Beiträge von Jump!

    Liebe Momo, das sind die Gründe weshalb du es nicht früher geschafft hast.

    Aber mich interessieren die Gründe warum du und warum andere es dann schließlich doch geschafft haben. Was hat das Klick ausgelöst? Was war der Moment oder Gedanke, der zu der Einsicht geführt hat, dass es so nicht weiter geht?

    (Kleiner kritscher Nachtrag zu mir:

    Ich ziehe ja "nur" aus. Ich bin ja weiter in der Beziehung. Klick hat es nur insofern gemacht, dass ich mich nun aktiv auf den Weg mache und mich mit meiner Co-Abhängigkeit auseinander setze. )

    Guten Morgen 🌞,

    hier war ja echt was los in meinem Fädchen.

    Genau, haben wir gerade gemacht, immer noch in Jumps Faden, vielleicht sollten die Beiträge langsam in einen eigenen Faden zum Thema "Tiefpunkt" überführt werden, ist ja hochspannend und wichtig ...

    Gerne! könnt ihr in meinem Faden darüber weiter diskutieren. Dann habe ich alles schön kompakt hier bei mir und kann mir meine Gedanken dazu machen...

    Eine Erweiterung wäre noch der Tiefpunkt beim Co??? Was muss passieren damit es beim Co klick macht? Muss ich erst beleidigt, bedroht, geschlagen werden? Wie viele Nächte muss ich heulen, ohne morgens wieder zu denken: ach war ja doch nicht soo schlimm, heute hat er sich ja wieder besser unter Kontrolle? Was war euer Auslöser JETZT zu gehen? Was war anders als die Wochen vorher?

    Bei mir war es der Krampfanfall meines Mannes. Leider nur bei mir. Nicht bei ihm. Was war es für euch?

    🏵️

    Lieber Stromer vielen Dank, dass du dich bemühst die Sucht-Dynamik etwas verständlicher zu machen. Du findest immer so klare deutliche Worte.

    Dieser Satz ist für mich selbst auf jeden Fall sehr sehr treffend:

    den richtigen Punkt zu sehen, spüren, fühlen. Ist das das nicht?

    Danke, dass du das nochmal so deutlich sagst.

    Zu dem Thema Wille-Einsicht-Abstinenz habe ich auch schon viele Gespräche mit meinem Mann gehabt. Also ernste, offene, nüchterne Gespräche von seiner Seite. Ich habe hier im Forum ja immer das Gefühl, dass mir keiner glaubt, dass er wirklich abstinent leben will, dass er wirklich "einsichtig" ist. Es aber trotzdem nicht schafft. Und deshalb ja auch schon so oft in die Reha ist, um sich erneut Hilfe zu suchen. Kurz: ich sehe den Willen. Aber eben trotzdem keine Abstinenz.

    Es wäre so viel leichter, wenn ich einfach sauer auf ihn sein könnte, nach dem Motto: selber Schuld!

    Ja, der berühmte Tiefpunkt ist dann wohl der entscheidende Hebel. Aber ihn verlassen, damit er dem näher kommt? Bin ich für seinen Tiefpunkt "zuständig"?

    Noch was anderes hierzu:

    Wenn Sie gehen stirbt einer, wenn Sie bleiben sterben zwei.

    Dieser Satz hat mich ja sehr geprägt. Aber gerade Frage ich mich, ob das vielleicht gar nicht stimmt. Vielleicht "stirbt" ja auch gar keiner, wenn ich gehe. Vielleicht ist das nur diese Co-Angst.

    Liebe Momo, jetzt musste ich gerade nochmal nachschauen in welchem Faden ich eigentlich bin 🙈... Es geht ja hier eigentlich um DICH! 🏵️

    Silberstreifen, das was du geschrieben hast spricht mir absolut aus dem Herzen. Das ist ganz genau der Punkt, der mir auch so sehr zu schaffen macht. Ich werde die Sache mit dem Willen, der Einsicht und dem Krank-Sein vermutlich niemals verstehen.

    Das einzige was ich für mich verstanden habe ist, dass es aber auch nichts nutzt ebenfalls mit zugrunde zu gehen. So wie mir ein Arzt mal gesagt hat: Wenn Sie gehen stirbt einer, wenn Sie bleiben sterben zwei. Ich glaube das ist es, was Lananana versucht deutlich zu machen.

    Heute habe ich einen Brief von der Reha bekommen, in der mein Mann nun ist. Es wird erklärt, dass ein Alkoholiker zwar "krank" sei, aber dennoch die Verantwortung für seine Genesung und auch für die Ereignisse der Vergangenheit übernehmen sollte.

    Ich finde das ist eine gute Formulierung. Verstehen werde ich es aber trotzdem nie. Für mich bleibt es ein Widerspruch in sich.

    Danke Momo für deinen Gedankenanstoß! Damit habe ich mich in ähnlicher Weise auch kürzlich viel beschäftigt.

    Ich habe mich gefragt wie es sein kann, dass jemand NICHT co-abhängig wird, der/die mit einem Alkoholabhängigen zusammen lebt. Ist natürlich eine etwas andere Fragestellung.

    Für mich ist das, ähnlich wie beim Alkoholiker, eine Frage der Zeit. Bei mir war es eine langsame Gewöhnung, sozusagen eine "Toleranzentwicklung". Da mein Mann Spiegeltrinker ist, war es ja weniger auffällig. Und solange ich noch keine Angst um ihn hatte, war ich auch noch nicht Co. Ich habe mich öfter geärgert, war sauer, habe mein eigenes Ding gemacht - hätte das aber nicht als "verletzt sein" bezeichnet.

    Du gehst ja sogar noch weiter:

    sowie auch jeder Co-Abhängige sein Umfeld verletzt, da eine Sache über Allem steht.

    Das hat mich stutzig gemacht. Hab' ich das? Wenn ich weg war/bin rede ich eher wenig "darüber". Nicht um es zu verheimlichen, sondern weil ich wirklich andere Themen habe(n will). Ich wüsste jetzt spontan nicht wen ich verletzt haben könnte und mit was konkret?

    Solche Aussagen treffen mich halt immer:

    Das kätte meine Frau auch keine Sekunde mitgemacht.

    wenn ich für sie unerträglich geworden wäre, hätte sie sich getrennt.

    Dann frage ich mich natürlich warum ICH das nicht konnte, warum ICH das mitgemacht habe. Und ich komme mir blöd vor. Ich denke: ich bin doch auch ein autonomer, selbstbewusster Mensch.

    Allerdings entwickelt sich Co-Abhängigkeit nun mal ebenfalls:

    Langsam und schleichend.

    Und es gibt Zeiten in denen alles wieder viel besser wirkt, in denen Hoffnung auf kommt. Es gibt das Mitgefühl, wenn mein Mann selbst so sehr verzweifelt wirkt. Es ist ja nicht so geradlinig: er trinkt und trinkt und wird "böse" und gemein und dann trenne ich mich.

    Er trinkt, versucht auszugleichen, strengt sich an, bricht zusammen, macht sich Vorwürfe, will es wieder gut machen, schafft es einige Zeit, zeigt seine Liebe, wirkt innerlich zerrissen, ist wieder unerreichbar, betrunken, zieht sich zurück, wirkt verzweifelt, "reißt sich zusammen", schafft es nicht, geht in die Klinik, blüht wieder auf, Hoffnung kommt, Hoffnung geht...

    Manchmal wünschte ich mir er würde "einfach" trinken, richtig fies werden, alles leugnen, ein Ar... sein - dann wäre es klar. Aber wäre es das wirklich?

    Ich bin vorsichtig mit dem Wort "wäre" oder "hätte".

    Ich habe auch oft gedacht:

    Wären wir nie zusammen gezogen, dann hätte ich mich super easy getrennt.

    Hätte er mich je geschlagen, bedroht, beleidigt, dann wäre ich sofort weg gewesen.

    Hätte ich ein Kind, dann hätte ich ihn sofort verlassen.

    Aber ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Denn solange ich das nicht wirklich erlebe, kann ich es nicht wirklich beurteilen. Die Dynamik dahinter ist so teuflisch - genauso wie der Teufel Alkohol selbst. Da denkt doch auch der Alkoholiker zuerst: ich doch nicht! Ich kann ja jederzeit aufhören, wenn...

    Stromer du hast geschrieben:

    Ich versprach ihr, mir Hilfe zu suchen.

    Es war gut und für mich überlebenswichtig, das sie mich erwischt hat.

    Das freut das co-abhängige Herz 😉. Das hätte ich auch gerne erlebt: ich stelle ihn zur Rede und dann wird er trocken.

    Aber was, wenn du ihr versprochen hättest Hilfe zu suchen und es sich länger als drei Monate hin gezogen hätte? An welchem Punkt mache ich dann Schluss? Was wenn du es nicht sofort geschafft hättest beim ersten Anlauf trocken zu bleiben? Ab wann gebe ich die Hoffnung auf und bin bereit alles aufzugeben?

    Was mich auch weiterhin wundert ist, wie es sein kann, dass eine Partnerin nichts merkt bzw. begreift. Alleine der Geruch muss doch störend sein. Okay, es gibt einige Leute, die generell nichts riechen. Aber auch das viele Leergut muss doch Fragen aufwerfen (wenn es nicht versteckt wurde). Aber völlig egal wie und warum: solange ich als Angehörige gar nichts weiß, kann ich natürlich auch nicht co werden oder belastet sein 🙃. Und das ist natürlich ein großer Vorteil. Und das freut mich auch sehr für eure Lieben! ❤️

    Liebe Vayana,

    Ich glaube ich verstehe was dich dazu bewogen hat das zu sagen:

    Es geht nicht um Dich. Es geht um mich! Mich macht es krank! Vielleicht überlegst Du sonst, ob es nicht die Möglichkeit gibt, dass Du es lässt für mich.

    Hier wird ja oft betont, dass es ein "Beweis" dafür ist, dass der Partner Alkoholiker ist, wenn er nicht der Beziehung zuliebe aufhören kann zu trinken. Wenn er den Alkohol also drüber stellt. Und das hast du aufgegriffen. Um ihm und auch dir selbst zu "beweisen" wie schlimm es um ihn steht, wenn er es trotzdem macht. Weil er es ja verharmlost. Also so verstehe ich dich jedenfalls.

    Und bei deiner Drohung zu gehen, wenn er doch wieder trinkt, hat dein vernünftiges, realitätsorientiertes Ich gesprochen. Du hast nicht nur ihm, sondern auch dir selbst damit eine Grenze gesetzt. Allerdings müssen die Emotionen jetzt auch noch hinter her kommen. Also quasi Kopf : Krafttier Antilope. Aber Gefühl: Krafttier Schildkröte. (ich kenne mich mit Krafttieren gar nicht aus... wahrscheinlich gibt's gar keine Antilope, aber ist ja egal...und zumindest ab jetzt habe ich die Antilope für dich erfunden 😜).

    Und da du gerade krank bist und ohne Kraft, fühlt sich alles natürlich noch viel schlimmer an.

    Bei mir war es wichtig mir immer wieder zu sagen: Gefühl aus, Kopf an. Um ins Planen und Handeln zu kommen.

    Alles Liebe, Jump! Krafttier Känguru 🤣

    Liebe Tanja,

    In erster Linie ist das JA dafür da HILFE zur Erziehung zu leisten. Und zwar in Kooperation mit den Eltern. Es gibt tolle Hilfen z.B. eine Familienhelferin, die an 1-2 Tagen in die Familie kommt, die Probleme bespricht, z.B. hilft die Formulare für Ämter auszufüllen oder vor Ort quasi live bei Erziehungsfragen beraten kann etc.

    Wenn also jemand vor schlägt das JA einzubeziehen, dann ist das oft gar nicht als Drohung oder Anklage gemeint. Sondern als Möglichkeit Unterstützung zu erhalten. Aber die meisten Eltern sind leider eher eingeschnappt.

    Die Sozialarbeiterin vom Amt kennt auch die Möglichkeiten vor Ort, kann den Weg zu hilfreichen Einrichtungen ebnen, wie eben Schuldnerberatung, Wohnungsamt, Suchthilfe, Tageseinrichtungen für Kinder, Gesundheitsamt etc. Sie weiß wer für was zuständig ist und was es alles im Umfeld gibt. Und sie kann die entsprechenden Anträge zur Finanzierung von Fördermaßnahmen in die Wege leiten.

    Natürlich ist das auch sehr oft personenabhängig - also welche Sozialarbeiterin für einen zuständig ist, wie engagiert, erfahren...

    Dass ein Kind "weg genommen" wird ist nur in Fällen von akuter Gewalt oder massiver Gefährdung, und wenn kein Elternteil bereit ist das Kind adäquat zu schützen. Denn natürlich weiß das JA wie traumatisierend es ist, ein Kind von den Eltern zu trennen. Da muss es schon einen extremen Grund geben. Da werden erst andere Möglichkeiten ausgeschöpft.

    Wenn ein Vater aktiv süchtig ist, beleidigt, rum schreit, die Familie ängstigt, bedroht und die Mutter trotzdem dort bleibt, dann wäre das aus meiner Sicht allerings ein Grund. Vorher würde der Mutter wahrscheinlich empfohlen werden z B. in ein Frauenhaus zu gehen, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt. Oder eben ein Annäherungsverbot durch die Polizei zu erwirken. Dann müsste er nämlich raus. Aber wie da die Vorraussetzungen sind weiß ich nicht.


    Eine enge Freundin von mir war mal in einer ähnlichen Situation wie du, also dass sie sich vom Partner getrennt hat und beide die Raten für das Haus nicht mehr zahlen konnten. Bei ihr war es so, dass es sehr wichtig war das mit der Bank zu besprechen, also nicht einfach nichts zu zahlen. Und immer zumindest einen Teil zu zahlen, um Zahlungswille zu zeigen. Aber das scheint bei deiner Bank ja anders zu sein. Sie haben dann eine Maklerin beauftragt und auch wirklich gezittert, ob sie hoch genug verkaufen können, um den Schuldenberg zu bedienen. Sie hatten mehrere Kredite. Es hat sich zeitlich gezogen und war eine unglaubliche Belastung. Schließlich konnten sie verkaufen und sind mit einem blauen Auge raus gekommen. Einen der Kredite zahlen sie allerdings immer noch ab, weil sie da nicht raus kamen, ist aber eine kleinere Summe, die nicht zu sehr schmerzt.

    Sehr wichtig war für sie, dass sie noch vorher eine Wohnung gemietet hat - denn nachher mit dem Schufa-Eintrag hätte sie wahrscheinlich auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance mehr gehabt.

    Wäre Vermieten vielleicht eine Option? Zumindest bis ein guter Käufer gefunden wurde?

    Hast du schon bei der Schuldnerberatung angerufen? Vielleicht findest du ja am Wochenende auch eine Möglichkeit doch noch vernünftig mit deinem Mann reden zu können, falls er ansprechbar ist. Das wünsche ich dir!

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Hallo Tanja,

    ich denke an erster Stelle steht, wie du selbst sagst, die Schuldnerberatung und die Suchtberatung für Angehörige.

    In einer Familienberatungsstelle geht es um psychologische Beratung. Das kann dir vielleicht helfen, um in der Entscheidungsfindung unterstützt zu werden, einen klaren Kopf zu bewahren, dich nicht so alleine zu fühlen mit allem.

    Nur bei akuter Kindeswohlgefährdung würden die sich an das JA wenden und auch nur, wenn diese nicht anders abgewandt werden kann.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, hatte deine Anwältin dir geraten zum JA zu gehen. Was war hier der genaue Grund? Wegen deiner Tochter? Oder meinte sie das eher im Sinne einer allgemeinen Sozialberatung, auch wegen der finanziellen Situation?

    Ich glaube du bist gerade sehr aufgewühlt und das kann ich verstehen. Jetzt machst du so schnell einen Anwaltstermin und versuchst alles in die richtigen Bahnen zu lenken und dann gibt es solche existentiellen Hürden.

    mir ist klar ich will raus. Aber ist wirklich der Preis zwangsversteigert zu werden und bis Ende meines Lebens Schulden zu zahlen ?

    Ich habe den Eindruck hier geht in deiner Aufregung gerade was durcheinander. Dein Partner hat versäumt die Raten an die Bank zu zahlen. Und er hat diese Kontopfändung verursacht. Und zwar während du mit ihm zusammen lebst. Außerdem weigert er sich mit dir gemeinsam zu überlegen wie ihr das alles finanziell am besten regelt.

    DAS ist der Grund für die aktuelle Misere. Und nicht, weil du raus willst.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, droht er die weiteren Raten nicht zu zahlen, wenn du aus ziehst. Will er dich damit bestrafen oder weshalb? Macht doch gar keinen Sinn. Damit schadet er sich doch auch selbst.

    Ich verstehe, dass dein Problem ist, dass du dir keine Wohnung zusätzlich zu den Kosten für eure Eigentumswohnung leisten kannst. Du hattest glaube ich geschrieben, dass du auch keine Familie hier hast. Auch keine Freundinnen?

    Ich glaube es ist wichtig hier einen kühlen Kopf zu bewahren. An deiner Stelle würde ich jetzt auch keine Schnellschüsse machen. Aber Schritt für Schritt alles klären und voran gehen.

    Dein Beispiel mit den Domino-Steinen ist klasse! Ich hatte immer das Gefühl: wenn die Katze erst mal aus dem Sack ist, dann kommt sie da auch gar nicht mehr wieder rein.

    Deshalb habe ich auch keinen Zweifel, dass du weiter vorwärts gehst.

    Und deine Tochter: ihre Reaktion sagt ja auch schon alles.

    Alles Gute!

    Liebe Ich, ich hänge noch an deinem Faden, weil ich diese Sorge und Angst so gut kenne.

    Ich fand es oft so unglaublich schwer zu entscheiden wann/ob ich einen Krankenwagen rufen oder ihn in die Notaufnahme bringen solllte. Ich kenne auch die Angst vor Suizid.

    Ich habe leider keine gute Antwort darauf. Es gibt ja auch Fälle in denen ein Eingreifen lebensrettend ist. Der Süchtige tatsächlich nicht mehr handlungsfähig ist. Ich kann nur sagen wie es bei mir war.

    Früher habe ich ebenfalls den Fehler gemacht meinen Mann bei seinen kalten Entzügen zu "unterstützen". Also das hat bedeutet, dass ich da war. Sonst nichts. Ich gebe zu, dass es mir damals auch ein wenig "geschmeichelt" hat, dass meine bloße Anwesenheit "bewirkt" hat, dass er aufhören kann. Als ob ich als einzige diese Macht hätte ihn runter zu kriegen. So ein Schwachsinn. Ist mir heute auch wirklich peinlich. Aber ich denke diese Situationen, in denen ich scheinbar hilfreich war, haben meine Co-Abhängigkeit angefeuert und diese Angst geschürt er würde es ohne mich nicht schaffen.

    fühl mich schuldig weil er Angst hat alleine aufzuhören aber auch nicht freiwillig in die Klinik gehe.

    Weshalb solltest du denn schuldig sein? Es ist doch seine Entscheidung nicht in die Klinik zu gehen. Diese Option hat er doch. Er könnte auch zum Hausarzt gehen. Alleine aufzuhören ist viel zu riskant. Ich habe es ja selbst miterlebt wie mein Mann einen Krampfanfall hatte im kalten Entzug. Das sind Bilder, die kriegst du nicht mehr aus dem Kopf.

    Du wunderst dich, weshalb dein Partner plötzlich nicht mehr aufhört nach max. 10 Tagen? Die Sucht wird nun mal immer schlimmer. Auch durch Trinkpausen wird das nicht verhindert.

    Habe ich das richtig verstanden, dass dein Partner zwar eine eigene Wohnung hat, aber eher aus finanziellen Gründen, damit ihr keine Haushaltsgemeinschaft bildet - aber im Grunde hat er überwiegend bei dir und deiner Tochter gewohnt? Und er ist nur in seiner Wohnung wenn er trinkt?

    Zuerst hast du geschrieben, dass er dich auch beleidigt und aggressiv wird - jetzt nachdem er da war und dir leid tat, da hast du alles relativiert. Ich lasse dir daher deine Sätze nochmal hier:

    Mittlerweile ist er er so übermüdet und ausgelaugt das er aggressiv und beleidigend

    dann bin ich gestorben in seinem Augen ,,werde beleidigt , blockiert , beschimpft .

    Das übliche wenn man sich ausklinkt , Beleidigungen Beschimpfungen

    Du hast geschrieben, dass du sogar bei der Polizei angerufen hattest.

    Die Polizei macht garnichts , ich habe dort schon nachgefragt , was ich tun kann wenn er alkoholisiert kommen will um „seine Sachen zu holen“ Ich habe da Respekt vor, denn er hat heute zum ersten Mal mit mir Schluss gemacht per WhatsApp , droht mir mit Anwalt ,weil ich ihn ja ich zitiere „verrecken lasse“ er am Boden liegt…Ich bin jetzt ein ekelhafter Mensch eine blöde Kuh ectpp

    Da warst du sauer und verzweifelt, glaube ich. Und wenn die Situation sich wieder etwas bessert oder dein Mitgefühl hoch kommt, dann wird alles wieder bagatellisiert. Weißt du das ist ganz typisch. Das kenne ich auch von mir. Ich will dich damit nicht bloß stellen, sondern es dir vor Augen führen. Damit du die Augen nicht mehr zu machst, denn es ist doch schrecklich so zu leben.

    Und damit komme ich zu einem letzten Punkt, der mir noch wichtig ist. Du hättest gerne eine medikamentöse Hilfe. Aber kein Medikament wird eine Besserung bringen, solange du dich nicht aus dieser schlimmen Situation befreist. Diesen Druck, den du gerade erlebst, den kann nämlich niemand aushalten.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Hallo Ich,

    ich finde es stark, dass du es geschafft hast ihn wieder weg zu schicken, obwohl er mit seinem hilfsbedürftigen Auftritten alle deine Co-Knöpfe gedrückt hatte.

    Ich selbst habe erst vor kurzem verstanden, dass meine Sorge mein Mann stirbt, in meinem Fall Ausdruck meiner Co-abhängigkeit war. Ihm die volle Verantwortung selbst zu geben ist aber die einzige Möglichkeit, die langfristig sinnvoll ist.

    Noch eins: um Medikamente zu bekommen musst du nicht zum Psychologen sondern zum Psychiater. Es gibt in den Kliniken auch Ambulanzen. Es muss eine psychiatrische Klinik geben, die einen "Versorgungsauftrag" hat und die dich zumindest auf eine ambulante Warteliste setzen müsste. In Notfällen kannst du dort auch immer in die Notaufnahme gehen.

    In den Städten gibt es sehr viele Psychiater. Ich würde mir die Liste über die kassenärztliche Vereinigung oder über die Krankenkasse besorgen. Und dann wirklich alle durchtelefonieren, am besten Rückwärts, also von Z - A. Auf der "Arztsuche" der kassenärztlichen Vereinigung sind auch sofort die neu niedergelassenen Psychiater gelistet, die noch eher Patienten aufnehmen. Die meisten haben auch offene Sprechstunde am Vormittag. Wichtig ist, nicht aufgeben!

    Ein Medikament wirkt allerdings sehr viel besser in Kombination mit einer Psychotherapie.

    Mir selbst hat dieses Forum wahnsinnig geholfen! Nächsten Monat ziehe ich aus.

    Dir alles Liebe, Jump! 🏵️

    Und das ist doch ganz toll, das ich diese Chance bei einer Krankheit habe!

    Das finde ich so einen tollen Satz!

    So herum habe ich es noch nie gesehen. Es gibt ja wirklich so viele schwere Krankheiten, die unaufhaltsam sind, egal was ich mache. Und hier gibt es diese Möglichkeit: sie zu stoppen. Da höre ich so eine Dankbarkeit heraus, diese Chance zu haben. Und du hast sie ergriffen, und zwar hundertprozentig, ohne wenn und aber.

    Stromer, du verblüffst mich immer wieder!

    Hallo Saltsoul,

    ich habe gerade deinen Faden gelesen. Ich finde es beeindruckend wie du nun für dich und deine Tochter einstehst.

    Hier bin ich hängen geblieben:

    Jetzt bin ich skeptisch ob er sich das nicht sogar so zurecht gedreht hat.

    Bei meinem Mann glaube ich dass das so war. Er hat dann zwar gesagt, der Arzt hat aber... Aber ich bin mir sicher, wenn er richtig Tacheles geredet hätte oder auch protestiert hätte, dann hätte er die richtige Hilfe bekommen.

    Ich finde es richtig und beeindruckend, dass du dich der Schulsozialarbeiterin anvertraut hattest. Da bist du ein echtes Vorbild auch für andere Mitlesende. Aktiv werden die ja normalerweise nur in Richtung JA, wenn das Kind dann ungeschützt bleibt. Manchmal habe ich den Verdacht, dass manche Mütter sich genau aus dem Grund nicht ans JA oder andere soziale Hilfen wenden, denn dann ist klar, dass es kein Weg zurück gibt. Dann doch wieder mit dem Süchtigen zusammen bleiben wird dann schwierig.

    Du hast mehrmals geschrieben, dass du Angst hast vor dem Gespräch, in dem du sagst du ziehst aus. Besteht die Gefahr, dass er aus tickt? Gewalttätig wird? Ausfällig wird? Vielleicht ist es besser, wenn jemand dabei ist, oder zu gehen während er weg ist?

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ich finde es beeindruckend wie achtsam und konsequent du deine Trockenheit sicherst.

    In punkto Urlaub machen wir es so, dass wir eine Ferienwohnung oder Haus mieten, am besten mit schönem Blick und Terrasse. Da können wir dann abends sitzen und lesen, die Leute beobachten, die Atmosphäre genießen. Tagsüber sind wir sehr aktiv, wandern, erkunden die Gegend, erforschen die Städte, so dass wir abends auch angenehm müde sind.

    Fürs Essen lieben wir die Mittagstische. Da gibt es tolle Menüs, oft sitzen wir dann zwischen den berufstätigen Einheimischen und genießen deftige lokale Küche. Da wird auch kaum Alkohol getrunken um uns herum. Oder wir wohnen außerhalb, in einem Naturschutzgebiet. In vielen Ländern gibt es z.B. so Programme, durch die alte Bauernhäuser in Ferienunterkünfte umgebaut wurden, um sie zu erhalten.

    Abends essen wir "Zuhause" nur noch eine Kleinigkeit, weil wir von mittags satt sind. Oder es geht noch Eis essen, ein bisschen schlendern. In den südlichen Ländern trinken die Einheimischen ja eher Kaffee, nur die Touris sitzen da mit ihrem Bier. Es kommt natürlich sehr auf die Gegend an. Ich würde jetzt nicht zum Ballermann fahren oder nach Lloret, sondern in ruhigere Gegenden. Okay, ein reiner Strandurlaub wäre auch sowieso nichts für mich, das wird mir spätestens nach einer Stunde zu langweilig. Schwimmen ja. Aber rum liegen...nö. Um aktiv zu sein bietet sich natürlich auch eher die Nebensaison an, wenn es nicht so extrem heiß ist.

    Bei dir musste ich auch an solche Motorradreisen denken. Auf Sardinien und Korsika ist das ja sehr verbreitet. Da du so aktiv bist kann ich mir dich auch gar nicht in einem all-in-Hotel vorstellen.

    Aber Vorsicht!!! Das soll jetzt keine Aufforderung sein doch trotz ungutem Gefühl oder am Anfang der Abstinenz in Urlaub zu fahren. Das ist ja für viele ein heftiger Trigger und ein viel zu großes Risiko. Ich wollte nur anregen vielleicht auch mal über andere Formen des Reisens nachzudenken, die weniger Alkohol-lastig sind. (Bestimmt bekomme ich gleich was auf den Deckel dafür 😬).

    Bei mir hat es früher auch "dazu gehört " beim Sonnenuntergang einen Rotwein zu trinken und so... Das ist mittlerweile völlig weg. Wir haben uns jetzt auf die Sonnenaufgänge spezialisiert 😂 , mit einem leckeren Kaffee im Nachthemd draußen, wenn alles noch so schön ruhig ist.

    Stromer, ich hab noch eine ganz andere Frage:

    Seit ich 18 Jahre alt bin habe ich Alkohol als einschlafhilfe mißbraucht.

    Wie schläfst du eigentlich mittlerweile ein? Hast du keine Probleme mehr damit?

    Da habe ich mich offensichtlich vollkommen falsch ausgedrückt

    Hey Stromer, schon mal drüber nachgedacht, ob es vielleicht auch dein Gegenüber einfach falsch verstanden hat? 😜

    Und wenn schon, dann kannst du es ja klar stellen. Macht ja nix.

    Ist wirklich interessant, denn folgendes passt gerade gut zu meiner neuesten Erkenntnis:

    deshalb sträuben sich auch viele Betroffene, sich selbst so zu nennen.

    In Bezug auf Alkoholiker wird das ja oft geschrieben. Aber ich habe festgestellt, dass dies bei mir auch in Bezug auf Co-Abhängigkeit passt.

    Mit Co-Abhängigkeit habe ich Leute verbunden, die nicht Nein sagen können, nachgiebig sind, sich schnell schuldig fühlen, nicht allein sein können etc. Diese Eigenschaften werden ja auch oft damit verbunden. Und daher dachte ich: neee, ich doch nicht.

    Ich hatte mich jetzt nochmal beschäftigt mit den "Kriterien", die für Co-Abhängigkeit gelten und daher auf die verschiedensten "Tests", die es so gibt, zurück gegriffen. Ich fand da vieles sehr unspezifisch. Und dann ist mir klar geworden, dass es bei mir im wesentlichen auf folgende Punkte hinaus läuft, die dann wiederum sehr an Alkoholismus erinnern:

    • Das ständige gedankliche Kreisen um den Süchtigen
    • Körperliche Reaktionen wie Unwohlsein auf dem Heimweg, Unruhe, Schlafstörungen, Migräne
    • Das langsame Gleiten in die Co-Abhängigkeit über Jahre im Sinne einer zunehmenden Gewöhnung
    • Die "Ungläubigkeit" es zu sein
    • Die Überzeugung es passiert eine Katastrophe, wenn ich mich nicht mehr kümmere

    Ich hatte ja auch immer das Gefühl ich würde mich dann hinter dem Label "Co-abhängig" verstecken, so nach dem Motto: ich kann ja nichts dafür, ich bin halt so geprägt. Und das ist so gar nicht meine Einstellung.

    Was mich geärgert hat war, dass irgendwo stand, dass der Begriff co-abhängig umstritten sei, weil er ja eine Krankheit suggeriere. Und statt dessen "suchtbegünstigendes Verhalten" besser wäre. Also diesen Ausdruck finde ich noch unpassender, denn das hört sich für mich nach Schuld an. Und mein eigenes Leid, wird dann ja auch darauf reduziert was es mit dem Alkoholiker macht, anstatt die Auswirkung auf mich selbst in den Vordergrund zu stellen.

    Womit ich auch nichts anfangen kann ist, dass dieses Auf und Ab suchtähnlich sein soll. Ich war nie euphorisch oder glücklich, wenn mein Mann nüchtern war, ich war einfach nur beruhigt.

    Ha ha und jetzt zitiere ich mich selbst:

    selbst wenn mir jemand eine 100%-Garantie geben könnte, dass mein Mann für immer trocken bleibt - selbst dann würde ich jetzt ausziehen

    Und zwar weil ich viel zu lange um die Sucht meines Mannes gekreist bin. Deshalb halte ich es jetzt für wichtig auszuziehen, egal ob er trocken oder nass ist. Da muss wieder was ins Gleichgewicht gebracht werden bei mir. Und dafür brauche ich meinen eigenen Raum und eine klare Grenze.

    Also ab ins (Eis) Cafe wo keine Plätze mehr frei sind und setz Dich irgendwo dazu und fang ein Gespräch an.

    Oh je, nein 😳 das würde ich niemals machen. Nicht nur weil ich mich nicht trauen würde, sondern weil ich tatsächlich gerne so für mich alleine bin, mein Eis selig schlecke und die Leute beobachte. Im Gegenteil fange ich selbst an "zu fauchen" , wenn sich bei mir einfach jemand dazu setzt.

    Deine Frau und du, ihr seid ja echt ein gutes Team. Wart ihr denn schon zusammen als du noch getrunken hast?

    Ein schönes Wochenende von Jump! 🏵️

    Gerade ist mir etwas sehr wichtiges bewusst geworden: selbst wenn mir jemand eine 100%-Garantie geben könnte, dass mein Mann für immer trocken bleibt - selbst dann würde ich jetzt ausziehen. Weil ich einfach mal mit mir alleine sein will.

    Wie geht es Dir? Bist Du in der Zwischenzeit umgezogen? Wie läuft es so bei Dir?

    Bei mir ist gerade eine schöne innere und äußere Ruhe eingekehrt.

    Die letzten Wochen waren anstrengend, wegen dem Umzug. Fast alle Möbel und Sachen sind nun drin. Dort wohnen kann ich aber erst ab Oktober. Ich freue mich, aber hab' auch ein bisschen Bammel. Alles fremd. Alles anders. Dann wiederum finde ich es super spannend. Kommt immer auf meine innere Verfassung an. Aber eigentlich bin ich mir sicher, dass ich mich dort wohl fühlen werde.

    Mein Mann ist nun in der Reha. Seine Resignation wechselt aktuell zu vorsichtiger Hoffnung, denn die Einrichtung gefällt ihm sehr. Eigenveratwortung wird dort groß geschrieben. Ich sag's mal in meinen Worten: die Klinik scheint keine Angst vor Abbrechern zu haben. Und lebt quasi ein Anti-Co-Konzept, indem es weder Kontrolle noch Schonung gibt, sondern die eigene Motivation verlangt und vorausgesetzt wird.

    Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir überhaupt keine Hoffnung mache. Aber ich bleibe realistisch und plane für mich selbst alles so, dass ich nicht mehr auf ihn angewiesen bin.

    Im Moment will ich auch gar nicht mehr so viel nachdenken. Ich will einfach nach vorne schauen. Das Durchhaltevermögen, das mich so lange bei meinem Mann gehalten hat, das setze ich jetzt voll für mich selbst ein. Und wenn ich erst mal einen Weg eingeschlagen habe, dann verfolge ich den auch stur.

    Alles Liebe von Jump! 🏵️ die es sich zur Zeit gemütlich macht 🦦

    Das was du von Stromer erzählst ist aber auch wirklich sehr besonders. Ihr wart quasi wie füreinander bestimmt. Und wie schnell er es geschafft hatte deine Frau um den Finger zu wickeln!

    Ich habe immer das Gefühl Katzen gehen absichtlich zu denjenigen, die eigentlich nix mit Katzen am Hut haben 😉.

    Ansonsten geht es mir aber sehr, sehr gut.

    Das freut mich so sehr für dich! Und das hört man auch zwischen jeder Zeile, die du schreibst.

    Ich hatte ja früher auch mal so einen ganz besonderen Kater. Wir hatten ihn von Leuten übernommen, die ihn weggeben haben mit den Worten: das ist eine Monster-Katze. Weil er nur gefaucht und gekratzt hat.

    Unser anderer Kater wollte ihn freudig mit Nasenkuss begrüßen und war völlig perplex, als er gefaucht hat. Er war immer in irgendwelchen Verstecken, hat sich kaum anfassen lassen. Jedenfalls kam dann eines Tages (das ist über 20 Jahre her) meine Mutter zu Besuch, die Krebs hatte und nicht mehr lange zu leben. Es war ihr letzter Besuch bei uns, sie konnte nicht mehr gut laufen. Und ich traute meinen Augen nicht: dieser Kater ist zielsicher zu meiner Mutter gelaufen, ist auf ihren Schoß gesprungen und dort die ganze Zeit ruhig liegen geblieben! ❤️ Sie war so beseelt. Es hatte ihr so viel bedeutet.

    Es hatte dann noch eine Weile gedauert, aber dann wurden er und ich unzertrennlich. Ich kann auch Katzensprache 😉.

    Bei uns war es übrigens auch so, dass mein Mann der eigentliche Katzenmensch war. Aber ich war sofort Feuer und Flamme.

    Aus dir spricht so viel Güte und Herzlichkeit und du scheinst so ein beeindruckend buntes vielfältiges Leben zu haben. Mit der Fähigkeit das alles auch voll und ganz zu genießen. Das ist einfach klasse! Ich denke wer so viel spürt, spürt eben nicht nur die Freude so unmittelbar, sondern auch die Trauer.

    🏵️