Hallo Hartmut,
genau "mein" Thema... 
Ich hab mich schon öfters mit genau diesem Thema auseinander gesetzt, habe es auch schon einmal in meinem Thread angesprochen. Einfach aus dem Grunde, dass ich das Gefühl hatte bzw. habe, dass ich alles richtig mache, was die Grundbausteine angeht und bei dieser einen Sache war ich immer verunsichert. Ich hab von Anfang an mein Zuhause alkoholfrei, habe meine Familie und Freunde eingeweiht und gehe auch bei Bekannten offen damit um, wenn die Situation es so bringt. Wenn bei mir Besuch ist, wie z. B. im Dezember, als mein Sohn Geb. hatte, dann gibt es hier keinen Alkohol in meiner Wohnung und fertig. Das hat sich auch von Anfang an von selbst verstanden, meinen Leuten musste ich das nicht mal mitteilen, das war von vorne herein von selbst klar.
Wenn nun aber irgendwo auf einem Geburtstag einer Freundin eingeladen wird und da mehrere Leute aus verschiedenen Richtungen zu Besuch sind, dann ist mir vorher also klar, dass es da auch Leute geben wird, die Wein oder Bier oder sonst was trinken. Also hab ich mir immer vorher Gedanken gemacht, was da auf mich zukommen könnte und habe dann je nach Veranstaltung entschieden, ob ich da hingehe oder nicht.
Beispiel: Ich habe an einem Abend Bescheid bekommen, dass man sich zum Bratwurst essen und Bier trinken an Ort XY trifft, ob ich nicht auch Lust hätte. Bei dieser Truppe war mir klar, worauf dieses Treffen hinaus läuft und dass man die Bratwurst auch hätte weg lassen können, das war nur, um dem Kind einen Namen zu geben... Ich bin nicht hingegangen.
An einem anderen Abend war der Geburstag einer Freundin, die überwiegend Frauen eingeladen hatte, mit denen ich früher gar nicht mal gern etwas zu tun hatte. Ich hatte mit denen zwangsläufig zu tun, da meine beste Freundin und Schwester wiederum mit denen zu tun hatte. Klar, die mochten sich von Anfang an, da weder meine Schwester, noch meine Freundin ein Alkoholproblem haben. Ich fand die anderen Frauen immer mehr als langweilig. Im Nachhinein gesehen, waren sie mir zu spießig, weil sie vermutlich nicht genug gesoffen haben. Sie haben sich ewig an ihrem Glas festgehalten, während ich schon die erste Pulle leer hatte. So kam es mir vor... Ich bin meistens nicht mitgegangen, sondern lieber zu der Truppe mit "Bratwurst und Bier".
Jedenfalls bin ich an diesem besagten Abend zu dem Geburstag meiner Freundin mitgegangen und es war ein super toller Abend. Diese anderen Frauen waren auch da, haben sich halt wieder ewig an ihrem Glas Wein aufgehalten und mir wurden andere Getränke hingestellt. Wusste ja jeder Bescheid, dass ich nichts mehr trinke. Man hat sich wahnsinnig gut mit mir unterhalten, das kann man auch. Konnte man schon immer, leider nur bis zu einem gewissen Pegel. Ich hab richtig gemerkt, wie klasse das ankam, dass ich nichts mehr trinke, eben weil ich nicht irgendwann abgestürzt bin. Mir wurden im Nachhinein auch Komplimente gemacht, wie sehr ich mich zum Vorteil verändert habe. Dadurch wurde mir im Nachhinein auch öfter mal Bescheid gesagt, wenn ein Treffen stattfand.
Genau diese Truppe sind auch diejenigen, mit denen ich ab und zu Sport mache. Hab ich damals auch keinen Bock mehr drauf gehabt. Sport? Nö, ich hab mich lieber mit den anderen zum Saufen getroffen.
Ich könnte nun noch einige dieser Beispiele nennen. Vom Adventsbasar im Dorf, was mir vorher auch zu blöd war, bis Klönen nach einem Fußballspiel oder sonst was. Mach ich aber nicht, weil ich denke, es ist angekommen, was ich meine. Für mich kommt es einfach auf die Veranstaltung an.
Ich weiß, dass ich noch nicht so lange Zeit auf Alkohol verzichte und gerade deshalb mache ich mir auch große Gedanken darüber, ob das alles so richtig ist. Nein, ich habe mir vor ein paar Wochen noch Gedanken darüber gemacht. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es ok ist, wie ich es mache.
Ich mache es mir nicht einfach, was meine Alkoholkrankheit angeht. Dass es nicht reicht, nichts mehr zu trinken, das weiß ich. Es müssen Veränderungen stattfinden. Ich bin mir auch nicht zu bequem, diese Veränderungen herbei zu führen. Aber diese sozialen Kontakte, in der Form, wie ich sie beschrieben habe, die tun mir gut. Das ganze Drum herum tut mir mehr gut, als dass es mir schadet, dass da mitunter mal ein Glas Wein auf dem Tisch steht.
Wie gesagt, wenn das nicht der Fall wäre und ich merke, dass es für mich schlecht ist, würde ich auch darauf verzichten. Ich bin mir absolut nicht zu schade, etwas zu verändern. Mein Entschluss, dass ich bald aufhören werde, zu trinken, steht schon lange fest. Mit diesem Wissen bin ich bereits Anfang letzten Jahres bei meinem Partner ausgezogen und wohne mit meinen Kindern in meinem eigenen Zuhause.
Ich habe mir gewünscht, diese Beziehung retten zu können, was mir nicht gelungen ist. Ich habe mich jedoch nicht getrennt, weil die Liebe weg war, sondern einfach aus dem Grunde, weil der Alkohol im Leben meines damaligen Partners eine sehr große Rolle gespielt hat. Das passte nicht mehr zu meinem Leben ohne Alkohol. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass ich meine Trockenheit damals über die Liebe gestellt habe, denn die war definitiv noch vorhanden. Mein Verstand und mein Gefühl haben mir aber gesagt, dass es so nichts wird. Entweder oder.
Ich habe das erwähnt, um zu zeigen, dass ich da ziemlich konseqent bin. Und ich denke, es wäre um einiges leichter, konsequent gewisse Veranstaltungen zu vermeiden, als eine Beziehung zu beenden.
Ich sage diese Treffen also nicht ab, weil ich es mir schön rede oder mir zu bequem bin, etwas zu verändern. Sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil sie mir gut tun und nicht schaden.
Ich bin in meiner Meinung da jedoch nicht eingefahren. Sollte ich einmal merken, dass ich vielleicht erst im Nachhinein mit meinen Gedanken mehr um das Thema Alkohol kreise, dann bin ich auch bereit, ganz klar zu sagen, dass ich vorerst nicht mehr erscheinen werde. Aber das ist zur Zeit einfach absolut nicht der Fall und ich höre sehr gut in mich hinein.
So, da hab ich jetzt mal beschrieben, wie ich zur Zeit damit umgehe. Nichts ist in Stein gemeißelt. Aber im Moment handhabe ich es so.