Beiträge von bere

    Hallo Hull,

    Ich denke, ich war nicht zu ertragen. Ich war ständig extrem gereizt. Ich hab einen Sohn und ihn bin ich oft ohne Grund einfach angefahren. Ich bin jetzt viel entspannter und gelassener. Unser Leben ist harmonischer.

    @ Carl Friedrich ich habe das mehr als auf dem Schirm. Ich assoziiere diese Flaschen nicht mit Bier, das hab ich noch nie gern getrunken. Ich meide für mich einfach Weingläser. Ich habe einmal eine Schorle aus einem Weinglas getrunken und gemerkt, dass ich das nicht kann, nicht bereit dafür bin. Dieses Glas hat nicht den Drang zum Trinken ausgelöst, es fühlte sich nur merkwürdig an.

    LG Berit

    Hallo Carl Friedrich,

    Ich habe da auch nur meine Anfangszeit beschrieben. Freunde, denen ich es nicht gleich auf die Nase gebunden haben, waren verwirrt, so kannten sie mich ja nicht.
    Meine Familie und auch mein Freundeskreis mussten sich an diese Situation auch erst einmal gewöhnen und werde ich jetzt zu einer Feier geladen, wird nur noch gefragt, Fassbrause oder Tomaten Gemüse Saft :)
    Ohne dieses Umfeld, wäre ich jetzt nicht da, wo ich gerade stehe.

    Liebe Grüße Berit

    Noch vor 1 Jahr dachte ich, nur den Alkohol weglassen reicht, ich weiß mittlerweile, dass das nicht ausreicht. Ich habe danach wieder meine Psychologin aufgesucht, wo ich auch immer noch in Therapie bin und auch irgendwie gern hingehe. Da erfolgte anfangs die ganze Aufarbeitung, das war nicht einfach.
    Dann kam allmählich der Alltag zurück und da hatte ich zu kämpfen, wie verhalte ich mich denn bei Stress oder Ärger. Früher war das ganz einfach. Aber auch das habe ich bewältigt. Vieles habe ich dem familiären Rückhalt zu verdanken und ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Ich habe eine wunderbare Frau an meiner Seite, die mich stärkt, auffängt, wenn mal ein kleines Tief kommt. Die mir zu liebe ebenfalls nichts mehr trinkt, nicht weil ich das wollte, aber sie hat das für sich entschieden. Und Das hilft mir mehr, als sie sich vorstellen kann.
    An meine Grenzen bin ich nocheinmal bei ganz normalen alltäglichen Situationen gestoßen, womit stößt man denn an? Ständig wurde ich gefragt, was du trinkst nicht mehr? In der heutigen Gesellschaft ist Alkohol so stark verankert, dass man echt "out" ist, wenn man nein sagt.
    Aber auch mein Freundeskreis hat damit gelernt umzugehen. Ohne diese Unterstützung wäre ich sicher nicht da, wo ich jetzt bin. Denn ein junger Mann aus der Klinik, nicht älter als ich, war zum 7. Mal dort, er hatte diesen Rückhalt nicht, bis heute nicht, wir stehen noch in Kontakt.
    Und das was wohl niemand nachvollziehen kann, werde ich täglich auf Arbeit mit diesem Thema konfrontiert, aber ich hatte noch nie soviel Freude an einer Tätigkeit.

    Wie das klingt, herzlichen Glückwunsch zum 1. trockenen Jahr.
    Ich hatte heute früh auch eine schöne Nachricht, du bist eine Superheldin, aber genau da frage ich mich, ich hab es doch soweit kommen lassen.
    Aber ich habe den Absprung geschafft. Ich weiß, dass nicht jeder so einen Rückhalt hat wie ich, dafür bin ich mehr wie dankbar. Aber dieser Tag ist gerade echt hart für mich, habe mir extra frei genommen, um einzig und allein nur für mich zu sein.

    Hallo ihr Lieben,

    Nun habe ich es geschafft, heute vor 1 Jahr bin ich freiwillig in die Klinik. Dieser Tag begann schon recht früh, denn ich musste ja meinen Pegel halten, ohne Alkohol im Blut ging schon eine Weile nicht mehr. Da saß ich nun früh um 7 und hatte einfach nur Angst, Angst vor dem, was mich erwarten wird. Vor meinem letzten Glas Wein sitzend dachte ich nun, wie wird das ohne sein? Schaffe ich das überhaupt? Aber der Wille war da und so verabschiedete ich mich vom letzten Glas mit den Worten, du kannst mich mal. Ich wartete nun auf meinen Fahrer und dachte mir für mich, diesen Anblick muss ich festhalten, also zückte ich mein Handy und machte ein Video, einmal konnte ich es mir bis jetzt ansehen. Es war erschreckend zu sehen. Aufgedunsen, schlechte Haut, einfach nur fürchterlich.
    Dann klingelte es und ich dachte, scheiße ich will das nicht. An die Fahrt dorthin kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Dann kam die Schwelle der Kliniktür und drin war ich. Die ganze Aufnahme fühlte sich wie Stunden an. Ich sollte die Telefonnummer für den Notfall angeben, ich hab es vor lauter zittern nicht geschafft in meinem Handy zu gucken, es ging einfach nicht. Auf Station dann irgendwann angekommen musste ich pusten und das war für mich das einschneidenste Erlebnis. Es war um 9 und ich hatte 2,6 Promille. Angekommen im Zimmer wurde nun auch noch meine Tasche kontrolliert, das wusste ich ja nicht. Ich dachte nur, kein Parfüm? Ach du grüne Neune. Dann war mein Handy auch weg und das Elend nahm seinen Lauf. Medikamente gab es noch nicht, der Pegel musste ja erst runter. Ich habe gekotzt, geschwitzt und das roch so widerlich. Ich habe Doppelbilder gesehen, konnte nicht schlafen, nichts essen.
    Aber dann nach 3 Tagen war ich an einem Punkt, wo ich gemerkt habe , hey es geht doch. Und dieses Gefühl war so unglaublich schön. Die Tage vergingen, ich unterhielt mich mit anderen Kranken und diese Lebensgeschichten machten mich zum Teil echt sprachlos, da wusste ich, eigentlich bin ich selber noch recht gut dran.
    Und nun sitze ich hier, 1 Jahr später. Mit Tränen in den Augen, denn das alles so Revue passieren zu lassen, stimmt mich ein wenig sentimental. Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Das Leben ist so viel schöner.
    Nun habt einen kurzen Einblick von meinem stationären Aufenthalt, wer mehr über das neue Leben danach wissen möchte, fragt einfach. Ich bin da ganz offen und ehrlich.
    Es tat gut, diese Zeilen zu schreiben, denn ihr wisst ja, 1 Jahr ist noch nichts, aber ein Anfang!