Beiträge von Siri

    Heute habe ich seit sehr langer Zeit erstmals wieder gekocht: eine Hühnersuppe. Das ganze Huhn zu präparieren hat mich einige Überwindung gekostet. Es ist halt schon wirklich eine andere Sache als einfach nur ein Stück Fleisch zu machen. Hier war der Hals noch dran (blutunterlaufen) und im Inneren auch noch einige Merkwürdigkeiten...ein bischen gruselig 8o...aber ich habe es geschafft!

    Die Suppe köchelt gerade auf dem Herd vor sich hin und der Duft breitet sich aus. Sonst kocht mein Mann, der ein hervorragender Koch ist. Aber ich möchte auch wieder ab und an kochen, mir fehlte bisher das Selbstvertrauen.

    Ich bin sehr stolz :) und gespannt, wie es schmecken wird!

    LG Siri

    Hallo liebes Forum,

    wieder Mal eine Nachricht von mir.

    In der letzten Zeit hatte ich einige nicht leichte Gespräche mit dem Pflegedienst und der Hausärztin meiner Mutter.

    Beide haben mir deutlich gemacht, dass es meiner Mutter jederzeit sehr schnell sehr viel schlechter gehen kann. Auch meine Mutter erwähnt häufig, dass ihr Leben sich dem Ende zuneige. Sie ist nicht mehr aggressiv zu mir, entschuldigt sich zum Beispiel, wenn sie am Telefon mal ungehalten wird, weil sie etwas überfordert. Sie fragt nun, wenn sie etwas nicht versteht, anstatt in solcher Situation verbal um sich zu schlagen und mich abzuwerten. Das ist ein großer Fortschritt in unserer Kommunikation.

    Ich weiss nicht, wie es zu dieser Veränderung gekommen ist. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich in solchen Situationen immer klar abgegrenzt habe und ihr immer wieder deutlich gemacht habe, dass ich nicht über sie entscheiden kann und will, sondern sie die Verantwortung für ihr Leben selbst trägt. Seit ich meine Wut gut spüren kann, bin ich zudem im Umgang mit meiner Mutter viel ruhiger und gelassener geworden. Meine Anspannung ist weg.

    Der Pflegedienst hat angedeutet, dass sie es sich vorstellen können, meine Mutter zu Hause weiterzupflegen, auch wenn sich ihre Situation verschlechtern sollte. Solange meine Mutter kooperiert, wäre dies möglich.

    Die Ärztin unterstützt das und sieht die weitere häusliche Pflege als Möglichkeit, auch wenn ich nicht vor Ort bin.

    Die Ärztin kann die weitere Entwicklung nicht abschätzen, sie meint, dass es meiner Mutter in Anbetracht ihres Lebensstils aussergewöhnlich gut gehe, dass es aber wichtig sei, auf eine massive Verschlechterung mental vorbereitet zu sein. Sie wird mich bei allen Entscheidungen unterstützen und eng begleiten.

    Meine Mutter hat in letzter Zeit öfter selbst davon angefangen, dass sie süchtig sei, schon immer gesoffen habe. Mich erstaunt dies, dass das jetzt so plötzlich zur Sprache kommt. Aber ich kommentiere es nicht. Es ist ihre Angelegenheit, nicht meine.

    Ich merke, dass es meiner Mutter sehr wichtig ist, ihre Zuneigung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, bei jedem unserer Telefongespräche wird dies deutlich. Sie fragt auch jedesmal wie es mit meiner Sportreha geht.

    Apropos Sportreha: da hatte ich letzte Woche eine Enttäuschung zu verkraften. Das, was ich mir ausgesucht habe, schaffe ich noch nicht. Ich kann mit der Gruppe nicht mithalten. Deshalb gibt es jetzt zuerst einmal eine gezielte Einzeltherapie bis ich dann in die richtige Gruppe wechseln kann.

    LG Siri

    Wie interessant, dass Du die Wut eher bei Deinem Expartner hast, aber weniger bei Deinen Eltern empfindest. Ich habe es beim Lesen andersherum wahrgenommen – da sieht man mal wie viel Übertragung stattfindet, wenn man nicht auf der rein faktischen Informationsebene bleibt, sondern Emotionales zwischen den Zeilen liest.

    Ich hoffe, Du nimmst mir diese Projektion nicht übel. In jedem Fall werde ich vorsichtiger mit solchen Äußerungen sein.

    Hm … kann ich wütend auf meine Eltern sein? Ich weiß nicht, ob „wütend“ mein Gefühl trifft. Sie konnten ja selbst nicht für sich da sein, haben sich selbst nicht geliebt und vielleicht auch nicht von ihren Eltern geliebt gefühlt.,.

    Genauso habe ich lange auch gedacht und mit meiner Mutter mitgelitten. Auch jetzt habe ich Mitgefühl für meine Mutter. Wie es ihr geht, ist mir nicht egal.

    Aber plötzich war sie da, die Wut, aufgrund einer eigentlich belanglosen Äußerung meiner Mutter am Telefon, von der ich mich in Geiselhaft genommen gefühlt hatte. Mich hat geärgert, dass ich dachte, mich verstellen zu müssen und nicht ich sein zu dürfen im Umgang mit ihr.

    Die Wut plötzlich so deutlich zu spüren, hat für mich einiges geklärt. Es hat dazu geführt, dass ich mich ihr gegenüber viel souveräner abgrenzen kann, einfach so, ganz ohne Erklärungen oder Aggressionen. Auf diese Weise muss ich mich nun auch nicht mehr verstellen, auch wenn ich ihr gegenüber nicht offen und weiterhin sparsam mit Informationen zu meinem eigenen Leben bin. Ich habe eine neue Sicherheit im Umgang mit ihr gewonnen und dabei hat mir die Wut sehr geholfen. Ich bin mir nun sehr sicher, dass sie mich nicht mehr in meinen Grundfesten erschüttern kann und keine Macht mehr über mich hat wie damals als Kind, auch wenn ich großen Respekt vor dem habe, was kommen wird. Ich weiß, dass es sein kann, dass ich das nicht alles leicht wegstecken werde. Gleichzeitig weiß ich, dass ich weiterleben und mich an meinem Leben freuen darf.

    Dass ich Wut aus Deinen Zeilen gelesen habe, liegt also hauptsächlich daran, dass ich gerade so froh über meine eigene Wut und die damit verbundenen Klärungen bin.

    Weisst Du, Lanananana, ich glaube, dass zum Verzeihen gehört, durch alle Gefühle zu gehen, die tief in einem vergraben sind. All das zuzulassen und anzuerkennen, dass das wirklich für einen selbst so war, so furchtbar und so schädlich. Alle Dimensionen der Trauer (Sue hat mir geschrieben, dass auch Wut ein Teil der Trauer ist) über die eigene Kindheit zuzulassen, die ja hätte anders sein können. Zu sehen, dass ich mir als Kind die eigene Wut oder andere negative Gefühle nicht erlauben durfte und diesen nicht bewusst wahrgenommenen Gefühlen deshalb ausgeliefert war, das hat mich im Nachhinein sehr wütend gemacht.

    Zugleich weiss ich, dass meine Mutter nicht anders handeln konnte.

    Dennoch: es war für mich nicht gut. Die Einsicht, dass sie nicht anders handeln konnte, macht es FüR MICH nicht besser. Es war schlecht und es wäre so viel besser für mich gewesen keine persönlichkeitsgestörte und alkoholkranke Mutter zu haben. Ich hadere nicht mehr so sehr damit. Vielleicht gerade weil ich mir meine Wut nun erlauben kann? Ich weiß es noch nicht.

    Viele liebe Grüße

    Siri

    Liebe Lanananana,

    ich finde es auch interessant, dass der Begriff so ambivalent auf mich wirkt.

    Vielleicht rührt mein Unbehagen daher, dass Beziehungen sich ja immer wieder verändern, auch wenn es einen festen Kern gibt. Nicht in jedem Moment empfinde ich die Liebe für meinen Mann gleich stark. Auch wenn ich mich sehr oft (meist täglich mehrfach) an seiner Person freue und glücklich bin, dass er in meinem Leben ist, gibt es auch Situationen, wo ich auf ihn sauer bin, wo es Kämpfe gibt und die Empfindung der Liebe gerade nicht sooo präsent ist.

    Liebesbeziehungen sind ja durchaus auch konfliktbeladen. Bei dem Begriff der "bedingungslosen Liebe" schwingt für mich mit, dass solche Konflikte nicht sein dürfen, das idealisiert diese Beziehung extrem. Zudem denke ich, dass es durchaus nicht in Stein gemeisselt ist, dass diese Beziehung ewig währt, auch wenn ich es sehr hoffe, dass uns das gelingt. Aber mein Mann ist ja wie ich auch ein freier Mensch und es kann immer Veränderungen geben. Worauf ich baue ist, dass so etwas nicht aus heiterem Himmel ohne Ankündigung kommen würde. Das wäre auch für mich extrem schlimm, wie ein Verrat an dem bisherigen gemeinsamen Leben und an mir als Person, die auf dieses gemeinsame Leben baut.

    Ich empfinde das, was Dir in Deiner ersten langjährigen Beziehung widerfahren ist, als völlig respekt- und verantwortungslos – nicht im Sinne einer Verantwortung für Dich, sondern im Sinne, dass man Verantwortung für sein eigenes Leben und Handeln übernehmen muss und sich deshalb nicht so leicht herausreden kann wie er das mit seiner faulen Entschuldigung getan hat! Die gemeinsame Vergangenheit einfach so, mit einem Handstreich, gleichsam auszulöschen, indem man verschwindet und sich damit exkulpiert, dass man nicht anders kann, ist furchtbar und völlig inakzeptabel. Es ist unverzeihlich und es empört mich zu lesen, was er getan hat: damit ist dieser Mensch über Deine Person hinweggegangen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das retraumatisierend war.

    Ich lerne zur Zeit meine eigene Wut kennen und bin darüber froh. Aus Deinen Zeilen zu Deiner Kindheit lese ich Wut und das finde ich sehr gut. Ich finde, Du hast auch jedes Recht auf diesen Expartner wütend zu sein, der sich so mies verhalten hat. Für dieses Verhalten kannst Du nichts, es ist einfach unfair und falsch und respektlos.

    Liebe Grüße

    Siri

    Liebe Lanananana,

    ich kann Deine Sehnsucht sehr gut verstehen. Aber für mich hört sich "bedingungslose Liebe" irgendwie nicht richtig an. Vielleicht verstehe ich die Formulierung aber auch nicht richtig.

    Eine Partnerschaft ist doch von Aushandlungsprozessen geprägt. Da müssen immer wieder Grenzen deutlich gemacht und verhandelt werden. Ich musste das erst lernen, dass mein Partner meine Grenzen und Bedürfnisse nicht intuitiv erkennt (war eine falsche Erwartung, die ich und vielleicht auch er hatte, und das führte zu unlösbaren Konflikten). Es werden also immer mal wieder Terms and Conditions forumliert für das gemeinsame Zusammenleben.

    Was meiner Ansicht nach wirklich bedingungslos sein sollte, ist, dass die Existenz des anderen, seine Person / Persönlichkeit nicht in Frage gestellt werden, selbst wenn nicht alle Aspekte der Persönlichkeit für einen leicht nachvollziehbar sein sollten und es dadurch auch wiederholt zu Spannungen und Streits kommen kann.

    Durch den Austausch mit meinem Mann lerne ich, mit den Aspekten, die mich an seinen Gewohnheiten/Eigenheiten pieksen bis nerven, konstruktiver umgehen zu lernen. Das heisst keineswegs, dass ich alles einfach akzeptiere. Ich habe ja auch meine Bedürfnisse, die manchmal konträr zu seinen liegen. Wichtig ist mir, das Gegenüber deshalb nicht abzuwerten, selbst wenn man bestimmte Verhaltensweisen für ein no go hält. Mir hilft es dann mir vor Augen zu halten, dass Perfektion sehr anstrengend wäre und ich ja auch nicht perfekt bin/sein muss. Andersherum ist es, so hoffe ich, auch so.

    Aber vielleicht meinst Du es ja genau so: grundsätzlich zu spüren, angenommensein zu sein, selbst oder gerade in Situationen, wo es knirscht? Für mich ist das die Voraussetzung für Vertrauen, für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und ein gutes Zusammenleben.

    Das kannte ich von zu Hause aus nicht: da wurde immer alles bewertet und oft eben auch Menschen aufgrund von Anderssein abgewertet. Es ging soweit, dass mir die Berechtigung meiner Bedürfnisse abgesprochen wurde, also der Bedürfnisse, die nicht ins Bild meiner Mutter passten. In dem Sinn hat sie somit Bedingungen an ihre Liebe gestellt.

    Das geht aber nicht und wird zum Gefängnis. Paradoxerweise auch für den Menschen, der seine Zuwendung immer unter Vorbehalt gibt, denn so jemand kann sich selbst nie sicher sein, ob auch er wirklich um seiner selbst als Person geliebt wird oder die Zuwendung, die er bekommt, nicht doch einen manipulativen Hintergrund haben könnte.

    Meinst Du es so?


    LG Siri

    Liebe Lea

    ja, die Wut tut mir gut. Gut ist es zu wissen, dass Du diese Wut Phasen auch kennst und dass Du es geschafft hast, sie für Dich zu nutzen. Danke Dir für Deine Anfeuerung, Lea, die kann ich gut brauchen!

    Es ist interessant an mir zu beobachten, dass das, was ich jetzt im Nachinein als unterdrückte Wut erkenne, wie ein schwarzes Loch war, das viel Energie von mir abgesogen hat. Jetzt ist es anders, auch nach dem Abklingen der Wut bleibt die Energie.

    Hoffentlich gelingt es mir, das für mich einzuüben und so zu einem guten und nachhaltigen Umgang mit meiner Kraft zu gelangen.
    LG Siri

    Danke Euch allen für Eure Unterstützung und die vielen Gedanken zu den Facetten der Wut, die Ihr hier einbringt. Das hilft mir sehr bei der Suche nach Möglichkeiten, die Wut nicht bloss passiv auszuhalten, sondern ihre Energie für mich in einer positiven Weise umzulenken. Kein Crash, sondern Fahrkünste sind ja gefragt. Ich muss ausprobieren und üben.

    Dass Wut eine der Trauerphasen ist, war mir nicht klar. Danke Dir Sue für diesen Hinweis! Aber es macht Sinn, denn es gilt ja sich von der Trauer zu lösen und sein eigenes Leben ohne permanenten Rückbezug auf das Vergangene zu leben. Das fällt mir nicht leicht. Erstaunt bin ich aber, dass mit der Wut eine gewisse Leichtigkeit bei mir eingekehrt ist. Auch meinem Mann fällt dies auf und es ist schön für unsere Beziehung. Die permanente Last und Schwere schwebt nicht mehr über allem trotz der immer wieder aufkommenden Wut.

    Danke Dir Alex für den Wut-Smiley! 😬 Es ist ziemlich überzeugend, er zeigt schön die Zähne! :)

    LG Siri

    Liebe Elly,

    danke Dir sehr. Ja, körperliche Anstrengung hilft mir auch. Es lenkt einerseits ab, hilft mir aber andererseits auch, mich selbst zu spüren. Das ist gerade sehr wichtig: mich selber zu spüren und nicht erst, wenn mich ein Migräneanfall dazu zwingt.

    LG Siri

    Liebe Morgenrot,

    danke Dir für Deine Zeilen. Dein Gedanke trifft es gut: das Verstehen und die Gefühle, das zerreisst mich oft. Und bisher habe ich den Gefühlen nicht genug Raum gegeben bzw. sie einfach nicht wahrgenommen.

    Mir ist klar, dass Wutspiralen schlecht sind. Aber es hilft mir gerade, wütend sein zu dürfen und mir die Wut deutlich vor Augen zu führen, in ihrer ganzen Tiefe. Es ist aber kein Abgrund, in dem ich verharre. Denn ich nehme mich dann gleichsam bei der Hand und rede mir gut zu: ja, das darf sein, aber achte gut auf Dich.

    Auch Humor hilft. Oder Mal Schattenboxen. Auch die Smileys anzuschauen und zu merken, dass gar kein passendes hier ist, um meine Wut zum Ausdruck zu bringen (Wo bitteschön ist das Zähnefletschen smiley?)

    Ich probiere da gerade sehr viel aus. Meist ebben diese negativen Gefühle dann auch wieder ab, so dass ich mich ihnen nicht mehr ausgeliefert fühle.

    Es gibt zur Zeit viele Situationen, die nichts mit meiner Mutter zu tun haben, aber in mir Wut provozieren. Es ist neu für mich, mich auch als grummelige, missmutige und wütende Person anzunehmen und lieb zu haben. Ich bin sogar ein wenig stolz auf mich, wütend zu sein, denn ich agiere sie nicht an anderen aus, sondern suche nach anderen Wegen.

    LG Siri

    In mir bricht zur Zeit immer mal wieder Wut aus:

    - Wut auf meine Mutter

    - Wut auf Elternteile mit alkoholkranken PartnerInnen, die hier aufschlagen und sich beleidigt herausreden, wenn ihnen geraten wird, die Notbremse zu ziehen und an die Kinder zu denken

    - Wut, wenn ich ansonsten in meinem Leben mit Ungewissheit oder (auch kleinen und kleinsten!) Widrigkeiten konfrontiert bin :rolleyes:.

    - aufgrund des letzten Punktes: Wut auf mich selbst!

    Enorme WuUUUUUUut: X(:cursing:X( !!!!!

    So wütend kenne ich mich bisher nicht. Einerseits bin ich froh, meine Wut so deutlich zu spüren. Andererseits ist es ziemlich anstrengend, weil mich diese Gefühle zur Zeit immer wieder völlig in Beschlag nehmen und ich dann nicht zum Arbeiten oder sonstigen Dingen komme.

    :twisted: Es ist heftig. :twisted:

    Meine Wut hat nicht unmittelbar mit dem Verhalten meiner Mutter zu tun. Eher ist es so, dass ich gerade gegen die gesamte Situation revoltiere und auf sehr unterschiedliche Dinge mit Wut reagiere.

    Es kommt mir so vor, als würde sich die ganze angestaute Wut aus Jahrzehnten irgendwie Bahn brechen.

    Ich finde es zum Kotzen, keine Mutter gehabt zu haben, und dass ich stattdessen von Beginn an gezwungen war, mit dem Trugbild einer Mutter zu leben. Denn: die Mutter, das ist in meinem Fall ein Trugbild. Es tut jetzt nicht mehr weh, dass es so ist, stattdessen macht es mich einfach nur wütend.

    Immerhin: Nicht immer folgt auf die Wutzustände Migräne. Auch wenn es schwer ist, die mit der Wut verbundene körperliche Anspannung loszuwerden, kann ich die sich anbahnende Migräne meist abwenden.

    Das versuche ich gerade als Fortschritt zu sehen: Ein neuer Umgang mit meinen Gefühlen. Es ist ja gut, Wut zulassen zu können, und zu registrieren, so dass sich negative Gefühle nicht körperlich Bahn brechen müssen.

    Ich achte darauf, nicht andere mit dieser Wut zu überziehen. Es ist ja meine Wut. Stattdessen versuche ich mich selbst freundlich bei der Hand zu nehmen und mir gut zuzusprechen:

    Ja, Du bist würtend, das darf ja auch sein. Aber jetzt versuche doch, Deine eigenen Dinge wieder aufzunehmen und auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf Dein Leben zu richten. Da geht Dein Weg lang.

    Projiziere Deine Wut nicht auf alles und jeden, der Deinen Weg kreuzt, sondern schaue, dass es Dir gut geht!

    Verliere Dein Ziel nicht aus den Augen und sorge gut für Dich! Geh ums Loch herum und behalte das Ziel dennoch fest im Blick! Über Löcher, in die man nicht hineinfällt, kann man drüberschauen (ohne über sie hinwegzuschauen im Sinne von Verdrängen).

    Wenn es jetzt nicht klappt, mit dem Funktionieren, dann nimm Dir bewusst eine Auszeit und kümmere Dich um Dich. Und ja, Du darfst Dir auch vorstellen, wie Du wie eine asiatische Kampfsportlerin mit geschickten Beinstößen jemanden von Dir fern hälst. Du weisst ja, dass Abstand halten hilft und Dich schützt.

    Es ist nicht leicht, es hinzukriegen. Aber es gibt hier vieles, was ich für mich herausziehen kann und mir sehr hilft. Oft sind es innere Bilder, die ich für mich ausbauen kann. Auch tut es gut, diese Gefühle formulieren und hierlassen zu dürfen und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Das Forum hilft mir dabei, mich nicht mehr für all das schämen zu müssen. Die Scham und die Schuldgefühle hatten lange alles überdeckt und so unter dem Teppich gehalten. Das zu spüren, ist eine sehr große Erleichterung.

    Danke Euch :!:<3

    LG Siri

    Willkommen in unserem Forum, Maila.

    Mein Beileid zum frühen Verlust Deines Vaters.

    Auch ich kenne intensive Scham. Wenn sie mich überfällt, habe ich mich bis vor nicht allzu langer Zeit häufig völlig isoliert. Erst jetzt, wo ich mich mit den Auswirkungen der Alkoholkrankheit meiner Mutter auf mich befasse, bin ich mir bewusst geworden, dass diese Gefühle viel mit meiner Kindheit zu tun haben.

    Als Kind habe ich viele negative Emotionen meiner alkoholkranken Mutter oder auch Emotionen von Aussenstehenden, die meiner Mutter galten, auf mich bezogen. Seit ich diese Gefühle besser einordnen kann, verfolgen sie mich nicht mehr so.

    Scham- und Schuldgefühle auszuhalten und/oder zu verdrängen, kostet enorm viel Kraft. Es ist sehr gut, dass Du Dich hier um Dich kümmerst und Dir Unterstützung gesucht hast.

    Dass in Dir Vorwürfe und vielleicht auch Wut hochsteigen, wenn Du an Deinen Vater zurückdenkst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich finde, dass das berechtigt ist und auch einen Platz haben darf. Er hat Dich ja als Kind alleine gelassen. Ich bin überzeugt, dass man die Gefühle nicht verdrängen oder zur Seite packen kann, auch wenn es schmerzhaft ist und Kraft kostet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Gefühle sich durch die Auseinandersetzung verändern. Sie verlieren an Schärfe und bedrängen mich nun nicht mehr so, bzw. es gelingt mir immer besser, mich von ihnen zu lösen, so dass sie mich nicht mehr so lange blockieren.

    Es ist ein Prozess.

    Schön, dass Du hier bist!

    LG Siri

    Ich lese gerade in Deinem langen Faden, Aurora. Und muss ein wenig schmunzeln, weil er so viele Emotikons enthält, die mir ja oft so fremd sind. <3 Ich hoffe es ist in Ordnung etwas zu mir rüber zu nehmen. Ich finde das Bild so treffend, das Du vor Jahren gefunden hast, um Deine Erfahrung in Worte zu fassen.

    Der Weg ist lang und teilweise sehr steinig. Es gab und gibt immer wieder große Löcher, früher bin ich da reingefallen, jetzt kann ich schon drum herum gehen.

    Es ist schönes Bild, das trotz der Anstrengung auch Leichtigkeit und Freude vermittelt. Mir zeigt es, dass ich auch mit mir selbst nachsichtig sein darf. Mich nervt es nämlich oft, wenn ich wieder Mal ein Loch entdeckt habe. Aber eigentlich ist es doch gut, wenn es mir dadurch gelingt, drum herum zu gehen. Slapstickartig stelle ich mir gerade die Alternative vor: Schnurstracks stur geradeaus gehend und schwupps fällt man hinein, ins Loch.

    Danke dafür! LG Siri

    Das mache ich, Schattenkind. Es ist wichtig bei mir zu bleiben, zumal meine Mutter immer wieder riesen Dramen veranstaltet, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Trotz ihrer Klagen macht sie am Telefon aber einen sehr guten Eindruck auf mich. Sie kümmert sich mehr um ihre eigenen Belange. Auch wenn da immer mal wieder einiges schief geht, finde ich das sehr gut und freue mich darüber, dass sie aktiver ist.

    Liebe Iwona,

    ich drücke fest die Daumen, dass die Wunde weiterhin gut verheilt und die Stelle im Urlaub dann nicht mehr so empflindlich ist! Wenn der Schnitt so tief und großflächig war, dann dauert die Heilung einfach und vielleicht geht auch nicht alles so spurlos an einem vorüber wie in jüngeren Jahren, wo die Wundheilung noch den Turbo drin hatte.

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Siri

    Ich selbst bin da auch kein Freund davon. Gerade, wenn es um Selbsthilfe geht.

    Jedoch ist es ein Bestandteil des Forums und eine allgemeine Entwicklung. Ich musste mich auch erst dran gewöhnen. Wenn ich sie einsetzte, dann bewusst und dem Inhaltlichen und nicht aus emotionalen Sympathiegründen.

    Genau das zu trennen, finde ich aber gar nicht so leicht bei den Emotikons, zumal viele keine eindeutige Bedeutung zu haben scheinen, sondern auf mich eher ambivalent wirken. Vielleicht reagiere ich auch deshalb so auf sie?

    Zum Beispiel verstehe ich manche der Smileys nicht wirklich, sie erscheinen mir kryptisch, z.B.:P, :|. Wie soll man die einsetzen? Was bedeuten sie? Wo wäre das angebracht?

    Mr Green :mrgreen: wurde mir ja mal als sarkastisch erklärt, als ich das Ding nicht verstanden habe. Ohne es genau zu verstehen oder vielleicht deshalb, hatte ich eine Art Groll gegen dieses Smiley entwickelt: was zum Henker soll das?

    ^^ habe ich gerade selbst genutzt, weil ich denke, dass es einfach Lachen zum Ausdruck bringen soll. Allerdings empfinde ich das Smiley dennoch irgendwie aggressiv, ebenso wie:D. So völlig sicher, was es genau zum Ausdruck bringen soll, bin ich mir also nicht und selber wollte ich niemals auch nur annährend so aussehen wie das Smiley, wenn ich vor Lachen pruste. Aber wer weiß? Man sieht sich ja selbst nicht.

    Zum Glück gibt es auch welche, bei denen ich sicher zu wissen glaube, was sie bedeuten, und die ich sehr gerne einsetze. Besonders mag ich 8) und natürlich:) und :S.

    Insgesamt ist es eine Krücke, Nuancen zum Ausdruck zu bringen und noch eine weitere Ebene der Kommunikation zu haben. Diesen Aspekt habe ich an den Smileys zu schätzen gelernt.

    Das ist für mich nicht einfach in Worte zu fassen, weil es auf der emotionalen Ebene stattfindet.

    Ich hatte eine Art Sog bemerkt. Die Emotikons, vor allem wenn ich sie bei nicht langjährigen trockenen Alkoholikern genutzt habe, haben den tiefen Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass es hier jemand, auch durch die emotionale Unterstützung im Forum, schafft, schaffen muss. Eine völlig unangebrachte Art, mich hier an jemanden emotional zu binden. Und auch sozusagen magisches Denken: wenn genügend Emotikons verteilt werden, dann muss es doch funktionieren.

    Das ist zum Glück weggegangen. Ich halte mich gerade in Situationen, wo ich merke, dass ich meine eigene Geschichte auf die Person projiziere, jetzt tendenziell eher zurück bzw. versuche dies zumindest. Weniger problematisch finde ich es bei langjährigen erfahrenen Mitgliedern, die eigene Freude über etwas durch so ein Smiley zum Ausdruck zu bringen, weil ich davon ausgehe, dass die Person gefestigt ist.

    Auch verbal hatte ich in den ersten Wochen (Monaten?) viel bei den trockenen AlkoholikerInnen geschrieben. Bei den verbalen Äußerungen ist es der Moderation aufgefallen. Bei den Emotikons hatte ich es selbst bemerkt und mich bereits hinterfragt, nicht aber bei den verbalen Äußerungen. Es war glaube ich, die Mischung, die zur unangebrachten emotionalen Verwickelung geführt hat. Die Emotikons waren aber sozusagen das Einfallstor, weil ich sie emotional getrieben genutzt habe.

    Ich hoffe es ist einigermaßen verständlich, wie ich das meine. Ich denke, dass das nicht generell bei allen so sein muss, sondern individuell sehr verschieden sein kann.

    Mir ist an mir ganz zu Beginn irgendwann aufgefallen, dass ich sorgfältig und eher sparsam mit den Emotikons umgehen muss, weil ich ansonsten in eine Art emotionale Abhängigkeit hineingeraten könnte. Vor allem bei den trockenen Alkoholikern ist es mir aufgefallen, wenn ich mich da beteiligt habe. Es ging mir aber auch generell darum, zu lernen auf die Posts der anderen nicht unreflektiert emotional mit den Emotikons zu reagieren, sondern gezielt. Das habe ich als Gefahr für mich erkannt und Eintrittspforte in eine Art Abhängigkeit in so einem Forum.