Hallo und mal wieder ein erfreuliches Update:
dieser Tage waren es nun 20 trockene und zufriedene Jahre.....es werden und dürfen noch einige dazukommen!
Nachdem in der ersten Trockenphase von 14 Jahren im Hinterkopf immer wieder mal dieses Gefühl des Makels "anklopfte" und die Scham über die (zwar gestoppte) Alkoholkrankheit nie verschwand, waren diese nun vergangenen 20 Jahre frei von solchen trüben Gedanken.
Die Erfahrung von mir und "unserer" (wie früher geschildert) kleinen privaten Gruppe von Langzeittrockenen war stets: Je offener jeder einzelne mit seiner Krankheit umging, desto mehr Schutz für ein weiteres trockenes Leben war dann gegeben.
Keiner von uns fühlt sich durch seine Alkoholkrankheit "mangelhaft", .... jeder einzelne und auch wir als Gruppe outen uns auch nach außen, da gibt’s kein hadern und rumeiern mehr, neue Bekanntschaften erfahren nach sehr kurzer Zeit über unsere Alkoholkrankheit, keinem ist seine Alkohol-Krankheit peinlich, wir gehen mit Klarheit und Offenheit damit um.
Und wenn wir von unserer Gruppe zu viert oder fünft im Biergarten an einem Tisch sitzen und die Bedienung fragt bei der Getränke-Bestellung verwundert und ironisch ob wir heut einen alkoholfreien Ausflug machen, dann sagt einer von uns, dass wir eine Gruppe von Alkoholiker sind und deshalb schon viele Jahre kein Alk mehr konsumieren... .....von das find ich toll, Respekt, bis sorry wusste ich ja nicht reichen dann die Antworten der Bedienung.
Und wir sind somit geschützt, keiner braucht"rumeiern" oder "Notlügen" erfinden, es wird uns auch kein "Schnaps aufs Haus" nach dem Essen hingestellt......
Da es hier ja um Selbsterfahrung geht nochmals diese Erfahrung von mir und meinen langzeittrockenen Kollegen: je schneller und je mehr von meinem/unserem Umfeld von unserer Krankheit wissen, desto mehr Schutz nicht rückfällig zu werden hat jeder einzelne, die Barriere zurück zum Alkohol wird mit jedem outen größer.
....ist man schon viele Jahre trocken ist es natürlich "einfacher" (selbst im beruflichen) zeitlich schon früh zu sagen: ich bin Alkoholiker und seit xy Jahren trocken, es fällt schwer dies zu sagen wenn man erst wenige Monate oder wenige Jahre trocken ist, es wird dann auch oft mit Skepsis aufgenommen, auch haben sicherlich einige der Informierten Zweifel ob es bei diesem Stand dauerhaft bleibt; auch ich habs früher leider zu lang und zu oft verheimlicht.
Hartmut schrieb hier mal: Rückfälle sind zeitlos....jeder unserer kleinen Gruppe hatte einen (oder mehrere) Rückfälle, heute sagt ein jeder von uns, dass das Annehmen der Krankheit und die damit verbundene Offenheit der beste Rückfallschutz war und ist...... Bei jedem unserer Gruppe, bei der jeder nun über mindestens 16 Jahre andauernderTrockenheit lebt, war und ist dies einer der hauptsächlichen Erfolgsgaranten fürs trockenbleiben.
Wer will findet Wege, und die über viele Jahre Langzeittrockenen scheinen Wege gefunden zu haben, ......Wege wie zuvor beschrieben.
Lassen wir das nächste Glas stehen und blicken nach vorn.
Viele Grüße Dieter