In mir bricht zur Zeit immer mal wieder Wut aus:
- Wut auf meine Mutter
- Wut auf Elternteile mit alkoholkranken PartnerInnen, die hier aufschlagen und sich beleidigt herausreden, wenn ihnen geraten wird, die Notbremse zu ziehen und an die Kinder zu denken
- Wut, wenn ich ansonsten in meinem Leben mit Ungewissheit oder (auch kleinen und kleinsten!) Widrigkeiten konfrontiert bin
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- aufgrund des letzten Punktes: Wut auf mich selbst!
Enorme WuUUUUUUut: 

!!!!!
So wütend kenne ich mich bisher nicht. Einerseits bin ich froh, meine Wut so deutlich zu spüren. Andererseits ist es ziemlich anstrengend, weil mich diese Gefühle zur Zeit immer wieder völlig in Beschlag nehmen und ich dann nicht zum Arbeiten oder sonstigen Dingen komme.
Es ist heftig. 
Meine Wut hat nicht unmittelbar mit dem Verhalten meiner Mutter zu tun. Eher ist es so, dass ich gerade gegen die gesamte Situation revoltiere und auf sehr unterschiedliche Dinge mit Wut reagiere.
Es kommt mir so vor, als würde sich die ganze angestaute Wut aus Jahrzehnten irgendwie Bahn brechen.
Ich finde es zum Kotzen, keine Mutter gehabt zu haben, und dass ich stattdessen von Beginn an gezwungen war, mit dem Trugbild einer Mutter zu leben. Denn: die Mutter, das ist in meinem Fall ein Trugbild. Es tut jetzt nicht mehr weh, dass es so ist, stattdessen macht es mich einfach nur wütend.
Immerhin: Nicht immer folgt auf die Wutzustände Migräne. Auch wenn es schwer ist, die mit der Wut verbundene körperliche Anspannung loszuwerden, kann ich die sich anbahnende Migräne meist abwenden.
Das versuche ich gerade als Fortschritt zu sehen: Ein neuer Umgang mit meinen Gefühlen. Es ist ja gut, Wut zulassen zu können, und zu registrieren, so dass sich negative Gefühle nicht körperlich Bahn brechen müssen.
Ich achte darauf, nicht andere mit dieser Wut zu überziehen. Es ist ja meine Wut. Stattdessen versuche ich mich selbst freundlich bei der Hand zu nehmen und mir gut zuzusprechen:
Ja, Du bist würtend, das darf ja auch sein. Aber jetzt versuche doch, Deine eigenen Dinge wieder aufzunehmen und auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf Dein Leben zu richten. Da geht Dein Weg lang.
Projiziere Deine Wut nicht auf alles und jeden, der Deinen Weg kreuzt, sondern schaue, dass es Dir gut geht!
Verliere Dein Ziel nicht aus den Augen und sorge gut für Dich! Geh ums Loch herum und behalte das Ziel dennoch fest im Blick! Über Löcher, in die man nicht hineinfällt, kann man drüberschauen (ohne über sie hinwegzuschauen im Sinne von Verdrängen).
Wenn es jetzt nicht klappt, mit dem Funktionieren, dann nimm Dir bewusst eine Auszeit und kümmere Dich um Dich. Und ja, Du darfst Dir auch vorstellen, wie Du wie eine asiatische Kampfsportlerin mit geschickten Beinstößen jemanden von Dir fern hälst. Du weisst ja, dass Abstand halten hilft und Dich schützt.
Es ist nicht leicht, es hinzukriegen. Aber es gibt hier vieles, was ich für mich herausziehen kann und mir sehr hilft. Oft sind es innere Bilder, die ich für mich ausbauen kann. Auch tut es gut, diese Gefühle formulieren und hierlassen zu dürfen und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dafür bin ich sehr dankbar.
Das Forum hilft mir dabei, mich nicht mehr für all das schämen zu müssen. Die Scham und die Schuldgefühle hatten lange alles überdeckt und so unter dem Teppich gehalten. Das zu spüren, ist eine sehr große Erleichterung.
Danke Euch 

LG Siri