Erst mal vielen herzlichen Dank für den warmen Empfang hier.
esgehtanders, Whitewolf: Ich hoffe, dass es sehr bald los geht. Ich warte noch auf die Zusage zur Kostenübernahme durch die BfA. Bis die da ist, geh ich ab kommendem Montag wieder ins Büro.
Ich freue mich, dass ich hier ein Internet-Forum gefunden habe, wo ich mich mit Gleichgesinnten austauschen kann.
An meinem Entlassungstag vergangenen Mittwoch habe ich gleich abends eine Selbsthilfegruppe im Nachbarort besucht. Mein erster Eindruck war sehr positiv und ich werde auch weiterhin dort hingehen.
Hier mein Suchtbericht (für die, die es interessiert... 8)) :
Beginn des Konsums:
Im Alter von 15 Jahren wurde ich von einem älteren Bekannten zum ersten Mal auf eine Party mitgenommen. Dort trank ich 3-4 0,33l-Flaschen Bier. Den Rest des Abends verbrachte ich überwiegend auf der Toilette, da ich mich mehrmals erbrechen musste.
Bis zum nächsten Alkoholkonsum vergingen mehrere Monate.
Bis ca. zum 20. Lebensjahr trank ich nur sehr sporadisch (meist bei Dorffesten, Weihnachtsfeiern, o.ä.) und dann moderat.
Danach wurde es schon regelmäßiger, z.B. 2-3 Biere/Schorle wöchentlich nach dem Schwimm-Training mit den Vereinskameraden.
Weiteres Konsumverhalten:
Bis ca. zum 40. Lebensjahr verlief eine Periode eines relativ konstant bleibenden Konsumverhaltens: Jeden 2. bis 3. Abend ein Bier oder Schorle und am Wochenende (Fr./Sa.) jeweils 3-4 Biere oder Schorle.
Ab ca. 40 habe ich dann schon täglich mein „Feierabendweizenbier“ getrunken (manchmal auch zwei). Dieser Konsum erfolgte jedoch ohne „Zwang“, d.h. es gab keine äußerlichen Beweggründe, wie z.B. Probleme im Beruf oder in der Partnerschaft/Familie oder Frustration.
Vor ca. 2 Jahren bemerkte ich, dass ich immer öfter (offensichtlich grundlos, s.o.) bedrückt war und eine innere Unruhe verspürte. Ich merkte natürlich auch sehr schnell, dass sich diese Gefühle mit dem Genuss von Alkohol dämpfen lassen oder ganz verschwinden.
Mir wurde aber auch schnell klar, dass die Gefahr in eine Abhängigkeit zu geraten immer größer wurde. Anfang Januar 2004 machte ich dann während des Weihnachtsurlaubs einen kalten Entzug. Danach war ich bis Mai 2004 trocken. Ich war sicher, dass ich jetzt wieder „fit“ genug wäre, um wieder etwas zu trinken. Natürlich unter der Prämisse nur wenig und kontrolliert zu trinken. Anfangs klappte das auch, aber die Bedrückungen und Unruhen ließen die Dosen doch wieder steigen.
Nach Recherchen im Internet kam ich zu der Erkenntnis, dass ich evtl. unter Depressionen leiden könnte. Daraufhin konsultierte ich einen Psychiater (Ende 2004), der dies dann auch tatsächlich diagnostizierte. Von ihm bekam ich Antidepressiva verschrieben, die ich seither einnehme. Ab da fühlte ich mich dann auch erheblich besser.
Das Jahr 2005 verlief dann relativ „reibungslos“. Ich trank täglich mein „Feierabendbier“ und am Wochenende 3 oder 4.
Ab Anfang 2006 erhöhte sich der Konsum jedoch wieder (schleichend). Da ich sehr selten in Kneipen/Gaststätten gehe, trank ich meistens daheim (bis ca. Mitte 2006 jeden Abend 3-4 Biere und am Wochenende ca. 5-6 Biere am Abend).
Dann kam der Tag, an dem ich mich morgens unwohl fühlte, und auf die Idee kam, das Unwohlsein mit einer halben Flasche Bier zu bekämpfen, was auch hervorragend klappte. Nach ca. 2 Wochen kam wieder so ein Morgen, an dem ich wieder gleich verfuhr. Die Zeitabstände zwischen den Tagen, an denen ich mich morgens unwohl fühlte wurden natürlich immer kleiner. Ich bekam dann auch Probleme mit dem Schlafen. Das Einschlafen klappte nach den „Feierabendbieren“ meistens problemlos, aber nach 2-3 Stunden Schlaf wachte ich auf und konnte erst nach dem Trinken einer halben Flasche Bier wieder weiter schlafen.
Anfang Oktober war ich mit meinem Partner im Urlaub. Er „erwischte“ mich beim nächtlichen Trinken, worauf ich dann meinen 2. kalten Entzug im Urlaub machte. Diesmal hielt es nur bis nach dem Urlaub. Dann fing ich wieder an zu trinken und war dann soweit, dass ich abends 5-6 Biere getrunken habe, in der Nacht 1 ½ Flaschen und morgens noch eine Flasche, um auch schon auftretende Entzugserscheinungen (leichtes Zittern der Hände, Schwitzen) zu bekämpfen. Am Schluss habe ich mir sogar schon 3 Mal in der Mittagspause an der Tankstelle eine Büchse Bier geholt.
Am 23.11.06 ließ ich mich von meinem Hausarzt krankschreiben, um einen weiteren kalten Entzug zu hause zu machen. Am 24.11.06 war mir aber schon klar, dass ich es alleine nicht schaffen würde und ließ mich daher von meinem Hausarzt am 25.11.06 nach Weinsberg/Weißenhof zu einer 21-tägigen Entgiftung einweisen. Große Unterstützung erfuhr ich dabei von meinem Partner, meinen Eltern und meiner Schwester.