Beiträge von Rennschnecke

    Ich glaube inzwischen, für uns Forys sind solche Sendungen einfach nichts, habe ich nach mehreren Versuchen (diese Sendung gar nicht erst geschaut) für mich festgestellt. Dafür sind wir zu tief in der Materie drin.

    Solche Sendungen "zur besten Sendezeit" im ÖR sind entsprechend oberflächlich und können höchstens als steter Tropfen im Bewusstsein noch ahnungsloser Menschen wirken (schlimmstenfalls aber auch falsche Hoffnungen wecken).

    Vor der "Entdeckung" dieses Forums war ich für jede Sendung bzw. Jeden Artikel zum Thema dankbar, jetzt kann ich nur müde drüber lächeln.

    Hallo zusammen, gerade bin ich durch einen Beitrag eines neuen Mitglieds daran erinnert worden, dass ich mir dazu schon lange einen eigenen Faden wünsche.

    @Mods: Falls es schon etwas in der Art gibt oder der Ort falsch ist, den neuen Faden bitte gern an die geeignete Stelle verschieben, danke.

    Dieser Faden richtet sich an alle, Alkoholiker wie Angehörige, die sich Gedanken machen, ob und wie sie die nachfolgende Generation (Kinder, Enkel, Schüler ...) davor bewahren können, selbst (alkohol)süchtig zu werden.

    Verbieten? Auf Statistiken oder Schreckensgeschichten verweisen? "Einfach" nur zufriedene Abstinenz vorleben? Oder...oder???

    Ich beschränke das Thema Sucht dabei nicht auf Alkohol, weil ich nicht davon ausgehe, dass andere Süchte "weniger schlimm" sind.

    Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen und Einschätzungen.

    Ich meine erst vor Kurzem hier im Co-Bereich gelesen zu haben, weiß leider nicht wo und von wem, dass es für die geforderte Meldeadresse auch sichere Pro-Forma-Lösungen gibt.

    Das muss keine "natürliche Person" wie Du sein. Dazu kann ER sich bei der Krankenkasse oder beim Sozialamt oder der Wohnungslosenhilfe beraten lassen, er ist ja nicht der erste in der Situation.

    Außerdem könnte es nachteilig für Dich sein, wenn Du Deine Adresse hergibst. Möchtest Du ihn dann regelmäßig seine Post bringen? Und was sagt Dein Vermieter dazu? Du hängst dann wieder voll drin....

    1. Du bist nicht schwach, Du hast eine schwere, potenziell tödliche chronische Krankheit, für die Du Dich nicht schämen musst.

    2. Können Frau und Kinder nicht ohne Dich gehen? Damit Du ihnen gegenüber kein schlechtes Gewissen hast, das Dir gefährlich werden könnte?

    Du musst Dich deswegen nicht bei anderen als Frau und Ärzten als Alkoholiker outen, wenn Du Dich damit (noch) nicht wohlfühlst.

    Das ist für Außenstehende und selbst nicht Einsichtige keine Erläuterung (fürs Wegbleiben oder auch keinen alkfreien Alk trinken), die so selbsterklärend wäre wie z. B. Corona oder Migräne.

    Könntest Du nicht in Absprache mit Deiner Frau schon am Vorabend des Festtages starke Kopfschmerzen vortäuschen und deswegen zu Hause bleiben?

    So würde ich es in Deiner Situation am Abfang wohl machen, auch wenn ich weiß, dass andere hier das anders sehen.

    Aber ich hatte und habe immer noch genug mit mir selbst zu tun, als dass ich meine Energie darauf verwenden wollte, "denen da draußen" begreiflich zu machen, was Sucht bedeutet und welche Konsequenz nötig ist, um sie dauerhaft zu stoppen.

    Liebe Kyra,

    erst mal Danke für Dein Danke, freut mich.

    Ich renne nicht mit Angst vor einem Rückfall durchs Leben, die Angst kommt eher im Rückblick bei mir auf, ist wohl meine Macke.

    Ich bin auch gerade mal zwei Jahre trocken, also weder Neuling noch alter Hase.

    Den gewünschten Tipp können Dir vielleicht andere geben, Hartmut hat ja zum Thema Rückfall auch gerade einen Faden in offenen Bereich aufgemacht, kannst ja mal schauen.

    Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich diesen (nach gut 2,5 Jahren Forenzugehörigkeit immer noch übersichtlichen) Faden mal wieder durchgelesen.

    Damit wollte ich mich, so bin ich wohl gestrickt, darauf vorbereiten, nach längerer Schreibpause im eigenen Faden wieder öfter bei mir zu schreiben (mein guter Vorsatz fürs neue Jahr).

    Dann kam mal wieder das Leben dazwischen, dazu hab ich dann was in meinem Faden im Grünen geschrieben (wo ich auch schon länger verstummt war).

    Was mir aber im vorliegenden Faden aufgefallen ist: Da hatte ich noch gar nicht von meinem bisher einzigen Suchtdruck-Erlebnis berichtet, das hatte ich wohl nur im Grünen gemacht.

    Da es mich immer mal wieder beschäftigt und vielleicht auch für andere, gerade für Neulinge interessant sein könnte, erzähle ich auch noch mal hier davon, wie ich es heute erinnere (ohne vorher im Grünen danach zu suchen und nachzulesen, dazu bin ich gerade zu bequem, den möchte ich auch mal in Ruhe durchlesen).

    Suchtgedanken ("Jetzt ein schönes ...") kommen ab und an in den unterschiedlichsten Situationen mal kurz bei mir auf (und sind meistens schon wieder verschwunden, bevor sie zu Ende gedacht sind.) Das kann ich für mich mit "Gelernt ist eben gelernt" abhaken.

    Suchtdruck hatte ich dagegen auch in meiner nassen Zeit nie erlebt, da ich immer sorgfältig auf meine Alk-Vorräte und meinen abendlichen Pegel geachtet hatte. Ich war ja so kontrolliert .... :(

    Vorgestellt hatte ich ihn mir ein bisschen wie ein trotziges Kleinkind, das sich im Supermarkt schreiend auf den Boden wirft, weil es unbedingt hier und jetzt etwas Bestimmtes haben will. Wehe dem Erwachsenen, der da nicht mitzieht!

    Dann musste ich aber aus eigener Erfahrung lernen, es muss so im ersten halben oder Dreivierteljahr der Abstinenz gewesen sein, dass Suchtdruck auch hinterlistig um die Ecke kommen kann und manchmal erst als solcher erkannt wird, wenn es schon (fast) zu spät ist.

    Es war Samstag, gegen Abend, so wie heute, da habe ich in nassen, insbesondere Single-Zeiten immer gern meine Wochenendeinkäufe erledigt (weil es dann nicht so voll war und ich traurigerweise meistens nichts Besseres vorhatte)und mir dabei auch gern zur Abwechslung "was Besonderes" an Alk gegönnt.

    Im ersten Jahr der Abstinenz habe ich bewusst zu anderen Zeiten eingekauft, um mich nicht zu gefährden.

    So auch an dem Tag. Ich merkte dann gegen Abend, dass ich unruhig wurde und meinte, noch mal losfahren zu müssen, weil ich unwichtige Kleinigkeiten vergessen hatte. Dabei war mir nach kurzem Nachdenken selbst klar, dass der Kauf auch bis Montag Zeit gehabt hätte.

    Das ging so mehrfach in meinem Kopf hin und her: Ich 1 (=eher rational): "Das eilt doch nicht, du kommst doch dieses WE problemlos ohne hin." Ich 2 (= Suchthirn, wie ich erst später merkte): "Ich will aber trotzdem!" Ich 1:" Wieso denn, lohnt doch gar nicht, eilt doch wirklich nicht." Ich 2: "Egal, weg ist weg, ich will das jetzt erledigen." Ich 1: "Ok, dann fragen wir mal Kumpel xy, der nahe dem nächsten Supermarkt wohnt und gerade krank ist, ob er noch was braucht. Wenn ja, können wir ja losfahren, dann lohnt sich das wenigstens."

    Der Kumpel lehnte dankend ab, ich bin nicht gefahren, war erst genervt, aber irgendwann wieder ruhiger und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Wenn ich gefahren wäre, hätte ich nicht dafür garantieren können, keinen Alk zu kaufen.

    Das war wohl gerade Suchtdruck von hintenrum gewesen, obwohl ich bis dahin gar nicht ans Alktrinken gedacht hatte.

    Bei dem Gedanken gruselt es mich heute noch. Ob ich den Absprung noch mal geschafft hätte?

    Und was mich manchmal geradezu quält: Habe ich das wirklich erst nach der Nachfrage beim kranken Kumpel gemerkt, dass es mir eigentlich um Alk ging oder doch schon vorher? Habe ich etwa sehenden Auges Russisch Roulette mit meinem Suchthirn gespielt?!

    Ihr seht schon: Wer eher zurückgezogen lebt, für den sind selbst solche kleinen Erlebnisse Stoff für ganz großes Kopfkino.

    Mich hat es jedenfalls gelehrt, die Raffinesse des Suchthirns nicht zu unterschätzen, und das wollte ich auch hier gern mal aufschreiben.

    Mir ist noch nicht klar: Bist Du eigentlich Mann oder Frau? Und lebt dein Sohn bei Dir?

    Was genau würde Dich an Deiner alten Wohnung runterziehen? So ganz hilfreich scheint die Wohnsituation bei Deiner Mutter ja auch nicht zu sein, da hätte ich große Angst vor einem Rückfall.

    Kannst Du die Bude vielleicht mit ein paar Sachen aus dem Sozialkaufhaus umgestalten, bis Du etwas Neues findest?

    Und keine Angst vor Offenheit bei Ärzten: Sucht ist schließlich eine Krankheit (und damit deren Job) und keine Charakterschwäche.

    Die meisten freuen sich mit uns, dass wir es angehen. Und es ist wirklich wichtig, z. B. beim Zahnarzt, damit Du ausreichend Betäubungsmittel bekommst, da ist die Hirnchemie eben auch dauerhaft verbogen durch die Sucht.

    Du bist ja schon mitten im Austausch, Melodyx, mal antwortet der eine, mal die andere. Zum Beispiel dazu:

    Bei ihr sind Weinflaschen in der Küche und im Keller. Die eine geöffnete im kühlschrank könnte ich durchaus wegtun bzw sie fragen ob das geht. Sie trinkt ja so ziemlich garnix mehr...hat auch nie viel getrunken

    Bitte nicht selbst entsorgen, da könnte schon Suchtdruck aufkommen. Aber sprich sie am besten heute noch drauf an, denn dein Zuhause sollte absolut alkfrei sein, wenn es der Rest der Welt schon nicht ist, und wenn sie sowieso selten trinkt, sollte es auch kein Problem für sie sein. Und wenn doch: Bitte darauf bestehen, denn der nächste Rückfall könnte der letzte sein.

    ich hatte eigentlich schon damals keinen Alkohol Zuhause, weil ich wusste ich sauf den sowieso gleich🙈 naja aber das ist nicht Grad der Schlüssel zum nicht trinken...der nächste Supermarkt ist nicht weit und die Motivation/Belohnung entsprechend hoch,wenn der Druck aufkommt.

    Es ist ein Unterschied, ob das Zeug zu Hause griffbereit ist oder ich mich erst auf den Weg machen muss. Letzteres kann ich aufschieben, bis der akute Suchtdruck vorbei ist. (Selbst erlebt)

    Nimm die Grundbausteine bitte ernst und lies sie ruhig immer wieder, das sind Erfahrungswerte von langjährig Trockenen, die gerade im ersten Jahr nicht unterschätzt werden sollten.

    Auch "reinen Tisch" bei Deinen behandelnden Ärzten machen gehört dazu, ist auch sehr wichtig, wenn du Medikamente oder Barkisen bekommst.

    Einen Schritt und einen Tag nach dem andern ... Alles Gute!

    Ich werde nach der Nachsorge auf jeden Fall in eine Selbsthilfegruppe gehen da ich überzeugt bin das das mit ein wichtiger Punkt ist um Abstinent zu bleiben.

    Genau. Du meinst vermutlich eine Gruppe vor Ort.

    Aber auch wir sind hier eine SHG, sogar eine, die rund um die Uhr erreichbar ist und bei akuter Rückfallgefahr sogar einen SOS-Chat bietet.

    Vielleicht würde es Dir guttun, Dich auch hier öfter auszutauschen? Für mich ist dieses Forum jedenfalls der wichtigste Stützpfeiler meiner Abstinenz, alles Weitere kann, muss aber nicht (für mich).

    Während des Rückfalles war es extrem belastend für mich. Ca vor 2 Monaten

    Wir haben viel darüber gesprochen und konnten es in meinem Falle stoppen.

    Ich bin in der Nachsorge wo ich es direkt gesagt habe.

    Wir haben es dann alle zusammen aufgearbeitet.

    Magst Du vielleicht noch etwas mehr davon erzählen? Von jedem bearbeiteten Rückfall können auch andere lernen.

    In jedem Fall wünsche ich Dir alles Gute für Deinen weiteren trockenen Weg. Die nötige Ernsthaftigkeit dafür scheinst Du schon mal mitzubringen. Respekt!

    Schön, dass Du Dich mal wieder meldest, a.Sunn. ich hab gerade geschaut: Zum letzten Mal hast Du hier im letzten Frühjahr geschrieben, als Du Deine Reha beantragt hast.

    Wie ist es Dir seitdem ergangen: war der Rückfall währenddessen oder danach? Wie kam es dazu?

    Und hast Du Dir danach eine SHG vor Ort gesucht? Oder wie bist Du seit dem Rückfall trocken geblieben?

    Strenggenommen (wie hier) beginnt die "Trockenrechnung" mit jedem Rückfall neu. Nicht als "Strafe", sondern aus Gründen der absoluten Ehrlichkeit sich selbst gegenüber - um Rückfälle, auch wenn sie natürlich vorkommen können, nicht zu bagatellisieren: Denn der nächste könnte der letzte sein.

    Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen.