Guten Morgen alle zusammen.
Danke Paul... Ja, ich freu mich auch über die vier Monate. Es ist immerhin ein Anfang. Ich bin immer noch jeden Tag froh über meine Entscheidung und ich wünsche Dir auch, dass Du die Zeit noch ganz lange gut gelaunt genießen kannst. Klar kommen trotzdem immer mal wieder schwierige Zeiten im Leben, aber nüchtern kann alles nur besser sein, als wenn man trinkt.
Ich habe keinen Hund, aber Freunde 
Spazieren gehen... Das mache ich allerdings oft auch alleine, so ganz spontan und wenn es nur ne Dreiviertel Stunde ist. Einfach Jacke an und raus, einmal durchs Dorf gehen. Die frische Luft tut einfach nur gut! Hätte ich früher nie gemacht und wenn, dann nur mit Weinschorle im großen Kaffeebecher... Meine Güte, wie schrecklich....
Es geht mir jedenfalls immer besser. Ganz einfach war es - wegen der Trennung von meinem Partner - in letzter Zeit nicht, aber es geht jetzt wirklich aufwärts. Ich hätte nicht gedacht, wie schnell es mir besser geht. Aber das liegt einfach daran, dass ich mich schon sooooo lange mit dem Thema auseinander gesetzt habe innerlich. Der tatsächliche Absprung war dann nochmal hart und dann ging es aber mit großen Schritten nach vorne.
Ich möchte einfach nur meine Ruhe haben und glücklich sein. Da muss man dann auch mal etwas los lassen, was einem einfach absolut nicht gut tut. Immer mit angezogener Handbremse unterwegs zu schein... Das schockt auf Dauer nicht 
Ich habe zur Zeit viel frei und lese hier viel. Ich muss sagen, dass es in letzter Zeit auch etwas mehr hier zu lesen gibt und das freut mich total. Viele motivierte Leute, die hier unterwegs sind.
Ich selbst habe im Moment eine wirklich gute Phase. Also so richtig schlecht war es die ganze Zeit über nicht, aber ich habe momentan so gut wie keine Gedanken daran, Alkohol trinken zu wollen. Ich habe mich mal beobachtet, in welchen Situationen sich das Suchtgedächtnis meldet. Klar ist es - gerade ganz am Anfang - stark mit Belohnung in Verbindung gebracht worden. Jetzt bin ich so lange spazieren gegangen, da kann man doch mal ganz gemütlich auf dem Sofa einen Wein trinken.... Aber je öfter man spazieren geht, umso mehr gewöhnt man sich daran, dass es danach keinen Wein mehr gibt und so springt das Suchtgedächtnis darauf inzwischen auch nicht mehr an. Das Beispiel mit dem Spaziergang war jetzt eines von vielen Dingen.
Manchmal ist das Suchtgedächtnis angesprungen, wenn mir langweilig war. Da beschäftige ich mich jetzt schnell mit anderen Dingen, zur Not mache ich mir ganz laut Musik an und hier zu Hause Sport. Dann bin ich abgelenkt und ich weiß mir bei dem Thema Langeweile also auch gut zu helfen, inzwischen.
Was ich nach wie vor an mir bemerke ist, dass ich nach wie vor dann gern zu Alkohol greifen möchte, wenn ich unsicher bin. Wenn eine ungewohnte Situation ansteht. Ein Treffen mit jemanden, den ich nicht so gut kenne. Ein Auftreten in einer Situation, wo ich mich beobachtet fühle. Irgendwie ist es die Unsicherheit, die mich daran denken lassen, dass es doch jetzt toll wäre, wenigstens 2 Sekt zu trinken, damit man locker ist und dieses Peinlichkeitsgefühl weg ist. Peinlichkeitsgefühl ist eigentlich total dämlich, weil es NICHTS an den beschriebenen Situationen gibt, was peinlich ist. Aber man hat dieses Gefühl. Ich kann es nicht anders beschreiben.
Dann gibt es noch eine zweite Situation, die mich - wenn es denn vorkommt - an Alkohol denken lässt. Das ist, wenn ich total auf dieses euphorische Gefühl habe. Dieses mit einer Freundin oder Kumpel einfach draussen in der Sonne sitzen und schön ein paar Bier trinken und langsam lustiger dabei zu werden und beschwipst zu sein. Das verbinde ich mit einem schönen Gefühl, was ich mir herbei wünsche. Wenn ich den Gedanken zu Ende denke, ist es alles andere als toll, weil ich ja nicht aufhören würde zu trinken. Also wird der Gedanke schnell verworfen. Weil die Kontrolle ja nicht da wäre. Den Gedanken zu Ende denken. Das ist es, was mir dann wirklich hilft. Das hab ich hier aber auch schon einmal berichtet.
Dieses Unsicherheitsgefühl. Das ist es, wo ich noch nicht so recht eine Lösung für habe. Vor einem bestimmten Treffen neulich hab ich mich dabei ertappt, nach einem Tee im Internet zu suchen, der einen etwas aufputscht. Was Schwachsinn ist, weil ich dann auch Kaffee trinken könnte. Das würde ja nicht die Unsicherheit nehmen, die einem der Alkohol genommen hat, dadurch, dass die Hemmschwelle gesunken ist. Bestimmte Teesorten, Energiedrinks, Kaffee... Das alles macht ja nur munter, aber nimmt einem keinerlei Unsicherheit. Da weiß ich also nach wie vor nicht, was ich für eine Alternative habe. Vermutlich gar keine. Deshalb ist es auch das Einzige, was mir jetzt noch etwas Probleme bereitet.
Da hilft aber vermutlich auch nur, solche Situationen mutig zu meister und hinterher zu merken, dass es gar nicht schlimm war. Man muss sich halt erst einmal daran gewöhnen, wieder nüchtern durchs Leben zu gehen. Das kann ja auch gar nicht von heute auf morgen gehen.
Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich mir das selbst eingestehe, dass es mit Unsicherheit zu tun hat. Wenn ihr mich kennen würdest, dann würde man mich mit dem Wort Unsicherheit überhaupt gar nicht in Verbindung bringen. Immer lustig drauf, schlagfertig, lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen, selbstbewusst. DAS ist es, was mit meinem Wesen in Verbindung gebracht wird. Gerade deshalb verwirre ich mich selbst 
Also es ist so, WENN ich erstmal in der Situation bin, dann ist die Unsicherheit auch sofort weg. Es ist also nicht so, dass ich mit besonders guter Laune versuchen muss, meine Unsicherheit zu überspielen oder so. Jedenfalls sehe ich das nicht so, ich hab dann kein schlechtes Gefühl mehr. Es ist nur der GANG zur Situation hin. Ich weiß nicht, ob ich mich gerade verständlich ausdrücke.
Das sind jedenfalls die Gedanken, die mir aktuell gerade durch den Kopf gehen. Da benötige ich noch irgendwie scheinbar etwas Zeit, um auch hier eine Alternative zum Alkohol zu finden. Bzw. gibt es hier nicht wirklich eine Alternative und ich muss mich einfach daran gewöhnen, das ohne 3 Sekt vorher einfach über die Bühne zu bekommen. Wird mit der Zeit dann sicherlich zur Gewohnheit werden.
Die Situationen sind jedenfalls zur Zeit wahnsinnig selten. Vielleicht, weil es tatsächlich schon anfängt, in den Alltag überzugehen, dass man einfach bei ALLEM nüchtern ist 
Zum Glück!!!!