Beiträge von Nayouk24

    Auch von mir die besten Glückwünsche zu anderthalb Jahren Abstinenz, lieber Stromer.
    In deinen Posts sehe ich viele Parallelen zu meiner eigenen Geschichte, gerade was auch die Haltung Deiner Frau betrifft. Es tut gut, Geschichten wie Deine zu lesen und zu erfahren, wie der Betroffene, in dem Fall Du, damit umgegangen bist bzw. heute damit umgehst. Alles Gute auf Deinem Weg.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Das hört sich gut an.

    Achtsamkeit, auf sich selbst aufpassen, in sich rein hören, rechtzeitig erkennen und handeln und die Strategien an Board haben,
    die mir am meisten helfen, das war mein Weg am Anfang.
    Es gibt viel was ich tun kann. Wichtig ist, dass ich weiss, was mir hilft (bei Suchtdruck). Ausprobieren ist die Devise, so wie Bolle es beschrieben hat.
    Wenn ich meine , meditieren hilft mir, dann muss ich auch medititieren "können", wenn ich es brauche.

    Hier fällt oft das Stichwort "Haltung". Damit habe ich mich am Anfang schwer getan, mit der Traurigkeit, mit Verzichtsgedanken, mit nicht mehr Können,
    was mal war.
    Für mich ist Haltung heute, dass ich eine schwere Krankheit habe, die mich getötet hätte, wenn ich weiter getrunken hätte.
    Und sie ist immer noch tödlich, wenn ich wieder anfange.
    Für mich ist Haltung heute, dass ich wieder ein freies, selbstbestimmtes Leben führen kann, ohne Trauer und Verzicht.
    Haltung ist auch, Akzeptanz der Abstinenz und sie nicht immer wieder in Frage stellen. Die Abstinenz ist für mich alternativlos.

    Ich bin einigermassen gesund aus der "Nummer" raus gekommen und hoffe, dass es so bleibt.
    Es ist ein Geschenk, dass ich für die Zukunft darauf aufbauen kann.

    Die Veränderung der Haltung braucht Zeit und mit der Zeit wird es leichter.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Liebe Wacholderfrau,

    ich freue mich immer über Rückmeldungen, auch über lange😊

    Früher hielt dieser so unangenehme Druck gefühlt ewig an und wirkte unabänderlich und ich dem ausgeliefert. Hört sich jetzt dramatisch an, ich weiß, aber ehrlich, so empfand ich das, was daraus wurde, ist ja klar...saufen...saufen...

    Genau so war es. Der Druck, die Entzugserscheinungen waren nicht auszuhalten. Das einzigste Mittel, was ich dagegen hatte, war für meinen Pegel sorge zu tragen. Saufen.

    Ich wusste, dass es andere Möglichkeiten gibt, aber sie waren hinter einer hohen Mauer, die für mich unüberwindbar war. Erst mit dem Tiefpunkt konnte ich die Mauer überwinden, oder besser unten durch kriechen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Stromer ,

    ja ich bin grün, aber ich versuche mich auch im „Blauen“ zu beteiligen, da ich es gerade für die Neuankömmlinge wichtig finde, dass man sich mitteilt. So habe ich ja auch angefangen. Es gelingt mal mehr mal weniger.

    Was Du schreibst sehe ich ganz genauso. Dort wo ich war, will ich nie wieder hin. Nie wieder Alkohol.
    Durch die Trinkerei hat sich ein Teil meines Gehirns irgendwie selbstständig gemacht, man nennt es Suchthirn,
    und es lässt sich auch nicht durch vernünftige, rationale Argumente wieder auslöschen. Das Kontrollzentrum im Gehirn hat irgendwann die Kontrolle über diese Gehirnregion verloren. Sie ist einfach da und meldet sich manchmal, wenn auch selten bei mir. All das was ein Alkoholiker lernen muss um trocken zu bleiben, trägt dazu bei, die mühsam wiedererlangte Kontrolle nie wieder zu verlieren und das dies so bleibt, bin ich hier täglich aktiv, auch mal mehr mal weniger.

    Es ist ein abstraktes Bild, aber es hilft mir.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Heute war ein komischer Tag.
    Schon heute morgen hatte ich das Gefühl, ich bin zwar wach und auf, aber irgendwie im Standby.
    Ich habe es auf das Wetter geschoben.

    Dann passierte etwas, was unerwartet, fremd und unkalkulierbar war. Unwirklich und real zugleich.
    Ich spürte sofort, das wird mich auf mehreren Ebenen fordern.

    Meine innere Anspannung steigerte sich langsam immer mehr.
    Ich habe das zuerst gar nicht wahr genommen und hab es auch irgendwie ignoriert.
    Die Anspannung ging in eine unangenehme innere Unruhe über, so wie zu Trinkzeiten, wenn es höchste Zeit war,
    den Pegel wieder anzuheben.
    Ich kann nicht sagen, das es Suchtdruck war. Auf jeden Fall war es unangenehm.

    Als mir das bewusst wurde, habe ich sofort eine Pause gemacht.
    "Was war das? Was ist passiert?" und dann kam der Gedanke, "Früher hättest Du jetzt ertmal was getrunken".

    "Ok, ja ja, das hatten wir schon mal......ich kann es nicht mehr hören".

    Das hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an, aber ich habe mir angewöhnt mit meiner Suchtstimme zu sprechen, wenn sie sich meldet.
    So wie man mit einem kleinen Kind spricht, welches unvernünftig ist. (Naja nicht ganz so, ich habe meine Kinder immer ersnst genommen, auch wenn sie unvernünftig waren, aber so ähnlich).

    Was war passiert ?
    Ich war eh schon neben der Spur. Es kam etwas unerwartetes, etwas ingesamt stressiges. Es löste Anspannung aus. Ich habe sie nicht wahrgenommen oder sogar ignoriert, bis sich das soweit in die unangenehme innere Unruhe gesteigert hat. Von Begin bis dahin war es ein Zeitraum von ca. 2,5 Stunden.

    Es ist vielleicht ein profanes Beispiel, aber es hat mir gezeigt, wie sich sowas aufbauen kann und wie die Stimme des Teufels sich im richtigen Moment meldet.

    Da ist im Gehirn schon ganz schön was verdrahtet worden (Synapsen), was da nicht hingehört.

    Aber damit muss ich leben und deshalb bin ich hier.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Es geht ja auch um das gegenseitige verstehen und dafür fand ich Hobbes Beitrag hilfreich

    Aus falschverstandenen Wiedergutmachungabsichten habe ich am Anfang es tatsächlich angeboten, dass meine Frau zu Hause Alkohol trinken kann.

    Ich hatte ihr soviel zugemutet, jetzt nicht auch das noch. Das war mein Gedanke.
    Als ich aber gemerkt habe, dass mir das nicht gut tut, habe ich mit ihr gesprochen und sie hatte überhaupt kein Problem damit.

    Das sind sehr gute Nachrichten.

    Jetzt hängt alles davon ab , wie er sich entscheidet weiter zu machen.

    Denke dran, es muss von ihm kommen.
    Was er tun muss, werden ihm die Ärzte sagen. Deine Verantwortung ist es nicht.

    Alles Gute weiterhin.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Bobby,

    Willkommen auch von mir.

    Bei Suchtdruck hilft mir Ablenkung, Aktivität, Sport, irgendwas tun und darüber nachdenken, was die Konsequenzen sind, wenn ich jetzt wieder trinke.

    Was mir sehr gut hilft, sind Atemübungen, tiefes Ein- und Ausatmen.

    Ich habe diese in der Reha gelernt.
    Du findest auf YouTube und im Internet viele Anleitungen. Das kann man fast überall machen.

    Jetzt musst du bei dir bleiben. Wenn du dich Alkohol näherst, verlierst du Dich. Achte auf dich. Hör in dich rein.

    Alles Gute.
    Nayouk

    Wie die Zeit vergeht…..nun sind es genau 7 Monate, dass ich das teuflische Gift los bin.

    Der Gesandte des Teufels wohnt zwar immer noch in mir und da wird er auch bleiben,
    aber es mag ihm nicht recht gelingen, mich von meinem Weg abzubringen.
    Er hat sich verkrochen aber ich weiß, dass er da ist und ich jederzeit mit seinen perfiden Versuchen rechnen muss.

    Mein Alltag hat wieder Struktur, jeder Tag, jede Woche.
    Kleine und grosse private Projekte und Sport durch Fitnessstudio, Radfahren...
    Die wiedergewonnene, zusätzliche Zeit macht es möglich.
    Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Zeit habe. Das Eine hatte das Andere gejagt,
    ich war gejagt, gestresst, überfordert, müde und erschöpft und ich hatte keine Zeit.

    Ich habe das Lesen wieder erlernt, dass bewusste Lesen, über Themen die mich interessieren,
    in Büchern oder digital. Lesen und darüber nachdenken, das bring mich weiter.

    Auch das Lesen in diesem Forum ist fester Bestandteil eines jeden Tages.
    Es sichert mir die permanente Auseinandersetzung mit meiner Sucht, der Alkoholkrankheit und schützt vorm Vergessen, Verharmlosen, vor dem eigenen Leichtsinn und Überheblichkeit.
    Je mehr ich darüber erfahre, mich damit auseinandersetze, in Büchern, in Podcasts und in Beiträgen in diesem Forum, desto besser gelingt die Akzeptanz des zwingend Notwendigen, die Akzeptanz der lebenslangen Abstinenz.

    Ich habe über 20 Jahre gebraucht, um mich an den Punkt zu bringen, ab dem ich nicht mehr konnte, physisch und psychisch. Ab da war ich reif, fremde Hilfe anzunehmen und mich dieser bedingungslos zu öffnen.

    Seit meinem Tiefpunkt, seit meinem Wendepunkt, ging und geht meine abstinente Entwicklung voran. Es gibt Höhen und Tiefen auch im abstinenten Leben.
    Sie sind ja nicht weg, nur weil ich nicht mehr trinke. Aber ich kann sie fühlen, mit Freude, mit Entspannung, mit Erfüllung, mit Ausdauer, mit Interesse, mit Achtung, mit Respekt, mit Vorsicht, mit Liebe, mit Trauer…..

    Ich erlebe diese Momente wieder und den Tiefen kann ich gegenübertreten.
    Sie machen mir keine Angst mehr. Ich weiß, dass ich sie mit meinen Mitteln bewältigen kann.

    Und all das ohne Alkohol.

    Gegenüber den 20 Jahren Werdegang zum und als Alkoholiker, sind die 7 Monate bis jetzt geradezu im Turbo-Mode verlaufen, was die Entwicklung betrifft.
    Das konnte ich mir nicht vorstellen.

    Jedem, der meine Zeilen liest und zögert, unsicher ist, Zweifel und Angst hat, möchte ich sagen:

    Es geht! Es geht sogar leichter, als ich gedacht habe, auch wenn der Weg bis heute kein leichter war, aber es lohnt sich so ungemein.
    Ich konnte es nicht sehen, weil meine Sucht es nicht sehen wollte.

    Ich freue mich jeden Tag über meine zurückgewonnene Freiheit und mein neues Leben.


    Viele Grüße

    Nayouk

    Der Gedanke kam mir auch.

    Aber Du musst es für dich tun, wenn Du es willst und nicht aus falsch verstandenem Pflichtgefühl oder gar schlechtem Gewissen.
    Du kannst ihm nicht helfen, sein Leben liegt gerade in anderen Händen.

    Deine Geschichte ist auch ein wichtiger Beitrag für viele im Forum.

    Danke, dass Du Dich uns mitteilst.

    Alles Gute und pass auf Dich auf.

    Was genau würdest Du Deinen Kindern da mitgeben?

    Einfach nur die vlt. wissenschaftlich erwiesene Erkenntnis.
    Im Grunde genommen sage ich dann nichts Neues.
    „Ihr wisst, dass Alkohol ein Nervengift ist, zu einer schlimmen Sucht führen kann und nun habt ihr u.U. noch ein höheres Risiko an der Alkoholsucht zu erkranken, als die Menschen, die so nicht vorbelastet sind“.
    Ob es im Fall der Fälle etwas ändern würde, weiß ich nicht, aber ich hätte es ihnen wenigstens mitgeteilt.