Guten Morgen,
ich bin heute schon früh wach (wie so oft in der letzten Zeit
) und habe gedacht, ich trinke mal meinen Kaffee hier mit Euch zusammen im Forum 
Der erste Monat nüchtern ist nun fast geschafft und ich kann jetzt schon mit Sicherheit sagen, dass es mir körperlich und seelisch schon Jahre nicht mehr so gut ging. Ich habe das Gefühl befreit zu sein.
Ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, wann ich zu welcher Arbeit arbeiten kann oder ob ich doch eher frei "brauche", weil irgend eine Feier anliegt, auf der es länger gehen könnte. Nein, nicht KÖNNTE, es ging ja immer lange, weil ich ja eh nie den Zeitpunkt erwischt habe, wo man besser Schluss machen sollte....
Ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, ob ich meine Kinder am Wochenende habe oder ob vielleicht jemand organisiert werden muss, der aufpasst, damit ich eben nicht rechtzeitig nach Hause muss.
Ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, ob ich mich auf einer Feier irgendwie so benehmen werde, dass ich mich nächsten Tag schäme (hätte ich mir im übrigen in den letzten Jahren auch keine Gedanken machen müssen, OB ich mich hoffentlich nicht daneben benehme, weil es eh darauf hinaus lief...).
Ich muss mir keine Gedanken mehr machen, wie ich von irgendwo wieder nach Hause komme, am besten noch, wie ich HIN komme, um gar nicht erst ein Auto da zu haben, damit das auch auf keinen Fall benutzt wird.
Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, wo ich meinen Schlüssel verstecke, damit ich zu Hause rein komme, denn irgendetwas mitnehmen war immer schlecht, geht ja auch oft mal verloren, wenn man nicht mehr alle beisammen hat.
Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich am nächsten Tag irgendwelche Verpflichtungen habe, weil es mir ja schlecht gehen wird und ich auf jeden Fall auf dem Sofa meine Zeit verbringen muss.
Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich genügend Wein oder ähnliches zu Hause habe, falls es mir am nächsten Tag so schlecht geht, dass ich lieber etwas davon trinken könnte, um den Kater zu "umgehen" (obwohl man ja in dem Moment schon weiß, dass es sich nur nach hinten verschiebt).
Ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, dass ich mich selbst enttäusche.
Es gibt so viele Dinge, ich könnte ewig weiter schreiben. Aber allein beim Schreiben fällt mir auf, dass ich gar nicht alles aufzählen könnte, worüber ich mir nun KEINE Gedanken mehr machen MUSS. Dieses Wort MUSS.... Ja, so ist es wirklich, man MUSSTE sich über dieses alles Gedanken machen, um noch irgendwie zu funktionieren. Dieses MUSS ist nun weg, dieser Druck ist weg. Das erleichtert mich so sehr, dass ich das gar nicht richtig beschreiben kann.
Ich habe nach dieser kurzen Zeit auch schon unglaublich an Selbstbewusstsein gewonnen, ich hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Ich bin immer sehr offen, direkt und frech. So kennen und mögen mich alle schon immer. In den letzten Jahren fiel es mir aber immer schwerer. Wenn ich auf dem Weg zu einem Treffen mit mehreren Leuten war, dann wurde ich immer unsicher. So unsicher, dass ich dann in letzter Zeit oftmals schon vor diesen Treffen ein "Sektchen" getrunken habe. Je längere Zeit ich das gemacht habe, umso seltener blieb es dann bei dem einen "Sektchen". Das wiederum machte mich zwar lockerer, aber dennoch auf andere Weise unsicher: Riecht das jemand, dass Du schon etwas getrunken hast? Bloß nichts anmerken lassen, dass man irgendwie schon "gut drauf" ist. Es ist total der Teufelskreis. Man trinkt vorher was, damit man nicht mehr so unsicher ist und dann wird man erst recht unsicher, eben WEIL man sich so schlecht vorkommt, dass man vor lauter Unsicherheit schon was trinken musste (MUSS... da ist es wieder. dieses Wort). Es war zum Schluss ja schon so, dass selbst wenn ich komplett ohne Alkohol irgendwo hingefahren bin, also gar nichts getrunken hatte, nicht einen Schluck und völlig nüchtern irgendwo hin bin, dass ich dann schon mich selbst gebremst habe mit meiner lockeren, lustigen Art, damit eben nicht jemand denken KÖNNTE, dass ich schon etwas getrunken habe, obwohl das nicht mal der Fall war. Es ging nur noch darum...
Das Alles ist jetzt weg. Wenn ich jetzt auf dem Weg zu einem Treffen bin, wo mehrere Leute sind, dann bin ich entspannter. Ich fühle mich gut. Ich fühle mich nicht mehr so, als ob ich etwas verheimlichen MUSS. Meine Freunde wissen schließlich, auf welchem Weg ich mich befinde. Sie sind alle stolz auf mich und zeigen/sagen mir das auch. Das muss ich an dieser Stelle auch ehrlich sagen, dass es deshalb vielleicht auch so schnell geht, dass ich mich selbstbewusster fühle. Mir wird von meinen engsten Leuten gesagt, dass sie stolz auf mich sind und sich so sehr freuen und das ist natürlich Balsam für die Seele, da wird man gleich einen Meter größer, als man sich ohnehin schon fühlt 
Es gibt einfach kein Geheimnis mehr zwischen uns in unserer Freundschaft. Das ist es, was mich wieder so unbeschwert werden lässt, wie ich einmal früher war. Und das macht einfach Spaß, es ist wieder schön.
So wie ich es hier schon oft gelesen habe, dass viele es zum Sport zieht, wenn sie nichts mehr trinken, so ist es auch bei mir. Ich mochte immer gern Sport, jedenfalls HINTERHER, wenn ich mich aufgerafft hatte. Das war aber nachher nicht mehr der Fall. Wenn ich denn nichts getrunken hatte und es mir körperlich "gut" ging (das ging es mir im Vergleich zu jetzt aber gar nicht), selbst dann mochte ich lieber auf dem Sofa liegen und für mich sein. Allein die Hürde ins Fitnessstudio reinzukommen, ohne eine Freundin im Schlepptau, war für mich eine Zeit lang der reinste Horror. Warum eigentlich? Das alles hatte ich eigentlich schon immer. Diese Hemmungen, dieses Gefühl im Mittelpunkt nicht zu mögen (als ob man im Mittelpunkt steht, nur weil man ein Fitnessstudio betritt
).
Dabei bin ich - wenn ich erst einmal in einer Situation bin und die Unsicherheit - weg ist, öfter mal im Mittelpunkt, aufgrund meines losen Mundwerkes. In dem Moment finde ich es dann auch nicht mehr schlimm, wenn man in einer lockeren Situation ist und man merkt, es ist alles gut. Aber der Weg dort hin!! Der Weg zu den Treffen hin, wo man auf Leute trifft. Oder der Weg ins Fitnessstudio, wo man ja jemanden treffen könnte, den man kennt. Warum DAS mir immer wieder Probleme bereitet hat, ich weiß es nicht...
Es ist jetzt nicht komplett weg, aber so deutlich besser, dass es fast nicht mehr der Rede wert ist. Wie gesagt, es erstaunt mich, dass es schon nach so kurzer Zeit der Fall ist. Ich habe keine Angst, mich jetzt spontan ins Auto zu setzen und zum Sport zu fahren. Ich hab auch keine Angst, vor den Gesprächen in der Gruppe, wenn sie demnächst stattfinden. Ich habe einfach ein riesiges Stück Selbstwertgefühl wieder aufgesammelt. Das macht mich im Moment völlig glücklich.
Dadurch, dass ich jetzt wieder Sport mache, fühle ich mich natürlich auch körperlich wieder besser und wie das so ist, wenn man Sport macht, achtet man auch gleichzeitig mehr auf seine Ernährung. Das wiederum macht sich natürlich auch auf der Waage bemerkbar und überhaupt, es fühlt sich alles besser an.
Die Albträume sind auch weniger geworden. Sie kommen immer mal wieder vor, das wird bestimmt auch so bleiben. Aber es ist nicht mehr jede Nacht und dadurch schlafe ich wieder besser.
So, das war jetzt ganz schön viel. Mehr, als ich eigentlich schreiben wollte. Mein Kaffee ist jedenfalls schon längst ausgetrunken 
Ich wünsche allen ein schönes Wochenende