Beiträge von Rennschnecke

    Tut mir leid, dass ich (noch) nicht die perfekte Suchtkranke bin. Ich bin eine süchtige Suchende und dachte ganz naiv, hier finde ich Verständnis, Anregung und Ermutigung, meinen gerade erst beschrittenen Weg weiter zu gehen.

    Kritische Worte: unbedingt. Das ist Sinn der Sache. Aber mit der Dampfwalze, moralinsauer, mit Vorwürfen und Unterstellungen? Geht es hier wirklich allen ums Helfen - oder manchen auch nur ums Rechthaben? Been here, done that, erzähl mir nix...

    Hallo, ich bin den allerersten Tag hier! Und zwar süchtig, aber kein kleines Kind (das auch nicht so behandelt werden sollte). Hinterfragt Ihr Euch eigentlich auch mal in eurer Rolle hier - oder nur die tumben Neulinge?

    Ich bin den ersten Tag hier und habe schon an anderer Stelle (bei einem offenbar auch nicht "richtigen" Neuling) die Frage eines Mods gelesen, ob der Neuling denn sicher sei, dass er hier richtig ist. Die Frage könnt Ihr Euch bei mir sparen, die stelle ich mir schon jetzt selbst. Und das finde ich traurig, nicht nur für mich.

    Hallo Whitewolf,

    die Aerztin "kennt" mich bestimmt schon 10 Jahre oder mehr (nicht die erste, aber bisher die beste) und vertraut wohl darauf, dass es mir ernst ist, wenn ich mich nach so vielen Jahren plötzlich freiwillig oute.

    Sie hat selbst lange auf einer Suchtstation in der Nähe gearbeitet, die sie mir auf jeden Fall empfehlen kann. Sie ist sich aber auch nicht sicher, ob ich unbedingt eine stationäre Entgiftung und/oder Reha brauche, und fand es deshalb verständlich, dass ich mich bis zum Augusttermin noch weiter schlau machen will.

    Anfang August steht außerdem noch ein Routinetermin (inkl. großem Blutbild) bei einem weiterem Facharzt an. Ich werde aber darauf nicht länger warten, sondern noch diese Woche zu meiner Hausärztin gehen, dort Farbe bekennen, und nach einem großen Blutbild und Ultraschall fragen. Das habt Ihr mit Euren kritischen Fragen schon mal erreicht 😉, und darum bin ich ja auch hier.

    Hallo Elly,

    danke für die klaren Worte, die brauche und suche ich ja.

    Das habe ich mich auch schon gefragt, ob ich mir was vormache. Aber ich glaube, das ist einfach meine verkopfte Art, die Dinge anzugehen. Ich brauche einen Plan, von dem ich überzeugt bin, damit ich diese Riesenaufgabe wirklich mit voller Kraft und echten Erfolgssaussichten angehen kann, in meinem Tempo.

    Erste Schritte habe ich mit dem Outing bei meiner Psychiaterin und der Anmeldung hier doch schon getan, und weitere werden folgen, weil ich so nicht weitermachen kann.

    Und noch sind für mich zu viele Fragen offen, z. B. soll ich den Grund für meine Reha im Job besser verschweigen, wenn ja, wie stelle ich das an?

    Wie gesagt, ich informiere mich hier und anderswo intensiv und möchte auch keine unnötige Zeit mehr verlieren, bin aber nicht so der Typ für den Sprung ins kalte Wasser.

    Aber Du hast mir mit Deiner Antwort gerade noch mal den nötigen Schubs gegeben, damit ich die kommende Urlaubswoche schon mal für einen Besuch bei der örtlichen Suchtberatungsstelle nutze, und danach geht es dann zu meiner Hausärztin ... werde berichten.

    Danke!

    Hallo zusammen, danke für die ersten Rückmeldungen.

    Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Ich wollte einfach nur beschreiben, wo ich gerade stehe, was mich beim Lesen im offenen Forum gerade besonders interessiert. Um schnelle oder pauschale Ratschläge geht es mir dabei nicht.

    Ich habe aber die Hoffnung, dass ich, wenn ich eines Tages Zugang zum nicht-öffentlichen Bereich habe, dazu hilfreiche Erfahrungsberichte finde.

    Liebe Grüße

    Hallo zusammen, auf der Suche nach einer geeigneten Reha-Klinik bin ich auf dieses Forum gestoßen und sehr froh darüber, denn in eine Gruppe vor Ort traue ich mich noch nicht. Aber das kommt bestimmt auch noch.

    Zu meiner Person: Frau, Mitte 50, mit stressigem Vollzeitjob (wo ich brav funktioniere, ganz wichtig für mich), seit jungen Jahren depressiv (eigentlich gut eingestellt, aber der Alk funkt wohl dazwischen) und definitiv alkoholkrank. Das habe ich lange geahnt, aber auch lange verdrängt, weil ich mir ein Leben ohne den teuflischen "Freund", "Tröster" und "Belohner" Alk (am Abend, das berühmte Feierabendbier, das mit den Jahren langsam, aber sicher immer mehr wurde) nicht vorstellen konnte. Außerdem vertrage ich leider einiges und das Zeug schmeckt mir auch immer noch ...

    Trotzdem hat sich im Laufe des letzten Jahres wohl irgendwas bei mir verändert. Zum einen, weil die höchstwahrscheinlichen Negativfolgen (Zusammenhang noch nicht offiziell diagnostiziert, da ich meinen Ärzten mit einer Ausnahme noch nichts von der Alkoholkrankheit gesagt habe) überhand nahmen (Vitaminmangel, Ausbruch von Autimmunerkrankungen, Adipositas, immer weniger Energie für den Alltag, Angst vor einer Fahne am nächsten Morgen ...) und mich noch Schlimmeres fürchten ließen (Krebs, Demenz, Verlust meiner Eigenständigkeit...).

    Zum anderen sind mir (ohne zunächst danach zu suchen) immer mehr Berichte über bzw. Bücher von trockenen Alkoholikern begegnet, die mich erkennen ließen, dass ein trockenes Leben kein ödes Jammertal bedeutet, sondern viel mehr eine ganz neue Lebensqualität eröffnen kann. Das war ein echtes Aha-Erlebnis für mich.

    Und so lese und recherchiere ich seit einiger Zeit im Netz ganz intensiv und geradezu begeistert zu meinem neuen Sehnsuchtsziel Abstinenz und dem geeigneten Weg dorthin - am Abend aber immer noch mit der Bierflasche in der Hand. Einen kalten Entzug konnte ich mir zum Glück nie vorstellen, "kontrolliertes" Trinken bei mir auch nicht mehr. Bei der Psychiaterin, die mir mein Antidepressivum verschreibt, habe ich mich Anfang des Monats geoutet, denn mit ihr kann ich gut reden.

    Ende August habe ich wieder einen Termin bei ihr, bis dahin möchte ich mich "sortiert" haben, um dann den Reha-Antrag zu stellen und mich organisatorisch und seelisch auf die Reha vorzubereiten.

    Was mich gerade umtreibt, ist die Frage, welche Formen der Entgiftung und der Entwöhnung in meinem Fall am besten geeignet sind (ambulant oder stationär, Kurzzeit oder Langzeit...) und welches Angebot wirklich etwas taugt. Selbstbeschreibung und Bewertungen unterscheiden sich doch oft sehr.

    Dann noch die Angst, ob ich in meinem geliebten Zuhause (bei meinen geliebten Haustieren) überhaupt trocken werden/bleiben kann, da das ja nun mal der Ort meines zunehmend maßlosen Saufens ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, so lange von zu Hause weg zu sein. (Um die Tiere würde sich mein Ex kümmern, der trinkt aber noch deutlich mehr als ich... Ich habe ihm schon gesagt, dass wir uns danach nur noch ohne Alk sehen können ....). Freunde vor Ort habe ich nach meinem berufsbedingten Umzug kaum, alte Freunde sind rar geworden und weit weg.

    So viel zu meiner Ausgangssituation. Entschuldigt bitte den langen Text. Den muss ich aber auch erst mal sacken lassen. Ich freue mich, von Euch zu hören und werde Eure Reaktionen mit größtem Interesse lesen, aber vielleicht nicht immer gleich antworten können. Danke für Euer Verständnis. Liebe Grüße