Beiträge von Schmidtty

    Die Analyse ist sehr treffend. Allerdings wird Sucht im allgemeinen und Alkoholsucht im besonderen teilweise so stark stigmatisiert, dass es durchaus nachvollziehbar ist, dass man das nicht so vor sich hertragen möchte bzw. sich nicht überall outet. Sucht wird landläufig sehr oft als Schwäche angesehen und einem Menschen, der darunter leidet, traut man entsprechend weniger/nichts zu.
    Darüber hinaus steht man sofort im Verdacht, wieder zu konsumieren, wenn man anderweitig krank ist oder sich anders verhält als sonst.
    Ein Outing kann sicher ein Befreiungsschlag sein (und im privaten Umfeld würde ich auch zuraten), es kann aber auch zur Belastung werden (z.B. im beruflichen Umfeld).

    Hi, wenn ich da mal meinen Senf dazugeben dürfte….meiner Erfahrung nach (ich habe auch schon eine Langzeitreha wegen Sucht hinter mir) werden die Kollegen ohnehin ihre Vermutungen anstellen, wenn man länger weg ist und nichts dazu sagt. Es besteht aber kein Zwang auf Deiner Seite, Dich dazu weiter zu äußern. Ich habe den Weg gewählt, das mit einem Burnout zu erklären, da eigentlich klar war, dass es sich bei der Dauer meiner Abwesenheit um eine psychische Erkrankung handeln musste.
    Klar, bei meiner Rückkehr wurde ich erstmal beäugt wie ein seltenes Insekt und behandelt wie ein rohes Ei. Das konnte ich aber gut ertragen, weil ich dann wieder stabil war. Das gibt sich im Laufe der Zeit.

    Eine ähnliche Situation hatte ich letztes auch. Ich war mit Kollegen beim Business Lunch, bin kurz auf die Toilette, kam wieder und hatte ein volles Weinglas an meinem Platz stehen. Eigentlich ist allen erst da so richtig aufgefallen, dass ich den nicht (mehr) trinke und plötzlich waren alle etwas peinlich berührt. Naja, ist nicht zu ändern.