Beiträge von Hobbes

    Tiger1991

    Den Satz

    Mir vergibt, dass ich ihm sein Zuhause, seine Kinder und seine Ehe genommen habe.

    finde ich interessant. Ich bin trockener Alkoholiker, habe meine letzte Beziehung nach über 12 Jahren durch meine Sucht in den Sand gesetzt. Selbst wenn ich weiß, dass ich eine Suchterkrankung habe, hatte ICH sehr lange Schuldgefühle, weil ich natürlich auch für meine Sucht gelogen, getäuscht und manipuliert habe.

    Du nimmst ihm meiner Meinung nach nicht sein Zuhause, seine Kinder, seine Ehe sondern er/seine Sucht.

    Er hat es, genau wie ich, jederzeit in seiner Hand die Sucht anzuerkennen und mit Abstinenz zu kontern.

    Ich hoffe du kannst dich von dem Gedanken "ich bin Schuld" zukünftig lösen, du reagierst nur vollkommen richtig eine belastende Situation.

    Ja das wegdriften von alten "Freunden" habe ich auch so erlebt und auch meine Teilnahme an gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen hat sich verändert.

    Ich hatte einen Arbeitskollegen mit dem ich jedes Wochenende in Bars getrunken habe. "Mit dir kann Pferde stehlen, Leichen vergraben. Auf dich ist Verlass beste Freunde...etc".

    Nach meinem Entschluss zur Abstinenz bin ich natürlich nicht mehr in Bars, maximal noch mit ins Restaurant essen, während er sich ein Bier nach dem anderen genehmigt hat. Da ich ebenfalls wieder mit Sport angefangen hatte und explizit auf Schlafhygiene achte, war ich natürlich auch immer der erste der gegangen ist.

    Es verlief sich selbstverständlich mit der Zeit, irgendwann beim einkaufen wieder getroffen "Und? Bist du immer noch auf deinem Gesundheitstrip?" Die Frage hat im Grunde alles beantwortet, was diese "Freundschaft" ausgemacht hatte (auch von meiner Seite). Eine weitere Person mit Alkoholproblem, um sich weiterhin die eigene Illusion der Normalität bewahren zu können...

    Ein bisschen Bedauern empfinde ich manchmal schon noch aber das gilt wenn ich ehrlich bin nicht den Menschen mit denen ich getrunken habe, sondern dem Gefühl der Zugehörigkeit. Alkohol hat das für mich erleichtert, die Abkürzung quasi. Jetzt knüpfe ich Verbindungen nüchtern, ist manchmal unsäglich anstrengend für mich aber es lohnt sich immer.

    Kleb dir mit Post it ein fettes "NEIN" auf den Buzzer für die Türe oder je nach Wohnungskonstellation (Eigentum, Mehrfamilienhaus etc.) eine andere kreative Lösung.

    Türe von innen abschließen und Tesa drüber, was auch immer.

    Klingt total bescheuert aber das Problem ist ja:

    Jetzt bereitest du dich rational auf das mögliche Szenario vor, weißt was du willst und tun möchtest. Und wie von dir selbst angesprochen, wirst du dann vielleicht doch schwach wenn er vor der Türe steht. Vielleicht reißt dich die Vorbereitung wieder aus dem Moment raus und du erinnerst dich daran, was du eigentlich wirklich wolltest: nicht aufmachen.


    Das hilft mir häufig, wenn ich weiß (egal ob privat oder beruflich), dass eine Situation auf mich zukommt die potentiell emotional aufwühlend sein könnte.

    Das Problem an einer Kommunikation über Text ist ja oft die Gefahr der subjektiven Interpretation aber du liest sich gerade komplett anders als zu Beginn deines Threads!

    Sehr fokussiert und bestimmt, klar in deiner Idee der Umsetzung und gleichzeitig resistent in Bezug auf die Aussagen deines Mitbewohners. So fühlt es sich für mich an, das wollte ich dir nur kurz da lassen.

    Und herzlichen Glückwunsch zur Wohnung!

    Ich kann nicht in die Zukunft schauen aber ich bin sehr zuversichtlich, dass deine Kinder die Veränderungen gut annehmen können. Ein sicheres und beständiges Zuhause kann Großes bewirken

    Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis sich meine Gedanken und Emotionen wieder von der Sauferei erholt und eingependelt hatten. Nach vier Tagen von "Wille", "Stärke" und wie ein gesunder Mensch weitertrinken sprechen halte ich für die Anfangseuphorie, allerdings ohne jegliche Krankheitseinsicht. Sollte er Alkoholiker sein kann er nie wieder trinken. Punkt.

    Bin mittlerweile der Meinung ein gesunder Mensch trinkt gar nix...aber das ist nur meine Sicht als trockener Alkoholiker.


    Da DU dich ja hier angemeldet hast lautet ja eher die Frage: würdest du ihn jetzt zurücknehmen?


    Wärst du tatsächlich bereit nochmal eine Runde bis zum nächsten Rückfall mitzumachen? Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, siehe "wie ein gesunder Mensch trinken"....

    Okay, ein kalter Entzug ist definitiv zu vermeiden aber schade, dass das (wenn ich das richtig verstanden habe) eine eigene Entscheidung und nicht die eines Arztes war.

    Ich bin etwas irritiert, dass die Suchtberaterin trotz seines Konsums versucht hat ihm deine Gefühlswelten zu vermitteln aber da spricht vermutlich meine persönliche Erfahrung als Alkoholiker: bei mir ist davon absolut nix angekommen...

    Da wäre es vllt sinnvoller gewesen, dich aufzubauen und zu stärken. Unabhängigkeit entwickeln und Pläne ausarbeiten, wenn die Langzeit schief geht und dein Partner weiter trinkt. Konsequenzen besprechen, Grenzen definieren etc. ...

    Das wird auf jeden Fall deine Aufgabe sein, auch was die räumliche Trennung angeht. Das wäre im Rahmen der Langzeittherapie deine Chance da endlich einen Riegel vorzuschieben. Wortwörtlich! Deine Wohnung kann nicht wieder Anlaufstelle sein nach der Therapie, die Zeit danach ist die knackige und insbesondere die Stimmungsschwankungen muss man niemandem antun (ich hatte diese jedenfalls).

    Ich lasse mich gerne eines besseren belehren aber basierend auf deinen Schilderungen habe ich bei deinem xy kein gutes Gefühl für seine Abstinenz. Und wie sage ich immer gerne:

    Hoffe auf das Beste, rechne mit dem Schlimmsten.

    Mein "Vater" hat mich geschlagen bis ich alt genug war mich zu wehren.

    Bitte löse dich von dem Gedanken, dass du deinen Kindern etwas weg nimmst. Im Gegenteil, du schenkst ihnen etwas wenn du gehst nämlich Ruhe, Beständigkeit und die Möglichkeit, eine andere Perspektive kennenzulernen. Eine ohne diesen emotionalem Missbrauch, denn das ist faktisch Gewalt!

    Und meine Gedanken zum "Vater": Das ist kein Geburtsrecht, nur weil einen Teil seiner DNA beisteuert. Das ist ein Titel, den man sich erarbeitet indem man seinen Kindern mit Milde, Liebe, Zuneigung, Vertrauen und Verständnis begegnet. Eine Aufgabe, die auf Vorleben und Verantwortung beruht. Ist dein Partner das aktuell für deine Kinder?

    Und natürlich lieben deine Kinder ihren Vater, was sollen sie denn akuell sonst tun? Das Hinterfragen, die Aufarbeitung kommt dann bedauerlicherweise meistens später im Leben, wenn einem (mir) ein Gegenüber entgeistert bis schockiert spiegelt, dass so keine normale Kindheit aussieht.

    Wie sieht es denn mit dem Vorschlag der Wohnungszuweisung bei euch in der Gegend aus? Wäre das eine Option die nutzbar wäre?

    Vielleicht wartet er aber auch auf den ersehnten rettenden Tritt in den Allerwertesten, das ist aber eher seltener. Fingerspitzengefühl brauchst Du allemal, sonst blockt er gleich, sehr wahrscheinlich jedenfalls.

    Meine Gedanken zu den beiden Sätzen:

    Einem Alkoholiker den fehlenden Tritt zu geben sollte auf gar keinen Fall deine Aufgabe werden. Wie bereits erwähnt ist das nicht nur selten erfolgreich sondern auch nicht deine Baustelle. Das kann ganz schnell wieder in die Spirale "Hoffnung" führen.

    Und Fingerspitzengefühl kann man auch so interpretieren, dass DU dich, seine Reaktion antizipierend, verbiegst und auf Eierschalen gehst, um ihn nicht zu verärgern. Damit kann sich auch wieder der Fokus von deinen Gefühlen zu der Frage hin verschieben, wie er sich damit fühlt.

    Plane deine Konsequenzen, damit du nicht einknickst und ihm signalisierst "mit der kann man's machen, traut sich ja doch nicht" und äußere deine Bedürfnisse klar. Die Diagnose Alkoholiker soll sein Arzt oder er selbst stellen.

    Bei mir hat beides nicht funktioniert, weder wollte ich hören dass ich Alkoholiker bin und dass ich die Beziehung an die Wand gefahren habe, war mir erst klar als ich den Satz

    "Ich kann und will das nicht mehr, dein Alkoholkonsum stört mich unfassbar, ich trenne mich und ich möchte dass du ausziehst" von meiner Ex gehört habe.

    Mit mittlerweile nüchternen Blick war das die einzig richtige Entscheidung von ihr, ich wollte mir bis zur Krankheitseinsicht vor drei Jahren nicht helfen lassen.

    Du kannst einen anderen Menschen nicht ändern, sondern nur entscheiden, ob du weiterhin in dieser Situation bleiben willst.

    Es freut mich, wenn das für dich wieder passt aber hoffe genau wie Cadda , dass sich das niemand der Co-Abhängigen als Vorbild nimmt.

    Wenn das Hoffen und Bleiben schief geht, ist wieder Lebenszeit den Bach runter gegangen. Und als abstinter Alkoholiker ist folgendes (sollte sie Alkoholikerin sein, was ich nicht entscheiden kann)

    inzwischen trinken wir manchmal wieder etwas. sehr wenig nur und nur wenn das setting passt und nie aus frust ... nie zum verdrängen.

    nichts weiter als eine Trinkpause mit anschließenden kontrollierten Trinken.

    Das Problem ist also weiter existent, der Leidensdruck aber wieder auf "erträglich" reduziert. Ihr Alkoholproblem ist nicht deins aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geht das in die nächste Runde.

    Das es sich für dich wie ein Happy End anfühlt, möchte/kann ich dir nicht nehmen aber ganz pragmatisch gesehen ist das aus Sicht der Sucht kein Fortschritt.

    Ich schließe mich da Aurora an. Habe heute morgen deinen Beitrag gelesen und mein erster Gedanke dazu war ebenfalls positiv.

    Die Ambivalenz dieser Emotion empfinde ich als absolut normal und auch wichtig beide Seiten zu bemerken.

    Du hast in diesem Gedanken deinem Ex Partner die Verantwortung und auch die Konsequenz seines Handelns zurück gegeben.

    Ich finde das ist ein großartiger Fortschritt, ich persönlich freue mich über so etwas immer wahnsinnig. Es zeigt, dass sich was bewegt und verändert.

    Ich lasse dir auch noch kurz etwas hier, bevor ich es vergesse. Du hattest ja bereits geschrieben, dass das sehr viel Input heute war, deshalb musst du auch überhaupt nicht antworten oder kommentieren.


    Meine Abstinenz besteht aus zwei Bestandteilen.

    Die Basis ist für mich:

    "Ich bin Alkoholiker, das werde ich mein Leben lang sein. Ich kann keinen Alkohol mehr trinken, falls doch werde ich eher früher als später sterben."

    Das ist die schonungslose Tatsache, ein Fakt, kontinuierliche Abstinenz die einzige "Heilung"/Stillstand für meine Alkoholkrankheit. Punkt.

    Darauf aufgesetzt kommt meine Zufriedenheit mit meiner Abstinenz:

    Ich mache wieder Sport, meine Depressionen sind so gut wie weg, meine Persönlichkeit hat sich positiv verändert, konnte aufhören zu rauchen, habe 23 kg abgenommen etc ...

    Falls sich meine Abstinenz nämlich aufgrund von Stress, Schicksalsschlägen, einfach besch***enen Zeiten nicht mehr dolle angenehm anfühlt, falle ich ohne Probleme auf die Basis zurück --> siehe oben.

    Meine Zufriedenheit ist nicht die Motivation für meine Abstinenz sondern das Ergebnis selbiger. Und die ist indiskutabel.

    Dieser Twist in der Formulierung hat mir mehr Klarheit über meine eigene Situation gebracht.