Beiträge von Nayouk24

    Hallo monnek,

    Am Abflug Tag hatte sie sich am Flughafen in der Wartezeit richtig voll laufen lassen.

    Urlaubs An- und Abreise war immer Stress für mich, besonders bei Flugreisen. Auch am Ort musste erstmal die Versorgungssituation geklärt sein, bevor an Entspannung zu denken war. Und selbst dann war ja heimlich trinken kaum möglich.

    4 Monate oder 121 Tage ohne Alkohol.

    Selbsteinweisung in Reha-Klinik: 6. Januar 2024.
    Ziemlich gemischte Gefühle. Sorge um die nächsten Stunden, Tage ohne Alkohol, was vermögen die Ärzte? Hilfe. Ehrlichkeit.

    Schwankender Gang, mentale Erschöpfung, Müdigkeit.
    Entzug erträglich! Minuten, Stunden, Tage. Alleinsein, Selbstreflektion, Rückzug, Gedankenkarussell.
    Appetit. Bewegung.

    Einzeltherapie, anstrengend, fordernd. Hoffnung , Wirkung.
    Einzeltherapeut, 25 Jahre „trocken“, eine Herausforderung. Selbstmitleid nicht zugelassen.
    Gruppentherapie und Anderes. Gespräche. Süchtige. Alkohol, Drogen, Tabletten. Menschen. Biographien. Schicksale.

    Reflektion, Einordnung, immer wieder.

    Selbstsicherheit. Selbstbewusstsein. Öffnung, aktive Teilnahme. Neuer Alltag. Klare Gedanken, Einordnung. Fragen, viele Fragen. Respekt, was kommt?

    Die ersten 4 Wochen im Telegraphenstil zusammengefasst.

    Der 2. Monat war geprägt durch Verinnerlichen, Reflektieren, Suchen, Strukturieren,
    Zweifeln, Verwerfen, Korrigieren geprägt.
    Da bin ich heute noch, nur kann ich jetzt schon auf etwas aufbauen.

    2024 betrachtet, gibt es zwei Momente, die mein Leben entscheidend verändert haben.
    1. Den Punkt erreicht zu haben, ab dem ich physisch und psychisch nicht mehr konnte und begriffen habe, dass ich es ohne fremde Hilfe nicht(!) schaffen werde.
    2. Dieses Selbsthilfe-Forum gefunden zu haben.

    Momentan gibt es in der Entwicklung nicht viel Neues. Festigung, Stabilisierung des neu gewonnenen Lebens ist Tagesprogramm und es fühlt sich gut an.
    Durchhänger inklusive.

    Das nüchterne Leben ist schön, es ist befreiend. Es lohnt sich.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Gibt es wirklich den einen und klar zu identifizierenden Grund, um zu saufen? Bei mir jedenfalls nicht.

    Bei mir auch nicht.
    Ich wurde mit meiner Sozialisation und meiner psychischen Konstitution mit Ereignissen konfrontiert, die das Leben nun mal für den ein oder anderen von uns so mit sich bringt.
    Ich würde mich als verantwortungsbewussten aber eher konfliktscheuen Menschen beschreiben.
    Beruflich/privat hatte ich Erfolg/Glück.

    Aber: Um von A nach B zu kommen, brauchte ein vergleichbarer Kollege/Kollegin 60 Liter körperlich/mentalen Sprit. Ich brauchte für die gleiche Strecke 80 Liter Sprit um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Auf die Dauer ist das sehr anstrengend und hinzukommt das ich mir dadurch selbst einige Probleme erzeugt habe. Also eine komplexe Gemengelage im Laufe der Zeit.
    Der Alkohol war ein Mittel, den Stress und den Druck für einige Zeit zu verdrängen. Das Mittel wurde zur Gewohnheit und auf Dauer wurde das Halten der eigenen Leistungsfähigkeit noch anstrengender und….und….und. Viele ineinandergreifende Gründe. (eine sehr verkürzte Beschreibung)

    Die Frage nach dem „Warum“.
    Gibt es ein oder mehrere Merkmale in meiner Sozialisation und meiner psychischen Konstitution, die genau diesen Weg befördert haben? Können sie meinen neuen Weg der Abstinenz wieder beeinflussen oder gar gefährden? Das ist die Warum-Frage, die ich mir stelle.

    Momentan verspüre ich keine Anhaltspunkte oder gar Zwang um diese Fragen zu beantworten. Ich lasse es momentan ruhen, bin aber achtsam diesbezüglich.
    Die eigene Auseinandersetzung mit diesem Thema und die Diskussionen und Beiträge in diesem Forum haben mich zu dieser Haltung gebracht.
    Ich empfinde es als hilfreich.

    Viele Grüße Nayouk

    Eigentlich hat Cadda alles gesagt. Ich als Frischling teile diese Einschätzung.

    Wenn es bei mir einen Trinkgrund gab, wie von Cadda aufgezählt, ist er ja nicht weg, weil ich keinen Alkohol mehr trinke. Dann möchte ich aber momentan vornehmlich wissen, mit wem oder was ich es zu tun habe. Ist dieser Trinkgrund ein Risiko für meine Abstinenz und wenn ja, was kann ich dagegen tun, zusätzlich zu dem was ich bisher schon gelernt habe? Finde ich keinen, dann ist es auch in Ordnung.

    Viele Grüsse Nayouk

    Hallo aufzuneuenUfern,


    Wow, Deine Schilderung liest sich wie ein spannendes Buch und ich habe das Gefühl, dass Du auf dem richtigen Weg bist.
    Ich selbst bin Alkoholiker und kann Dir für Deinem Weg keine Ratschläge geben. Aber eins gilt für beide Seiten. Achtsamkeit für das eigene ICH. Auf diesem Wege bin ich, nur habe ich noch ein paar Pflänzchen zu pflanzen, dort wo ich etwas zertrampelt habe.

    Viele Grüße

    Nayouk

    nämlich die situation gut überstanden zu haben und das zu können.

    Glückwunsch zur bestandenen Probe!

    Ja, die Erfahrung stärkt. Hatte ich auch schon 1x. Bei mir war es mitten in einer Trauerfeier. Der Trigger waren wohl die Emotionen. Ich hatte nicht das Bedürfnis nach Alkohol, aber das Unruhegefühl war plötzlich da. Das frühe Erkennen und sofortiges Gegensteuern hat geholfen. Jetzt weiß ich wenigstens eine Variante, wie es sich anfühlt und was mir hilft.
    Viele Grüsse Nayouk

    Oje, da bin ich ja richtig missverstanden worden. Das kommt davon, wenn man Sachverhalte verkürzt darstellt.

    Ich meine hier nicht, dass ich mich völlig sorglos und mit vollem Risiko in Situationen begeben will, in denen Alkohol eine Rolle spielt. Im Gegenteil, von diesen bleibe ich sowieso fern.
    Ich spreche von mir, wie ich soziale Events/Veranstaltungen derzeit erlebe, nämlich anstrengend. Das kann ein Vortrag sein, eine Diskussionsrunde etc. Neulich war ich auf einem Erste-Hilfe-Kurs und war danach richtig platt. Platt von was? Von ein bisschen Theorie und ein paar Übungen ? Mir hilft die Vorstellung, dass ich den nüchternen Umgang in solchen Situationen erst wieder lernen muss und das hat für mich nichts mit testen oder ausprobieren zu tun.

    Viele Grüße

    Nayouk

    was mir mittlerweile fehlt, sind soziale (neue) kontakte. darin bin ich nicht mehr wirklich gut, ich habe mir vorgenommen, dass in den nächsten monaten anzugehen.

    Das kann ich gut nachvollziehen.

    Gerade lese ich ein Buch, in dem es um das mentale Immunsystem geht, vergleichbar mit dem körperlichen Immunsystem. Bei einer Pollenallergie wird das körperliche Immunsystem durch Desensibilisierungsreize gestärkt und einer Toleranzentwicklung unterzogen. Die Empfehlung des Buches ist, genau dies mit Reizen für das mentale Immunsystem zu probieren, in dem man sich in unbekanntes oder unsicheres Terrain begibt, sprich die eigene Komfortzone verlässt und damit Absicherungsbestrebungen, wie genaue Planung und Risikoabwägung etc. in den Hintergrund stellt.
    Ich empfinde soziale Events momentan auch als anstrengend. Nach dem Bild des Buches verlasse ich meine Komfortzone, in dem ich heute nüchtern an diesen Events teilnehme. Genau das muss ich erst wieder lernen. Mit jeder Erfahrung wird das mentale Immunsystem gestärkt und ich werde wieder toleranter gegenüber den Situationen. So die Theorie. Das hört sich jetzt profan an, aber ich fand den Vergleich eingängig, da er eine Erklärung sein könnte, warum ganz "normale" Dinge plötzlich ohne Alkohol im nüchternen Zustand stressig oder anstrengend sind.
    Das eigentliche Thema des Buches ist, wie erlangt man Sicherheit und Zuversicht und fördert seine Resilienz. Es dreht sich auch nicht primär um Alkohol. Aber gerade Alkoholiker brauchen ja fast zwingend eine gute Resilienz, um eine stabile Abstinenz zu leben.

    Hallo Paul,

    herzlichen Glückwunsch zu 7 Monaten!:thumbup:
    Wenn ich nach Vorne schaue, sehe ich Dich mit 3,5 Monaten Abstand voraus. Das motiviert und liegt momentan in meiner Vorstellungskraft.
    Jahre und Jahrzehnte sind das Ziel, sind aber irgendwie noch schwer greifbar. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg als mein "Frontman":)

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo lilamond,

    Ein halbes Jahr, 6 Monate, 26 Wochen, 182 Tage usw. Toll👍 Herzlichen Glückwunsch.

    Das mit der Schokolade kenne ich auch, bin noch mitten drin, ich lass jetzt mal die letzte Riegeltüte leer werden,
    mal schaun was passiert 😏

    Viele Grüsse Nayouk

    Ich empfinde es als Gedanken über die Sucht. Erinnerungen an davor, Erinnerung an meine Reha und dass ich alkoholkrank bin, die Frage ob ich genug für die Stabilisierung der Abstinenz tue, das Empfinden von Dankbarkeit, das wachsende Verständnis über die Suchtkrankeit,…
    Es ist, als ob mich die Gedanken umkreisen, mal sind sie in einer fernen Umlaufbahn, mal sind sie ganz nah.

    200 Tage, super👍200 Tage, die Du wieder selbstbestimmt gelebt hast. Kann ich von dem Abstinent-sein mehr erwarten ? Was ich daraus mache ist wieder eine andere Frage. Die Alltagsprobleme und Stimmungsschwankungen sind noch da, aber ich erlebe sie nüchtern und bin handlungsfähig und das ist schön und macht vieles einfacher.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Iphigenie,
    ich arbeite gerne mit Gleichnissen oder Bildern. Sie ermöglichen einen bestimmten Sachverhalt mit anderem Blickwinkel zu betrachten, aber sie haben natürlich auch ihre Grenzen bzw. Schwächen.
    Deine Gedanken haben mir auch nochmal einen neuen Blickwinkel erbracht.

    ich fahre mehrgleisig

    Das tue ich auch. Das Hauptgleis ist eine klare, ehrliche Haltung zu meinem Alkoholismus und daraus resultierend die Sicht nach vorne mit viel Achtsamkeit und Freude am Leben.
    Das Nebengleis ist die Frage nach den Gründen, insbesondere Gründe aus einer psychischen Belastung.
    Endet das Nebengleis am Prellbock, habe ich ja noch das Hauptgleis:)

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo,

    das "Thema" ist ja in vielen Threads zum Thema geworden: "Macht es Sinn die Umstände des eigenen Trinkens und damit der daraus resultierenden Sucht mehr zu ergründen?"
    Ich denke es ist eine Frage der Haltung: Verstehe ich die Suche nach den Umständen als eine Suche nach Entschuldigungen mit denen ich mich von der von mir verursachten Trinkerei quasi freisprechen möchte, dann wird es gefärlich. Dann sitzt das Suchthirn schon auf dem Beifahrersitz und wartet nur darauf, wie es mich bestmöglich wieder zum Trinken verleiten kann. Dieses Risiko muss mir bewusst sein und es muss klar sein, dass , egal welche Umstände dazu geführt haben, ich für mein eigenes Tun verantwortlich war und bin.Ich habe getrunken, ich bin abhängig geworden, ich bin Alkoholiker. Leite ich aber daraus Entschuldigungen/rechtfertigungen ab, würden diese zu Selbstblokade führen und mein Streben nach Stabilisierung der Abstinenz gefährden. Damit ist die Haltung, nicht in der Vergangenheit nach Umständen zu suchen ein Selbstschutz, um gar nicht erst in diese Falle zu laufen.

    Entsorgen von Saufpartner und die freien Zeiten nutzen, sich fern des Alkohols neue Freunde, neue Hobby anzueignen. Vordergründig sich schützen, was mich in Gefahr brachte. Nicht mit Willen, sondern mit Überzeugung das Richtige zu tun.

    Das Aufarbeiten der psychischen Störungen löst man nicht auf. Aber das hat ja Zeit, oder?

    Wenn eine Stabilität eingetreten ist, kann man sich alles widmen, was einem belastet. Aber bis dahin empfehle ich erstmal das Grundgerüst aufzubauen.

    Nach Hartmut 's Post ist mir diese Haltung verständlich geworden und sie ist für mich absolut nachvollziehbar und richtig.

    1.) Habe ich eine "Primärmeise" (Buch "Alk"), soll heissen: gibt es eine psychische Belastung aus meiner Vergangenheit (Kindheit/Jugend etc.) die den Weg in den Alkoholismus zumindest geebnet hat. Wenn dem so ist, wüsste ich schon gerne, mit was ich es zu tun habe und was das für mich heute ohne Alkohol und in Zukunft bedeutet. Es gibt da ein paar Verdachtsmomente.

    Um es klar zu sagen: Ich bin in meiner Kindheit weder geschlagen noch misshandelt worden.

    Für meinen Ansatz in der oben zitierten Bemerkung von mir (Nayouk) möchte ich ein Beispiel nennen:
    Es gibt kaum eine Branche die nach einem Flugzeugunglück so akribisch nach den Ursachen und Umständen sucht, wie die Luftfahrtbranche selbst,
    natürlich durch Gesetze und Behörden dazu gezwungen.
    Dies wird massgeblich zu einem einzigen Zweck getan,nämlich um die Zusammenhänge zu verstehen , die zur Katastrophe geführt haben, mit dem Ziel, Flugzeugentwicklungen und alle Prozeduren, die vor, während und nach einem Flug definiert sind, dahingehen zu verbessern, zu korrigieren um genau so ein
    Absturzszenario für die Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit zu verhindern. Hierbei geht es nicht um Entschuldigungen oder Rechtfertigungen. Das übernehmen dann schon Manager, die etwas zu befürchten haben.
    Genau das soll mein Ansatz bedeuten, übertragen auf meine Alkoholabhängigkeit und die Absicherung meiner Abstinenz.

    Aber so wie Hartmut meint, es hat noch Zeit. Vielleicht komme ich ja auch mit der Zeit zu der Erkenntnis, dass da nix war und ich mir den ganzen Aufwand sparen kann.
    So jetzt habe ich Euch hoffentlich nicht schon wieder überstrapaziert. Danke, dass Ihr bis zum Schluss mit Lesen durchgehalten habt :wink:

    Viele Grüße

    Nayouk