschreiben, denn dann wird einem das alles doch noch mehr bewusst, als wenn man es nur so nebenbei wahr nimmt. Ich schreibe zur Zeit wenig hier rein und will mich auch gar nicht rausreden und alles nur auf die Arbeit schieben. Obwohl das wirklich im Moment sehr, sehr viel ist und ich wenig Zeit habe, aber man findet immer die Zeit zu schreiben. Oftmals fällt mir aber auch nichts Besonderes ein, was man schreiben könnte. Aber solche Erlebnisse sind ja eigentlich schon irgendwie etwas Besonderes. Es hilft ja, sich bewusst zu machen, dass es dieses Gefühl ja nur gab, weil ich nichts mehr trinke. Wenn ich noch saufen würde, dann wären mir viele schöne Momente der letzten Monate erspart geblieben und ich hätte noch tausend schlecht Momente in meinem Leben mehr notieren können. Ich bin wirklich unglaublich froh, nichts mehr zu trinken....

    Ich werde vielleicht diese Erfahrung nochmal in den offenen Bereich setzen. Denn gerade solche Beispiele fand ich früher als "stille Mitleserin" motivierend, auch etwas zu ändern.

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

    So ihr Lieben... Für Einige von Euch ist das jetzt vielleicht nicht wirklich nachvollziehbar, warum so ein banales Erlebnis einem so viel wert ist. Aber viele von Euch werden sicherlich genau nachempfinden können, WAS genau ich meine.

    Ich wünsche allen einen sonnigen und schönen Tag. Nüchtern und FREI.... :)

    Guten Morgen,

    mir geht es sehr gut und ich genieße den Sommer und das Nüchtern-Sein :)
    Man soll es kaum glauben, aber die Kostenzusage für die Therapie ist nun da und somit hatte ich gestern das erste Gruppengespräch. Ich weiß noch nicht so genau, ob das so meins ist, aber es gehört zu der Therapie dazu. Also bisher hatte ich ja alle zwei Wochen ein Einzelgespräch bei der Suchtberatung mit der Therapeutin, die nun auch die ambulante Therapie mit mir macht. Zu dieser ambulanten Therapie gehören aber auch die Gruppengespräche. Ist in Ordnung, warum auch nicht, schaden kann es ja nicht, aber bisher habe ich noch den Gedanken, dass mir die Einzelgespräche wichtiger sind oder sein werden. Dennoch wird es sicherlich auch mal hilfreich sein, zu sehen, wie andere Menschen mit manchen Situationen umgehen usw. Mir ist also bewusst, dass das auch helfen wird. Ich fand es auch ganz nett. Es waren zwei, drei dabei, die ich sehr nett fand, eine Person davon sogar sehr sympathisch, er hat manche Dinge sehr gut und witzig auf den Punkt gebracht, meinen Humor geteilt, das gefällt mir. Es waren aber auch zwei dabei, wo ich ehrlich gesagt dachte "oh Hilfe..." :D
    Aber auch das ist sicherlich normal, wenn da so Personen zusammen gewürfelt werden, dann können nicht alle auf einer Welle sein :)

    Ich fand es letztendlich interessant und werde dann zukünftig ja sehen, ob ich mich da öffnen möchte und kann oder ob ich das nur in den Einzelgesprächen möchte. Wenn ich für mich feststelle, dass ich da nicht so viel preis geben möchte und ich damit nicht so viel anfangen kann, dann gehe ich da halt mit dem Gedanken hin, als würde ich mir eine Talkshow im TV ansehen, wo ich ab und zu meinen Senf dazugeben kann. Aber vielleicht ist es ja doch so, dass man das ein- oder andere dort loswerden möchte und man sich entsprechende Ratschläge von Mitbetroffenen holen kann. Mal schauen, ich bin ziemlich gespannt, wie es die nächsten Male so wird :)

    Ansonsten habe ich im Moment eine recht "gute Zeit", in der ich wirklich nur sehr wenige Momente habe, in denen ich an Alkohol denke. Also in Form von Suchtdruck. Ich glaube ich möchte es gar nicht Suchtdruck nennen. Ich denke natürlich auch viel über Alkohol nach, aber ich meine die Momente, in denen ich selbst gern was trinken würde. Die sind zur Zeit zum Glück sehr selten. Da werden sicherlich auch mal wieder andere Zeiten kommen, ich bin immer auf alles gefasst :)

    Das war es erst einmal von mir. Ich werde noch ein wenig im geschlossenen Bereich schreiben, aber so dieses Allgemeine wollte ich mal im öffentlichen Bereich loswerden. Es können ja gern alle wissen, wie schön sich alles entwickeln kann, wenn man endlich die Kurve bekommt und frei ist.

    Also, wenn hier irgendjemand mitliest, der kurz davor ist, den letzten Schritt in ein trockenes Leben zu machen:
    Der letzte Schritt, der einem so unglaublich groß vorkommt, ist im Nachhinein ein so wahnsinnig kleiner und leichter Schritt im Vergleich zu den vielen schweren und langen Wegen, die man besoffen durch das Leben geht.
    Macht diesen letzten Schritt nicht erst später, sondern JETZT. Dann liegt ein schöner, nüchterner und FREIER Sommer vor Euch....
    Es lohnt sich soooo sehr!!

    Hallo Mala, ich hab gerade alles von Dir durchgelesen. Das was Du geschrieben hast... ich hab mich völlig zurück gesetzt gefühlt in die Zeit, in der es mir exakt genau so ging. Wie oft man sich vorgenommen hat, es ab „heute“ sein zu lassen und abends hat man doch wieder da gesessen. Was das alles mit der Psyche gemacht hat. Schrecklich!

    Sei froh, dass Du das los bist. Ich bin es auch :)

    Guten Morgen alle zusammen!

    Ja MiLa, ich denke auch, dass man irgendwann fühlen wird, wann man „trocken“ ist.
    Was heißt, bei Dir erst 3 Monate?! Das ist doch auch schon mal ein sehr guter Anfang!!!

    Es geht mir wirklich gut. Es gibt wenige Situationen, in denen ich an Alkohol denke. Mir fällt auf, dass dieses meistens Situationen sind, in denen ich gut drauf bin. Wo ich Lust am Leben habe und mir dann das Gefühl fehlt, zusätzlich noch einen Schwips zu haben.
    Nach wie vor mache ich mir dann klar, dass es bei diesem „Schwips“ nie geblieben ist und auch niemals mehr bleiben würde.
    Trotzdem ist es doch merkwürdig, dass solche Gefühle dann auftreten. Reicht es nicht, dass man gut drauf ist und Lust am Leben verspürt?? Warum muss man da noch einen drauf setzen wollen?! Das ist doch verrückt....
    Dennoch ist die Häufigkeit dieser Situationen überschaubar.

    Meine Suchtberaterin, die auch die Therapie mit mir machen wird, rechnet sehr kurzfristig mit der Zusage. Ab dann nehme ich auch an den Gruppengesprächen teil. Ich bin da richtig gespannt drauf!

    Ich habe heute frei und genieße den Tag bei Sonnenschein.

    Hallo Aliengirl,

    da hab ich mal in den Tagebüchern von einigen nachgelesen und bekomme erst jetzt Deine aktuellen Beiträge zu Gesicht, die nun schon gar nicht mehr aktuell sind.

    Trotzdem möchte ich -wenn auch verspätet- sagen, dass es mich freut, dass Du Dich mit Deiner Mutter einigen konntest. Ich hoffe, das ist immer noch Stand der Dinge?

    Suuuuuper mit dem Arbeitsvertrag, das ist echt klasse!

    Geht es Dir ansonsten auch gut? Ein schönes Wochenende :)

    Hallo Malo,

    das, was Carl-Friedrich schreibt, ist völlig richtig. Allerdings ertappe ich mich auch immer wieder dabei, wie ich auf den Alkohol fluche.
    Dabei ist er für manche Menschen gar nicht schlimm, aber für mich bzw. uns hier.

    Austreiben kannst nur Du selbst, das stimmt. Aber Du kannst Dir dabei helfen lassen, dass es Dir leichter fällt, den "Teufel" auszutreiben :)

    Sei stolz, dass Du es angehst!

    Guten Morgen MieLa,

    diese Frage kann ich ziemlich eindeutig beantworten. Es ist b.
    Zumindest die letzten Jahre habe ich gewusst, dass a der Fall ist. Bei b war ich mir da nicht so sicher.

    Es geht mir aber ähnlich. Auch ich hab ja schon oft das Wort FREI benutzt. So empfinde ich es auch.

    Dass ich nicht schon früher einen Schlussstrich gezogen habe, stört mich immer wieder. Aber das kann man nun nicht mehr ändern und man kann im Grunde genommen froh sein, dass man es überhaupt angegangen ist.

    Ich wünsche Dir einen schönen, freien Tag :)