Guten Morgen,
nun möchte ich mal ein bisschen ausführlicher bei Dir schreiben, ich hab immer wieder mal hier mitgelesen. Ich weiß nicht, ob Du bei mir gelesen hast, aber ich habe auch zwei Kinder, bin alleinerziehend. Naja, bis Mai letzten Jahres habe ich mit meinem Partner zusammen gelebt, als alleinerziehend betrachte ich mich trotzdem, da es immer so lief, dass ich mich ausschließlich allein um die Erziehung meiner Kinder gekümmert habe, mit Hilfe des Vaters der Kinder, der sich auch viel kümmert. Dennoch weiß ich, wie kraftraubend das sein kann, allein mit Kind oder eben Kindern.
Es ging mir auch oft so, dass ich mir die Weinflaschen aufgerissen habe, um einfach entspannter mit dem Stress umzugehen und "lustiger" drauf zu sein. Was für ein riesiger Mist.....
Ich weiß nicht, ob Du es bei mir gelesen hast, ich hab neulich mal kurz das Thema angerissen, was die Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber angeht. Jedenfalls....
Lass Dir eines gesagt sein: Sei froh, dass Dein Kind erst 3 Jahre alt ist und Du so rechtzeitig die Reißleine gezogen hast. Es gibt für Kinder doch kaum etwas schlimmeres, als eine Mutter, die ständig trinkt. Ich weiß nicht, wie es bei Dir ausgeartet ist, aber mir haben meine Kinder definitiv angemerkt, wenn "Mama wieder so komisch drauf war". Und selbst wenn Du das noch gut verstecken konntest, es wäre mit Sicherheit so gewesen, dass es sich irgendwann verschlimmert hätte und dann hätte Dein Sohn es auch mitbekommen. War doch ein Sohn? Ich glaube ja....
Glaub mir, die Schuldgefühle, die man dann hinterher hat, die sind nicht ohne. Sei froh, dass Du Deine Entscheidung relativ rechtzeitig getroffen hast, solange Dein Kind noch nicht allzu viel davon mitbekommen hat.
Die Sache mit Deinem Kumpel kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn er letztendlich ein Mit-Auslöser war, den Dreh zu bekommen, mit dem Trinken aufzuhören und er jetzt wieder zurück rudert, dann kann ich mir das auch echt schwer vorstellen. Aber gut, dass Du erkannt hast, dass er Dir nicht gut tut zur Zeit. Schade, es hätte wirklich schöner sein können, wenn er auch trocken geblieben wäre.
Aber allein, dass er Dir erzählt, wie viel er denn WENN trinkt, zeigt, dass er gar nichts mehr im Griff zu haben scheint, schon jetzt nicht mehr, denn sonst würde er sich nicht rechtfertigen. Dass er weiß, wie es geht, wieder aufzuhören, das mag ja sein. Aber dieses Argument sollte man für sich niemals nutzen. Denn als zweiten Gedanken sollte man immer haben, dass man ja auch weiß, WIE LANGE es dauert, bis man wieder aufhört.
Ich habe auch einen Kumpel, seit fast 20 Jahren. Er kommt alle paar Wochen mal bei mir vorbei und wir haben grundsätzlich zusammen einen gebechert und einen ausgedröhnt. Er weiß, dass ich nichts mehr trinke. Am Anfang hat er mich nicht richtig ernst genommen. Silvester hatte ich allerdings ein Gespräch mit ihm, da hat er dann begriffen, dass es mir sehr wohl ernst ist und er hat mir gesagt, wie toll er das findet. Ich bin sicher, dass er weiß, dass er für sich genau das gleiche tun sollte. Ob er irgendwann die Kurve bekommt, das weiß ich nicht. Aber damit möchte ich mich auch nicht befassen. Die Treffen sind weniger geworden, seit dem ich nichts mehr trinke. Aber das war mir klar und stört mich auch nicht. Dennoch kommt er vorbei ab und zu, da wird dann eben nicht getrunken, sondern nur geklönt. Ist mir lieber, wenn wir uns seltener sehen bzw. es stört mich nicht. Wichtiger ist mir eben, dass er seinen Besuch bei mir nicht mehr mit Alkohol trinken verbindet. Denn die Zeiten sind vorbei....
Mir ging es übrigens ähnlich mit dem Kochen! Ich fand das immer toll. Anfangen, irgendetwas zu schnippeln und vorzubereiten und das Glas Wein stand immer nebenbei. Das verbindet mein Suchtgedächntnis natürlich mit etwas Tollem. Gemütlich, dieses angeschwipste Gefühl.... Solange ich am Kochen war, hat das meist auch noch angehalten. Aber danach???? Ich hab danach ja nie die Flasche weggestellt und meinen Tag "normal" beendet. Das Kochen mit Wein war nur der Startschuss für einen Abend, an dem ich total besoffen irgendwann ins Bett gefallen bin, weil ich einfach kein Ende gefunden habe.
Von daher: Nächstes Mal, wenn Du daran denkst, wie es doch beim Kochen war, dann denke es zu Ende.... Wie es denn war, als Du weiter getrunken hast und wie es Dir nächsten Tag ging. Und alles nur, um diese kurze Gemütlichkeit beim Kochen zu haben. Das ist es nicht wert.
Wenn ich jetzt koche, dann stelle ich mir manchmal ein schönes Glas Saft nebenbei oder Kaffee und mache mir Musik an, lass die Kinder mit helfen oder was auch immer. Ich denke auch manchmnal daran, wie ich sonst gekocht habe. Aber wie gesagt: Ich denke dann den Abend immer zu Ende und dann vergeht mir die Lust auf ein Glas Wein. Denn bei einem Glas Wein ist es ja nicht geblieben.
Ich finde, Du machst das alles sehr gut und wenn Du einmal zweifelst, ob es doch nur eine Trinkpause sein sollte, dann denk an Dein Kind und lass Dir gesagt sein, dass es zu 100 % leiden wird, wenn es nur eine Trinkpause ist. Denn wenn man einmal an dem Punkt ist, wo Du jetzt bist, dann KANN man NIE WIEDER normal trinken. Das gibt es einfach nicht. Weder bei Deinem Kumpel, noch bei Dir oder bei sonst irgendwem. Es mag sein, dass es eine Weile dauert bis zum totalen Absturz. Aber der wird kommen.
Deine Entscheidung ist also genau richtig und ich finde es toll, dass Du die getroffen hast. Bleib dabei!!