Hallo Pepi,
ich finde es klasse, wie Du schreibst. Du bist ehrlich Dir selbst gegenüber und diese Selbstreflektierung wird Dir sehr helfen. Du hast es schon mal von Anfang an richtig gemacht. Du hast Dich Deinem Freund anvertraut und bist zum Arzt und hast Dich nun hier angemeldet. Du siehst es selbst kritisch, das mit Deiner Arbeit, auch wenn Du momentan einfach nun mal in dieser Lage steckst.
Mich erinnert Deine Geschichte sehr an meine Geschichte. Ich habe auch so lange Zeit getrunken, auch heimlich. Später nicht mehr, als ich einen Partner hatte, der ebenfalls trank. Aber dieses unkontrollierte Trinken, so dass man gemerkt hat, dass ich betrunken bin. Dann dieses Schämen über die Tatsache, dass Alle bemerkt haben, was los ist. Und diese Scham hält man nicht aus, so dass man wieder und wieder trinkt. Im Grunde genommen war das bei mir der Teufelskreis. Ich war auf Partys so betrunken, weil ich grundsätzlich abgestürzt bin. Das wiederum hat dazu geführt, dass mir das vor dem nächsten Weggehen so peinlich war, dass ich vorher schon was trinken musste, weil es dann alles nur noch halb so schlimm und halb so peinlich war. Dieses vorher trinken hat dann aber wiederum dazu geführt, dass ich auf dieser Feier wieder abgestürzt bin. Ein absolut beschi...... Teufelskreis.
Pepi, hier wirst Du vermutlich nicht zu hören bekommen, dass Deine Arbeit mit der Abstinenz zusammenpassen wird auf Dauer. Das hast Du aber ja schon selbst im Hinterkopf. Kümmere Dich nun erst einmal um die Schritte, die Du bereits eingeleitet hast und vielleicht bekommt Du es ja langfristig gesehen hin, Dich umzuorientieren? Wie gesagt, finde ich am Wichtigsten, dass Du Dir selbst bereits Gedanken zu all dem machst.
Bei mir war es übrigens auch ein ähnlicher Tiefpunkt, wie bei Dir. Alle haben es mitbekommen, mein Ex-Mann (Vater meiner Kinder) hat mir nach meinem letzten Absturz noch einmal so richtig die Meinung gegeigt und am nächsten Tag habe ich mich ausgenüchtert und seit dem keinen Tropfen mehr angerührt. Ich habe am nächsten Tag eine lange whats app Nachricht verfasst, in der ich meine Entscheidung, dass ich zukünftig nichts mehr trinken möchte, all meinen Lieben um mich herum mitgeteilt. Ich bin von da an offen damit umgegangen. Das hat mir persönlich sehr geholfen, es war ein Schutz für mich.
Ich habe mich unglaublich erleichtert gefühlt, weil ich wusste, das war es jetzt. Vielleicht geht es Dir auch so. Halte daran fest!
Das Gefühl, dass man verzichtet, verändert sich übrigens. Ich habe inzwischen überhaupt keinen Verzicht-Gedanken mehr. Ich bin einfach nur froh, dass ich frei bin. Die Festplatte wird neu bespielt. Es wird von Zeit zu Zeit immer normaler, dass man einfach nichts mehr trinkt. Hab keine Angst davor, es lohnt sich so sehr!
LG Cadda