Beiträge von koda

    Puh das ist für mich als EKA auch sehr schwer auszuhalten, das zu lesen. Dein kleines Kind geht doch noch in den Kindergarten oder? Schütteln, Schubsen (oder was auch immer das Rumsen war) ist Gewalt gegen Schwächere, die sich nicht wehren können. Noch nicht möchte ich fast schreiben, weil das was die beiden jetzt erleben, das ist für immer auf deren Lebensfestplatte gespeichert. Die Angst vor der Cholerik eines Elternteils kenne ich auch. Das Resultat war, daß ich ein sehr braves verängstigtes Kind war, und mein Geschwister aber irgendwann in den offenen Widerstand ging. Das Verhältnis wurde NIE WIEDER innig.

    Das mit der Wohnungssuche ist sicher sauschwer, ich wohne selbst an einem Ort wo die Suche danach abartig ist. Aber du meintest doch mal du kannst zur Not auch zu den Eltern. Was hindert dich daran, euch, vorallem aber deine Kinder aus der Situation rauszuholen, sie einfach nicht mehr dieser Gefahr auszusetzen?

    Durchwachsen schreibst du. Weil er zwischendurch liebevoll ist. Für mich war DAS Schlimmste: das ich kein Vertrauen hatte, wann das nächste Mal Cholerik sein würde. Die Grundsteine legt ihr ja beide. Er in dem er sich nicht im Griff haben kann oder will, er scheint ja diese schwarze Pädagogik auch noch vertreten, und du, indem du den Zustand verlängerst.

    Fakt ist, die Kinder sind immer noch phasenweise mit ihm alleine. Das, ums mal klar zu benennen, gefährdet ihre Sicherheit.

    Es gab so viele schöne, tolle Momente auf Foto festgehalten. Das hilft aber nix, wenn es vielleicht Abends oder anderen Tags wieder Chaos und Verzweiflung herrscht.

    Die gab es bei uns auch. Und ich würde auch nicht sagen, das die nix helfen. Weil das tun sie schon. Insofern hat dein Sohn doch auch recht, selbst wenn er dich mit seinem Tonfall nicht gut abholen konnte. Du hast deine Vergangenheit und er hat seine. Es gibt Überschneidungen, superviele bei Mutter und Sohn, gemeinsame Erlebnisse, und dann aber wahrscheinlich doch auch mehr als du denkst, was ihn einfach auch geprägt hat. Freunde, Schule, keine Ahnung was noch alles, er hat ja seinen eigenen Kopf, ein ganzes Universum an Erinnungen und Erfahrungen. Weiß ja nicht wie alt dein Sohn ist, vielleicht geht auch grade nix anderes als dir ein "Scheisse" hinzuknallen, weil das seine Art der Ablösung ist.
    Ich musste / wollte auch ganz viel mit mir selber ausmachen. Der Dialog birgt manchmal, für mich zumindest auch eine Gefahr, nämlich das zuviel von meinem Gegenüber sich über mich drüberlegt. Jenachdem wie sehr der Andere jeweils die Atmosphäre oder den Raum des Gesprächs einnimmt oder vorgibt, ist es gar nicht so einfach bei sich zu bleiben. Ein "Scheisse" ist dann wie gewaltsam das Fenster aufreissen um frische Luft reinzulassen.
    Ich habe die Gespräche mit meiner Mum oft so empfunden, daß ich da wenig Platz hatte. Hat sie sicher gar nicht beabsichtigt, und glaube es hatte auch vorallem mit mir zu tun. Mich zurückzunehmen, erst mal anzuwarten, abzuchecken, wie der Andere so drauf ist.
    Als ich auszog, hab ich das dann plötzlich auch anders haben wollen. Das an meinem ersten Freund ausgetestet. Mich Sachen getraut zu sagen, mir mehr Raum zu nehmen. Das war für den dann wiederum nicht gut auszuhalten, und hat seine Grenzen überschritten. War aber für mich so wichtig, mich zu befreien. Ich bin da aber in meinen Beziehungen oft von einem Extrem ins Andere gerutscht. Hab mich mal eher wie mein Vater, dann wieder eher wie meine Mutter verhalten. Also in diesen ersten Jahren nach meinem Auszug da war jedenfalls erst mal Freistrampeln angesagt.

    Wie gesagt, ich weiß wirklich nicht damit umzugehen. Ich versuche mich zu trösten, vielleicht heilt die Zeit ja doch?

    ich würde sagen ja, tut sie. Ich wollte jedenfalls ganz viel erst mal für mich selbst klar kriegen. Mich als mein Zentrum spüren, von mir ausgehen.

    Liebe Grüße!

    Ich setz mich mal für einen Moment hier dazu.
    Die Gefühle, die ich meinen Eltern entgegenbringe, haben sich über die Jahre verändert. Die Wut aus der Kindheit, als ich mich ihrer unseligen Konstellation so ausgesetzt sah, wurde aber über die Jahre immer tiefer vergraben. Als Erwachsene musste ich feststellen, daß ich sehr schlecht dran kam an die Wut. Manchmal denke ich, es gab wie so eine Art Kippunkt in der Kindheit. Als hätte ich es selbst in der Hand gehabt, und mich gegen bestimmte Anlagen entschieden, die eigentlich in mir hätten weiterwachsen sollen. Stattdessen bin ich eine andere ruhigere Version geworden, aber eher aus dem tiefen Wunsch heraus, anders zu sein, als sie. In Träumen kam die Wut dann manchmal wieder. Da hab ich geschrien, völlig entgrenzt. Weiß auch nicht ob das wirklich sinn macht, wie soll man als Kind entscheiden, wer man sein will. Vielleicht ist das auch nur die Geschichte, die ich mir über mich selbst erzähle. Aber das sind so Gedanken die mir gerade kamen, als ich die obigen Zeilen las.

    Es gab somit keine Aussprachen und auch keine Versöhnung.

    das ist doch ein entscheidender punkt. der konflikt laesst sich nicht loesen, weil weiter getrunken wird (problematisch für co), und weil weiterhin co ein problem damit hat (wiederum problematisch für den alkoholiker). die sucht ist ja die ganze zeit da, fordert ihren anteil, und steht auch immer zwischen aussprache und versoehnung. beim nächsten rausch, der kommt so oder so, geht alles von vorne los. und auf die enttäuschung über die folgen des rausches kommt der frust daß es ja schon wieder passiert. ob man es jetzt strafe nennt, oder ob es auch einfach nicht möglich ist, kannst ja nur du wissen. vielleicht auch eine mischform.

    mal aus EKA sicht. bei uns zuhause gab es viel streit. dissonanz. missklang. die interessen, erwartungen und wünsche von mutter und vater gingen gar nicht zusammen. mit einer ausnahme: wenn sie beide in der vergangenheit schwelgten und erinnerungen austauschten, die sie geteilt hatten als es noch gut lief. der regelfall war allerdings, sie wollte zuwendung, - zumindest war sie es die es formulierte - und hat es eingefordert. er wollte nicht, schwieg, und ging dann irgendwann in den keller um zu trinken.

    strafe klingt nach absicht abwehrhaltung nach ich kann nicht anders. vielleicht auch oft eine mischung daraus? das kannst ja wieder nur du für dich beantworten, die eigenen motive. ist bestimmt auch unterschiedlich je nach situation. hat sich ganz viel angesammelt, bin ich reizbarer und reagiere mehr weil ich nicht anders kann. bin ich mehr bei mir und habe mehr kraft, kann ich eine reaktion vielleicht auch mehr setzen (wütend werden, weil ich auch denke, das braucht es jetzt).

    ich finde zb, das haette sollte müsste nicht verschwendet, weil ich doch nur in der rückschau auch herausfinden kann, wo ich mich anders verhalten moechte, um mich selbst nicht wieder in eine ähnliche lage zu bringen und mich wieder so zu verhalten wie es mir nicht guttut.

    liebe grüsse

    Da habe ich komplett versagt, und ich sehe diese Dinge erst jetzt! Mir tut es für mein Kind unendlich leid, und es ist schwer diese Schuld auszuhalten.

    hi alexa, schuld aushalten das klingt nach ner mächtigen bürde. das hat mich an meine eigene mutter erinnert, sie hat oft gesagt, dass sie grosse schuldgefühle hat, sich entschuldigt. mir irgendwann auch einen brief geschrieben - auf den ich aber zu dem zeitpunkt einfach nicht antworten konnte. mich hat alles daran einfach nur noch mehr bedrängt. jetzt denke ich, sie hätte in der zeit auch einfach nichts richtig machen können, außer mir luft zum atmen zu lassen. Mitleid war auch das letzte was ich von ihr wollte. Eigentlich alles, was ihre Bedürftigkeit vor mir so ausbreitete, habe ich nicht gut ertragen.
    Bin da auch, wenn sich alles über die jahre mehr entspannt hat, auch immer noch ratlos was diesen punkt angeht. ich würde sie mittlerweile manchmal gerne sachen fragen, wie sie sich gefühlt hat, in der zeit als es ihr so schlecht ging, und wieso sie uns kinder immer so vorgeschoben hat um nicht ins eigenständige handeln zu kommen. mir wurde oft härte vorgeworfen, was mich wiederum in arge bedrängnis brachte. ich wollte ja nicht hart sein, aber so oft spuerte ich einfach nur einen fluchtreflex. wollte mit ihr über normale sachen, alltagssachen reden.
    mittlerweile bekommen wir das besser hin, wobei ich manchmal nicht weiß, ob sie sich wiederum total verbiegt, um meinen bedürfnissen mehr zu entsprechen.

    das mit der schuld beschäftigt mich aber auch immer wieder. schulden lassen sich abbezahlen, aber die art von schuld von der du schreibst ist ja keine die sich in dem sinn abtragen lässt. sie ist da einfach, weil alles schon passiert ist. nichts lässt sich rückgängig machen. vielleicht ist es auch eine sache des maßes. allein die sprache: komplett, unendlich, aushalten. Das ist ja so riesig aufgetürmt. aber vielleicht ist das so bei traumatischen erlebnissen, die türmen sich auf. und lassen sich dann auch nur stück für stück bearbeiten. wie bei einem riesenbaum, den man scheibchenweise abholzt, weil er sonst mit wucht jemanden erschlagen könnte.

    so und jetzt was ganz tolles, es hat geschneit.
    alles sieht ganz zuckrig aus


    liebste grüsse

    koda

    Ich WILL was ändern, aber das einzige was für mich zählt, ist dass es meinen Kindern gut geht und ich habe aktuell die Angst, dass es "nur mir nicht gut geht" und sie das alles gar nicht so empfinden wie ich und ich voreilig falsche Entscheidungen treffe.

    Wieso sollen sie das anders empfinden? Sie lesen dich doch. Sie lesen es in deinen Augen, sehen es an deiner Körpersprache. Sowie sie an Papas Augen und Körpersprache lesen, daß etwas nicht stimmt.
    Ich habe als Kind schon gewusst daß da etwas sehr im Argen ist, wenn ich auch keine Ahnung von Alkoholkosum hatte. Wenn meine Mutter geweint hat, habe ich sie getröstet, zugehört. Versucht stark zu sein, damit sie schwach sein darf.

    Ich wünsch dir von Herzen, daß du dein eigenes Wohl als ebenso wichtig erachten kannst wie das deiner Kinder.

    Liebe Sonnenschein,
    ich schlafe gut - das ist nicht immer so, und mein persönlicher Indikator, wenns nicht rundläuft.
    Und bin dabei, einige Altlasten zu bearbeiten. Was mich stolz macht -
    und auch ein bisschen beschämt. Wenn ich der Scham zuviel Raum gebe, oder mich ablenken lasse,
    fange ich an auf der Stelle zu treten, aber es geht vorwärts.
    Und ich fühle mich zuhause - zuhause. Das alleine ist schon toll und macht mich sehr dankbar.
    Wenn ich mein Innengefühl beschreiben müsste, dann wäre das, es weht Wind. Ich hab Luft unter den Flügeln.
    An manchen Stellen kleben die Federn noch zusammen, aber ich freue mich auf die nächsten Monate.

    Schön, daß es dir besser geht. Es fühlt sich so gut an, wenn Dinge sich verändern, weil man sie selbst angeschoben hat.

    Ich würde mir einen Notfallplan überlegen, Wichtelmama.
    Euch in Sicherheit bringen.
    Der Konsum steigert sich doch gerade massiv oder? Isst er noch?
    EIn Körper kann ja nur so und soviel wegstecken. Hab das letztes Jahr erlebt,
    da hat mein dann schon nicht mehr Mitbewohner ein ähnliches Pensum gehabt jeden Tag.
    Zuerst hat man es ihm nicht angemerkt. Aber er hatte es gar nicht mehr im Griff.
    Hat den Konsum innerhalb von wenigen Wochen immer mehr gesteigert.
    Dann kamen Stürze dazu. Entzugsserscheinungen.
    Aggressiv wurde er nicht. Aber er war einfach nicht mehr in der Lage auf sich selbst aufzupassen.
    Da war ich schon heilfroh, daß er bei mir raus war. Auch wenn ich mir dauernd Sorgen gemacht habe.
    Ich hätte ihm nicht mal einen Hund anvertraut.

    Kannst du es einschätzen? Mit so einem Pegel ist die Unberechenbarkeit ja Dauergast bei euch.

    liebe releaseme,
    du hast hiernach gefragt.

    Hättet ihr euch wirklich gewünscht, dass sich eure Mütter früher getrennt hätten, auch wenn ihr dadurch vl alles verloren hättet? Schulwechsel, das Zuhause, eine vollständige Familie.. ?

    Ein paar Gedanken dazu.
    Ich hätte eine Trennung sehr begrüßt, ich erinnere mich an eine Freundin aus der Kindheit, die in einem Haushalt aufwuchs, ohne Vater. Ich bin da immer sehr gerne hingegangen, sie hatten ein offenes Haus, ich habe mich immer willkommen gefühlt. Es war leicht, und ich konnte wenn ich dort war, ein wenig der erdrückenden Atmosphäre zuhause entfliehen. Ich habe für mich dann Wege gesucht, wo ich Ablenkung und Trost fand. Bücher. Meine Großmutter, leider viel zu weit weg. Mein Bruder, ein Verbündeter.
    Schulwechsel? Wäre sicher tough geworden. Der Punkt fällt mir schwer ihn aus rückgewandter Kindersicht zu beantworten.
    Zuhause lässt sich in meiner Erinnerung kaum trennen von dem was ich als belastend empfand, es war nie ein Rückzugsort für mich.
    Also nein, kein Verlust. Ich wollte sehr früh weg von dort.

    Da muss doch jeder halbwegs normal denkende Mensch einsehen, dass er ein Problem hat.

    liebe tiger.

    Was hier schon einige geschrieben haben: Sucht ist nicht nur seine Krankheit oder sein Problem, sondern auch deine und die deiner Kinder. Mein Vater ist auch nie ausfallend geworden, er hat nie (soviel ich weiss) Schnaps getrunken sondern ist immer "nur" bei Bier, und Wein geblieben, im Wechsel. Hat auch "nur" abends getrunken. Ging tagsüber zur Arbeit, hat mit uns Kindern Zeit verbracht, war ein liebevoller Vater. Vieles war trotzdem permanent vergiftet, meine Sicht darauf. Beide Eltern waren nicht glücklich. NIE. Das konnte ich spüren.
    Meine Mutter hat unendlich gelitten, und mein Vater hat sich vermutlich viele seiner negativen Gefühle durchs Trinken weggespült, hat sich aus Konflikten rausgezogen. DAS und das Aushalten von beiden - ich mach da keinen Unterschied zwischen den Beiden, - sie haben das beide zu verantworten - hat mein Bild von Familie geprägt. Nicht so schlimm wie ... ist doch eigentlich völlig egal. Dir gehts schlecht. Du wirst davon krank. Du lebst ihnen vor, daß man Unglück aushält, es erträgt. Das ist doch furchtbar.

    Der Vergleich mit Krebs oder irgendeiner anderen Krankheit funktioniert damit eben auch nicht. Weil Sucht ist eher wie eine Krake, da hängen alle in den Fangarmen.