Ich habe seit zwei Wochen nicht mehr geraucht und bin gereizt und habe immer wieder leichte Entzugssymptome. Ich wollte schon lange aufhören, aber ich wollte einen guten und stabilen Zeitpunkt abpassen. Einen Augenblick, in dem ich es richtig fühlen würde aufzuhören. Aber er kam nicht, also habe ich einfach aufgehört.
Ich war mit 3-5 Zigaretten täglich kein starker Raucher, aber schon eben irgendwie immer ein Raucher. Ich will nicht rauchen, habe keine Lust darauf, aber zwischendurch stelle ich mir vor wie es mich „erleichtern“ und „beruhigen“ würde. Natürlich weiß ich, dass das Unsinn ist. Die Kreise und Spiralen der Sucht sind mir inzwischen bekannt. Ich weiß auch, dass es in ein zwei Wochen schon so viel besser sein wird. Ich weiß, dass ich nur von Tag zu Tag denken muss, mich jeden Tag ein bisschen mehr freuen kann, aber..
Ich schaffe es gerade nicht meinen Blick auf die Vorteile zu lenken. Keine gute Vision von mir als Nichtraucher zu entwickeln. Ich schaue immer mal wieder in meine Rauch-Entwöhnungs-App, versuche mich damit positiv zu stimmen und daran zu denken, dass es mir ja schon besser geht ohne die Fluppen aber..alles ist irgendwie blöd. Ich versuche mir, als Motivation klar zu machen, dass ich es geschafft habe, nicht mehr zu trinken (19 Monate trocken yay!!) Aber..es nervt mich, diese latente Unzufriedenheit, die ich nicht verstehe? Eigentlich passt der Rahmen und das Bild aber gerade ist auch alles blöd, obwohl es das gar nicht ist und dann wieder doch.
Ich denke, was ich versuche etwas trotzig und ungelenk zusammenzuschreiben, ist, dass nach der Rosa-Wolken-Zeit der ersten Abstinenz, die sich besser als die beste Droge anfühlt (!!), das Normlife mich wieder hat. Ich merke, dass das natürliche high nachlässt und ich jetzt vor neuen Herausforderungen stehe. Aber das Gute daran ist: Es sind Herausforderungen, die sich erst durch das nüchterne Leben überhaupt ergeben. Als Trinker wurde das meiste zur Seite geschoben, unter den Teppich gekehrt, vernachlässigt, ignoriert etc. Ich habe mich nur auf das gerade so Durchkommen, auf das Überleben konzentriert. Jetzt, da ich mit mehr Klarheit und Ressourcen auf meine Aufgaben und Projekte blicke, ergeben sich natürlich auch mehr Möglichkeiten und das verlangt Entscheidungen ab und dabei macht man Fehler, man muss mit anderen klar kommen, die einen (sehr) nerven etc. pp. So irgendwie.
Jedenfalls bin ich gerade wohl dabei langsam ins echte Leben zurückzukehren oder vielmehr, fühlt es sich eigentlich so an, als würde ich überhaupt zum ersten mal richtig leben. Auch wenns gerade fiept und knarzt, ich habe mich noch nie glücklicher gefühlt. Ich habe mich selbst noch nie so intensiv gespürt. Ich war noch nie so mit der Welt im Einklang. Also: Kopf hoch. Weitermachen. Tag für Tag. Kleine Schritte. Ikigai.
So viel zu high on life ![]()
Danke fürs Lesen