Beiträge von Cadda

    Hallo Seeblick,

    das mit dem Brief an sich selbst und diesen nach nach einem Jahr öffnen: Das finde ich eine richtig gute Idee! Hab ich so noch nie gehört. War bestimmt interessant für Dich selbst.

    Kleiner Tip: Kaufe Dir ein kleines Büchlein und schreibe dort alles auf, was Du noch erledigen möchtest. Mach ich schon seit Jahren. Dadurch hat man nie das Gefühl, man könne etwas vergessen. Man kann immer mal drauf schauen und erledigen, was einem am Wichtigsten erscheint. Alles Andere kann warten, aber man hat es erstmal aus dem Kopf, weil man es ja auf dem Zettel hat :)

    LG Cadda

    Da stimme ich Linde zu. WENN ihr gern gehen möchtet, dann geht ihr und fertig. Es gibt genügend Gründe, gehen zu können. Würde ich hier auch machen, wenn es mich nerven würde.

    Ich sehe allerdings einen deutlichen Unterschied zu meiner Situation. Bei uns ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass ICH diejenige bin, die runter geht, nie anders herum. Seit dem meine Schwiegermutter weiß, dass ich keinen Alkohol trinke (was sie bewundert und total toll findet), überlässt sie komplett mir, ob ich Kontakt möchte oder nicht. Auch unabhängig vom Trinken. Es ist immer so, dass wir runtergehen, wenn uns danach ist. Wenn uns nicht danach ist, sehen wir sie auch manchmal Tage lang kaum. Was aber so gut wie nie vorkommt, weil ich sie wie gesagt sehr schätze und sie eine meiner engsten Vertrauten ist. Ich werde aber mit einem angetrunkenen Verhalten auch nicht konfrontiert im Alltag, da es wie gesagt wenn nur abends ist und da gehen wir nicht runter und fertig.

    Wenn Deine Kinder sich allerdings Sorgen machen, dass die Oma sich tot säuft, dann hat das schon ganz schöne Ausmaße angenommen und ich würde den Gedanken an eine Änderung der Wohnsituation definitiv nicht aus den Augen lassen.

    Und nochmal: Allein dadurch, dass Du Dich hier angemeldet hast, wird deutlich, dass Dein Leidensdruck schon sehr hoch ist. Wozu also nicht "einfach" mal Nägel mit Köpfen machen? :)

    Guten Morgen,

    an Deiner Geschichte kann man anhand der Reaktionen sehen, wie unterschiedlich sie wahrgenommen wird. Es gibt offensichtlich Leute in Deinem Umfeld, die das Ganze gar nicht so wild finden und für die ein Auszug nicht gerechtfertigt wäre, wenn ansonsten alles stimmt. Hier lese ich von Linde und vor allem von Sunshine nun die komplett andere Richtung. Jeder sagt bzw. schreibt es so, wie er persönlich es empfinden würde und gibt dann entsprechenden Rat.

    Ich scheine da offensichtlich auch anders zu empfinden, als manche hier. Das fällt mir nicht nur hier in diesem Tagebuch auf, sondern auch in einem anderen Tagebuch, wo es darum geht, dass der Opa trinkt, der ein paar Mal im Jahr besucht wird. Auch da habe ich es als nicht "so dramatisch" empfunden. Hier bei Dir... da bin ich mir noch nicht so sicher :)

    Es ist nämlich immer gefährlich, die Dinge, in denen man nicht selbst steckt "als nicht so dramatisch" zu sehen. Es kommt eben nur darauf an, wie DU sie empfindest. Fakt ist: Du leidest darunter so sehr, dass Du Dich hier angemeldet hast. Also ist DEIN Leidensdruck offensichtlich groß genug.

    Ob der Leidensdruck Deiner Kinder groß ist oder ob er überhaupt da ist, das können wir hier überhaupt gar nicht beurteilen.

    Was ich jedoch denke ist, dass Kinder nicht auf die schiefe Bahn geraten, weil ein- oder zwei Personen in der Familie es falsch vorleben. Da bin ich ganz bei Deinem Mann :)

    Kinder werden mit so vielen Dingen im Leben konfrontiert. Mit Menschen, die nicht richtig ticken. Ob aggressiv, Alkoholiker oder sonst was. Wichtig ist, dass man mit ihnen REDET. Ihnen erklärt, wie es richtig ist und die Beispiele eben als das zu sehen, was sie sind, nämlich: Dass man es SO eben nicht richtig macht.

    Ich beziehe es mal auf meine Situation: Ich lebe in dem selben Haus meiner Schwiegermutter. Das hier ist ein riesiges Haus mit vielen Wohnungen, ich habe eine Wohnung hier, wie jeder andere in diesem Haus auch, was bedeutet, wir haben keinen gemeinsamen Eingang. Allerdings haben wir ein sehr herzliches Verhältnis zueinander, ich kenne sie seit meiner Kindheit und gehe seit dem in ihrem Zuhause ein- und aus. Jedenfalls trinkt sie auch sehr gern. Nicht täglich und auch nicht immer ohne Ende, aber eben viel. Deshalb hab ich früher auch immer gern hier mal angehalten, als ich noch nicht in diesem Haus gewohnt habe. Zum Feiern war hier immer Besuch und man konnte sich ganz wunderbar einreihen.

    Nun sind die Umstände ja komplett anders, dadurch, dass ich selbst trocken bin seit vier Jahren. Unser Verhältnis hat sich nicht verändert, wir haben uns lieb und sie ist immer für mich da (was ich gerade nach dem Tod meiner eigenen Mutter sehr schätze). Aber: Ich bin abends nicht mehr bei ihr, wenn sie Besuch hat oder auch allein ihr "Gläschen Wein" (wie niedlich) trinkt.

    Ich gehe fast jeden Morgen zum Kaffee runter, wir erzählen uns alles (ja, wirklich alles) und ich helfe ihr sehr viel, sie hat mir früher mit den Kindern auch oft geholfen, wenn ich arbeiten musste. Abends aber, wenn ich höre, dass die Musik lauter ist oder wenn ich höre, wie es unten lauter wird, bekommt sie mich nicht mehr zu Gesicht. Ich halte mich von dem komplett fern und das geht aufgrund der Wohnsituation auch. Nun weiß ich nicht, wie das bei Euch ist.

    Worauf ich aber hinaus wollte: Mit meinen Kindern rede ich total offen. Wenn die feststellen "Was hat Oma denn da unten schon wieder zu feiern", dann entgegne ich auch "Gar nichts, ihr wisst ja, dass sie leider zu viel trinkt". Wenn dann wirklich mal eine Familienfeier ist und sie wird dann sehr laut und jaaaaa, sie wird auch peinlich manchmal. Dann finden meine Kinder das nervig, aber das wars dann auch schon. Ich hab sie allerdings dann auch abends mal gefragt "Was sagt ihr denn zum Verhalten von Oma?". Tja, sie entgegnen dann im Grunde genommen das, was ich ihnen vermittele. "Sie trinkt zu viel und wenn ich später mal Alkohol trinken sollte, möchte ich mich nie so peinlich benehmen".

    Zu Zeiten, wo ich selbst noch getrunken hätte, da hätte ich das Verhalten meinen Kindern gegenüber verharmlost. Nach dem Motto "So ist das nun mal, wenn man feiert". DAS wäre fatal gewesen, wenn das so weiter gelaufen wäre. DANN hätten meine Kinder so ein Verhalten als normal beigebracht bekommen. Aber doch nicht, wenn ich ihnen klipp und klar sage, SO IST ES FALSCH und es anders vormache.

    Nun kommt das hier aber auch alle paar Wochen mal vor, dass wir es am Rande mitbekommen. Ansonsten läuft das hier normal ab. Wenn ich aber alle paar Tage direkt damit konfroniert werden würde, weil wir uns aufgrund der Wohnsituation eben NICHT aus dem Weg gehen könnten, dann hätte ich da absolut keine Lust drauf.

    Nun weiß ich ja nicht, wie das bei Dir ist. Deshalb muss das einfach echt jeder für sich ganz allein sehen, ob er mit der Situation zurecht kommt. Ob es für die Kinder eine Belastung ist. Reden ist einfach das Wichtigste und eine Entscheidung treffen. Denn so ein Hin- und Her Gefühlszustand geht ja an die Nieren.

    LG Cadda

    Hallo Sporty, ich sage Dir aus eigener Erfahrung dazu:

    Ich glaube Dir Deiner Mutter aufs Wort, dass sie unter keinen Umständen möchte, dass das noch einmal vorkommt. Sie wird ganz, ganz sicher alles dafür tun, dass sie sich zukünftig zusammenreißt oder weniger trinkt.

    Problem: Wenn ein Alkoholiker das könnte, wäre er kein Alkoholiker....

    Ich habe Jahre lang versucht, gehofft, versprochen... und ich meinte es zu 10000 Prozent ehrlich. Aber es funktioniert nicht. Zumindest nicht auf Dauer.

    Dennoch finde ich es sehr gut, dass ihr mit offenen Karten gespielt habt und das Thema direkt angesprochen habt. So ist Deine Mutter gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

    LG Cadda

    Hallo und herzlich Willkommen bei uns :)

    Ich falle direkt mal mit einer Frage ins Haus: Was denkst Du denn, wen Du in einer Gruppe für Alkoholiker oder Co-Abhängige treffen könntest? :)

    Wenn Du dort Jemanden triffst, dann hat Der- oder Diejenige definitiv ein Problem. Und zwar das gleiche Problem wie Du.

    Es sei denn, die Einrichtung lässt die Putzfrau durch die Räume gleiten, während ihr Euch dort unterhaltet.

    Verstehe mich nicht falsch. Natürlich ist das nicht vergleichbar, als wenn Du jemanden im Schwimmbad triffst. Aber die erste Frage, die ich Dir oben gestellt habe, die hat mir sofort geholfen, meine Scheu abzulegen. Vielleicht hilft Dir die Sichtweise ja auch :)

    Hallo MeaCulpa,

    Du hast ja bestimmt auch meine Ausführungen im Tagebuch von Hanseat gelesen. Das hier ist allerdings ein Beispiel, wo ich die "Veranstaltung" tatsächlich in eine Saufveranstaltung eingestuft hätte. Klar habt ihr auch Kisten geschleppt, weil umgezogen wurde. Aber im Großen und Ganzen wäre das eine Sache gewesen, wo ich mich nicht wohl gefühlt hätte und auch direkt wieder abgedampft wäre, als die Kisten an ihrem Platz waren. Vielleicht noch 3, 4 Sätze und ne Bratwurst zwischen die Zähne und dann Abmarsch. Aber mit den saufenden Leuten noch loszufahren und den Stoff damit so dich an sich heranzulassen, das war nicht so schlau, aber das weißt Du selbst auch ganz genau, glaube ich :)

    Ich hab es in der Anfangszeit auch mal gemacht. Kam mir völlig bekloppt vor und hab mir geschworen, das mach ich nicht wieder. Ich kutschiere auch keine Leute hin und her. Nur weil ich nüchtern bin, steht auf meiner Stirn noch lange nicht das Wort "Taxi".

    Was ich allerdings gut finde ist, dass Du grundsätzlich mit offenen Karten spielst.

    Ich glaube, Dir wird allerdings eh von ganz allein mit der Zeit die Lust auf solche Dinge vergehen. Sieht man ja schon an dem Beispiel mit Deinem Kumpel. Früher zu Saufzeiten war es Dir egal, ob er seine Frau betrügt. Inzwischen nervt es Dich. Wird vermutlich nicht mehr lange dauern, bis Du Deinem Kumpel sagst, dass er Dich gern aus seinen Fremdgeh-Aktionen raushalten darf. Richtig wäre es jedenfalls, ihn in die Schranken zu verweisen. Aber auch das weißt Du selbst ganz genau :)

    LG Cadda

    Warum greifen denn langjährige Trocknen plötzlich wieder zur Flasche?

    Das ist eine gute Frage. Lag es tatsächlich daran, dass sie in dem Moment die Gelegenheit hatten, weil sie sich gerade auf einer Veranstaltung, Geburtstag oder ähnlichem befunden haben? Oder doch eher daran, dass sie im Kopf eh schon auf dem falschen Weg waren und sich vielleicht schon längere Zeit eingeredet haben, dass es nach so langer Trockenheit vielleicht funktionieren könnte, wieder "normal" zu trinken? Wenn nicht die vollständige Akzeptanz da ist, dass ich mein Leben lang nicht mehr trinken werde, dann kann ich tatsächlich nirgendwo hingehen. Denn wenn ich eh nicht zufrieden trocken bin, dann wird mir vermutlich genau so ein Besuch einer Veranstaltung zum Verhängnis werden. Das denke ich auch.

    Wenn ich aber zufrieden trocken bin und für mich völlig klar ist, dass ich nie wieder normal trinken können werde und das inzwischen auch gar nicht mehr möchte, weil der Wunsch gar nicht mehr da ist... Wird mir dann so ein Geburtstag zum Verhängnis? Oder könnte mir da genau so gut auch zum Verhängnis werden, dass ich mich zu Hause einsam fühle und lieber unter Leuten wäre?

    Ich möchte nochmal betonen, dass es hierbei nicht um reine Saufveranstaltungen geht. Das versteht sich von selbst.

    Ich möchte hier überhaupt nicht gegen die guten und richtigen Ratschläge gegenan argumentieren. Und gerade in der Anfangszeit ist es wohl tatsächlich auch extrem wichtig, sich erstmal selbst zu festigen.

    Bloß denke ich, dass es ganz grundlegend auf meine innere Einstellung und meine innere Zufriedenheit oder eben Unzufriedenheit ankommt, wie ich dem Thema gegenüberstehen kann.

    LG Cadda

    Hallo zusammen,

    ich finde, es kommt auch ein wenig auf den Anlass oder die Veranstaltung an, ob ich mich dort hinbegebe oder nicht. Klar, in der ersten Zeit sollte man das komplett nachlassen, um sich selbst zu festigen. Aber sich einsam fühlen, das ist auch nicht wirklich hilfreich beim nüchtern bleiben. Ich sehe es z. B. als riesen großen Unterschied, ob ich auf eine reine Saufveranstaltung gehe, z. B. eine Zeltparty oder was auch immer oder ob ich auf ein Klassentreffen oder so etwas in der Art gehe. Ich finde es wichtig, für sich abzuschätzen, was mich dort wohl erwartet. Wenn ich mir im Vorwege schon ausmalen kann, dass da der Alkohol im Vordergrund steht, dann kann ich mir das sparen. Das kann ich mir dann auch nach ein paar Jahren sparen, nicht nur in der Anfangszeit. Wenn es aber überwiegend darum geht, sich mit netten Menschen zu umgeben, wo der Alkohol wenn überhaupt Nebensache ist, dann ist das für mich ein positives Erlebnis und macht mich zufrieden, anstatt Suchtdruck auszulösen.

    Beispiel neulich, ein Betriebsfest in meiner Firma. Geht schon Nachmittags los, es war ein Essensstand dort, wir haben draussen gesessen oder gestanden, es wurde sich unterhalten, Spiele gespielt, mein Chef hat einen Vortrag gehalten, der spannend war und zu dem Fragen gestellt werden konnten. Wir haben uns total super unterhalten und viel gelacht. Obwohl wir viele waren, war da nicht einer der besoffen war und es gab etliche, wirklich etliche Leute, die gar nichts getrunken haben. Ich wusste vorher, dass es so ablaufen wird.

    In der Firma eines guten Freundes von mir ist das total anders abgelaufen. Da haben sich die meisten Leute so richtig abgeschossen. Er wusste vorher, dass es so ablaufen wird.

    Dort wäre ich nicht hingegangen, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. Also wenn es in meiner Firma so ablaufen würde.

    Wichtig ist einfach, sich wirklich Gedanken zu machen und genau in sich hinein zu horchen. Noch wichtiger, mit offenen Karten zu spielen. Beides hast Du, Hanseat, getan. Von daher finde ich es nachvollziehbar und ich hätte es vermutlich auch so gemacht. Auch wenn ich weiß, dass die Meinungen hier auseinander gehen, muss ich das mal ehrlich so sagen :)

    LG Cadda

    Meine Kinder waren damals in dem Alter, wie von Dir beschrieben, als sie miterleben mussten, wie ICH selbst öfter mal so drauf war, wie von Dir beschrieben. Die haben - wie sich hinterher in Gesprächen herausstellte - schon sehr, sehr früh geschnallt, dass es am Alkohol lag und wer alt genug ist, den Zustand zu wahrzunehmen, der ist auch alt genug, zumindest gesagt zu bekommen "Es gibt Menschen, die leider krank vom Alkohol werden und die benehmen sich dann so, weil sie viel zu viel getrunken haben. Das ist leider ganz schön traurig und nicht normal."

    Ich finde, das kann man immer mit auf den Weg geben. Wenn Kinder dann älter sind, kann man ja auch immer noch weiter ausholen.

    Dass Dich das runterzieht, das verstehe ich total. Aber leider kannst Du - wie Du ja selbst auch schon gesagt hast - ihr nicht helfen :(

    Mich würde das aber auch traurig machen. Gerade wenn es die eigene Familie betrifft, dann leidet man irgendwie ja doch mit. Abgrenzung wäre da natürlich am wichtigsten, aber das ist leichter gesagt, als getan.

    Cadda

    Hallo Sporty,

    ich kann verstehen, dass Dir das peinlich war und Du Dir Gedanken wegen Deiner Kinder machst. Was ich Dir raten würde ist, mit den Kindern darüber zu reden. Eine Person in meiner Familie trinkt auch recht viel. Meine Kinder merken das. Ich sage ihnen dann, dass das so nicht richtig ist. Dass wir aber daran nichts ändern können und es ihre Entscheidung ist. Aber dass es eben nicht "normal" ist. Gut, das wissen meine Kinder schon deshalb, weil sie ja meine Geschichte kennen und miterlebt haben. Aber wenn man einfach in ein paar Sätzen mal die Sache anspricht, kann das auf jeden Fall nicht schaden, sie ein bisschen mehr auf den Boden der Realität zu bringen. Dass es eben nicht so witzig ist, wie es in dem Moment vielleicht scheint, sondern eigentlich eine ganz traurige Sache ist.

    LG Cadda

    Hallo Hoffnung,

    Du hast in dem Thread von Hanseat Einiges geschrieben von Dir, das gehört besser hier in Dein eigenes Tagebuch.

    Mal abgesehen davon, dass Dich die Vergangenheit noch sehr beschäftigt, was ich total verstehen kann… wie geht es Dir was Deine Abstinenz betrifft?

    LG Cadda

    Dieses "zwischen den Stühlen hängen" hatte ich allerdings nur anfangs. Ich hab aufgehört zu trinken, aber dadurch hatte sich mein Umfeld ja noch nicht sofort geändert. Ich hab mich erstmal neu sortieren müssen. Wo gehöre ich noch hin, wo nicht? Welche Menschen passen noch zu mir, welche nicht? Das habe ich aber relativ zeitig für mich herausgefunden.

    Cadda

    Hallo nochmal,

    das Gefühl, dass ich "endlich wieder ich selbst" bin, seit dem ich nicht mehr trinke.... das habe ich, weil ich - bevor es mit meiner Alkoholsucht so richtig bergab ging - nicht unzufrieden mit meinem Charakter und meinen Eigenschaften war. Durch das Trinken habe ich mich sehr verändert und war einfach nicht mehr in der Lage, richtig zu funktionieren. Wenn ich nüchtern war, dann habe ich genau so vernünftig getickt, wie ich einfach innerlich war. Durch die Abstürze habe ich aber Dinge getan, die überhaupt nicht zu mir passten.

    Ein Beispiel: Als mein Kleiner seinen ersten Schultag hatte, da habe ich es gerade mal eben so geschafft, morgens aufzustehen, ihm seine Sachen zu packen, bei ihm zu sein und ihn zum Bus zu schicken. Er hat es vielleicht gar nicht als schlimm empfunden an dem Morgen, dass ich ihn an der Haustür verabschiedet habe. Mir bricht es jetzt beim Schreiben noch das Herz, weil ICH eigentlich nicht so bin. ICH bin und WAR auch damals schon so vom Charakter her, dass ich das Bedürfnis gehabt hätte, meinen Sohn zur Bushaltestelle zu bringen, um diesen ersten Schultag vernünftig, verantwortungsvoll und liebevoll über die Bühne zu bekommen. Es ging aber nicht. Ich war noch betrunken vom Vortag und ich habe mir dann schön geredet, dass er ja seinen großen Bruder dabei hat. Fanden einige sogar auch wirklich so. ICH aber nicht. Ich bin mir selbst nicht gerecht geworden.

    Seit dem ich nicht mehr saufe, sind solche Dinge für mich wieder machbar und dadurch habe ich das Gefühl, dass ich "endlich wieder ich selbst" sein kann.

    Das mal als Beispiel...

    LG Cadda

    Ich finde es gut, dass Du diesen Weg gehen willst, Strubly. Manchmal gibt es Situationen, wo es nicht anders geht und genau dafür ist das Sozialamt da. Niemand sollte im Leid weiterleben müssen, weil die finanziellen Möglichkeiten nichts anderes zulassen.

    LG Cadda

    Hallo Hanseat,

    ich weiß ziemlich genau, wie Du Dich fühlst. Mir ging es am Anfang hier ähnlich, wenn ich mal irgendwo gewesen bin und hier die Warnungen gelesen habe, die ich - genau so wie Du - durchaus ernst genommen habe. Ich fühlte mich sicher, weil ich mit offenen Karten gespielt habe bei wirklich Jedem. Ich habe nie eine Ausrede gehabt, sondern immer gesagt, dass ich Alkoholikerin bin und nun nichts mehr trinke.

    Die Gedanken kreisten aber tatsächlich dadurch manchmal etwas mehr um das Thema, als ich wollte, gerade ein paar Tage danach, das stimmt schon. Ich bin aber auch einfach sehr gern unter Leuten. Damals noch mehr, als heute. Inzwischen schaue ich genau, WAS für eine Veranstaltung das ist und was genau mich erwartet. Es ist gut, dass Du genau auf Dich achtest. Das Gefühl habe ich bei Dir zumindest.

    In der Anfangszeit hängt man irgendwie oftmals zwischen den Stühlen. So ging es mir jedenfalls und das habe ich auch bei Anderen gelesen. Es ist ja nun mal nicht so, dass von heute auf morgen ein anderes Umfeld parat ist. Da muss man ja auch irgendwie hinkommen.

    Pass aber bitte weiter auf Dich auf.

    LG Cadda

    Guten Morgen.

    Letztendlich ist es ja ersteinmal gut, dass er nach dem körperlichen Entzug nicht schnell wieder "der Alte" ist. Denn dann würde es sich ja immer und immer wieder im Kreis drehen.

    Wenn Dein Mann für sich und allein trocken werden möchte, sind das ja im Grunde genommen die besten Voraussetzungen, dass er es auch schafft. Denn für jemand Anderen trocken werden, das funktioniert nicht.

    Ich verstehe natürlich auch, dass Du in der Sache nicht ausgeschlossen werden möchtest, weil es Dich natürlich in gewisser Weise mit betrifft. Was genau stellst Du Dir denn vor, wie Du ihm beistehen könntest?

    Es ist ja sehr gut, dass Du mit den Kindern allein klar kommst. Da lass ihn mal schön beleidigt sein. Es ist nämlich wichtig, dass Du mit den Kindern allein und gut zurecht kommst, denn Du solltest Dich ja irgendwie aus der Co.-Abhängigkeit verabschieden.

    Wie genau stellst Du Dir denn vor, ihm zu helfen?

    Falls Du Dich gern austauschen möchtest, kannst Du Dich gern für den offenen Bereich hier im Forum bewerben:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    LG Cadda

    Hallo Strubly,

    ich kann nur immer wiederholen, dass eine veränderte Wohnsituation so viel positives mit sich bringt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man sich "verschlechtert". Ich bin von einem großen Haus in eine wirklich kleine, aber gemütliche Wohnung gezogen. Nachdem der Liebeskummer vorüber war, ging es mir einfach nur noch gut. Klar hatte das vor allen Dingen auch mit meiner eigenen Trockenheit zu tun, aber natürlich auch mit der verkorksten Beziehung. Bevor Du selbst kaputt gehst, solltest Du in Liebe loslassen.

    LG Cadda