Ich bin das noch einmal... Nun habe ich, nachdem ich den Text hier im offenen Bereich geschrieben habe, noch einen Beitrag im geschlossenen Bereich verfasst. Ich wusste noch gar nicht, was ich schreiben wollte, als ich angefangen habe, aber es hat sich dann so ergeben, dass ich von einem Erlebnis berichtet habe und so im Schreibfluss ist mir dann so einiges bewusst geworden und ich bin gerade froh, hier heute etwas geschrieben zu haben, denn durch das Schreiben wird einem manchmal mehr bewusst, als ob man nur mal kurz drüber nachdenkt.
Als ich dann mit meinem Beitrag im geschlossenen Bereich fertig war, habe ich festgestellt, dass das, was ich da berichtet habe, genau DAS war, was mich früher als stille Mitleserin motiviert hat, endlich das Trinken sein zu lassen. Nur durch einige Berichte von Euch hier im Forum habe ich mich so oft wieder erkannt und war unglaublich neidisch, dass ihr bereits das erleben dürft, was ich auch so gern wollte. Erfolgserlebnisse haben durch das Nüchtern-Sein, das ist es doch, wo man Motivation findet.
Deshalb werde ich jetzt einfach den Text aus dem geschlossenen Bereich hier rein kopieren. Wenn es dann tatsächlich jemanden da draussen gibt, der mich wieder erkennt aufgrund der Details, dann ist das eben so. Alles, was ich hier schreibe, würde ich auch in einer Runde mit guten Bekannten erzählen und von daher ist es nicht so wild. Und außerdem: WENN hier tatsächlich jemand mitliest, dann liest er ja auch nicht umsonst hier mit 
Hier also mal mein Eintrag:
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Guten Morgen,
wie ich schon im offenen Bereich geschrieben habe, geht es mir sehr gut und die Therapie hat nun "offiziell" begonnen. Ich bin gespannt, was mich dort alles so erwartet und wir mir das alles so gefällt.
Ansonsten geht es mir wirklich gut. Das Arbeiten macht Spaß, wir haben zur Zeit absolut schönes Wetter, was ich sehr genieße. Ich liebe den Sommer und hoffe, dass es noch lange anhält mit dem schönen Wetter.
Ich warte im Moment noch darauf, dass ich endlich etwas ruhiger und gelassener werde, das hab ich leider immer noch nicht im Griff. Ich hab es früher immer auf den Alkohol geschoben, dass ich so schnell genervt und aggressiv (ja so möchte ich es wirklich nennen) werde, wenn Kleinigkeiten nicht so laufen, wie sie laufen sollen. Nun trinke ich nicht mehr und bin trotzdem noch so ein Pulverfass. Das finde ich wirklich nervig, denn manche Streitereien mit den Kindern, eskalieren einfach derart, dass ich mich hinterher wahnsinnig über mich selbst ärgere, dass ich nicht die Ruhe bewahren konnte. Also versteht mich nicht falsch, natürlich weiß ich, dass es auch mal einen Streit geben kann, der ausartet, weil einfach das Fass übergelaufen ist und die Kinder einen mit Respektlosigkeit oder Diskussionen in den Wahnsinn treiben, aber bei mir ist das Fass quasi immer randvoll und läuft dementsprechend ständig über. Das stört mich. Weil ich von außen betrachtet einfach viel zu wenig Gründe habe, immer gleich so auszuflippen. Ich habe das gestern mal bei meiner Therapeutin angesprochen und erhoffe mir da zukünftig ein paar Tips, wie ich mit solchen Situationen besser umgehen kann, wenn mich mal wieder die Genervtheit und Wut packt.
Trotzdem sehe ich natürlich auch Fortschritte, denn zumindest auf der Arbeit, in Freundschaften oder Beziehungen kann ich besser mit Sachen, die mich stören, umgehen. Ich warte erstmal geduldig ab und wenn der Zeitpunkt richtig ist, bringe ich meine Sachen, die mich nerven, diplomatisch ans Licht.
Ich habe in meiner Partnerschaft früher immer alles sofort und direkt im Brausebrand auf den Punkt gebracht. Mit einer Übertreibung und einer Dramatik, weil ich es sofort geklärt haben wollte und weil ich einfach unbedingt wollte, dass mein Gegenüber sofort und auf der Stelle versteht, dass ich Recht habe Ich muss im Nachhinein selbst drüber schmunzeln, obwohl es durchaus massig Situationen gab, die dann gar nicht mehr zum Schmunzeln waren, weil sie einfach derartig eskaliert sind... Im Suff lässt sich eben schlecht diskutieren. Das klappt nun natürlich deutlich besser. Man bringt seine Sachen nüchtern weniger verletzend und überlegter auf den Punkt. Das hilft natürlich ungemein für ein gutes Gespräch in der Beziehung. Sicherlich hilft es auch ungemein, dass der Partner gegenüber jetzt ebenfalls nüchtern ist und nicht ebenfalls 3,8 Promille auf dem Kessel hat. Also ich sehe jetzt wirklich in voller Pracht, wie angenehm es laufen kann, wenn einem mal negative Dinge auffallen. Wie ruhig und sachlich man doch über manche Dinge sprechen kann. Diesbezüglich ist es natürlich alles besser geworden.
ABER die Dinge mit den Kindern, die hab ich noch nicht so im Griff. Die schaffen es weiterhin, mich sowas von überkochen zu lassen, weil sie selbst natürlich nicht so bemüht sind, die Dinge ruhig und sachlich zu besprechen, wenn sie wütend sind. Logisch... sind ja auch Kinder.... Aber ICH sollte es doch allmählich mal schaffen, mich der Situation zu entziehen und erstmal Ruhe einkehren zu lassen. Ich hab dann aber immer das Gefühl "klein beizugeben" und habe Angst, dass die Kinder sich das merken und dann immer mehr denken, dass sie hier der Boss sind. Und das bin ja nun mal ich.
Hört sich herrisch an, so soll das gar nicht gemeint sein. Aber ich glaub, man kann ein wenig zwischen den Zeilen lesen, wie ich das Ganze meine. Nun ja, ich arbeite daran und eine Sache, die über Jahre so eingefahren war, kann sich natürlich auch nicht innerhalb weniger Monate komplett ändern. Ich muss da vielleicht auch etwas gnädiger mit mir selbst sein.
Meine "Bekanntschaft" hatte Geburtstag und ich habe dort einige neue Leute kennengelernt. Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr mir der Tag bevor stand. Ich hatte ja bereits berichtet, wie schrecklich ich neue Begegnungen und Situationen finde. Ja, so geht es mir ja oftmals vor einigen Situationen. So auch vor dem Vorstellungsgespräch, vor einem Abendessen mit einem befreundetem Pärchen von ihm und und und.... Erst Recht natürlich vor seinem Geburtstag, wo einige Leute waren, die ich nicht kannte. Und was soll ich sagen? Es war (wie immer) überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil. Ich behaupte mal, ich hab das völlig gut gemeistert und habe mich total gut unterhalten und es war ein netter Abend, der mir sehr geholfen hat, denn bei den nächsten Veranstaltungen werden nun immer einige dabei sein, die mir nicht mehr fremd sind. War quasi gezwungenermaßen alles ein Abwasch, durch den Geburststag.
Das stand mir wirklich Wochen lang und das ist nicht übertrieben... wirklich WOCHEN lang bevor und dementsprechend erleichtert laufe ich nun seit Montag durch die Gegend. Es ist wirklich verrückt....
Interessant finde ich auch, von dem Thema mit meiner Unsicherheit mal abgesehen, wie sich das Thema Alkohol so auf mich auswirkt. Ich hätte an dem Tag wieder mal am liebsten was getrunken, um locker zu sein und keine "Angst" mehr zu haben. Als dann aber alles in Gange war und man unterhaltend am Tisch saß, hatte ich absolut kein Verlangen mehr nach Alkohol. Ich hab es genossen, alles im Griff zu haben, die Gespräche bewusst und überlegt zu führen und den Tag schön zum Abschluss zu bringen. Es hat sogar richtig Spaß gemacht. Wenn ich da an früher denke: Da stand ein Geburtstag an, ob es nun der eigene, der meines Ex oder eines unserer Kinder war... Ich hab immer schön nebenbei Sekt getrunken, um nicht unsicher zu sein. Ich war gut gelaunt, hab alles mit links gemacht, war die Partykanone schlecht hin und alle fanden es toll, wie ich das mache und man konnte gut mit mir feiern und "nebenbei" hab ich mich um alles gekümmert. DAS hätte ich nach wie vor gern, DAS hat Spaß gemacht. Bis dahin...
Später am Abend, wenn dann nur noch der kleine Kreis da war und das "offizielle" alles erledigt war, dann war ich meistens so besoffen, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekommem habe. Ich konnte mich am nächsten Tag nicht mehr richtig erinnern, wie die letzten Gespräche im kleinen Kreis verlaufen sind, am nächsten Tag bin ich völlig verkatert aufgewacht und es sah alles aus wie Sau zu Hause, ich konnte nichts mehr wegräumen. Da war nicht mehr viel von der "tollen Frau", die alles im Griff hat, übrig geblieben und es gab keinen Grund mehr, stolz auf mich zu sein. Alles, wo man stolz sein konnte auf mich, hab ich mir in den letzten 2 Stunden grundsätzlich selbst zunichte gemacht.
Auf dem Geburtstag meines jetzigen Freundes war es anders. Ich hab alles Möglichkeit mit geholfen und vorbereitet, so gut ich konnte. Natürlich mit angezogener Handbremse, weil ich dort ja nicht zu Hause bin und jeder seinen eigenen Alltag hat. Ich war also nicht - wie sonst - hauptsächlich verantwortlich, sondern hab nur mitgemacht. Aber ich finde, ich hab es alles gut gemacht. Klar war ich nicht ganz so überdreht und gut gelaunt, wie früher mit ner Flasche Sekt im Kopf. Aber das muss ja auch gar nicht sein.
Und noch etwas: Jetzt, wo ich das alles so aufgeschrieben habe, merke ich, wie wichtig es auch ist, solche Erlebnisse mal aufzuschreiben, denn dann wird einem das alles doch noch mehr bewusst, als wenn man es nur so nebenbei wahr nimmt. Ich schreibe zur Zeit wenig hier rein und will mich auch gar nicht rausreden und alles nur auf die Arbeit schieben. Obwohl das wirklich im Moment sehr, sehr viel ist und ich wenig Zeit habe, aber man findet immer die Zeit zu schreiben. Oftmals fällt mir aber auch nichts Besonderes ein, was man schreiben könnte. Aber solche Erlebnisse sind ja eigentlich schon irgendwie etwas Besonderes. Es hilft ja, sich bewusst zu machen, dass es dieses Gefühl ja nur gab, weil ich nichts mehr trinke. Wenn ich noch saufen würde, dann wären mir viele schöne Momente der letzten Monate erspart geblieben und ich hätte noch tausend schlecht Momente in meinem Leben mehr notieren können. Ich bin wirklich unglaublich froh, nichts mehr zu trinken....
Ich werde vielleicht diese Erfahrung nochmal in den offenen Bereich setzen. Denn gerade solche Beispiele fand ich früher als "stille Mitleserin" motivierend, auch etwas zu ändern.
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So ihr Lieben... Für Einige von Euch ist das jetzt vielleicht nicht wirklich nachvollziehbar, warum so ein banales Erlebnis einem so viel wert ist. Aber viele von Euch werden sicherlich genau nachempfinden können, WAS genau ich meine.
Ich wünsche allen einen sonnigen und schönen Tag. Nüchtern und FREI.... 