Beiträge von Hanseat

    Ich hab jetzt lange überlegt, und ich denke, die Antwort ist: Nein, das kann ich nicht. Es war mein 937. Totalabsturz (ich hab sie natürlich nie gezählt, aber es waren hunderte), und ich hatte einfach keinen Bock mehr, in den Spiegel zu gucken und auszusehen wie Nick Nolte bei der Festnahme nach einer Trunkenheitsfahrt.

    Vor diesem Versuch, nüchtern zu bleiben, war ich 10 Wochen oder so nüchtern, ich weiß es nicht mehr genau, jedenfalls auch eine längere Zeit. Dann kam die Todesnachricht meiner Ex, die mich etwas aus der Bahn geworfen hat. Und ich dachte mir: Wenn du so weitermachst, kannst du dich in ein paar Monaten gleich neben sie legen. Das wollte ich nicht.

    Morgen sind wieder Fahrstunden, da freu ich mich drauf. 🚗 🚙 👮

    Hi Sonne, nenn mich lieber Hanseat, das mit dem Max war nur so eine Schnaps-, äh, Saftidee von mir, als ich mich hier neu angemeldet habe. Ja, seit ich nüchtern bin, hat sich sehr viel für mich zum Besseren verändert. In der Zeit davor habe ich immer mit dem Hintern alles wieder eingerissen, was ich mir vorher mühsam mit den Händen aufgebaut hatte. Jetzt habe ich endlich mal wieder das Gefühl, daß ich mich weiterentwickele. Das ist unbezahlbar.

    Wenn ich so rückblickend auf die letzten acht Monate gucke, dann war es eigentlich einfach, auf Alkohol zu verzichten. Es gab zum Anfang so zwei, drei Momente, wo es wirklich kritisch war, wo ich mich zusammenreißen mußte. Irgendwann wurde es zur Gewohnheit, nüchtern zu sein, und ich wollte nicht mehr drauf verzichten. Ich frage mich, warum ich mich nicht schon viel früher vom Alkohol verabschiedet habe, wenn es doch eigentlich gar nicht so schwer war. Aber ich hatte wohl meinen Tiefpunkt noch nicht erreicht bis zum letzten Juli, wo ich wieder mal in einem Berg aus Müll aufgewacht bin, nicht wissend, welcher Wochentag ist und ob ich meine Arbeit überhaupt noch habe.

    Letzte Woche habe ich mich bei dem Gedanken ertappt: Mensch, jetzt ein kühles Bier, das wär's doch. Aber es war wie so häufig: Ich hatte mich den ganzen Tag nur von Kaffee und Zigaretten ernährt und deshalb ein riesiges Loch im Magen. Kurz was gegessen und ordentlich Wasser getrunken, und dann war auch alles wieder chico. Ein Therapeut, selber trocken, meinte mal zu mir: Den Wunsch nach einem Bier gestatte ich mir, nur trinken will ich das Zeug nicht mehr.

    Ja, es war denn doch alles mit der richtigen Überzeugung erstaunlich einfach. Das liegt bestimmt auch daran, daß ich jetzt einfach viel ausgeglichener und zufriedener bin als vorher. Finanziell geht's mir übrigens auch besser.

    Hoffen wir, daß es so bleibt. Ich werde wachsam bleiben.

    Ich bin ja beruflich eigentlich sehr technik- und elektronikaffin, aber zuhause übertreibe ich es nicht mit den Geräten. Weniger ist mehr. Ein Tablet oder ein Notebook sucht man bei mir vergebens, ich habe nur einen PC, an dem ich selber rumbastle und den ich auch für die Arbeit nutze. Alexa-Wanzengedöns kommt mir nicht ins Haus, meine Espresso-Ausrüstung ist noch schönste italienische 60er-Jahre-Technik, und ich habe tatsächlich auch eine Waschmaschine von Miele ohne Mäusekino und großes Schickimicki. Die zeigt die Restlaufzeit an, der Rest ist alles mechanisch.

    Autofahren war erstmal sehr ungewohnt. Die erste halbe Stunde habe ich gebraucht, um mich mit dem Auto zurechtzufinden, und ansonsten habe ich mich nach 18 Jahren wirklich sehr unsicher gefühlt. Aktuell ist auf Hamburgs Straßen tatsächlich wenig los, was an Homeoffice und den Spritpreisen liegen könnte. Sprit muß ich ja nicht bezahlen, hehe. Aber ich bin etwas unglücklich darüber, den Führerschein in einer Großstadt zu machen, das ist natürlich ein etwas höherer Schwierigkeitsgrad.

    Ich bin 18 Jahre nicht gefahren und da natürlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Ich bin ja auch immer nur so selbstlackierte Schrabbelautos gefahren, billig gekauft mit 2 Jahren TÜV, und dann ab dafür. Meine letzte Karre hatte immerhin schon Servo-Lenkung, ABS und Airbag, das sind ja auch sinnvolle Neuerungen, aber von dieser Flut an Technik fühle ich mich auch eher eingezwängt und abgelenkt.

    Immerhin mache ich jetzt noch die Prüfung mit Schaltgetriebe, das wird in naher Zukunft wohl auch ganz passé sein, und es steht ein Antriebswechsel an, wie er nur alle 100 Jahre mal vorkommt. Zeiten ändern sich ... Ich hab ja nicht vor, ein Auto zu kaufen, das würde ich nur aus beruflichen Gründen tun, aber wenn ich einen I3 oder sowas miete, dann muß ich ja mit dem neuen Zeugs irgendwie klarkommen, da ist es schon gut, daß ich jetzt mit einem modernen Auto lerne. Und man muß immer vor der Fahrt auf "Eco" drücken, sonst kann der Prüfer einen wegen Umweltverschmutzung gleich durchfallen lassen. Sachen gibt's ...

    Ja, es ist viel Elektroniktüdelüt in den neuen Autos, das war für mich auch sehr ungewohnt. Man macht die Tür leicht auf, dann kann man das Lenkrad einrasten. Was hat die Tür mit dem Lenkrad zu tun? Steht man im Leerlauf an der Ampel, geht der Motor aus für eine Greta-Thunberg-Gedenkminute. Alles so neumodisches Zeugs, an das ich mich erst noch gewöhnen muß.

    Diese neuen Autoschlüssel funktionieren ja auch, wenn sie gar nicht im Wagen sind. Das ist meinem Schwager mal passiert: Er ist losgedüst, als der Schlüssel in der Garage lag, und im nächsten Dorf kam er dann plötzlich nicht mehr weiter. Hat halt auch alles seine Nachteile ...

    Heute acht Monate nüchtern. Kinders, wie die Zeit vergeht. Endlich habe ich mal das Gefühl, diese Zeit für mich genutzt und nicht nur verplempert zu haben, das ist gut für die Seele.

    Ich schreibe das nicht, um nach Komplimenten zu fischen, ich freue mich einfach. Ganz besonders Hartmut bitte ich, von einer Reaktion abzusehen. :mrgreen:

    Glückwunsch zu sieben Monaten, Estenbol. Das ist schade, daß die Depressionen geblieben sind. Bei mir sind sie, von wenigen melancholischen Phasen abgesehen, tatsächlich verschwunden. Aber die gute Nachricht ist: Jetzt, wo Du nüchtern bist, können die Therapeuten endlich ihre Arbeit machen. Saufen und Therapie schließen sich gegenseitig aus. Ich wünsche Dir viel Erfolg!

    So, ich lebe noch. Aber die meiste Zeit habe ich auf den Tacho geguckt, um bloß nicht zu schnell zu fahren, da kommt man ja gar nicht dazu, den Verkehr zu beobachten. Hab auch prompt ein paar Tempo-30-Schilder nicht gesehen.

    Dann bei 30 in den dritten Gang schalten, bei 50 in den vierten, also, so bin ich noch nie Auto gefahren. Dann ständig in den Spiegel gucken, umsehen, damit es dem Prüfer gefällt, die Hände bei neun und drei Uhr -- wer hält denn ein Lenkrad so?

    Es liegt noch etwas Arbeit vor mir ...

    Ach so, und es gibt keine Zündschlösser mehr. Die wurden offenbar abgeschafft.

    Ich bin ganz aufgeregt, heute habe ich meine ersten zwei Fahrstunden. Achtzehn Jahre nicht am Steuer gesessen, und dann gleich Großstadtterror. Wollen wir mal gucken, wie ich mich schlage. Ich glaube, wo das Lenkrad und die Pedale sitzen, das weiß ich noch ...

    Es geht voran im Leben, das freut mich.

    An LustForLife: Ich war Keyboarder in einer Funkband. Aber ich fand mich selbst nicht besonders gut, ich habe wohl auch zuwenig geübt. Ansonsten kann ich ein bißchen am Klavier klimpern. Es reicht, um eine Frau romantisch zu beeindrucken ...

    Jeder weiß und merkt ja selbst, was ihn triggert. Ich trinke Apfelsaft und Traubensaft als Schorle, obwohl ich weiß, daß da Alkohol drin ist. Balsamico-Essig kommt auch manchmal ins Salatdressing, aber selten und nicht regelmäßig. Beim TK-Hühnerfrikassee guck ich gar nicht erst nach, was da in der Soße ist. Da schmeckt ja nichts nach Wein. Es gibt ein Recht auf Nichtwissen. :saint: Wenn das Essen nach Alkohol schmeckt, lasse ich es stehen.

    Dann gibt es alkoholfreie Sachen, die ich nie anrühren würde, etwa Bier mit 0,0 % oder Schokolade mit Rum-Aroma.

    Haben wir überhaupt einen männlichen Co in der Runde, ich weiß es gerade gar nicht.

    Vielleicht wäre das ja mal eine hübsche Hausaufgabe für Cos: Bevor auf "Antworten" geklickt wird, sicherstellen, daß das Wort "ich" häufiger vorkommt als "er". Dann erst abschicken. ;)

    Ich habe gerade mal "gegurgelt", wie die Geschlechterverteilung bei Alkoholikern aussieht: Männer trifft es etwa 2,5-mal so oft. Das ist schon ein ziemliches Mißverhältnis, zeigt aber gleichzeitig, daß es trotzdem auch sehr viele weibliche Alkoholiker gibt. Im Straßenbild sieht man die nicht so, ganz offensichtlich ist Frauenalkoholismus nach außen weniger auffällig.

    Hier im Forum fällt mir auf, daß es hauptsächlich weibliche Cos sind, die sich Hilfe suchen. Ich denke mir immer, meine Güte, der Mann müßte sich hier anmelden und nicht die Frau! Nun habe ich aber gelernt, daß das gar nicht stimmt, daß auch Cos auf ihre Art ein Verhalten an den Tag legen, das schädlich für sie selbst ist. Eigentlich ist Hilfsbereitschaft ja eine schöne Charaktereigenschaft, aber sie kann eben auch toxisch werden.

    Zur Erklärung fallen mir auch nur die üblichen Klischees ein: Männer sind wagemutiger und leichtsinniger, Frauen vernünftiger und außerdem eher dazu bereit, sich Hilfe zu holen. Männer versuchen bis zuletzt, alles auf eigene Faust durchzuziehen, bis sie entweder sterben oder kapitulieren. Vielleicht ist ja doch etwas dran an diesen Klischees ...

    Ich habe zum Glück irgendwann kapituliert und die weiße Fahne rausgestreckt.

    Vier Promille, au weia. Ich finde, Du hast richtig gehandelt, der Mann ist eine Gefahr für den Straßenverkehr. Wir warnen hier im Forum ja immer vor dem Kalten Entzug alleine zuhause, das gilt natürlich erst recht für so hohe Werte: da ist jeder Entzug ohne ärztliche Begleitung lebensgefährlich und die Gefahr von Krampfanfällen sehr hoch, wenn der Pegel sinkt.