Hallo Cadda,
als ich vor gut 10 Jahren merkte, dass ich etwas gegen meinen exzessiven Alkoholkonsum unternehmen muss, war ich rückblickend gesehen schon längst abhängig, konnte es mir selbst aber nicht eingestehen, wollte es nicht wahrhaben. Seinerzeit besuchte ich auch das erste Mal eine Selbsthilfegruppe der AAs, aber den Satz ,,Ich bin Alkoholikerin" brachte ich einfach nicht über die Lippen.
Es war zu dem Zeitpunkt aber wirklich so, dass ich mich nicht als Alkoholikerin sah, sondern nur als jemand, der aufgrund psychischer Probleme zuviel trinkt und es mit viel Disziplin wieder selbst in den Griff bekommt. Was tat ich also? Ich setzte mir feste Trinkzeiten, hielt mich mit größter Anstrengung an eine bestimmte Trinkmenge ( klappte meistens nicht und wenn, dann nur über einen kurzen Zeitraum), legte Trinkpausen ein usw. ; doch was passierte? Die Sucht wurde immer schlimmer, die Trinkmengen immer höher und der Trinkstart immer früher, bis ich dann irgendwann schon morgens trank.
Soviel zu Disziplin und Willenskraft bei der Alkoholkrankheit. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man diese Eigenschaften besitzt, aber kontrolliertes Trinken ist für einen Alkoholiker auch mit der größten Willenskraft und Disziplin nicht mehr möglich - nur die Stilllegung durch strikte Abstinenz und dabei sind die oben genannten Eigenschaften mit Sicherheit nützlich.
Warum es dann Leute gibt, die täglich trinken und trotzdem nicht abhängig werden, begreife ich auch nicht. Ohne negativen Folgen und Leidensdruck hört wahrscheinlich kaum jemand auf zu trinken - aber gibt es überhaupt Süchtige, die weder einen gewissen Leidensdruck noch negative Auswirkungen aufgrund ihres Alkoholkonsums haben? Das wird wohl nur im frühen Stadium der Sucht so sein und da unternimmt man ja meist noch nichts.
LG
Carmen