Beiträge von Julez

    Übersicht:

    Tag 1 nix, Tag 2 edit, Tag 3 edit, Tag 5 nix

    Hey Lütte69 und Linde66,

    mein Mann und ich sind Menschen, die Beweise bzw Übersichten brauchen um Dinge zu erkennen. Dementsprechend nutz ich hier dieses "Tagebuch" eben dafür, denn dann ist alles an einem Ort, was dieses Thema betrifft. Wenn ich die Übersicht für Veränderungen brauche, weiss ich wo ich sie finden kann.

    Dass er sich damit selbst was vormacht, ist auch sicherlich ihm klar, aber immerhin hat erkennt, dass er zu viel trinkt und versucht von sich aus kleine Häppchen einzuhalten.

    Genau vor einer Woche hab ich mir hier angemeldet mit einem eigentlichen Hilfegesuch für jemanden anderen.

    Allerdings wurde mir hier schnell klar gemacht, dass ich das Problem bin und nicht der Jemand.

    Das will erstmal verarbeitet werden!!

    Wenn ich das verdaut hab, muss ich herausfinden, was ich eigentlich will und kann dann erst die Veränderungen angehen.

    Neben Vollzeitjob, Haushalt, aktuellem Weltgeschehen bin ich auch noch zurzeit der Kummerkasten für andere wichtige Personen in meinem Leben und konnte jetzt innerhalb einer (!) Woche mich noch nicht oft hinsetzen um eigene Dinge anzugehen.

    Dementsprechend brauch ich selbst seine Hinhaltetaktik, denn sie verschafft mir auch Zeit um mir über alles Gedanken machen zu können und Entscheidungen zu treffen.

    Danke für eure offenen Worte und den Druck, den ihr macht um anderen schlimmere Erfahrungen zu ersparen, aber manche brauchen eben etwas mehr Zeit um ihr Leben komplett umkrempeln zu können, da sie erst noch herausfinden müssen, was sie eigentlich vom Leben wollen.

    Schönes sonniges Wochenende euch!

    Hey Lütte68,

    launisch und ungerecht ist er nicht. Er stinkt in meinen Augen und dementsprechend ist mit inniger Zweisamkeit dann nix mehr und er liegt oft einfach nur auf der Couch. Gut, Corona machte es einem auch nicht einfacher was zu unternehmen.

    Aber ich merk gerade, dass ich ihn immer wieder verteidige. Was ich eigentlich gar nicht will!

    Genau, ich werd mal sehen, ob es ihm ernst ist und ob er es durchhält. Wenn nicht, muss ich eben für mich gewisse Konsequenzen fassen, die nicht einfach werden, aber es muss dann so sein.

    Danke dir für deine Worte!

    Sonnige Grüße

    Hey Linde66,

    ich glaub er ist allg. mit einigem unzufrieden, aber kommt mit der Sprache nicht mehr raus, was er früher doch öfter gemacht hat.

    Der Alkohol lässt ihn alles entspannter sehen und er braucht sich mit den Sachen nicht mehr auseinander setzen, denn sie sind ja durch den Alkohol angenehmer zu ertragen.

    Ich denke, dass ist mit ein Grund was mich so traurig macht... dass er sich mir scheinbar nicht mehr anvertrauen kann wie früher.

    Ja, da sagste was... dass er sich und mir was vormacht. Das glaub ich auch.

    Vielleicht werd ich das eine Mal mit ihm nochmal versuchen und wenns dann wirklich wieder in die alten Bahnen rutscht, muss ich in den sauren Apfel beissen.

    Durch euch kann ich mich da schon drauf vorbereiten und mir das alles auch aus anderen Sichten anschauen und das ich wichtig für mich, da ich mir nicht gern sagen lassen will, dass ich doch hätte was machen können, dann später von ihm.

    Viele sonnige Grüße

    Hallo Tina779,

    mir geht es ähnlich wie dir. Mein Mann macht trotz Alkohol auch alles, aber trotzdem geht die Zweisamkeit und gewisse andere Dinge einfach flöten.

    Dass dein Mann ein wenig Einsicht hatte, find ich schonmal nicht schlecht und dass du ihm klar gemacht hast, dass es für dich so nicht weitergehen kann, find ich richtig stark. Soweit bin ich leider noch nicht.

    Ich hoffe sehr, dass es bei deinem Mann vielleicht doch "Klick" gemacht hat auf das er wartete und es wieder in bessere Bahnen rutscht.

    Lütte69`s letztem Satz kann ich nur beipflichten!

    Viele Grüße,

    Julez

    So delle,

    konnte mich mal etwas damit befassen und hau einfach mal alle Gedanken hier raus. Vielen Dank allen! Ich bin wirklich sehr froh, dass ich mich hier angemeldet hab. Auch wenn jetzt erst die Arbeit losgeht.

    Dass es nicht um ihn gehen soll, sondern um mich... Damit hab ich mal so gar nicht gerechnet und kann ich auch nicht gut mit um.

    Selbstwert- sowie Selbstbewusstsein ist nicht hoch und ich mag mich auch nicht mehr wirklich mich groß mit mir beschäftigen, aus Angst davor in meine Mine (so seh ich meine Depression) wieder stärker hineingezogen zu werden und der Aufstieg ins Licht ist immer ein verdammt großer Kraftakt. Mittlerweile hab ich die Anfälle nur noch sehr selten und über diese Lebensqualität bin ich mehr als froh, sodaß ich lieber alles anstaue und ein großer Rums kommt, als viele kleine, die von der Anstrengung alles wieder einigermaßen lebenswert zu sehen, genau so viel Kraft kosten.

    Die Hilflosigkeit natürlich mit eingeschloßen, dass mein Mann selbst sich helfen muss und ich ihn zwar nicht drängen will, aber ihm zumind. aufzeigen möchte, wie unser gemeinsames Leben ohne den Alkohol noch lebenswerter machen würde.

    Durch die klaren Worte hier hab ich wieder mit ein wenig Sport angefangen, will nicht mehr so viel essen und einfach mehr machen. Nicht mehr so viel nachdenken, sondern machen!

    Wenn er dann unter Alkoholeinfluß keine Lust hat mitzukommen, egal. Einfach machen. (Leichter gesagt als getan, bin ja selbst ein Keller-Kind. xD)


    Überraschenderweise sagte er gestern abend von sich aus, dass er auch abspecken müsse, "sonst würden seine Hosen nicht mehr passen". Mein Mann sprach von selbst auch den Alkohol an, den er aber eher als Problem für sein Gewicht sieht.

    "Immerhin." hab ich gedacht. Ich hab sonst nichts groß dazu gesagt, da ich weiß, daß er sonst abblockt und das Fünkchen, daß er sich selbst angezündet hat, wieder im Keim erstickt wird.

    Heute morgen sagte ich ihm dann, was ich mir so vorgenommen hab (ausser, dass ich einfach durchziehe, wenn er getrunken hat) und er meinte nur "Uff,da haste aber viel vor." .Denn ich hatte ihn mit einbezogen im "Weniger essen, mehr Sport und das Leben wieder lebenswerter machen".

    Er schrieb mir dann heute morgen (wir können besser Probleme schriftlich lösen) , daß er meinen Plan prinzipiell gut fände und er fände, dass er weniger trinken solle, aber nicht an bestimmten Tagen (ich hatte es unter der Woche vorgeschlagen gehabt), sondern wie er Lust habe, denn er wolle uns am Wochenende nicht Chance versauen ein wenig mehr Zweisamkeit zu haben.

    Ich schrieb ihm, dass ich ihn unterstütze wie er es brauche und wolle und er war sehr dankbar.

    Dass sein Weg klappt, hoffe ich, aber ich bin ein pessimistischer Typ von Haus aus und will mir auch nichts vormachen.

    Denkt ihr, er hat schonmal einen kleinen Weg eingeschlagen, der in die richtige Richtung führt? Oder sollte ich nicht allzu viel draufgeben und wirklich über ein Ultimatum und Trennung nachdenken?

    "Ausser" dem Alkohol ist auf der Pro/Contra Liste nichts in der Contra Spalte. Er geht arbeiten, kocht immer, umsorgt mich, trägt mich auf Händen etc. und er ist nicht aggressiv oder sowas.

    Meint ihr sollte ich mir das erst nochmal anschauen, ob er es durchzieht und ihm da unter die Arme greifen, wenn ich die Kraft dafür hab? Oder direkt alles um die Ohren hauen? Wie wäre eure Reaktion? Ich hab ja sonst so noch keine Erfahrung mit Alkoholikern gehabt. Dementsprechend geh ich da vielleicht sehr mit Samthandschuhen dran.

    Liebe Linde,

    vielen lieben Dank! Und tut mir leid, ich war so aufgeregt als ich mich angemeldet hab, dass ich erst nach meinem riesen Post gesehen hatte wie kurz und knapp das eigentlich sein sollte. :oops:

    Habs knapp und leider immer noch aufgewühlt ausgefüllt.

    Vielen lieben Dank!


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    Liebe Clärchen,

    du bringst es absolut auf den Punkt. Da brauch ich etwas um zu verarbeiten und dann in Angriff zu nehmen. Ich bins auf der anderen Seite auch einfach so leid, aber mit dem Zwiespältigem bin ich hier nicht allein und der Austausch hier wird mir schon den Weg zeigen.

    Der erste Schritt ist gemacht, jetzt muss man auch weitergehen. :shock:

    Hab mich mal grad etwas gesammelt und möchte noch auf deine Fragen eingehen, Clärchen.

    Ich schaff es nicht mehr es einfach nur unter den Teppich zu kehren als wäre nichts. Zumind. für ihn. Er scheint kein Problem zu sehen bzw ich schaff es nicht die Sucht nochmal so richtig und aktuell anzusprechen, weil ich scheinbar tief in mir drin weiss oder befürchte welche Entscheidung er treffen würde und was das dann für uns und unsere Pläne hiesse.

    Ich möchte ihn gern unterstützen und so lange ich kann seinen Weg begleiten. Schließlich hat er mir auch stark bei meinem Kampf mit dem Umgang der Depressionen geholfen, aber ich fühl mich hilflos und weiss nicht wie ich ihm da unter die Armen greifen könnte, sofern er sich helfen lassen will. Damals fand ich das hilfreich, dass er sich schon Gedanken gemacht hatte und es direkt vorangehen konnte und nicht erst noch nach Wegen bzw. Hilfen gesucht werden musste. So konnte ich das direkt angehen und diese Möglichkeit möchte ich ihm auch bieten, wenn er etwas ändern will.

    Du hast vollkommen recht. Wenn mir klar wird wie und was ich für mich ändern kann, sollte ich das auf jeden Fall angehen.

    Bin grade wirklich etwas geplättet, da ich scheinbar eine ganze Menge einfach ignoriert hab.

    Hallo Clärchen,

    ich muss gestehen, dass ich mich einfach erstmal angemeldet hab und es mir reichte alles von der Seele zu schreiben.

    Nun hab ich ein zwei andere Erfahrungen gelesen und habe wohl etwas viel größeres aufgemacht, womit ich nicht gerechnet hab.

    Dass er sich selbst helfen muss, weiss ich, da ich selbst Erfahrungen mit Depressionen hab und nur ich entscheiden kann, mir selbst bzw durch andere helfen zu lassen.

    Ich würd ihm nur gern irgendwie zeigen wie viel er trinkt ohne vorwurfsvoll zu klingen und so seine sofortige Blockade nicht direkt zu triggern. Ja, das Helfersyndrom ist leider sehr stark bei mir und dementsprechend hab ich mich wohl nie mit einem Ultimatum ala "der Alkohol oder ich" und der daraus resultierenden Trennung beschäftigt. Wollte es selbst nicht sehen, wie mir gerade bewusst wird.

    Entschuldige, es ist grad etwas chaotisch bei mir im Kopf, aufgrund dieser knallharten Erkenntnis gerade.

    Danke dir für die nette Aufnahme!

    Hallo,

    ich hau einfach mal raus. Könnte was länger werden. :oops:

    Mein Name ist Julez (33 Jahre) und wegen dem Konsum meines Mannes (38 Jahre) hier.

    Wir sind seit 16 Jahren jetzt zusammen und jetzt schaff ich das nicht mehr allein.

    Seine Eltern trinken auch schon seit er es mitbekommen konnte, haben sich in seinem Kindesalter scheinbar unter unangenehmen Umständen scheiden lassen und er ist nicht der Typ, der gern redet. Bevor wir in die neue Wohnung vor 6 Jahren einzogen, hatte er es mit dem Trinken noch einigermaßen im Griff und konnte auch mal mehrere Tage ohne. Mittlerweile trinkt er jeden Tag mind. 3 Bier, oft bis 3/4 Gin oder Wodka und gern noch ne Flasche Wein (vorallem am Wochenende gerne alles zusammen und, wie mir die letzten Wochen auffiel, schon ab 12 Uhr).

    Ich selbst trinke kaum, da mir Bier/Wein nicht schmeckt und ich vom z.B. Baileys oder Amaretto nach einem Gläschen schläfrig werde. Unsere Wohnung riecht ständig als wären wir in einer rauchfreien Kneipe und da wird mir übel als hätte ich den ganzen Kram getrunken. Unter der Trinkerei, dem Geruch, seiner Gewichtszunahme und Lustlosigkeit auf andere Aktivitäten (ausser vorm TV auf der Couch zu liegen) leidet nicht nur das normale Miteinander, sondern auch die Zweisamkeit. Im Gegensatz zu ihm, der ja der Trinker ist, werd ich dann ungehalten, weil mir sein Verhalten tierisch auf den Keks geht und ich von dem Kneipenduft (trotz mehrmaligem Aufreissen der Fenster zum Lüften) dann Kopfschmerzen bekomme.

    Es ist mega schwierig ihn darauf anzusprechen ohne vorwurfsvoll zu klingen, wobei ich eindeutig meinen Schwiegereltern hier die Schuld gebe, aber trotzdem geb ich auch mir die Schuld an seinem Trinkverhalten, weil ich nicht so der Schmusebär (noch weniger wenn er nach Bier stinkt) bin wie er und somit der Mangel an der Zweisamkeit mir selbst in die Schuhe schiebe.

    Vor längerer Zeit hatte ich ihn mal gefragt warum er denn so viel trinke, seine aktuelle Antwort (er hatte auch mal Phasen wo er zugab, dass es ihm nicht gut ginge) darauf war: Weils mir schmeckt.

    Es läuten bei mir schon lange die Alarmglocken, aber ich kriegs nicht hin ihn mittlerweile darauf sachlich anzusprechen ohne emotional zu werden.
    Er ist der Koch bei uns und ich glaube, dass der härtere Schnaps immer beim Kochen getrunken wird, denn ansonsten seh ich meist nur Bier und Wein auf dem Tisch. Aber die Schnapsflaschen werden ja nicht von allein leer. Wir sind sonst sehr harmonisch, aber zusammen in der Küche ist gar nicht gut, daher hat er da immer seine Ruhe vor mir. Ich muss gestehen, dass ich manchmal, einen guten Anteil des Schnaps einfach in den Gulli schütte, anfangs in der Hoffnung, dass er merkt wie viel er tagsvorher getrunken hab. Hilft nicht. Er bringt auch immer selbst die Flaschen alle weg zum Glascontainer etc., aber es scheint ihn nicht mehr zu tangieren wie viel Schnapsflaschen dabei sind. Anfangs hatte er selbst ein zwei Mal das kommentiert und war überrascht wie viel er getrunken hatte. Diese Erkenntnisse werden zumind. nicht mehr kund getan, sofern er diese überhaupt noch hat.

    Unsere Freunde wissen über seinen übermäßigen Konsum bescheid, denn ich hab mit ihnen schon viel zu oft drüber gesprochen, aber auch deren Anspielungen bzw. Anmerkungen bzgl der Trinkerei werden nur noch mit einem Handschwenk abgetan.

    Wir wissen rundum ihn rum nicht mehr weiter und ich hoffe hier ein wenig Hilfe zu bekommen, damit besser umgehen zu können, mir nicht selbst zu viel der Schuld aufzuladen und vielleicht sogar ihn ein wenig in die richtige Richtung zu bekommen.

    Uff, so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, aber ich glaube, es musste endlich mal raus.

    Auf ein gutes Miteinander :)