Hallo zusammen 🙋🏻♀️
Ich wollte mich also doch mal wieder melden.
In der Zwischenzeit bin ich ausgezogen.
Ich hatte schon vor einer Weile den Entschluss gefasst mich räumlich zu trennen und das auch kommuniziert.
Wie sich raus stellte passen Armut und selbstbestimmung aber eher mäßig zusammen🙈😅
Das möchte ich mal eben genauer beschreiben, denn ich hatte vorher niemals mit irgendwelchen Ämtern oder Hilfen zutun und fiel aus allen Wolken..
Mein Mann hatte wohl im Januar schon einen Bürgergeld Antrag abgeschickt, aber sich bis letzte Woche nicht um die benötigten Unterlagen gekümmert. Jetzt geht es drum, dass wir als bedarfsgemeinschaft evtl. Nachzahlungen von Januar an bekommen könnten (was auch dringend nötig wäre, denn seit einem halben Jahr beschränkt sich das Einkommen aufs Kinder- und Elterngeld, was gerade zum Essen kaufen reicht, aber nicht um Rechnungen zu zahlen). Das vor ab.
Also Termine bei Beratungsstellen haben ergeben, ich brauche vor der Wohnhngssuche einen wbs. Um den beantragen zu können brauche ich den Bescheid vom jobcenter als Einkommens Nachweis. Außerdem muss ich beim jobcenter nachfragen ob ich ausziehen darf (WOW!)
Tja also Fazit: Wenn ich ausziehen will, dann muss erstmal mein Mann seinen Antrag ordentlich ausgefüllt haben. Vorher geht nichts.
Und dann muss das Amt eben auch noch einverstanden sein.
Das war wie gesagt schon überraschend für mich.
Also mein Mann trank zwar nicht mehr ich schätze seit März? Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau. Aber ich konnte nicht bleiben, einfach weil ich zu anhängig von ihm war.
Naja ein zwei Wochen verbrachte ich damit ihn sozusagen ins Büro zu sperren bis der Antrag ordentlich ausgefüllt war😅 und zu der Zeit kam die Kündigung des Mietshauses.
Also, mein erster Instinkt war: wir setzen uns jetzt zusammen und besprechen ALLE möglichen Optionen da bestmöglich raus zu kommen.
Überlegen uns was.
Ich suchte also das Gespräch und alles was ich hörte war: mach dir keinen Kopf, das wird schon alles.
Also war klar ich muss das jetzt auf meine weise für mich regeln und er muss es auf seine weise für sich regeln. Ich habe
Kontakt zur obdachlosenhilfe geknüpft, mich über Mutter kind heime informiert. Schlimme Optionen... Und nebenbei jedem geschrieben, wirklich jedem. Habe alle gefragt ob sie auf irgendeine art helfen können. Kartons im Keller lagern, sachen verkaufen, was auch immer.
Ganz unerwartet antwortete eine Bekannte. Wir haben durch die Kinder Kontakt. 3 Jahre nur playdates, kaum geredet. Erst als sie sich vor einem halben Jahr trennte, haben wir zwischen durch mal geredet. Ich hab ihr immer angeboten, auf ihren kleinen aufzupassen, wenn sie mal Zeit für sich möchte. Hat sie aber nie in Anspruch genommen.
Naja, sie sagte sie könne uns ein Zimmer frei machen. Wir haben in ca. 3 WhatsApp Nachrichten geregelt das ich 5 Tage drauf einziehe. Völlig chaotisch und unorganisiert. Also nahm ich erstmal das nötigste - Bett und einen Schrank, und zog mit den Kindern aus.
Dazwischen war keine Woche. Mit meinem Mann war das eine sehr emotionale aber schöne Zeit. Wir waren zusammen glücklich, dankbar, traurig,... haben geweint, gelacht, viel geredet...
Er baute mir alles ab und dann wieder auf.
Ich war so glücklich. Er läuft sonst vor unangenehmen Situationen immer weg. Er hatte ein wenig Sorge, was alle über ihn denken, aber er sagte er macht das für mich und was wäre er noch für ein Partner wenn er mich nicht unterstützen würde.
Und an dem Abend an dem ich auszog trank er zum ersten Mal wieder.
Und seit dem immer mal wieder.
Und das war eine überraschende Erfahrung für mich.
Ich hatte mir über die Möglichkeit, dass er wieder trinkt in den Wochen zuvor natürlich Gedanken gemacht. Und ich hatte gedacht, ich würde zusammen brechen. Nach den Monaten, wo er nüchtern war und jeden Tag bei uns war und endlich wieder erreichbar war. Es war nicht alles nur toll, aber so viel besser...
Ich dacht ich kriege Panik, befürchte gleich, dass sich alles wiederholen könnte...
Aber dem war nicht so. Ich fand das schade, das er wieder getrunken hat. Aber es hat mich nicht weiter beschäftigt. Ich hatte auch kein schlechtes Gewissen. Kurz habe ich gedacht ob es meine Schuld ist... Aber mir war im selben Moment schon klar - wenn seine Abstinenz abhängig von mir ist, wäre ein Rückfall nur eine Frage der Zeit.
Erst Tage später viel mir auf... Warum mach ich mit eigentlich keine Gedanken mehr über seinen Konsum?
Und ich glaube, die Antwort war, dass meine existenzängste und die finanzielle abhängigkeit größer war als die emotionalen Abhängigkeit.
Ich habe niemals erwartet das eine bekannte mir ein Dach über denk Kopf anbietet. Mir und meinen zwei kleinen Kindern. Ich war überzeugt in einem Eltern Kind Heim zu landen und nur meine Sachen unterbringen zu müssen..
Meine Angst davor, nicht mal für mich, aber für die Kinder, war einfach riesig.
.. Und wie er anfing zu trinken, war seine Verlässlichkeit auch wieder dahin.
Also hatten wir unseren 1. Streit nachdem ich auszog.
Und wieder so eine Erfahrung:
Vorher war es so, ich musste immer Frieden schließen. Er ging Konfrontation aus dem Weg also hatte ich die Wahl: entweder ich versuche die Wogen zu glätten, egal was passiert war, oder ich ertrage es tagelang schweigend aneinander vorbei zu schleichen. In schlechtester Stimmung. Und das kannte ich aus meiner Kindheit zu gut, das komplett ignoriert werden und die dicke luft, und kann es nicht ertragen.
Aber dieses mal war es anders. Es gab Option 3: einfach die Tür hinter mir zu Machen und gehen.
Tat ich also. War super. Ich hatte trotzdem einen schönen tag. Habe einfach nicht mehr dran gedacht.
Als er dann das Gespräch suchte hatte ich gar nicht viel zu sagen, nur, dass wir nur dann unseren Weg gemeinsam beschreiten können, wenn wir in die selbe richtung gehen. Und unzuverlässigkeit, wie lügen etc, nicht mehr zu meinem Leben gehören.
Ich musste beim schreiben an Lananana denken, sie schrieb sinngemäß neulich, dass manchen es leichter fällt, nach der Trennung nach vorn zu blickenund los zu lassen. Und das es manchen sinnvoller erscheint Energie in die Beziehung mit einem nassen Alkoholiker zu stecken als in sich selbst.
Ich wollte darauf reagieren, aber kam nicht dazu..
Aber ein paar Gedanken dazu wollt ich noch hier lassen.
Ich glaube wenn man erkennt, in welcher Situation man da steckt und das sich das ändern muss, dann muss man verschiedene Prozesse durchlaufen...verarbeiten, was passiert ist, und auch den verlust einer Liebe, wieder zu sich finden, etc... Und ich glaube einige durchlaufen schon viele Prozesse noch während der Beziehung während andere sich schneller trennen und dann das verarbeiten etc. danach beginnen.
Natürlich ist bei jedem auch das Fass unterschiedlich schnell voll.
Wie ein persönlicher tiefpunkt beim Alkoholiker ja auch sehr unterschiedlich aussehen kann.
Zum anderen ist es eben auch nach Lebensumständen oder Verstrickungen mit dem Partner (finanziell, familiär,..) eben schneller gemacht oder eben langwieriger eine bessere Alternative zu finden.
Darum denke ich von außen kann man das alles nur bedingt beurteilen, wenn man überhaupt vergleichen und werten sollte.
Mir jedenfalls ist aufgefallen, auch wenn ich noch nur räumlich getrennt bin, dass ich auch vorherige Beziehungen sehr spät beendet hatte, es dann mit dem aussprechen aber eigentlich schon abgeschlossen war. Also es war sozusagen mein letzter Schritt. Warum das so ist, dass weiß ich noch nicht. Aber das es nicht gesund ist, das ahne ich schon.
Lange Rede, gute Nacht 🙋🏻♀️