Beiträge von Carmen

    Hallo Cadda,

    als ich vor gut 10 Jahren merkte, dass ich etwas gegen meinen exzessiven Alkoholkonsum unternehmen muss, war ich rückblickend gesehen schon längst abhängig, konnte es mir selbst aber nicht eingestehen, wollte es nicht wahrhaben. Seinerzeit besuchte ich auch das erste Mal eine Selbsthilfegruppe der AAs, aber den Satz ,,Ich bin Alkoholikerin" brachte ich einfach nicht über die Lippen.

    Es war zu dem Zeitpunkt aber wirklich so, dass ich mich nicht als Alkoholikerin sah, sondern nur als jemand, der aufgrund psychischer Probleme zuviel trinkt und es mit viel Disziplin wieder selbst in den Griff bekommt. Was tat ich also? Ich setzte mir feste Trinkzeiten, hielt mich mit größter Anstrengung an eine bestimmte Trinkmenge ( klappte meistens nicht und wenn, dann nur über einen kurzen Zeitraum), legte Trinkpausen ein usw. ; doch was passierte? Die Sucht wurde immer schlimmer, die Trinkmengen immer höher und der Trinkstart immer früher, bis ich dann irgendwann schon morgens trank.

    Soviel zu Disziplin und Willenskraft bei der Alkoholkrankheit. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man diese Eigenschaften besitzt, aber kontrolliertes Trinken ist für einen Alkoholiker auch mit der größten Willenskraft und Disziplin nicht mehr möglich - nur die Stilllegung durch strikte Abstinenz und dabei sind die oben genannten Eigenschaften mit Sicherheit nützlich.

    Warum es dann Leute gibt, die täglich trinken und trotzdem nicht abhängig werden, begreife ich auch nicht. Ohne negativen Folgen und Leidensdruck hört wahrscheinlich kaum jemand auf zu trinken - aber gibt es überhaupt Süchtige, die weder einen gewissen Leidensdruck noch negative Auswirkungen aufgrund ihres Alkoholkonsums haben? Das wird wohl nur im frühen Stadium der Sucht so sein und da unternimmt man ja meist noch nichts.

    LG
    Carmen

    Danke für Eure Antworten!

    Ich kann das Kapitel "Trinkertypen " jetzt für mich schließen, denn es ist müßig, sich darüber weiter den Kopf zu zerbrechen. Ein Gedanke weniger - Sehr gut!

    Ich wusste garnicht, dass sich hier soviele Jungfrauen rumtreiben. :D Jetzt brauch ich nur noch Euren Aszendenten; den könnt ihr mir in mein TB schreiben. :wink:

    LG
    Carmen

    Hallo Hartmut,

    danke für Deine Sichtweise.
    Ich wünschte, ich könnte auch etwas pragmatischer sein und nicht alles analysieren und verstehen wollen. Das würde einiges leichter machen.


    Viel wichtiger ist es mal zu erkunden. Was machen eigene Erkenntnisse aus solchen Fragen für mich? Suche ich eventuell insgeheim doch noch einen Weg kein Alkoholiker zu sein oder suche ich für mich ein Schlupfloch aus der Krankheit?

    Wenn, dann arbeitet da unterbewusst mein Suchtgedächtnis. Das ich Alkoholikerin bin, weiß ich und steht für mich außer Frage.

    LG
    Carmen

    Hallo liebe Mitglieder,

    in den letzten Tagen habe ich wieder viel über die Alkoholsucht gelesen und bin dabei immer wieder auf die Klassifizierung der 5 Alkoholiker-Typen gestoßen. Ich kann mich zum Beispiel in keine der Typen zu 100% einordnen, sondern bin wahrscheinlich am ehesten eine Mischung aus Gamma und Epsilon.

    Ich frage mich, warum es verschiedene Trinkertypen gibt. Ist es Zufall oder hat es etwas mit der Persönlichkeitsstruktur, dem Impulsivitätslevel etc. zu tun? Haben bestimmte Typen eine bessere Prognose? Warum gibt es hochfunktionale Alkoholiker und dann wieder welche, die wie ich, im Suff garnichts mehr auf die Reihe kriegen?

    Vielleicht ist diese Frage auch nicht wichtig und viele sagen jetzt: Alkoholiker ist Alkoholiker. Aber warum dann diese verschiedenen Typen? Macht es überhaupt Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen? Mich lässt diese Frage nicht mehr los, darum bin ich gespannt, ob ihr eine Meinung oder Erklärung habt.

    LG
    Carmen

    Hallo Penta,

    danke für Deinen Beitrag und Deine Erfahrungen.


    Das hört sich für mich sehr nach Druck und Kampf an. In früheren Posts von dir las ich auch davon, dass du kämpfen willst.

    Ja, das hast Du richtig rausgehört. Ich mache mir generell zuviel Druck und werde ungeduldig, wenn nicht schnell Veränderungen eintreffen.Das zieht sich bei mir durch alle Lebensbereiche und diese zwei Punkte sind eine der Hauptauslöser für meine vielen Rückfälle.


    Mein Rezept war, mir immer wieder die Vorzüge eines trockenen Lebens bewusst zu machen und vor allem echte Veränderungen in meinem Alltag herbeizuführen

    Das ist ein guter Plan und ich hoffe, dass ich diesen nun langfristig mit Geduld und Ausdauer umsetzen werde.

    LG
    Carmen

    Hallo Cadda,

    ich finde Deinen Beitrag sehr gut. Nein, wir können nicht entspannt ein Glas in der Sonne genießen und dann aufhören. Es endet im elenden Suff. In den ganzen Jahren ist es mir nur mit größter Anstrengung wenige Male gelungen, kontrolliert zu trinken. Aber davon hatte ich ja garnichts, weil es mir noch nie um den Genuss, sondern immer um den Vollrausch ging.

    Im offenen Bereich ist es im Vergleich zum geschlossenen tatsächlich ziemlich ruhig. Es wäre schön, wenn auch da wieder etwas mehr geschrieben würde.

    LG
    Carmen

    Ich hatte vergangenen Freitag leider einen eintägigen Rückfall, Vorfall, wie auch immer man das nach drei Monaten Abstinenz nennen mag, den ich zum Glück stoppen konnte. Nun fange ich wieder von vorne an und bin seit Samstag, dem 6.6. ,wieder nüchtern.Wie kam es dazu, was lief falsch? Ich habe die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht und es noch nicht einmal bemerkt. Ich wollte wieder alle Baustellen ( keinen Job mehr, keinen Führerschein mehr, kaputte Beziehung( alles übrigens wegen der Sauferei)) und andere Probleme auf einmal gelöst haben und war damit so überfordert, dass ich nicht mehr wusste wo mir der Kopf steht und womit ich beginnen soll.
    Resultat: Ich tat garnichts mehr, verfiel in Selbstmitleid, negatives Denken und hatte wieder Zukunft- und Versagensängste. Der Rückfall am Freitag war kein Kurzschluss, sondern hat sich über mehrere Wochen aufgebaut. Ich wusste ganz genau, was ich tat, als ich mir den Alkohol kaufte, versuchte aber garnicht mehr gegenzusteuern, weil ich keinen Sinn mehr in meinem Leben sah, nicht an mich glaubte und einfach aus der Realität fliehen wollte.

    Schon beim Einkauf fühlte ich mich schlecht und kann im Nachhinein sagen, dass der Abend, wie erwartet, furchtbar verlief.Da war nichts mit Euphorie oder angenehmen Rausch, es war ein elendes Besäufnis bis zur Besinnungslosigkeit.Ich wachte am nächsten Morgen mit noch schlimmeren Depressionen und Ängsten auf,hatte wieder Erinnerungslücken, fühlte mich körperlich und psyschich so elend, Scham- und Schuldgefühle überkamen mich, die ganze Palette halt.
    Die Mitglieder im geschlossenen Bereich haben mich sehr gut aufgefangen und somit konnte ich wieder aufhören.

    Ich bin natürlich geknickt, dass ich es nicht geschafft habe, abstinent zu bleiben, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen, sondern werde jetzt noch mehr auf mich achten und nicht mehr die gleichen Fehler, wie in den letzten drei Monaten begehen. Ich bin dankbar, dass ich nicht weitergesoffen und den Absprung geschafft habe, sonst könnte ich hier gerade nicht nüchtern schreiben, sondern würde betäubt und unzurechnungsfähig dahinvegetieren. Ich wünsche mir so sehr, dass ich trocken werde. Die Alkoholkrankheit zerstört einfach alles. Ich muss sie endgültig stoppen. Also beginne ich nun wieder von vorne.

    Liebe S.,

    vielen Dank für Deine lieben Worte!

    Ich freue mich so sehr für Dich, dass Dir meine Schilderungen und Gedankengänge helfen, alles etwas besser zu verstehen und zu verarbeiten. Es erfordert viel Mut sich mit sich und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und es ist stark von Dir, dass Du Dich nun auf diese Reise begeben hast.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf Deinem Weg!

    LG
    Carmen

    Hallo Barthell,

    das klingt sehr gut und interessant für mich. Wie heisst denn die App oder habe ich was überlesen? :)
    Abstinenz-App oder Begleit-App?
    Würde sie mir gerne runterladen.

    LG
    Carmen

    Hallo Nobby,

    danke für Deine Erfahrungen und die Tipps. Wenn ich wie gestern in so einem heftigen Anfall von Suchtdruck stecke, vergesse ich schon mal schnell, dass es auch noch andere Menschen gibt, denen es genauso geht oder ging wie mir. Dieser Tunneblick lässt einen dann ganz schön verzweifeln und man fühlt sich so hoffnungslos und allein.


    Aber diese Situationen ordnete ich dann permanent zum Krankheitsverlauf ein. Trocken leben bedeutet ja nicht, keine krankheitsbedingten Symptome mehr zu haben.

    Diese Aussage hier finde ich ganz wichtig und hilfreich. Zu oft vergesse ich noch, dass ich krank bin und die Symptome nichts mit Willensschwäche oder einer falschen Einstellung zu tun haben. Ich weiß, dass ich krank bin, ja, aber in Ausnahmesituationen wie gestern zweifle ich dann immer noch zu sehr an meiner Stärke, frage mich, ob und was ich falsch mache, dass ich schon wieder so zu kämpfen habe, fange an mich mit anderen Alkoholikern zu vergleichen, die nicht so schlimmen Suchtdruck haben usw..
    Diese Herangehensweise ist aber total kontraproduktiv. Vielleicht wären Deine zwei Sätze etwas, dass ich mir an den Kühlschrank hängen sollte. :)

    Danke für Deine Offenheit und den Zuspruch!

    Hallo Carl Friedrich,

    leider leidet meine Ernährung seit meiner Abstinenz und ich esse ziemlich ungesund. Zu Saufzeiten hab ich mich viel gesünder und disziplinierter ernährt, weil ich mir dann einreden konnte, dass ich ja neben der ganzen Trinkerei wenigstens in diesem Punkt auf mich achte.
    Ich bin aber zuversichtlich, dass es mir bald wieder gelingt, mich gesünder zu ernähren. Bei Suchtdruck trinke ich übrigens auch lieber Wasser mit Kohlensäure.

    LG
    Carmen

    Guten Morgen,

    gestern gegen 17 Uhr bekam ich plötzlich heftigen Suchtdruck ohne einen erkennbaren Auslöser. Er war einfach von null auf hundert da und hielt ganze 4 ! Stunden an. Ich versuchte mich mit allem möglichen abzulenken, aber ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren, die Gedanken kreisten permanent um Alkohol. Ich sah mich schon bildlich zur Tankstelle laufen. Dann loggte ich mich hier ins Forum ein, schrieb mir alles von der Seele, ich war so verzweifelt, dass die Tränen flossen. Das Schreiben schaffte mir schon ein wenig Erleichterung, aber der Druck hielt weiter an.

    Also ging ich gegen 20 Uhr mit meinem Hund anderthalb Stunden spazieren, ohne Geld und so, dass ich an keiner Tankstelle oder Kiosk vorbeikomme ( denn da hätte ich zur Not auch noch aufschreiben lassen können). Der Suchtdruck hielt noch über eine Stunde auf dem Spaziergang an und ich fragte mich, wie ich es nur schaffen soll, wenn nicht bald Besserung eintritt. Ich wusste, dass er irgendwann nachlassen wird, aber in dem Moment ist man einfach verzweifelt.Ich hielt mir immer wieder vor Augen, wie erbärmlich und elend das Ganze enden würde, wenn ich jetzt trinke und das ich da nie wieder hin will. Auf den letzten 20 Minuten ließ der Druck nach und als ich gegen 21 Uhr 30 zu Hause ankam war der "Anfall" vorbei.

    Ich las dann noch den restlichen Abend hier im Forum in den Tagebüchern der anderen Mitglieder und ging gegen 00 Uhr erschöpft ins Bett. Ich bin am Dienstag seit drei Monaten abstinent und der gestrige Suchtdrucksanfall hat mir wieder gezeigt, dass ich noch ganz am Anfang stehe. Bei mir hält der Suchtdruck oft sehr lange an; gestern waren es 4 Stunden! Da beneide ich manchmal die Leute, bei denen der Druck nur eine halbe Stunde anhält oder noch weniger. Aber auch diese vier Höllenstunden habe ich überstanden. Es ist zu schaffen und es geht vorbei.

    LG
    Carmen

    Hallo Thomas,

    ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen.
    Hast Du mal eine Pro-und Contraliste bezüglich Deiner Beziehung gemacht? Sowas kann manchmal helfen, das Ganze etwas objektiver zu betrachten und man sieht genauer,wo man steht. Es würde mich nicht wundern, wenn die Contraliste wesentlich länger wird.
    Das Herz lässt einen oft nicht mehr klar denken. Auch ich musste schon eine Beziehung aus Vernunft beenden, obwohl ich den Mann noch sehr liebte. Darum weiß ich, wie schwer das für Dich ist, aber manchmal hat man keine andere Wahl.

    LG
    Carmen


    . Ich glaube die "Schnappstränen" kennt jeder hier.

    Das ist perfekt getroffen. Ich hatte im Suff regelrechte Heulanfälle und Weinkrämpfe, die eindeutig vom Alkohol ausgelöst wurden. Nüchtern würde ich emotional niemals so zusammenbrechen. Da müsste schon was ganz Schlimmes passieren. Darum sollte man sich die Tränen eines Betrunken nicht allzu sehr zu Herzen nehmen, da alle Emotionen durch den Alkohol massiv verstärkt werden.

    LG
    Carmen

    Hallo Toivo,

    danke, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst. Es ist garnicht so einfach die Vergangenheit aufzuschreiben; ich habe das auch vor kurzem gemacht und musste zwischendurch immer mal wieder eine Pause machen, weil doch einiges hochkam,was ich all die Jahre verdrängt hatte, aber es war trotzdem gut und mir etwas gebracht.
    Deine Geschichte ist sehr hart und bewegend.

    LG
    Carmen

    Guten Morgen Thomas,

    das klingt leider alles nicht gut. Solange deine Freundin noch alles schönredet und überspielt, wird sich auch nichts ändern.
    Trocken zu werden und dann auch zu bleiben, ist harte Arbeit und nicht mal nebenbei oder halbherzig zu erledigen. Alkoholismus ist eine sehr schwere Krankheit und es braucht mehrere Jahre um eine stabile Trockenheit zu erreichen. Viele Angehörige denken ja, dass der Partner nach ein paar Monaten “geheilt“ und alles wieder gut ist. So ist das aber nicht. Die Alkoholsucht bleibt ein Leben lang, sie kann nur durch strikte Abstinenz zum Stillstand gebracht werden,ist aber nicht heilbar. Außerdem ist die Rückfallquote sehr hoch. Sei Dir dessen bitte bewusst, denn selbst wenn deine Freundin irgendwann ernsthaft trocken werden will, ist das noch keine Garantie für eine rosige Zukunft.
    Aber sie ist ja noch nicht einmal an dem Punkt, mit dem Trinken endgültig aufzuhören zu wollen,angekommen. Darum würde ich an deiner Stelle versuchen wieder mehr alleine zu unternehmen und dich mehr abzugrenzen. Es ist schwer, ja, aber so wie es jetzt ist, geht es auch nicht weiter. Je mehr du wieder für dich tust, umso mehr Abstand bekommst du zu der Sache. Du hast Mitleid mit deiner Freundin, aber hat sie denn auch Mitleid mit Dir? Viele Menschen hatten eine schlimme Kindheit, aber das Mitleid bringt nichts und wird dich am Ende mit zerstören. Es klingt hart, ja, aber Du wirst mit deiner Freundin untergehen, wenn du das noch alle weiter stillschweigend duldest. Du kannst sie nicht retten.

    LG
    Carmen