Hallo Anno, schön, von Dir zu lesen.
Falls Du übrigens im Nachhinein das Gefühl haben solltest, zu wiedererkennbar zu sein( auch Dein Bruder könnte ja hier aufschlagen), könntest Du mithilfe eines Mods deinen Text noch etwas anonymisieren, dies nur als Tipp.
Zu meiner Co-Geschichte als Schwester schreibe ich später noch in meinem eigenen Faden weiter (die Parallelen halten sich doch in Grenzen), das hast Du mit Deiner Geschichte ausgelöst, und dafür bin ich Dir dankbar, hab mich ja bisher aus gutem Grund auf meine eigene Sucht konzentriert.
Aber an dieser Stelle soll es ja um Dich gehen. In Deiner Schilderung steckt dchon viel drin, wo Du ansetzen kannst.
Du schreibst:
Manchmal kommt es mir so vor, als wäre er da irgendwie von der Einstellung hängen geblieben. Ala ich will mich nicht festlegen. Ich will keine Verantwortung übernehmen. Will keine Rücksicht auf andere nehmen. Ist aber nur ein Gefühl meinerseits.
Wenn es eines gibt, das Cos hier lernen können, dann ist es, ihren Gefühlen zu trauen....
Und dann das:
Er hätte ja nichts wofür er sich bessern müsste. Tut echt weh das zu hören.
Sein Leben ist "nichts"? Seine Familie, sein kleiner Neffe ist "nichts"? Ist das nicht bitter für Dich?
Dieses Selbstmitleid hält Süchtige und Cos im Ist-Zustand gefangen. Von der Verantwortungslosigkeit gar nicht zu reden.
Eigentlich sagt er immer, dass er von uns gar nichts will. Was offensichtlich nicht stimmt, da er wenn wir mal telefonieren oder uns sehen
Redselig? D. H. Es geht um ihn und seine Befindlichkeiten? Oder interessiert er sich auch dafür, wie es Dir geht? Und seinem Neffen?
Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass das nicht funktioniert und schonmal gar nicht, wenn er keinen notfallplan und einen Therapeuten an der Hand hat. Aber das will er nicht hören. Ich muss wohl einfach abwarten, ob er seine Ankündigung wahr macht
Musst Du das, wie das Kaninchen vor der Schlange?
Oder kannst Du vielleicht selbst ein Zeichen setzen, vielleicht mit einem Brief (ich glaube, dss habe ich damals auch gemacht - weil mein Geschwister uns gar nicht an sich heranlassen und am liebsten still und leise untergehen wollte).
Wichtig ist es nur, dabei möglichst sachlich zu bleiben, keine Vorwürfe machen, keine Mutmaßungen, das berühmte Bei-sich-Bleiben.
Du könntest rekapitulieren, wie es Euch bisher mitcseiner Sucht ergangen ist, was es mit Dir macht, wenn er sich wie oben zitiert äußert/verhält, und - hoffentlich - feststellen, dass Du so wie bisher nicht weitermachen kannst.
Du könntest ihm ganz offiziell die Verantwortung für sein Leben zurückgeben, weil Du ja due Verantwirtung für Dich und deinen kkeinen Sohn trâgst und freundlich, aber bestimmt deine menschlichen Grenzen kommunizieren - wenn Du sie für dich erkannt hast, z. B. Keine Rückfalldrohungen mehr anhören.
Verstehst du, was ich meine? Du brsuchst den Brief noch nicht einmal unbedingt abschicken, aber das Schreiben kann dir bei der Klärung deinerGedanken helfen.
Eines musste ich damals ganz bitter erfahren: Ob das Co-Geschwister (oder -Elternteil)sich ohne Ende grämt, bis es selbst fast den Lebensmut verliert oder ob in China ein Sack Reis umfällt, macht in Bezug auf die Sucht des Angehörigen keinen Unterschied... So wichtig sind wir nämlich gar nicht, und auch nicht so machtvoll...
(Ich habe hier den Eindruck gewinnen, dass Sucht und Co in der Partnerschaft noch mal anders problematisch sind, weil da die romantische Liebe statt der Familienbande ins Spiel kommt).
Also: Raus in die Sonne, den Sonntag genießen und Kraft für dich sammeln! 🌞