Hallo Tischgebet,
ich bin als Alkoholikerin hier, habe aber auch eigene Co-Erfahrung in Bezug auf ein Geschwister, darum melde ich mich auch in diesem Teil des Forums öfter zu Wort.
Mir ist noch nicht ganz klar: Ist er auf einer Entgiftungsstation? Wofür steht "BKH"?
Bei einer stationären Entgiftung im Krankenhaus sind Mehrbettzimmer wohl nicht ungewöhnlich. Er kann froh sein, dass er so schnell einen Platz bekommen hat - es gibt so viele von uns - und viele davon sind Drehtürpatienten.
Wenn es sich um einen sogenannten qualifizierten Entzug handelt, gibt es auch ein bisschen mehr psychologisches Programm. Aber auch das ist kein Hotel, denn hier geht es nur um einen sicheren körperlichen Entzug, als Basis für alles Weitere.
Es tut mir leid, aber so, wie er jetzt schon rumjammert und mit fast 30 nach Mama ruft, scheint er, vielleicht unbewusst, nach Gründen zu suchen, weshalb es auch diesmal nicht klappen kann.
Da fehlt mir die Einstellung, jede Chance zu nutzen, die er bekommt, stattdessen sehe ich eher Rückzug in die offenbar vertraute Opferrolle. Egal, wie viel Schweres hinter ihm liegt: Mit der Opferhaltung macht er es sich nur noch schwerer.
Vor Ort gibt es Ansprechpartner vom Fach, an die er sich wenden kann, die ihn auch bei der Organisation von Abschlussmaßnahmen unterstützen. Die kennen sich da aus, Du nicht.
Mein Rat: Verweise ihn an die Experten und sag ihm, dass Du jetzt auch mal eine Pause brauchst, und deshalb seine Nummer eine Weile blockierst.
Klingt hart, ist aber auch für ihn die einzige Chance, erwachsen und nüchtern zu werden.
(Ich selbst habe nach einer ambulanten Entgiftung eine Kombi aus stationärer und ambulanter Reha gemacht (von mir mithilfe der örtlichen Suchtberatung veranlasst) und hatte auch Depressionen, bevor ich in die Sucht rutschte (weil ich lange Zeit lieber soff, als mich auf Antidepressiva einzulassen).
Ich musste auch lange nach einer Rehaklinik mit Einzelzimmern suchen, weil ich mir (doppelt so alt wie Dein Sohn) ein Mehrbettzimmer auch nicht vorstellen konnte. Musste dann eben länger warten.
Nasentropfen waren bei uns auch nicht erlaubt, manche Alkoholiker waren auch medikamentenabhängig. Das Essen war bescheiden, die Ergotherapie auch, aber: Ich hatte ja kein Hotel gebucht, sondern die Chance auf einen Neubeginn, und die habe ich dankbar genutzt.
Und jetzt bin ich in dieser SHG, um meine Abstinenz weiter zu festigen. Denn geheilt werde ich nie sein.
Diese Einsicht muss er selbst bekommen, die kann nicht von außen erzwungen werden - höchstens angeregt durch Lebensgeschichten von Alkoholikern. (Dazu haben wir einen eigenen Faden mit Literatur- und Filmtipps).
In Kürze: Er ist gerade sicher aufgehoben, auch wenn ihm die Medizin noch nicht schmeckt - jetzt bist Du dran, für Dich!