Beiträge von koda

    Guten Morgen, Alexa

    ich wollte dir auch schon früher zurückschreiben, aber dann war so viel los bei mir, daß ich nicht die nötige Ruhe gefunden habe. Aber ein paar Sachen gingen mir durch den Kopf, als ich deinen Post gelesen habe:

    Er kennt mich so gut, und hat ja alles miterlebt und mitgetragen. Er weiß um meine Dynamiken. Das gibt mir ein bisschen Sicherheit, sollte ich abgleiten und es nicht merken, merkt er es bestimmt.

    Wenn du über ihn schreibst, lese ich sehr viel Zuneigung heraus. Das ist vielleicht auch mit ein Grund, warum du bisher bei ihm geblieben bist, und seine Dynamiken wiederum mitgetragen hast. Ihr stützt euch gegenseitig, und gleichzeitig ist das ja ein sehr wackliges Konstrukt. Da kann aus ein bisschen Sicherheit auch schnell ganz viel Unsicherheit werden. Also um mal beim Bild zu bleiben, ist es eigentlich eine Sicherheitslücke. Für den Moment hält das Konstrukt, aber stabil ist es nicht.

    Wie schätzt du es selbst ein?

    Der eine Rückfall noch, schreibst du, wie ist das gemeint? Ziehst du dich dann zurück?
    Ich kenne es von mir, daß ich Situationen / und auch Dynamiken sehr oft sehr lange ausgehalten habe. Auch weil ich es nicht anders kannte, aus meinem Elternhaus, da wurden schwere Zeiten auch ausgehalten. Als ich dann auszog und mir schwor, so will ich das nie im Leben haben, schien mein "Nie Wieder Plan" auch erst mal aufzugehen. Ich hab mir Menschen gesucht, die mir guttaten. Mich sein ließen, mir meine Freiheit ließen. (das hab ich aus der Kindheit mitgenommen, ein großer Drang nach Unabhängigkeit.)

    Ich bin dann Jahre später doch in eine große emotionale Abhängigkeit zu jemandem geraten und hab sehr lange keinen Weg für mich rausgefunden. Es fühlte sich irgendwie sogar schlüssig an. Weil ich mich verstanden fühlte, und trotzdem ließ ich mich nicht gut behandeln. Als müsste ich was wiedergutmachen, was meine Eltern nicht hinbekommen hatten, was ich jetzt stellvertretend doch noch lösen wollte. Ich glaube meine Art mich kleinzumachen in dieser Dynamik führte dann auch dazu, daß derjenige sich wiederum (zu) gross machte. Und ich hatte permanent das Gefühl eine Lebensaufgabe zu haben. Hatte was schicksalhaftes (in meinem Kopf). Jeden Rat von Freunden in den Wind geschossen, mich da emotional rauszulösen. Es ging für mich schlicht nicht.

    Eigentlich wollte ich noch was zum Impostern schreiben, weil ich das von mir auch kenne. Daß ich eine Jobanfrage hatte, und statt sie anzunehmen, hab ich andere Leute empfohlen, die das viel besser hinkriegen als ich. Natürlich haben die nie mehr angerufen. Absurd.
    Dabei weiß ich doch eigentlich was ich kann. Hinterher. Wenn die Konfrontation vorbei ist. Ich nicht mehr "performen" muss.
    Ganz viel ist ja auch einfach Behauptung. Breitbeinig irgendwo reinlaufen, laut sein, sagen ja kann ich mach ich. Anderen sagen was sie machen sollen. Mir kam das immer falsch vor. Also es kommt mir immer noch falsch vor. Warum soll ich was darstellen, was ich nicht bin?

    Ein Gedanke kommt mir da jetzt noch. Wenn ich genauer weiß was ich kann, und was ich bin (ich fass mich da an die eigene Nase), dann kann ich dazustehen. Manche Sachen verkleinern sich dann automatisch, wie vielleicht dieser Vorfall bei dir auf der Arbeit. Was ist schlimm dran, mal Scheisse zu sagen, wenn man genervt ist oder was nicht klappt.

    Der Moment geht ja auch vorbei. Und dann passiert vielleicht was anderes, wo du sagst, "Toll, gut gemacht".
    Und vielleicht wird auch einfach nicht die ganze Zeit bewertet was man so tut und sagt, also im eigenen Kopf vielleicht schon. Aber von außen, machst du einfach deine Arbeit. Mal genervt, mal gut gelaunt, mal nachdenklich, und gesehen wird dann eher der Gesamteindruck.

    Ich wünsch dir ein erholsames Wochenende Alexa. Mit Zeit für dich, und guten Träumen, wenn du schläfst.

    Koda

    Ich gebe Jump auch recht. Bei mir sind da wirklich alle alarmglocken angegangen. Deine Angst ist nicht unberechtigt. Wenn er wirklich psychotisch ist, und er liest sich grade nicht mehr zurechnungsfähig, die geschichten sind ja haarsträubend, jedenfalls ist damit nicht zu spassen.

    Vor einigen Jahren gab es bei mir im Haus einen psychotischen Alkoholiker, der zeitweise durchgedreht ist. In diesen Phasen war er absolut gefährlich (wenn nicht "drauf" dann eigentlich ein lieber Kerl). Unterm Strich war er aber eine ziemliche Zumutung. Er wohnte direkt neben uns, und hat unserem Stockwerk das Leben einige Monate zur Hölle gemacht. Beim Nachbarn gegenüber versuchte er eines Tages die Tür mit einer Axt einzuschlagen. Er wurde regelmässig von der Polizei abgeholt, oder auch wahlweise Krankenwagen. Dann war ein paar Wochen Ruhe bis er wieder vor der Tür stand.

    Bei mir kommen da unschöne Erinnerungen auf. Und er war "nur" vor der Haustür. Nicht im Safespace Schlafzimmer.
    Bitte bitte pass auf dich auf. Vielleicht kannst du ein Näherungsverbot erwirken?

    Liebe Grüsse

    Wie es deinen kindern geht wollte ich auch fragen. Haben sie was mitbekommen von dem Einbruch? Ich nenns mal bewusst so. Weil unabhängig davon daß er auf dem papier mieter ist und bestimmte rechte geniesst, heisst das nicht, daß er nachts in dein schlafzimmer darf. Geht dann schon eher richtung stalking.

    Liebe Alexa
    wie war deine Nacht heute?

    Die Alpträume hängen vielleicht auch mit dem Verlust deiner Hündin zusammen, in Kombination mit reduzierter Medikation hat deine Seele wahrscheinlich ein bisschen mehr zu bearbeiten in diesen Tagen. Träume können auch so lebendig sein, vorallem wenn man sich am Stück an sie erinnert, können sie einen noch stunden- manchmal tagelang begleiten, das kenne ich auch von mir.

    Ich habe irgendwann angefangen meine Träume aufzuschreiben, manchmal habe ich sie auch gezeichnet, wenn sie mich gar zu sehr aufgewühlt haben. Etwas ist dann passiert in mir, was irgendwie heilsam war. Ich glaube weil sie aus dem was mir so angst gemacht hat, tief in mir drinnen, in eine form kommen durften. (und damit auch eine art begrenzung). Im Schlaf bin ich dem traum ausgeliefert, oder er passiert einfach. Zumal wenn mein rationales Denken und das was ich das souveräne Wach-Ich nennen würde, dann grade nicht zur Verfügung steht.

    Gerade die klare Erinnerung daran beängstigt mich manchmal sehr.

    Ja das kann ich gut nachfühlen. Ich hatte danach viel mit Angst zu kämpfen und mich sehr lange an bestimmte Erinnerungen auch nicht "rangetraut". Trotzdem hab ich immer wieder darüber geredet, mit engen Freunden, die mich doch sehr auffangen konnten, und hab die Tränen laufen lassen, wenn sie rauswollten. Noch eine Sache fällt mir grade ein, die ich für mich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe: Ich bin sehr vorsichtig, mit was ich meinen Geist füttere.

    Manchmal denke ich, die Achtsamkeit mir selbst gegenüber beinhaltet auch, daß ich nicht alles in mich hineinlasse. Zugegeben, bei Träumen ja schwierig, weil die so durch einen durchwandern, als wäre man durchsichtig. Aber tagsüber kann ich das zumindest mehr kontrollieren.

    Ein Herzensgruss zu dir

    Koda

    Liebe Alexa,

    schön von dir wieder zu lesen! Du hattest ja deine Psychose schon mal erwähnt, hab das grad noch mal kurz nachgelesen. Aber da jetzt Alpträume dazukommen, ist es bestimmt gut, da ein Auge draufzuhaben.

    Wieso wollte du denn deine Medikation noch mal reduzieren?

    Bei meiner Mutter habe ich einmal einen psychotischen Rückfall erlebt (nennt man das so?) Ich dachte, es ist vorbei und dann eines Abends war es wieder da. Das ist lange her, und ich war ein Teenager. Es war mindestens so beängstigend wie der erste Ausbruch, allerdings lagen auch nur ein paar Monate dazwischen und nicht 3 Jahre wie bei dir. Ich konnte nicht so gut damit umgehen.

    Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du gut auf dich acht gibst, oder was du tun kannst, damit es dir gutgeht.

    "so wie er sie brauchte um stark sein zu können, benötigte sie seine Niedertracht, damit sie verzeihen konnte. Sie fühlte sich zu schwach für ein Leben in Freiheit und zog eine fadenscheinige, kalte Geborgenheit vor. Ich weiß nicht warum.. Sie hatte auch keine Kraft für Wut, konnte immer nur verzeihen statt schreien, und stets hatte sie Angst, sie könnte etwas verlieren... Was sie nie besaß."

    Das macht mich traurig 😢

    Wie ist das gemeint? Schreibst du da über dich selbst?
    Es tut mir leid, daß deine Hündin nicht mehr da ist. Liest sich aber auch so, daß ihr einen schönen Abschied miteinander hattet. Wie man es sich nur wünschen kann.

    Alles Liebe,
    Koda

    Danke für deine arbeit und know how alex. Seit ich grad an eigener webseite bastele, ist nur wordpress aber trotzdem mit css und js weiss ich die arbeit von informatikern wieder ganz neu zu schätzen. Hat soviel nerven gekostet, ein fehler weg, kommt der nächste um die ecke...

    Serverschluckauf :) manchmal denke ich, doch ja, alles lebt auch die nullen und einsen.

    Zeit für ein Update, ist ja eine Weile her. Wie es der Zufall will, war xy mal wieder zu Besuch bei mir.

    Gespürt habe ich den gleichen immensen inneren Widerstand zu kapitulieren und zu sagen, ja ich brauche hilfe, ich komm nicht weiter, wie in der Zeit als er noch getrunken hat.

    Ich zitier mal mich selber, weil das auch irgendwie erschreckend und traurig ist. Es ist als wäre keine Zeit vergangen. Den gleichen Satz könnte ich heute schreiben und er würde immer noch stimmen. Allerdings möchte ich auch hinterherschieben, daß ich letztlich nicht weiß, was wirklich in ihm vorgeht und ich mich daher für mich wenn wir uns begegnen auf etwas anderes konzentrieren kann und möchte:

    Wie sieht die Zeit aus die wir miteinander verbringen? Die kann ich gestalten, darauf reagieren. Auch mich ärgern, wenn ich das Gefühl habe, es geht jetzt zuviel um ihn und das kommunizieren.

    Das klappt besser möchte ich für mich konstatieren. Noch vor einem Jahr hätte ich meinen kompletten Tagesablauf auf ihn umgestellt. Aus der Haltung heraus, - ich kann es ja, weil ich die Stabilere bin? - Was dann dazu führen kann, daß ich meine Grenzen schlechter schütze - ich bin ja die Flexible, ihm geht es so schlecht, ich kann es abfangen, usw.

    Meine Erkenntnis aus diesen Tagen ist, auch bei allen anderen Lebensthemen kann jeder nur sich selbst helfen, VORALLEM wenn keine Hilfe gewünscht ist.

    Für ihn was recherchieren, Hilfe raussuchen (die er gar nicht will), ich hatte mir fest vorgenommen, das nicht mehr zu machen. Habs dann doch gemacht und danach wieder gelöscht. Ich halte für mich fest: muss nicht alles immer sofort klappen. Die eigenen Muster umstellen braucht Zeit, es braucht aber vorallem Übung.

    Das wollte ich hier hinterlassen, für mich und euch zum Nachlesen. Dranbleiben, den inneren Zeigefinger weglassen und stattdessen eine Korrektur meines Verhaltens. Muss sich nicht sofort super anfühlen, - überhaupt - meine Gefühle sind nicht der beste Kompass - sondern stattdessen eher auf meine Intuition hören. Die mich manchmal dahin leitet, wo es sich erst mal komisch anfühlt, weil raus aus der eigenen Komfortzone.

    Wie unterscheiden zwischen Gefühl und innerem Kompass? Der ist mir wichtig.

    Euch einen schönen Tag

    Und jetzt erst ab zur Arbeit.

    Wir wurden als Kinder oft alleine gelassen. Für uns hieß das ein bisschen aufatmen. Sonst wurde viel kontrolliert. Aber die Zeiten wenn meine Eltern nicht da waren, waren oft toll für uns. Ein bisschen Schokolade aus dem Schrank, und Fernsehen, lachen, spielen.

    Es gab andere Sachen, die uns möglicherweise mehr geschadet haben. Schwer zu sagen. Am Ende der Kindheit ist man mit dem ausgestattet, was man eben so erlebt hat und was einem gezeigt und mitgegeben wurde.

    Was sie momentan erleben durch dich ist aber doch erst mal toll. EInen nüchternen Vater der für sie da ist. Und ihnen vertraut, wenn sie alleine sind. Wenn du dir Sorgen machst, kannst du ihnen das ja vielleicht auch sagen.

    Lieben Gruss