Hallo,
vielen Dank für`s Freischalten und die lieben Antworten.
Ich muss ein wenig Ausholen. Ich bin seit über 10 Jahren nach 20 Jahren Beziehung und Ehe von meinem Ex-Mann getrennt. Die Trennung kam für mich aus heiterem Himmel, aber ich habe auch die Augen vor gewissen Dingen verschlossen. Wir hatten ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zueinander und waren schon so lang zusammen. Warum auch immer, er hat mir kurz nach der Trennung und dann auch später noch mal gesagt, dass er mich nie geliebt hätte. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen und ich habe Jahre gebraucht, das halbwegs für mich zu verarbeiten. Zumal er mir in den Jahren oft gesagt hat, dass er mich liebt und kein böser Mensch ist / war. Da ich als Kind nicht geliebt wurde (Vater Alkoholiker und nur körperlich anwesend, Mutter „zickig“ und streng) traf es wohl eine noch offene Wunde und außerdem habe ich mich gefragt, warum ich es dann nicht gemerkt habe, wenn es tatsächlich immer nur leere Worte gewesen sein sollten….
Das Ganze saß jedenfalls so tief, dass ich mich entschied mich nicht mehr auf jemanden einzulassen. Das hat auch sehr lange (über 10 Jahre) funktioniert. Ich habe mich weder verliebt, noch verguckt.
Ich hatte / habe ein schönes Leben, mit allem, was es braucht und mir hat es an nichts gefehlt. Und dann kam durch einen Zufall ER in mein Leben.
Er wusste seit dem ersten Date, dass ich keinen Alkohol trinke und das auch nie wieder tun werde. Das erste Mal wurde ich nach ca. einem Monat stutzig. Wir waren mit anderen essen. Das erste Glas Wein wurde rasch geleert und schon rechtzeitig das zweite geordert. Und ich kenne dieses Verhalten. Z. B. von mir selbst… Es gab dann noch die dort üblichen zwei Schnäpse dazu. Rund zwei Monate später gab es im Restaurant wieder eine ähnliche Situation.
Eine Woche später roch ich vormittags eine spürbare Fahne vom Vortag, er hatte abends Besuch, als wir uns kurz getroffen haben. Und das ganz eindeutig. Seitdem aber nichts Konkretes mehr.
Wir sehen uns in der Woche oft tagelang nicht. Dann gibt es Telefonate. Und habe ich ihn schon mal freundlich-naiv auf seine plötzlich verwaschene Aussprache angesprochen. Er meinte, ihm fallew es nicht auf, dass sei sicher seine Müdigkeit. Auch die Art zu erzählen kommt mir dann anders vor, ihr kennt das sicher: leicht euphorisch und schnell. Und es wurden Dinge mehrmals wiederholt oder leicht dramatisiert. Am nächsten tag ist dann, zumindest in meiner Wahrnehmung alles wieder „normal“.
Neulich bei einem Geburtstag bat er mich zu fahren, weil er „ein, zwei Bier“ trinke wolle. Das war auch neu, sonst ist er gefahren und es gab dann keinen Alkohol. Das kleine Glas wurde sehr schnell gefüllt, getrunken und wieder aufgefüllt. Einige Male. Wir sind früh nach Hause, er war nicht betrunken, nicht mal spürbar angetrunken, aber dieses Verhalten lässt bei mir alles Alarmglocken läuten. Zusammen mit diesen „komischen“ Telefonaten. Gerochen habe ich außer dem einen Mal nichts mehr. Auch an den Augen kann ich nichts sehen. Und genau da fängt für mich doch schon Co-Abhängiges Verhalten an: gucken, prüfen, überlegen und kontrollieren.
Ich werde mich trennen, auch wenn es mir das Herz bricht, wenn mein Verdacht stimmen sollte, dass er allein zu Hause trinkt. Denn ich weiß dank euch, es gibt nur einen Weg, nämlich bergab. Und es wird ja nicht leichter, zu gehen….
Aber wie kann ich denn wissen, ob mein Verdacht stimmt? Ich kann doch nicht sagen, „Du, ich vermute da mal was….“. Ich würde ja auch selbst nicht wollen, dass mir jemand etwas unterstellt, was nicht stimmt und auf Vermutungen beruht. Zumal man ja auch nicht beweisen kann, etwas nicht zu tun bzw. getan zu haben.
Dass beim Essen gehen zwei Gläser Wein plus Schnaps getrunken wird oder mal bei Geburtstagen mehrere Biere, wäre für mich okay. Das ist in unserer Gesellschaft leider üblich und das machen bedauerlicherweise ja auch viele Menschen so. Und allzu oft sind diese Gelegenheiten auch nicht.
Ich möchte aber keinen Mann, der zu Hause alleine und heimlich trinkt. Denn dann wüsste ich, es gäbe ein großes Problem und dann wird es für mich inakzeptabel. Da wir aber nicht zusammenleben, weiß ich nicht, wie es herausbekommen soll.
Zudem habe ich sehr feine Antennen. Ich nehme Verhaltensänderungen wahr, wo die Betroffenen es selbst manchmal gar nicht merken. Oder ist es vielleicht meine als Kind übertrieben geschulte Wahrnehmung, die einfach falsch ist?
Ich möchte aber auch auf keinen Fall etwas aufgeben, was mich in 90 % der Gesamtzeit sehr glücklich macht. Und ich möchte niemandem etwas unterstellen.
Vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber wie bekomme ich Gewissheit? Vielleicht habt ihr eine Idee. Bisher habe ich in euren Berichten immer gelesen, dass der Alkoholkonsum, egal ob offen oder vermeintlich "heimlich", immer eindeutig war.
Danke an alle, die bis hierher gelesen haben. Und danke an alle, die so offen über ihre Geschichten und ihren Weg schreiben. Das hat mir, auf meinem eigenen Weg und als Leser, sehr sehr geholfen. Und natürlich die Moderatoren, die immer und immer wieder antworten, helfen und sortieren. DANKE!
LG, Helene