Wie die Zeit vergeht…..nun sind es genau 7 Monate, dass ich das teuflische Gift los bin.
Der Gesandte des Teufels wohnt zwar immer noch in mir und da wird er auch bleiben,
aber es mag ihm nicht recht gelingen, mich von meinem Weg abzubringen.
Er hat sich verkrochen aber ich weiß, dass er da ist und ich jederzeit mit seinen perfiden Versuchen rechnen muss.
Mein Alltag hat wieder Struktur, jeder Tag, jede Woche.
Kleine und grosse private Projekte und Sport durch Fitnessstudio, Radfahren...
Die wiedergewonnene, zusätzliche Zeit macht es möglich.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Zeit habe. Das Eine hatte das Andere gejagt,
ich war gejagt, gestresst, überfordert, müde und erschöpft und ich hatte keine Zeit.
Ich habe das Lesen wieder erlernt, dass bewusste Lesen, über Themen die mich interessieren,
in Büchern oder digital. Lesen und darüber nachdenken, das bring mich weiter.
Auch das Lesen in diesem Forum ist fester Bestandteil eines jeden Tages.
Es sichert mir die permanente Auseinandersetzung mit meiner Sucht, der Alkoholkrankheit und schützt vorm Vergessen, Verharmlosen, vor dem eigenen Leichtsinn und Überheblichkeit.
Je mehr ich darüber erfahre, mich damit auseinandersetze, in Büchern, in Podcasts und in Beiträgen in diesem Forum, desto besser gelingt die Akzeptanz des zwingend Notwendigen, die Akzeptanz der lebenslangen Abstinenz.
Ich habe über 20 Jahre gebraucht, um mich an den Punkt zu bringen, ab dem ich nicht mehr konnte, physisch und psychisch. Ab da war ich reif, fremde Hilfe anzunehmen und mich dieser bedingungslos zu öffnen.
Seit meinem Tiefpunkt, seit meinem Wendepunkt, ging und geht meine abstinente Entwicklung voran. Es gibt Höhen und Tiefen auch im abstinenten Leben.
Sie sind ja nicht weg, nur weil ich nicht mehr trinke. Aber ich kann sie fühlen, mit Freude, mit Entspannung, mit Erfüllung, mit Ausdauer, mit Interesse, mit Achtung, mit Respekt, mit Vorsicht, mit Liebe, mit Trauer…..
Ich erlebe diese Momente wieder und den Tiefen kann ich gegenübertreten.
Sie machen mir keine Angst mehr. Ich weiß, dass ich sie mit meinen Mitteln bewältigen kann.
Und all das ohne Alkohol.
Gegenüber den 20 Jahren Werdegang zum und als Alkoholiker, sind die 7 Monate bis jetzt geradezu im Turbo-Mode verlaufen, was die Entwicklung betrifft.
Das konnte ich mir nicht vorstellen.
Jedem, der meine Zeilen liest und zögert, unsicher ist, Zweifel und Angst hat, möchte ich sagen:
Es geht! Es geht sogar leichter, als ich gedacht habe, auch wenn der Weg bis heute kein leichter war, aber es lohnt sich so ungemein.
Ich konnte es nicht sehen, weil meine Sucht es nicht sehen wollte.
Ich freue mich jeden Tag über meine zurückgewonnene Freiheit und mein neues Leben.
Viele Grüße
Nayouk