Beiträge von Siri

    Liebe Linde,

    ja, das werde ich tun und regelmäßig ins Grüne fahren und spazieren. Das ist das einzige, was hilft, leider immer nur kurz. Ich kann seit Monaten wegen der Schmerzen gar nicht arbeiten, da ich nicht am Schreibtisch sitzen und mich Null konzentrieren kann vor Schmerzen. Es geht einfach nichts. Auch Hausarbeit führt zu mehr Schmerzen. Ich mach dennoch immer ein wenig, einfach als Zeichen für meinen Mann und auch, um wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis zu haben. Sprechen ist oft auch schon zu anstregend ebenso wie hier zu schreiben, auch wenn ich gerne gerade bei den EKAs mehr schreiben würde. Es ist deprimierend, dass es so lange geht.

    Es fällt mir gerade sehr schwer, die Schmerzen weiter auszuhalten und mir ist zum Heulen. Ich bin eigentlich sehr erfahren im Umgang mit chronischen Schmerzen, aber es ist gerade zu viel. Auch weil ich so auf Besserung durch die langen Urlaubsspaziergänge gehofft hatte. Vielleicht sollte ich versuchen in einer Schmerzklinik unterzukommen. Ich denke dann aber immer, dass es ja nichts Bleibendes und nichts Bedrohliches ist und beim Mangel an Plätzen ich es doch einfach durchstehen müsste. Zudem habe ich nun einen Platz in der Gruppentherapie ergattert, die für mich bald beginnt. Auch versuche ich mir es positiv darzustellen, denn so wie es mir geht, kann ich die Belastung mit meiner Mutter nicht selbst tragen und das konsequente Delegieren fällt mir so leichter...Im Moment hilft das aber alles nichts und ich fühle mich als IAS :cry: (musste Lachen als ich die Auflösung zur Abkürzung gelesen habe und versuche mir das nun ein wenig schmackhaft zu machen: gehörst halt zur Zeit zum IAS Club. Immerhin nimmt mich ein Club. Zum Glück kann man aber ja bei Gelegenheit wieder austreten! :mrgreen:)

    Übrigens: An Weihnachten habe ich seit langem wieder Mal ein wenig Wein getrunken (ich trinke nur ganz ganz selten etwas zu besonderen Anlässen und dann nur ganz wenig, denn schon nach einem Schluck bemerke ich eine Wirkung und es bleibt deshalb immer bei wenigen Schlucken, weil ich nicht betrunken sein will). Und das hat mir tatsächlich Erleichterung bei den Schmerzen verschafft. Das war für mich dann das Zeichen, auf keinen Fall in dieser Situation am zweiten Weihnachtsfeiertag erneut etwas zu trinken. Plötzlich wurde mir klar, wie so ein Weg in die Sucht aussehen könnte. Bisher konnte ich mir nicht vorstellen, wie so etwas gehen könnte.


    LG Siri

    Ihr Lieben

    meine Mutter hat den Heimplatz nicht angenommen. Es ist ihr noch zu früh. Es ist ihrs, wenn sie alles bis zur letzten Minute hinauszögert, wird sie nicht mehr wählen können. Ich habe ihr anboten, die anderen Heime, in denen ich sie angemeldet habe, anzusehen, so dass sie dann einen Platz sofort, sozusagen unbesehen, annehmen kann, wenn sie das möchte. Die Pflegeheime können den Bedarf nicht bewältigen und müssen im Grunde unmittelbar ein Zimmer neu belegen. Das hat meine Mutter jetzt überfordert, auch wenn ich sie seit Wochen darauf vorbereitet habe: die Aussicht innerhalb einer Woche umzuziehen und alles aufzugeben. Ich kann das verstehen und ich hätte auch meinen Urlaub sofort abbrechen müssen, wenn sie es angenommen hätte. So war ich also ganz froh, dass sie nicht wollte. Aber wenn sie dann bei den anderen Angeboten auch nicht mitmacht, macht sie nicht mit. Nach dem Schock jetzt wollte sie erstmal gar nichts besichtigen.

    Mein Urlaub am Meer geht heute zu Ende. Es war ganz wunderbar und ich bin gekräftigt, gleichzeitig dennoch von den extremen Dauerschmerzen, die ich wohl noch ein paar Monate auszuhalten habe, zermürbt. In jedem Fall tat der Urlaub sehr sehr gut. Das Laufen am Strand hat die Schmerzen immer phasenweise gebessert. Die Hoffnung, dass die Schmerzen hier schneller weggehen, hat sich nicht bestätigt. Es heisst weiter Geduld zu üben, sich abzulenken und sich viel zu bewegen, so gut es geht. Ich weiß, dass es besser werden wird und ungefährlich ist, bin aber gerade doch sehr niedergeschlagen und nah dran die Hoffnung zu verlieren, wohl auch weil es jetzt wieder in den Alltag in die Stadt zurückgeht.

    LG Siri

    Liebe Frida,

    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.

    Der innere Abstand, von dem hier geschrieben wird, ist zentral. Das zu lernen und die Rettungshoffnung und Verlustängste wirklich ganz loszulassen, ist schwer und mit großer Trauer verbunden, zumindest war und ist das für mich so. Mir hilft auch der räumliche Abstand dabei und ich bin froh, nicht alles aus nächster Nähe erleben zu müssen.

    Aus meiner Erfahrung mit meiner bald 80ig-jährigen Mutter, die ich nun seit einem Jahr begleite und (aus der Ferne mithilfe eines ambulanten Pflegedienstes) zu unterstützen versuche, ist das nicht nur wichtig für Dich, sondern auch die Voraussetzung dafür Deiner Mutter offen zu begegnen. Niemand möchte bevormundet werden, auch jemand, der schwer suchtkrank ist, nicht. Deine Mutter hat ja betont, dass sie Dir und Deinem Geschwister nicht zur Last fallen möchte. Meine Erfahrung mit meiner Mutter ist jedenfalls so, dass sie auch bei den besten Absichten sehr sensibel auf leiseste Bevormundungsanzeichen reagiert und dann alles abwehrt. Oft können die Profis besser helfen als ich.

    Es ist sehr schwer zu akzeptieren, dass nur der Suchtkranke selbst, auch wenn es ja eine lebensbedrohliche Situtation ist, sich retten kann. Ich musste lernen zu akzeptieren, dass ich nicht beeinflussen kann, wie es für meine Mutter ausgehen wird. Geholfen hat mir dabei zu sehen, dass ich selbst oft gar nicht beurteilen kann, was nun gut für meine Mutter ist. Oftmals ist es so, dass aus meiner Perspektive sich rein gar nichts gut und richtig anfühlt, für meine Mutter selbst etwas aber durchaus gut und stimmig ist.

    Hilfe durch Nichthilfe, wie hier oft geschrieben wird, ist wirklich zentral. Nur so hat Deine Mutter die Chance (mithilfe der professionellen Suchthilfen und Reha) Selbstwirksamkeit erfahren. Auch für meine Mutter ist es wichtig, sich als selbstwirksam zu erfahren, auch wenn sie selbst nicht anstrebt ein Leben ohne Alkohol zu führen.

    Liebe Grüße und alles Gute und viel Kraft für Dich,

    Siri

    Danke Dir Lanananana, das mache ich! Es ist hier am Meer wunderschön und das Wandern am Strand tut so gut. Heute hat die Sonne den ganzen Tag gestrahlt. Ich fühle sie immer noch auf meinem Gesicht. Es schafft mich aber auch ziemlich: ich falle jeden Tag todmüde und ein wenig wackelig auf den Beinen ins Bett.

    LG Siri

    Liebe Lea, liebe Lanananana,

    meine Mutter hat mich positv überrascht und wird das Heim besichtigen! Das ist ein sehr großer Schritt.

    Die Empfehlung, die Besichtigung in den Vordergrund zu rücken und die Wahlfreiheit zu betonen, welche die Pflegerin gegeben hat, hat funktioniert. Meine Mutter springt über ihren eigenen Schatten und schaut sich das Heim zumindest einmal an.

    Mal sehen, wie es ihr dort gefällt. Vielleicht nutzt sie diese Chance.

    Für mich wäre es eine große Erleichterung, sie nicht mehr allein zu wissen, auch wenn ich vor diesem Schritt großen Respekt und auch ein wenig Angst habe. Empfehlungen und ein Eindruck sind das eine, die Realität im alltäglichen Zusammenleben ja dann etwas anderes. Ich hoffe einfach, dass sie meine Mutter dort gut pflegen würden und eine gute Balance finden, ihr weitestmögliche Eigenständigkeit gewähren. Meine Mutter macht ja die Nacht zum Tag und meinte gleich, ob sie das dort so weiter halten dürfte.

    Ich bin sehr froh, dass der Pflegedienst es übernimmt, meine Mutter dorthin zu begleiten. Zugleich bin ich aber auch besorgt, weil ich das Heim und die Leute dort dann nicht selbst kennenlerne. Da plagt sofort ein Schuldgefühl.

    Liebe Grüße Siri

    Ja, ich bin jetzt auch selbst etwas positiver eingestellt! Jetzt hoffe ich einfach, dass meine Mutter sich auf die Besichtigung einlässt. Wer weiß, vielleicht merkt sie ja selbst, das es zunehmend prekärer wird für sie, allein zu wohnen. Und das Heim ist wirklich wunderschön gelegen und nicht riesengroß. Das ist ja vielleicht auch ein Vorteil für sie, dass es dort übersichtlicher und nicht ganz so anonym wäre.

    LG Siri

    Jetzt habe ich gleich mit dem Pflegedienst telefoniert. Sie würden am Donnerstag mit meiner Mutter zur Heimbesichtigung gehen!

    Jetzt hoffe ich einfach, dass meine Mutter bereit ist, das Heim zu besichtigen. Die Pflegerin meinte, ich sollte es möglichst offen kommunizieren: als Möglichkeit, die ihr immer noch die Entscheidung lässt.

    Auch wenn meine Mutter nicht aus ihrem gewohnten Zuhause möchte, wäre es auch aus Sicht der ambulanten Pflege eine große Verbesserung für sie. Die ambulante Pflege kommt immer mehr an ihre Grenzen und das Sturzrisiko ist einfach auch sehr hoch.

    Vielen Dank für Eure prompte Unterstützung, Lea und Lanananana, das hilft so sehr einen klaren Kopf zu behalten!

    Liebe Lanananana,

    das wird wohl schwierig, ich hatte bereits angedeutet, dass ich gerade im Urlaub bin. Sie haben ja immer viele Interessenten, ich muss morgen Bescheid geben, ob Interesse bei meiner Mutter besteht. Dazu kommt nun auch noch der Bahnstreik – wir haben kein Auto.

    LG Siri

    Könnte deine Mutter mit einer Pflegerin oder mit irgend wem anderen die Besichtigung machen 🤔

    Danke Dir Lea. Ich werde die Pflegerin fragen, ob das ginge, andere Kontakte hat meine Mutter leider nicht mehr. Ich denke, dass das aber nur Sinn macht, wenn meine Mutter einigermaßen positiv auf das Angebot reagiert. Der Pflegedienst ist sehr knapp mit den Kapazitäten und meine Mutter toleriert nur eine einzige Person dort.

    Mir graut ehrlich gesagt vor dem Anruf bei meiner Mutter heute Abend.

    Hallo liebes Forum,

    ich mache gerade Urlaub und es ist ganz wunderbar: Sonne, Wind und Meer. 8) Meine Fitness, die wegen der extremen Schmerzen in den letzten Monaten ziemlich gelitten hat, wird immer besser. Die Schmerzen sind leider immer noch da.

    Heute kam eine Nachricht von einem Pflegeheim, das für meine Mutter einen Platz hätte. Einerseits bin ich sehr erleichtert, dass sie sie dort nehmen würden, andererseits weiß ich aus vorangegangenen Gesprächen mit meiner Mutter, dass sie dies wohl vehement ablehnen wird. Es kommt für sie "zu früh". Sie hat mich am Telefon in den letzten Wochen immer wieder regelrecht angefleht, nicht zu früh ausziehen zu müssen. Jetzt kommt aber noch dazu: Ich müsste meinen Urlaub abbrechen, um mit ihr das Heim zu besichtigen und dann innerhalb einer Woche den Umzug zu organisieren.

    Ich merke gerade, dass ich dazu nicht bereit bin. Ich brauche die Erholung und tendiere deshalb dazu, dieses Angebot nicht wahrzunehmen, auch wenn es ein hervorragendes Heim ist (es ist meine erste Wahl). Aber mir ist jetzt tastächlich das Risiko zu groß, dass meine Mutter zwar sehr gerne das Heim anschauen wird, doch dann eben nicht bereit ist dort auch einzuziehen. Das mag egoistisch sein, aber meine Kräfte sind auch aufgrund der zermürbenden Schmerzen gerade nicht sehr ausgeprägt. Es ist ein sehr schön gelegenes und sehr gut geführtes Haus, es wäre eine echte Chance für meine Mutter. Dagegen steht mein Urlaub (noch 8 Tage) und die zunehmende Erholung. Aber wenn meine Mutter negativ reagiert und dies nicht als Chance sieht, werde ich diese Chance für sie vorüberziehen lassen. Moralisch ist das wohl ziemlich fragwürdig: meine 8 Tage Erholung gegen das zukünftige Leben meiner Mutter. :/

    Wie seht ihr das?


    LG Siri

    Gestern habe ich beim Stöbern im Internet Lachyoga entdeckt: Lachen ohne Grund. Das klingt völlig bescheuert und fühlt sich auch erstmal so an, aber nach einiger Zeit war das Lachen nicht mehr künstlich, ich musste über die idiotische Situation des Lachens ohne Grund lachen und es kamen tatsächlich Glücksgefühle auf. Mein extremer Dauerschmerz wurde erstmals besser.