Beiträge von Cadda

    „Hochmut kommt vor dem Fall...“ DAS wünsche ich Dir NICHT. Leider ist es der Satz, der mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf ging.

    Du hast in 1,5 Monaten etliche Krisen überwunden. Bravo.

    Es gibt etliche Alkoholiker, die ohne Rückfall durchs Leben gehen und nach JAHREN schlägt das Suchtgedächtnis zu.

    Weißt Du... Ich teile sehr viele Deiner Ansichten und bin mindestens genau so entschlossen, trocken zu bleiben, wie Du. Ich beschäftige mich bereits Jahre damit, wie es am besten funktioniert. In der Theorie sozusagen nahezu perfekt, das kann man sein.

    Die Praxis sieht jedoch anders aus. Und ich glaub, da sollte man sich nach 1,5 Monaten nicht dermaßen weit aus dem Fenster hängen.

    Ich wünsche Dir, dass Du es packst. Und Deine Willensstärke wird Dir dabei zu Gute kommen. Für mein Empfinden bist Du allerdings eine Spur ZU optimistisch. Verstehe mich nicht falsch. Ein gesunder Optimismus ist goldwert. Schlecht wird es, wenn der Optimismus den Realismus zu sehr in den Hintergrund drängt...

    Ich bin jetzt ERST seit dem 04.09. letzten Jahren nüchtern (das Wort „trocken“ geht mit noch nicht so leicht über die Finger nach diesen noch nicht einmal fast 5 Monaten). Ich kann Dir sagen, dass es mir SEHR gut damit geht und mir zur Zeit noch leicht fällt. Vielleicht bleibt das ja so, ich wäre sehr dankbar, denn es klappt wirklich gut!

    Aaaaber: Die Zeiten können sich ändern! Dessen bin ich mir bewusst und das könnte mich einmal vor einem Rückfall schützen.

    Ich bin oftmals zu bescheiden. Das ist nicht gut, ein gesundes Selbstbewusstsein ist oftmals hilfreich.

    Wenn ich uns beide jedoch vergleiche...... Mmmmh. Dann bin ich in dem Punkt lieber bescheiden, anstatt ZU selbstbewusst. DAS könnte mir nämlich vielleicht auch einmal zu Gute kommen!!!

    Vielleicht lässt Du Dich ja mal „herab“, um über die Worte nachzudenken...
    Ich denke allerdings eher nicht. Ich kenne solche Charakterzüge, das lese ich sofort raus.
    Es gibt eine Beschreibung für solch einen Typ Mensch, aber ich maße mir nicht an, das zu behaupten.

    Doch ich denke, Deine Meinung ist: alles was Du denkst, ist richtig und alle anderen sind die Vollpfosten, die keine Ahnung haben. Wenn ich richtig liege, dann ist im Grunde jedes weitere Wort Zeitverschwendung.

    Ich werde es an Deiner Reaktion erkennen und wenn Du hier nichts mehr von mir liest, dann habe ich mich bestätigt gefühlt und Zeit werde ich dann nicht mehr verschwendet haben...

    Guten Morgen auch hier :)

    Ich finde es klasse, wie konsequent Du das umsetzen möchtest, Mario.

    Und wenn es Deiner Meinung nach notwendig ist, den Job zu wechseln oder auf einige der Familienmitglieder zu verzichten, dann ist das eben nicht so, dass Du Gründe und Ausreden findest, sondern neue Wege. Es ist ja bei jedem unterschiedlich, also nicht die Grundbausteine, sondern die Situation in Familie/Umkreis und Job.

    Bei mir ist es glücklicherweise so, dass ich mich von meiner Familie nicht abgrenzen muss, von meinem Job auch nicht. Von einigen „Freunden“ schon, aber von den wenigsten. Das waren eh nur Kumpels zum Saufen. Meine richtig guten Freunde sind nicht davon betroffen. Allerdings war es notwendig, mich von meinem Partner zu trennen.

    Du musst für Dich natürlich allein heraus finden, was vereinbar ist und was nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einige Jobs gibt, die eben zu viel mit dem Thema Alkohol zu tun haben.

    Ich finde jedenfalls, dass Du gut an die Sache heran gehst. Du bist bereit, lieber ne Weile etwas zurück gezogener zu sein, als mit den falschen Leuten. Manchmal braucht es aber gar nicht so lange, bis sich diese Lücken schließen lassen. Oft liegt eine viel bessere Alternative ganz nah dran und man sieht sie bloß noch nicht.

    Guten Morgen alle zusammen.

    Danke Paul... Ja, ich freu mich auch über die vier Monate. Es ist immerhin ein Anfang. Ich bin immer noch jeden Tag froh über meine Entscheidung und ich wünsche Dir auch, dass Du die Zeit noch ganz lange gut gelaunt genießen kannst. Klar kommen trotzdem immer mal wieder schwierige Zeiten im Leben, aber nüchtern kann alles nur besser sein, als wenn man trinkt.

    Ich habe keinen Hund, aber Freunde :)
    Spazieren gehen... Das mache ich allerdings oft auch alleine, so ganz spontan und wenn es nur ne Dreiviertel Stunde ist. Einfach Jacke an und raus, einmal durchs Dorf gehen. Die frische Luft tut einfach nur gut! Hätte ich früher nie gemacht und wenn, dann nur mit Weinschorle im großen Kaffeebecher... Meine Güte, wie schrecklich....

    Es geht mir jedenfalls immer besser. Ganz einfach war es - wegen der Trennung von meinem Partner - in letzter Zeit nicht, aber es geht jetzt wirklich aufwärts. Ich hätte nicht gedacht, wie schnell es mir besser geht. Aber das liegt einfach daran, dass ich mich schon sooooo lange mit dem Thema auseinander gesetzt habe innerlich. Der tatsächliche Absprung war dann nochmal hart und dann ging es aber mit großen Schritten nach vorne.
    Ich möchte einfach nur meine Ruhe haben und glücklich sein. Da muss man dann auch mal etwas los lassen, was einem einfach absolut nicht gut tut. Immer mit angezogener Handbremse unterwegs zu schein... Das schockt auf Dauer nicht :)

    Ich habe zur Zeit viel frei und lese hier viel. Ich muss sagen, dass es in letzter Zeit auch etwas mehr hier zu lesen gibt und das freut mich total. Viele motivierte Leute, die hier unterwegs sind.

    Ich selbst habe im Moment eine wirklich gute Phase. Also so richtig schlecht war es die ganze Zeit über nicht, aber ich habe momentan so gut wie keine Gedanken daran, Alkohol trinken zu wollen. Ich habe mich mal beobachtet, in welchen Situationen sich das Suchtgedächtnis meldet. Klar ist es - gerade ganz am Anfang - stark mit Belohnung in Verbindung gebracht worden. Jetzt bin ich so lange spazieren gegangen, da kann man doch mal ganz gemütlich auf dem Sofa einen Wein trinken.... Aber je öfter man spazieren geht, umso mehr gewöhnt man sich daran, dass es danach keinen Wein mehr gibt und so springt das Suchtgedächtnis darauf inzwischen auch nicht mehr an. Das Beispiel mit dem Spaziergang war jetzt eines von vielen Dingen.

    Manchmal ist das Suchtgedächtnis angesprungen, wenn mir langweilig war. Da beschäftige ich mich jetzt schnell mit anderen Dingen, zur Not mache ich mir ganz laut Musik an und hier zu Hause Sport. Dann bin ich abgelenkt und ich weiß mir bei dem Thema Langeweile also auch gut zu helfen, inzwischen.

    Was ich nach wie vor an mir bemerke ist, dass ich nach wie vor dann gern zu Alkohol greifen möchte, wenn ich unsicher bin. Wenn eine ungewohnte Situation ansteht. Ein Treffen mit jemanden, den ich nicht so gut kenne. Ein Auftreten in einer Situation, wo ich mich beobachtet fühle. Irgendwie ist es die Unsicherheit, die mich daran denken lassen, dass es doch jetzt toll wäre, wenigstens 2 Sekt zu trinken, damit man locker ist und dieses Peinlichkeitsgefühl weg ist. Peinlichkeitsgefühl ist eigentlich total dämlich, weil es NICHTS an den beschriebenen Situationen gibt, was peinlich ist. Aber man hat dieses Gefühl. Ich kann es nicht anders beschreiben.

    Dann gibt es noch eine zweite Situation, die mich - wenn es denn vorkommt - an Alkohol denken lässt. Das ist, wenn ich total auf dieses euphorische Gefühl habe. Dieses mit einer Freundin oder Kumpel einfach draussen in der Sonne sitzen und schön ein paar Bier trinken und langsam lustiger dabei zu werden und beschwipst zu sein. Das verbinde ich mit einem schönen Gefühl, was ich mir herbei wünsche. Wenn ich den Gedanken zu Ende denke, ist es alles andere als toll, weil ich ja nicht aufhören würde zu trinken. Also wird der Gedanke schnell verworfen. Weil die Kontrolle ja nicht da wäre. Den Gedanken zu Ende denken. Das ist es, was mir dann wirklich hilft. Das hab ich hier aber auch schon einmal berichtet.

    Dieses Unsicherheitsgefühl. Das ist es, wo ich noch nicht so recht eine Lösung für habe. Vor einem bestimmten Treffen neulich hab ich mich dabei ertappt, nach einem Tee im Internet zu suchen, der einen etwas aufputscht. Was Schwachsinn ist, weil ich dann auch Kaffee trinken könnte. Das würde ja nicht die Unsicherheit nehmen, die einem der Alkohol genommen hat, dadurch, dass die Hemmschwelle gesunken ist. Bestimmte Teesorten, Energiedrinks, Kaffee... Das alles macht ja nur munter, aber nimmt einem keinerlei Unsicherheit. Da weiß ich also nach wie vor nicht, was ich für eine Alternative habe. Vermutlich gar keine. Deshalb ist es auch das Einzige, was mir jetzt noch etwas Probleme bereitet.

    Da hilft aber vermutlich auch nur, solche Situationen mutig zu meister und hinterher zu merken, dass es gar nicht schlimm war. Man muss sich halt erst einmal daran gewöhnen, wieder nüchtern durchs Leben zu gehen. Das kann ja auch gar nicht von heute auf morgen gehen.

    Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich mir das selbst eingestehe, dass es mit Unsicherheit zu tun hat. Wenn ihr mich kennen würdest, dann würde man mich mit dem Wort Unsicherheit überhaupt gar nicht in Verbindung bringen. Immer lustig drauf, schlagfertig, lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen, selbstbewusst. DAS ist es, was mit meinem Wesen in Verbindung gebracht wird. Gerade deshalb verwirre ich mich selbst :)

    Also es ist so, WENN ich erstmal in der Situation bin, dann ist die Unsicherheit auch sofort weg. Es ist also nicht so, dass ich mit besonders guter Laune versuchen muss, meine Unsicherheit zu überspielen oder so. Jedenfalls sehe ich das nicht so, ich hab dann kein schlechtes Gefühl mehr. Es ist nur der GANG zur Situation hin. Ich weiß nicht, ob ich mich gerade verständlich ausdrücke.

    Das sind jedenfalls die Gedanken, die mir aktuell gerade durch den Kopf gehen. Da benötige ich noch irgendwie scheinbar etwas Zeit, um auch hier eine Alternative zum Alkohol zu finden. Bzw. gibt es hier nicht wirklich eine Alternative und ich muss mich einfach daran gewöhnen, das ohne 3 Sekt vorher einfach über die Bühne zu bekommen. Wird mit der Zeit dann sicherlich zur Gewohnheit werden.

    Die Situationen sind jedenfalls zur Zeit wahnsinnig selten. Vielleicht, weil es tatsächlich schon anfängt, in den Alltag überzugehen, dass man einfach bei ALLEM nüchtern ist :)
    Zum Glück!!!!

    Natürlich sollst Du die Gefahr eines Rückfalles nicht aus den Augen verlieren, da hast Du Recht. Aber denk positiv und gehe doch einfach davon aus, dass Du es schaffen wirst. Bleib ein Ex-Trunkenbold :)

    Ich bin ehrlich, den Sekt zur Warnung würde ich abschaffen. Du hast schon vieles in die richtige Richtung getan und wer so konsequent ist und Weihnachten zu Hause bleibt und Saufverananstaltungen meidet, der kann auch so konsequent sein und den letzten Alkohol aus SEINEM Bereich verbannen.

    Stell Dir als Warnung da lieber eine Flasche Selter hin, wo Du drauf schreibst „Ich stehe hier nicht umsonst rum“ :D

    Dass Du die „Saufveranstaltungen“ meidest und Weihnachten lieber allein, anstatt mit trinkenden Leuten verbringst, finde ich schon mal gut.

    Ansonsten möchte ich mich bei dem Thema gern zurück halten, da ich mir selbst noch meine Gedanken dazu mache. Ich habe darüber mal in meinem Tagebuch geschrieben....

    Lass Dich auf die Dinge ein, die Du hier liest. Und glaub an Dich selbst. Dann findest Du auch Deinen Schlüssel ;)

    Also für die letzten beiden Zeilen, die mir gerade in den Sinn kamen, bedanke ich mich gerade bei mir selbst :D

    Denn sie passen auch in meine Lebenssituation eigentlich perfekt.

    Genau so etwas ist auch schön an diesem Forum!! Ich wollte DIR eigentlich Mut machen und einen Ratschlag mit diesen Gedanken geben. Dabei passen sie auch genau auf MICH. Und schon ist vielleicht ja sogar 2 Leuten geholfen. Mir und mit Glück auch Dir... :)

    Mario, jetzt hab ich aber ganz dringend das Bedürfnis, Dir etwas zu schreiben, wo ich Deinen letzten Beitrag gelesen habe.

    Du hast das Gefühl. dass es das schlechteste Weihnachten und Silvester seit Jahren war, obwohl es das erste nüchterne Weihnachten und Silvester seit Jahren war. Das liegt mit Sicherheit aber nicht daran, dass Du jetzt nüchtern bist. Sondern einfach, dass Du Dich jetzt - wo Du nüchtern bist - vermutlich mit Deinen Gefühlen auseinander setzen "musst". Natürlich ist es einfach, sich ordentlich einen anzutrinken. Ist ja dann auch immer gleich alles gar nicht mehr so schlimm und man sieht es teilweise lockerer.

    Ich kenne das auch. Ich habe viele Dinge einfach besser ertragen, wenn ich was getrunken habe. War ja zunächst lustig und angenehm, einen Schwips zu haben. Bei dem blieb es nur nie...

    Ich lasse jetzt, wo ich nichts mehr trinke und das ist ebenfalls noch nicht so lange der Fall, wieder Gedanken zu bzw. muss sie automatisch zulassen. Natürlich kommt da auch eine Traurigkeit zum Vorschein, die vorher unterdrückt wurde.

    Sei Dir sicher, das wird mit der Zeit besser werden. Du bist ja nicht umsonst hier. Also kannst Du ja mit dem Trinken nicht zufrieden gewesen sein, sonst hätte Dich der Weg ja nicht hier her gebracht. Weißt Du, was ich damit sagen will? Natürlich hättest Du Dir das Weihnachtsfest und Silvester auch "schön saufen" können. Aber was wäre danach gewesen? Die Unzufriedenheit hätte Dich ja garantiert eingeholt.

    Ex-Trunkenbold... Das bist Du. Denn Du kannst ja nicht davon ausgehen, was WÄRE WENN ich wieder einen Rückfall habe. Du WILLST ja nicht wieder trinken und trinkst ja auch gerade nicht. Also benutze für Dich mal gern das Wort EX-Trunkenbold...

    Wenn ich auf der Arbeit die Firma wechsele, sage ich doch auch, in meiner EHEMALIGEN Firma. Und sage nicht weiterhin in meiner Firma, nur weil ich vielleicht mal wieder irgendwann "aus Versehen" dort arbeite :D

    Und wenn ich mich von meinem Freund trenne, ist es auch mein EX-Freund. Nur weil es theoretisch sein könnte, dass ich irgendwann in meinem Leben nochmal wieder mit ihm zusammen kommen KÖNNTE, ist es aber aktuell ja gerade trotzdem mein Ex-Freund und nicht mehr mein Freund ;)

    Schön bescheuert, die Beispiele... Sorry :D

    Du bist ein Ex-Trunkenbold und bleibst das gefälligst auch, denn es gibt wirklich überhaupt gar keinen Grund, das jemals wieder zu ändern.

    Auch wenn Dir das mit Deiner Frau und Deinem Kind zu schaffen macht. Du kannst die Zeit nicht zurück drehen. Und es wird garantiert nicht besser, wenn Du weiter trinkst. Selbst wenn Du nicht wieder trinkst, wird es vielleicht nicht besser, aber auch nicht schlechter. Wenn Du wieder trinkst, wird es garantiert schlechter.

    Außerdem: Wo sich eine Tür schließt, da öffnet sich auch eine neue Tür. Auch wenn Du die Tür jetzt noch nicht siehst, ist sie irgendwo.

    Und durch diese neue Tür willst Du doch nüchtern gehen, damit diese sich nicht auch irgendwann zwangsläufig wieder schließt, oder????

    Schön, dass Du hier bist und dann noch so gut gelaunt!! :)
    Mir hat dieses Forum auch sehr geholfen, einige meiner Fragen zu beantworten und vor allem, zu erkennen, dass es wirklich keinen anderen Auswec gibt, als lebenslange Abstinenz. Diese Erkenntnis ist nicht so schwer, wie der Schritt, „einfach zu machen...“. Super, dass Du den Schritt gegangen bist, mach weiter so :)

    Hallo Sunshine,
    Vielen Dank für Dein Kompliment, das hat mich unglaublich gefreut :)

    Pläne... ja, was hat man nicht alles im Suff für Pläne geschmiedet. An der Umsetzung scheiterte es fast immer. Sogar bei Kleinigkeiten fing es schon an. Bei alltäglichen Sachen. Wie oft hatte ich im Suff ganz große Lust, „morgen“ ins Schwimmbad zu fahren, spazieren zu gehen oder irgend etwas zu unternehmen... „Morgen“ mit einem Kater sah es dann ganz anders aus. Und selbst wenn der Kater wieder weg war, dann war man deprimiert, kraftlos, lustlos. Nichts ist passiert. Im nächsten Suff hätte man wieder total Lust was zu unternehmen. Morgen..... :-/

    Nun werden die Dinge meistens auch umgesetzt. Klar gibt es immer noch Tage, an denen man auf nichts Bock hat, aber ganz oft hat man die Lust, was zu unternehmen und macht es auch. Lebenslust, die man nüchtern in die Tat umsetzt.

    Hallo Sunshine,
    unsere Beiträge hatten sich überschnitten. Ich danke auch Dir für Deine Ausführungen. Ich hatte es tatsächlich etwas missverstanden und gedacht, dass grundsätzlich von Veranstaltungen abgeraten wird. Dass man das insbesondere am Anfang der Abstinenz tun sollte, das leuchtet schon ein. Es ist mit Sicherheit so, dass man - je länger man abstinent lebt - auch gefestigter ist.
    Ich fühle mich zwar im Moment sehr stabil, aber ich fühle mich eben nur so. Ich habe hier durch die Erfahrungsberichte ja schon mitbekommen, dass man sich noch so sicher und stabil fühlen kann, aber es kann jederzeit zu einem Rückfall kommen, wenn das Suchtgedächtnis zuschlägt. Ich gebe mir Mühe, mir das immer wieder vor Augen zu führen. Dass ich mich nicht täuschen lasse, von dem momentan guten und sicheren Gefühl.
    Ich hab es auch schon gehabt, dass mir mein Gedächtnis etwas einreden wollte, was ich eben nicht will. Je öfter ich mir allerdings schon vorher Gedanken über das Thema mache und mir immer wieder vor Augen führe, was ich will, umso weniger springt dieses Suchtgedächtnis an bzw. umso schneller werde ich es wieder los.

    Dass Veranstaltungen, auf denen getrunken wird, dieses Denken natürlich aktiviert, das ist klar. Deshalb weiß ich auch, dass es richtig ist, was Du schreibst. Ich setze mich viel damit auseinander. Momentan handhabe ich es noch so, dass ich mir vorher sehr gut überlege, wo genau ich nun mitgehe und wo nicht. Ich werde auch zukünftig nicht leichtfertig mit dem Thema umgehen und mir auch weiterhin meine Gedanken hierzu machen.

    Carl-Friedrich,
    ich habe alle zwei Wochen einen Termin bei der Suchtberatung, immer bei derselben Dame. Eine Therapie habe ich ebenfalls beantragt, die Dame bei der Suchtberatung sagte mir letzten Freitag, dass das fast durch ist. Danach kann ich auch an den Gruppengesprächen teilnehmen.

    Ich habe das Thema am Freitag angesprochen. Sie hat daraufhin so reagiert, dass jeder für sich einen Weg finden muss, wie es für ihn am besten ist und dass sie mir nicht raten wird, an keinen Veranstaltungen teilzunehmen, wenn ich das gern möchte. Es würde zum Leben dazu gehören, soziale Kontakte zu haben und die bestehen nun einmal nicht ausnahmslos aus Treffen mit Menschen, wo kein Alkohol getrunken wird, Geburtstage usw. gehören nun einmal auch dazu und wenn ich es gern möchte, ist das in Ordnung.

    Trotzdem bin ich jetzt nicht aus der Gesprächsstunde gegangen und habe gedacht "Yeah, meine Therapeutin hat gesagt, ich darf das".
    Weil ich einfach hier auch schon viel anderes über das Thema gelesen habe und auch diese Sichtweise nachvollziehen kann.
    Deshalb gehen mir eben beide Sichtweisen immer wieder durch den Kopf und ich werde mich wohl noch weiterhin damit auseinander setzen.

    Was Du eben zum Thema "Saufveranstaltungen" sagtest... Das geht mir ganz genau so. Also solche Treffen, wo eigentlich im Vorwege schon klar ist, worauf es hinausläuft. Die meide ich ebenfalls. Naja, was heißt, die meide ich? Die muss ich eigentlich gar nicht groß meiden, weil ich von denen gar nichts mehr groß mitbekomme. Ich habe zu den Leuten, bei denen es ausschließlich darum ging, einen zu Saufen, eh keinen Kontakt mehr. Viele dieser "Kumpels" habe ich bei meinem ehemaligen Lebensgefährten getroffen, als ich noch dort gewohnt habe oder nach meinem Auszug eben noch Zeit dort verbracht habe. Seit dem ich nichts mehr trinke, bin ich aber nicht mehr dort hingegangen bzw. nur noch, als kein trinkender Besuch da war.

    Auch Treffen, die irgendwo anders stattfinden... Die bekomme ich gar nicht mehr mit. Weil klar ist, dass ich daran nicht teilnehmen würde, also bekomme ich auch gar nicht mehr mit, wann sich wer denn so trifft. Der Kontakt zu diesen Leuten, der eh nur oberflächlich war, ist abgebrochen. Treffe ich mal einen von denen zufällig, z. B. neulich beim Einkaufen, dann redet man kurz 3-4 Sätze im Vorbeigehen miteinander und das wars. Aber es ist kein Verlust.
    Wie gesagt, meine richtigen Freunde, gehen ganz anders mit dem Thema um. Die sind alle so froh über meine Entscheidung, dass sie mich wunderbar mit ihrem Verhalten unterstützen. Da bin ich wirklich mehr als froh drüber.


    Bei uns ist heute wundervolles Wetter. Ich habe heute ausgeschlafen und bin dann zwei Stunden lang in der Kälte bei strahlendem Sonnenschein, spazieren gegangen. Das tat richtig gut. Jetzt hab ich mich aufs Sofa gelegt und werde einen kleinen Mittagsschlaf machen. So ein richtig schöner, fauler Sonntag :)

    Heute Abend kommen meine Kinder wieder und ab morgen geht der Alltag wieder los. Aber das ist auch schön :)

    Vielen Dank für Eure Beiträge.

    Martin, es ist bei mir nicht anders als bei Anderen. Ausreden, weshalb ich in bestimmten Situationen anders handeln „musste, konnte, durfte“ möchte ich nicht für mich finden. Ich
    verschließe mich auch nicht vor anderen Meinungen und nehme sie trotzdem ernst.

    Ja Pellebär, ich muss heraus finden, wie ich meinen Weg am besten gehe. Ich nehme mir hier die Gedanken von den Menschen, die schon länger trocken sind, zu Herzen und werde auch nicht aufhören, diese auf mich wirken zu lassen.

    Correns: Wegeb meiner Kinder.... Dass sie mir wieder vertrauen, das ist wirklich toll. Da bin ich so froh drüber.

    Ich hoffe auch immer, dass es den ein- oder anderen stillen Mitleser gibt, der etwas für sich mitnehmen kann aus den Berichten.

    Ich habe bei Dir damals jedenfalls sehr viel mitnehmen können für mich, aus Deinen Beiträgen. Deshalb finde ich den Austausch im offenen Bereich auch sehr wichtig.

    So, und nun, wo ich gerade so offen und ehrlich bin, möchte ich mich noch einmal zu Wort melden.

    Ich schleppe es schon einige Zeit mit mir rum und lese immer wieder Beiträge, was das Thema betrifft, wie man sich am besten in Bezug auf Veranstaltungen verhält, bei denen Alkohol konsumiert wird.

    Ich war schon ein paar Mal kurz davor, in entsprechenden Tagebüchern auf das Thema einzugehen. Ich stolpere immer wieder über dieses Thema und da es allgemein ein Thema zu sein scheint, bei dem Unstimmigkeit oder unterschiedliche Handlungsweisen bestehen, habe ich gedacht, ich schreibe einfach mal in meinem eigenen Faden etwas dazu.

    Ich hab hier nun schon einige Komplimente geerntet über meine Sichtweisen oder wie ich alles angehe. Darüber freue ich mich natürlicher einerseits, aber ich weiß ins Geheim eigentlich, dass viele auch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen würden, wenn sie wüssten, wie ich so mit dem Thema "Orte an denen Alkohol getrunken wird" umgehe.

    Ich lese oft gerade von den Leuten hier, die schon lange trocken sind, die sehr entschlossene Meinung, dass man solche Veranstaltungen meiden sollte. Ich habe mir diese Berichte auch ALLE sehr zu Herzen genommen und nehme mir immer sehr viel Zeit, auch nachträglich noch darüber nachzudenken. Ich habe nämlich sehr viel Respekt vor den Leuten, die hier schon so lange trocken sind und es stimmt, an der Vorgehensweise muss ja etwas richtig sein, sonst wären sie ja nicht so lange trocken.

    Dieser Satz "einfach nur nichts trinken" reicht nicht. Der sitzt mir auch ganz tief im Kopf. Ich bin mit meinen vier Monaten Nüchternheit hier noch am Anfang und ich kann nicht ausschließen, dass sich meine Meinung zu einigen Dingen noch ändert. Momentan kann ich aber machen, was ich will. Ich kann mich mit dem Gedanken einfach nicht anfreunden, alle Veranstaltungen oder Orte zu meiden, an denen Alkohol konsumiert wird.
    Ich handhabe es zur Zeit so, dass ich nicht alle Veranstaltungen meide.

    Ich habe sicherlich einiges geändert, aber nicht alles. Wenn ich weiß, dass sich 3 oder 4 meiner Kumpels irgendwo treffen und da einen saufen, dann werde ich dort mit Sicherheit nicht aufschlagen. Ich muss auch ehrlich sagen, dass es gewisse "Kumpels" gibt, mit denen ich mich gar nicht mehr getroffen habe, seit dem ich nichts trinke. Es sind halt keine Freunde, sondern nur Kumpels, die mir gelegen kamen, weil sie immer schön mit gesoffen haben. Dahingehend hat sich etwas verändert. Bekomme ich da eine Nachricht, dass man sich zum Klönen treffen will, weiß ich sofort, dass ich nicht hingehe und das werde ich auch zukünftig nicht tun. Die "Freundschaft" mit den Leuten hat sich quasi eigentlich jetzt schon erledigt.

    Wenn ich mich mit meinen Freundinnen VERABREDE, ist ebenfalls klar, dass es keinen Alkohol gibt. Ich habe in meinem Beitrag davor ja schon davon berichtet. Es wird ausschließlich Kaffee getrunken und das wars.

    Bei mir zu Hause gibt es generell kein Alkohol mehr, auch nicht für Besucher. Ich möchte keinen Alkohol bei mir haben. Punkt.

    Aber jetzt kommt das große Aber: Wenn einer meiner Freunde, und damit meine ich nicht die Kumpels, die eigentlich nur zum Saufen da waren, sondern wenn wirklich einer meiner Freunde oder Freundinnen Geburtstag haben, dann gehe ich hin.
    Ich weiß, dass das viele verantwortungslos finden und absolut nicht nachvollziehen können. Deshalb hab ich bisher über das Thema auch wenig geschrieben. Aber ich bin ja nicht hier, um mir oder anderen etwas vorzumachen. Ich mache mir meine Gedanken zu dem Thema und bislang konnte ich für mich einfach nicht entscheiden, solchen Anlässen fern zu bleiben. Ich stehe einfach für MICH nicht hinter dieser Meinung, obwohl ich die Meinung von anderen schon irgendwo nachvollziehen kann. Stichwort Risikominimierung!!

    Ich will hier keinesfalls mit dem Kopf durch die Wand und ich möchte nicht behaupten, dass die von mir zur Zeit gewählte Vorgehensweise die Richtige ist. Ich sehe immer gern verschiedene Sichtweisen. Ja, ich weiß, dass es beim Thema Alkohol nur schwarz oder weiß gibt. Alle haben das selbe Problem und sicherlich haben auch alle das gleiche Ziel, nämlich trocken zu bleiben. Ja, die Gedanken an Alkohol hat man zwangsläufig, wenn man Menschen trinken sieht. Ich denke auch nicht "Juhu, jetzt war ich so stark und hab die Situation gemeistert". Mir ist klar, dass auch Tage später noch das Suchtgedächtnis anspringen kann.

    Für mich ist es auch ganz wichtig, das Suchtgedächtnis bekämpfen zu können und ich finde es selbst nicht schön, wenn es anspringt. Ja, Trockenheit steht über allem und ist das Wichtigste.

    Ich weiß wie gesagt nicht, wie ich in der Zukunft damit umgehen werde. Ob sich meine Sichtweise noch verändert. Ich möchte aber meine Gedanken dazu mitteilen, auch wenn ich die Kritik und Standpunkte von Einigen kenne und nachvollziehen kann.

    Ich war neulich beispielsweise auf einer Veranstaltung draussen im Garten bei Freunden. Bei Wind und Wetter mit ganz vielen Feuerkörben, Stehtischen. Mit Erwachsenen und mit Kindern. Mit Grillen in der Kälte. Mit Punsch, mit anderen Getränken. Mit heißer Schokolade, mit Kannen Tee, mit Selter und mit Mix-Getränken. Es gab einige Leute, die haben Alkohol getrunken. Es war - jedenfalls solange ich da war - aber keinem irgendein Suff anzumerken. Viele waren mit dem Auto dort und haben - genau wie ich - Tee oder heiße Schokolade getrunken. Es war so ein wahnsinnig schöner Abend mit guten und tollen Gesprächen. Ich habe Leute getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Leute, bei denen Alkohol im Leben nicht so eine große Rolle spielt, wie bei den Leuten, mit denen ich mich sonst getroffen habe.

    Zu Saufzeiten war ich zu dieser Veranstaltung, die nur ein Mal im Jahr stattfindet, ebenfalls immer eingeladen und bin in den letzten Jahren nur ein Mal da gewesen. Ansonsten war mir das immer zu langweilig dort. Ich hab lieber mit den "Kumpels" gefeiert, die sich ordentlich abgeschossen haben. Ich habe erst JETZT, wo ich nicht mehr saufe, Lust gehabt, zu dieser Veranstaltung zu gehen und mich mit genau den Leuten zu treffen, die dort sind.

    Was ich damit sagen will. Es gibt auch Veranstaltungen, an denen zwar Alkohol konsumiert wird, die aber letztendlich weniger mit Saufen zu tun haben, als die Veranstaltungen, die man vorher besucht hat. Ich habe genau durch diese Treffen, an denen ich jetzt teilnehme und vorher nicht, Menschen besser kennen gelernt. Das sind Menschen, mit denen ich mich jetzt z. B. auch zum Sport treffe. Diese Leute hab ich über die Jahre komplett aus den Augen verloren und durch diese Treffen habe ich die Leute wieder besser kennen gelernt und sie haben auch vermutlich jetzt erst wieder Lust darauf, MICH zu sehen, weil ich eben nicht mehr so sehr neben der Spur bin.

    Diese Treffen haben mich letztendlich total glücklich gemacht. Ich war endlich mal wieder unter "normalen" Leuten, die eben nicht nach zwei Stunden schon total hacke sind. Ich hab die Abende so was von genossen, es waren tolle Gespräche. Ich hätte nicht verzichten wollen auf diese Abende, "nur" weil einige Menschen dort Punsch, statt heißer Schokolade getrunken haben.


    Auch der Weihnachtsbasar hier im Dorf war für mich ein total toller Tag. Ich bin hingegangen und hatte gute Gespräche und einen ganzen Haufen Spaß. Man hat mal wieder mit Nachbarn geklönt und ist mit anderen Leuten aus dem Dorf zusammen gekommen. Als es dort mehr zur Sache ging, was den Alkohol angeht, bin ich nach Hause gegangen. Für mich war es genug.

    Ich weiß nicht, ob ich erklären kann, worum es mir geht. Ich weiß, dass ich auch soziale Kontakte pflegen kann, indem ich mich gezielt verabrede. Aber einige dieser Veranstaltungen, gerade wo man spontan mal mit dem und mal mit dem klönt, fand ich sehr schön.

    Ich weiß nicht, wie ich in einigen Wochen darüber denke. Ich habe auch mit meiner Therapeutin darüber gesprochen. Auch unter den Therapeuten scheint es hier ja unterschiedliche Einstellungen zu geben. Für manche ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass das gar nicht geht und manche sagen, es ist völlig in Ordnung, dass jeder das für sich allein entscheidet.

    Manche Dinge leuchten mir ein und ich stehe auch total dahinter. Ich würde z. B. nie ein alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Sekt (selbst WENN es wirklich alkoholfrei wäre) trinken. Bei mir Zuhause gibt es keinen Alkohol, auch nicht für Besucher.

    Bei dem Thema Veranstaltungen entscheide ich das immer vorher neu. Wenn ich mich allerdings entscheide, dass ich zu einer Veranstaltung hingehe, dann verheimliche ich dort nicht, dass ich keinen Alkohol trinke. Ich werde auch gar nicht mehr gefragt, weil mein Umfeld es weiß.

    Ich habe es ja nur meiner Familie und meinen engsten Freunden gesagt. Aber inzwischen hat sich das so sehr rumgesprochen, dass mich keiner mehr fragt oder mir unaufgefordert eine Selter in die Hand drückt.


    So, es hat zwar niemanden etwas gebracht, dass ich meine Gedanken diesbezüglich nun aufgeschrieben habe, weil auch weiterhin dieses Thema sehr umstritten sein wird. Aber ich wollte meine Gedanken hierzu trotzdem einmal loswerden. Weil ich denke, dass ich nicht hier bin, um meine Vorgehensweise zu verheimlichen.

    Selena: Ja, die Sache mit dem Freund. Ich sehe es halt auch so, dass er ja nicht wissen kann, wie man sich verhalten sollte. Ich glaube wie gesagt, dass er mich bisher auch nicht so ernst genommen hat. So wie er schon mal aufhören wollte, zu rauchen, wo ich ehrlich gesagt auch gedacht habe "na, mal abwarten...", obwohl er so überzeugt von sich war. So hat er halt auch über mich gedacht. Weil ich es einfach nur erwähnt habe, was mein Vorhaben ist, aber richtig über das Problem gesprochen, haben wir nicht.

    Silvester war ich Nachmittags mit mehreren Leuten zusammen. Ich bin dort hin und hatte ihn vorher noch gebeten, also meinen Kumpel, ob er sich dort ebenfalls noch ein Stündchen blicken lässt. Einfach, weil ich ihn gern noch einmal sehen wollte, ne halbe Stunde klönen. Nicht, um ihm irgendwas zu sagen wegen des Themas, sondern einfach so.
    Er ist dann auch hingekommen und hat dann ja gesehen, dass ich - aus seinen Augen betrachtet "nicht mal an Silvester" - etwas getrunken habe. Er sagte da auch irgendwas in die Richtung "Na mal abwarten..". Ich hab nicht darauf reagiert. Allein das hat ihn stutzig gemacht. Sonst war es immer so, dass ich auch gesagt habe "Ja, aber erstmal...".
    Eine halbe Stunde später zog er mich bei Seite und fragte mich, ob ich wirklich GAR NICHTS mehr trinke. Also nie, auch nicht mal EIN Glas und ob ich wirklich auch zukünftig NIE mehr trinken will oder nur auf Partys nicht, aber zu besonderen Anlässen vielleicht doch. Ich hab gesagt, dass ich das nicht werde. Weder auf Partys, noch auf besonderen Anlässen. Das er ja auch weiß, dass mir das noch nie gut getan hat und dass es in den letzten Jahren aus den Fugen geraten ist und ich mich entschieden habe, ein Leben ohne Trinken zu führen.
    Da war der Zeitpunkt gekommen, wo er meine Ernsthaftigkeit geschnallt hat. Er trinkt wie gesagt selbst gern und ich weiß, dass er es vermutlich schade findet, sein Bier nicht mehr mit mir gemeinsam zu trinken bzw. dass ICH kein Bier trinke. Trotzdem hat er mich nach diesem Gedankenaustausch angesehen und gesagt "Das finde ich gut. Ganz ehrlich jetzt. Ich finde es gut".
    Ich hab mich gefreut darüber und ich weiß, dass er es jetzt auch verstanden hat.

    Du warst damals halt sauer auf Deinen Freund, weil er so wenig Mitgefühl hatte, in Deinen Augen. Aber er wusste es halt nicht besser. Meine Freundinnen trinken auch weiterhin ihren Wein, wenn wir irgendwo auf einem Geburtstag oder so sind. Da ist es dann aber auch meine Entscheidung, ob ich da hin gehe oder eben nicht. Denn ICH habe ja das Problem.
    Anders sieht es aus, wenn ICH mich gezielt mit einer meiner Freundinnen verabrede und sie besuche. Dann wird Kaffee getrunken. Das versteht sich auch für meine Freundinnen völlig von selbst.

    Wenn die Leute zu MIR kommen, gibt es auch keinen Alkohol und das wissen alle. Ich habe heute trotzdem öfter Besuch von meinen Freundinnen zum Klönen, als noch vor 4 Monaten. Weil man mich auch wieder gern besucht. Vorher war ja auch eine Unsicherheit da. Passt es gerade? Hab ich vielleicht was getrunken? Man hat sich Sorgen um mich gemacht und konnte sich vermutlich ehrlich gesagt, teilweise auch nicht mehr so ungezwungen
    mit mir treffen. Meine Freunde freuen sich wie verrückt und trinken gern ihren Kaffee mit mir. Wie gesagt, wenn WIR uns gezielt verabreden.

    Ich würde nicht verlangen, dass sie auf einer Veranstaltung meinetwegen nun Selter trinken. Das ist - zumindest für MICH persönlich - nämlich ein großer Unterschied.

    Wild Rover,
    vielen Dank für Deinen Beitrag, der hat richtig gut getan :)

    Ich habe schon vorher etwas von Dir gelesen und eben habe ich mir noch einmal alle Beiträge durchgelesen. Das Thema, das Du ansprichst, ist ein schwieriges für mich. Aber es ist völlig in Ordnung, ich wird Deine Frage gern beantworten.

    Meine Kinder. Das ist der Bereich, wo ich am meisten Schuldgefühle habe. Ich könnte sofort los heulen, wenn ich daran denke, was ich ihnen über die Jahre zugemutet habe. In dem Moment habe ich es nicht so gesehen. Oder schon gesehen, aber es mir schön geredet. So schlimm ist es ja nicht. Andere trinken schließlich auch mal was. Das müssen Kinder auch mal ab können. Ich tu ja schließlich keinem was. Nur weil ich mal betrunken bin oder halt eingeschlafen bin auf dem Sofa.
    Alles dummes Schön-Gerede. Aber mir blieb in dem Moment ja nichts anderes übrig, weil ich ja meiner Sucht weiter nachgehen wollte/musste.

    Ich kann im Nachhinein sagen, dass ich meinen Kindern ganz Schreckliches damit angetan habe. Ja, sie haben sogar manchmal geweint. "Mama, Du bist schon wieder so komisch".
    Sie wollten nicht mal kurz allein bleiben, wenn ich mal kurz irgendwo hin wollte, zu einem Freund oder so. Heute weiß ich warum. Weil sie Angst haben, ich könnte da Alkohol trinken und "komisch" wieder nach Hause kommen. In den letzten Wochen hat sich das nämlich komplett verändert. Sie haben kein Problem mehr damit, für kurze Zeit allein zu bleiben, wenn ich irgendwo hin fahre. Weil ich ja ganz "normal" wieder nach Hause komme.

    Meine Kinder mussten mich leider öfter schon betrunken erleben. Wie gesagt, ich bin nie ätzend ihnen persönlich gegenüber gewesen. Aber von meinem Verhalten im allgemeinen her, war ich ja ätzend. Betrunken halt. Wie soll man das als Kind schon finden, wenn man betrunken auf dem Sofa einschläft oder einem dabei ein Glas runter fällt oder die Kinder was von einem wollen und man kaum wach wird...

    Ich schäme mich so was von dermaßen, was ich durch diese widerliche Sucht den Kindern angetan habe.

    Nun ja, jedenfalls musste es nicht einmal so ausarten, um die Kinder unglücklich zu machen. Selbst die kleinste Veränderung durch Alkohol fanden die Kinder furchtbar. Ich hab mir natürlich Mühe gegeben, dass die Kinder nichts merken und es ist auch nicht immer so ausgeartet, wie oben beschrieben. Oft habe ich mir abends erst ein Glas Wein eingeschenkt und solange die Kinder wach waren, war ich der Meinung, dass ich noch alles im Griff hatte. Aber das hat schon gereicht. Allein das Überdrehte, wenn ich gerade das erste Glas angefangen hatte, fanden die Kinder fürchterlich. Sie haben SOFORT eine Wesensveränderung wahr genommen und das auch oft gesagt. "Mama, Du bist schon wieder so komisch". Und das zu Zeitpunkten, wo ich wirklich noch gedacht habe "Das kann doch nicht sein, ich hab noch nicht mal mein erstes Glas aus, wie sollen die das denn jetzt merken". Aber sie waren schon so empfindlich bei dem Thema... Ja, ich nannte es EMPFINDLICH für mich, vermutlich, um es mir schön zu reden.

    Dabei waren sie einfach EMPFINDSAM und zwar zu Recht. Ein Kind möchte seine Mutter so, wie sie "gehört". Normal eben. Klar kann man mal sauer sein, mal traurig, mal lustig. Aber die Kinder haben SOFORT gemerkt, wenn ein Gefühl nicht aus Normalität entstanden ist, weil es eben im Alltag gerade so war oder sich so ergeben hat. Sie haben SOFORT gemerkt, wenn es ein "künstlich herbei geführtes" Gefühl durch Alkohol war.

    Während ich das schreibe, muss ich echt heulen. Weil ich mich so schäme und ihnen gegenüber solche wahnsinnigen Schuldgefühle habe. Ich habe auch mit meiner Therapeutin darüber gesprochen. Man kann die Schuld nicht abschütteln, aber man muss sich klar darüber sein, dass man ja jetzt eine Veränderung herbei geführt hat. Schlimm wäre es, wenn der Zustand bleibt. Aber jetzt habe ich etwas verändert und auch DAS merken die Kinder.

    Ich habe auch ganz offen mit meinen Kindern gesprochen. Sie sind zwar noch nicht so alt, aber sie sind alt genug gewesen, zu erkennen, was der Alkohol mit mir macht. Also sind sie meiner Meinung nach auch alt genug, um ihnen zu sagen, warum das so ist.

    Ich habe den Kindern am Tag, als ich beschlossen habe, aufzuhören, das genau so mitgeteilt. Ich habe ihnen gesagt, dass ich von nun an keinen Alkohol mehr trinken werde. Die Kinder haben mich umarmt und waren so was von erleichtert. Da wurde mir nochmal so richtig bewusst, wie sehr das eine Last für sie war. Als ich gesehen habe, wie die Last abgefallen ist. Ich habe Sätze gehört wie "Das war die schönste Entscheidung in meinem Leben". Sprich, MEINE Entscheidung, war die schönste Entscheidung in SEINEM Leben. Das sagt doch eigentlich alles.
    Wie sehr man Verantwortung trägt. Wie wichtig die eigenen Entscheidungen für das Leben der Kinder ist.

    Meine Kinder vertrauen mir wieder. Sie wissen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Sie sehen, dass ich jetzt wieder IMMER normal bin. Ich bin verlässlicher auch in Kleinigkeiten. Ich bin natürlich auch viel glücklicher und auch dann kann man eine bessere Mutter sein.

    Ja, so viel dazu... Ich kann die Vergangenheit nun nicht mehr rückgängig machen und nicht nachträglich verändern. Aber ich kann die Gegenwart und Zukunft beeinflussen und damit hoffentlich wieder ein paar Dinge gut machen.

    Halloooo....

    Ich melde mich auch mal wieder zu Wort. Es geht mir gut. Ich bin total glücklich darüber, Weihnachten trocken erlebt zu haben. Es war so schön wie lange nicht. Ich konnte es richtig genießen, auch die Zeit davor und jetzt danach. Für die Kinder war es toll und für mich auch!!

    Die Gedanken an Alkohol sind nicht oft da. Ich schaffe es immer, sie zügig wieder loszuwerden.

    Körperlich geht es mir ebenfalls so gut, wie schon lange nicht mehr. Ich habe das Gewicht erreicht, was ich schon so viele Jahre haben möchte. Immer ging es ein paar Kilo vor dem Ziel wieder in die falsche Richtung. Jetzt hab ich es endlich geschafft, dank Disziplin (was ich vorher nie genügend hatte) und dank der Lust, mich zu bewegen. Ich fühle mich richtig gut!

    Ich freue mich das erste Mal seit Jahren auf Silvester. Weil es das erste Msl seit ganz langer Zeit ist, dass ich zuversichtlich in die Zukunft schaue.

    Ich wünsche allen einen guten Rutsch!

    Hallo Sven,

    ich habe in Deinem Tagebuch zu dem Thema ausführlicher geantwortet. Hier nur kurz: Du kannst das entsorgen. Und wenn jemand das nächste Mal was möchte, dann sagst Du, dass Du niemanden verbieten möchtest, Alkohol zu trinken. Aber dass Du entschieden hast, dass Du keinen Alkohol mehr in Deinem Leben möchtest und es daher - zumindest in Deinem Zuhause - keinen Alkohol mehr geben wird, weil Du ihn nicht in DEINER Nähe haben möchtest. Ich weiß ja nicht, wie offen Du mit Deiner Krankheit umgehst, aber wenn Du sagst, dass es einfach zu Deinem Entschluss "dazu gehört", dann wird sich wohl kaum jemand beschweren. Und wenn doch, dann hat derjenige auch Dein Problem nicht verstanden.

    Hallo Hull,
    ich denke, mein Kumpel hat mich einfach noch nicht so ernst genommen, weil ich mit ihm auch noch nicht ausführlich gesprochen habe. Meine engsten Leute haben es mit einem einzigen Satz verstanden. Ich habe gesagt, ich möchte nichts mehr trinken und alle waren so glücklich darüber, dass sie alles dafür tun, es mir leichter zu machen und sie sagen mir, wie stolz sie auf mich sind.

    Mein Kumpel denkt wohl einfach nur "ach, die hat erstmal die Nase voll". Liegt aber auch an mir, weil ich mich halt bei ihm noch nicht ausführlich über das Thema ausgelassen habe. Vermutlich weil ich weiß, dass er der einzige von meinen Freunden ist, der es "schade" finden wird, da er selbst viel zu viel und viel zu oft etwas trinkt. Ich falle dann als Gesellschaft für ihn weg quasi. Also eigentlich ja nicht!! Ich treffe mich trotzdem gern mit ihm. Aber ich befürchte, dass es ihm mit den Treffen auf Dauer nicht mehr so viel Spaß machen wird, wie vorher. Wenn man selbst trinkt, ist es ja schon irgendwie "beruhigender", wenn man nicht allein trinkt, sondern sein Gegenüber gleich mit.

    Wir werden sehen, wie es sich entwickelt...

    Hallo Sven,

    ich wollte Dir eben schon bei mir antworten, aber hier passt es jetzt irgendwie gerade besser. Weißt Du, meine Freunde und meine Familie... die spucken auch alle nicht ins Glas.

    Aber ich habe - zumindest den mir wichtigsten Personen - gesagt, dass ich für mich entschieden habe, für den Rest meines Lebens keinen Alkohol mehr zu trinken und damit es mir leichter fällt, gibt es in MEINEM Zuhause keinen Alkohol mehr. Glaub mir, alle engsten Leute wussten schon lange, dass ich ein Problem habe und den Menschen, denen ich wichtig bin, ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen, dass ich nichts mehr trinken möchte.

    Klar gibt es bestimmt auch welche, die es schade finden, weil ich als Saufpartnerin wegfalle. Aber meine besten Freundinnen, meine Schwester, meine Schwiegermutti. Alle trinken sie gern mal einen, aber meine Trockenheit ist ihnen wichtiger, also haben sie sich z. B. an dem Geburtstag meines Sohnes auf MICH eingestellt und ebenfalls nicht nach Alkohol gefragt.

    Wenn wir uns woanders treffen oder irgendwo eine Feier ist, dann ist das etwas vollkommen anderes. Dann trinken sie auch das ein oder andere Glas und das sollen und dürfen sie ja auch. Aber dann liegt es in MEINER Hand, ob ich bleibe oder nicht.

    Wenn ich mich mit einer Freundin treffe, so wie eben, dann trinken wir beide Kaffee. Dann ist es nicht so, dass ich Kaffee trinke und sie ein Glas Wein oder so. Da stellt man sich dann ebenfalls auf mich ein und das finde ich auch gut.

    Aber wie gesagt, heute Abend beispielsweise, da ist ein Weihnachtstreffen mit mehreren Leuten geplant. Ich weiß, dass dann einige Selter trinken und andere vielleicht etwas Wein oder sonst was. Ob ich dann hingehe oder nicht, liegt dann in meiner Entscheidungsmacht. Aber bei MIR in MEINEM Zuhause.... Das ist MEIN Ort und da möchte ich, dass es MIR gut geht. Es hat wirklich jeder kapiert, ohne dass ich es ausgesprochen habe. Es gab einfach nichts. Fertig bums aus :lol: