Beiträge von Jump!

    Guten Morgen Somadi, was du geschrieben hast rührt mich. Die Scham. Das ist ein heftiges, hartes Gefühl, das viel Macht haben kann.

    Es gibt auch das Fremdschämen, die "falsche" Scham, Scham vor dich selbst oder vor anderen... Wie ist das? Ist es so, dass es "nur" im Verborgenen bleiben muss, so wie die Vogelstrauß-Perspektive: was ich nicht sehe existiert nicht? (musst nicht antworten)

    Aber du hast Recht, einmal ausgesprochen kannst du es auch kaum noch zurück nehmen. Das ist ein großer Schritt.

    Schämst du dich, weil du mit einem Alkoholiker zusammen bist?

    Weil das so gar nicht zu eurem äußeren erfolgreichen Bild passt?

    Oder schämst du dich für ihn?

    Ich habe mich mal einer Kollegin anvertraut. Da habe ich mich auch geschämt. Also für mich selbst, dass ich sowas "mit mache".

    Ich finde du drückst dich sehr klar aus. Und das ist doch ein guter nächster Schritt:

    Mein nächster Schritt, den ich mir zu gehen wünschen würde, wäre ein Gespräch mit meiner Schwester

    Sowas schafft nämlich kein Mensch alleine. Meine Schwester ist auch meine stärkste Stütze. Auch hier um Forum zu schreiben ist ja ein riesiger Schritt gewesen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Etwas auszusprechen macht einen großen Unterschied, finde ich.

    Ich fühle mich etwas beruhigt, dass Du auch lange gebraucht hast

    Da dachte ich erst, oh je, dann bin ich ja quasi ein "schlechter Einfluss", wenn es dazu führt sich dann darin bestärkt zu fühlen nicht ins Handeln zu kommen.

    Aber dann habe ich verstanden was du meinst. Du wirkst sehr leistungsorientiert und hast wohl das Gefühl hier eine 1A - Befreiungsnummer hinlegen zu müssen, um gute Bewertungen zu bekommen 😉. Jetzt mal salopp ausgedrückt.

    Dieser "Druck" von dem du sprichst, den kenne ich auch (ich will doch alles "richtig" machen). Ich habe aber gemerkt, dass ich mir den in erster Linie selbst mache, weil ich nämlich ganz genau weiß, dass die anderen Recht haben.

    Dadurch hatte ich früher einige Beiträge auch so drängend und abwertend empfunden, obwohl das im Grunde mein eigenes strenges Denken war. Die Frau eines nassen Alkoholikers zu sein hat natürlich nie in mein Selbstkonzept gepasst. Und so lange rum zu Eiern noch viel weniger. Genau da hat es mich dann erwischt.

    Du bist erst vier Tage hier. Ich glaube indem du schreibst, Worte findest, die Realitäten auf den Tisch legst wird sich was in dir verändern. Und das ist der Anfang.

    Liebe Somadi, klar solltest du weiter in deine Heimat fahren. Aber was hält dich ab zu sagen, dass du ihn nur dabei haben möchtest, wenn er nüchtern bleibt? Du kannst alleine fahren. Oder mit zwei Autos, so dass du jederzeit weg kannst.

    Das hat mich stutzig gemacht:

    So etwas passiert aber auch nicht, da er nur zu Hause trinkt… alles im Verborgenen.

    Es ist eben nicht im Verborgenen, sondern vor DIR! Woanders würde er das den Leuten anscheinend nicht zumuten oder schämt sich oder passt sich an oder warum auch immer er das da nicht macht. Aber bei dir , da sind die Hemmungen gefallen? Da ist keine Grenze? Genau diese Grenze meine ich. Es ist ja auch meine Grenze. Die ich setze. Oder eben nicht.

    Was bedeutet das in puncto gegenseitigen Respekt. Wenn er doch anscheinend so spielend auch nüchtern sein kann. Ist es ihm mittlerweile egal wie peinlich er sich dir gegenüber verhält? Zählst du nicht?

    Und warum wäre es auch für dich erst ein Punkt, wenn es öffentlich auffallen würde?

    Habe mal gelesen, dass mehr als die Hälfte der Alkohliker keine körperlichen Entzugserscheinungen hätten. Keine Ahnung. Bei meinem Mann war das eine Frage der Zeit. Früher war da auch nix zu merken.

    Was würde dein Labrador zu dir sagen? Nein, kein Witz, du hast ja beschrieben wie er reagiert. Das kann wie ein Seismograph sein, um selbst zu spüren wo etwas aus dem Ruder läuft.

    Bewundern brauchst du da gar nix bei mir. Ich mache das alles schon viel zu lange mit und es hat ewig gedauert bis ich den Jump! geschafft habe. Da solltest du lieber mal bei Sonnenschein CoA , Aurora oder Lanananana lesen.

    An Trennung habe ich schon eine Millionen Mal gedacht, vor allem bevor ich ausgezogen bin. Ich sag's mal so: von dem betrunken Mann habe ich mich getrennt. Von dem nüchternen nicht. Wie es weiter geht weiß ich nicht. Da ich mir sowieso keine neue Partnerschaft vorstellen könnte, habe ich keinen Druck irgendwas zu entscheiden.

    🏵️

    Liebe Somadi, seit ich meine eigene Wohnung habe sage ich nun ganz konsequent, dass wir uns nur sehen, wenn er nüchtern ist. Also komplett.

    Und seit seiner letzten Entiftung klappt das. Es ist so "einfach" und klar: Zusammensein will ich nur (noch) mit ihm, wenn er keinen Alk im Blut hat. Auch nicht 0,1 und auch nicht, wenn er erst aufhört, wenn ich komme. Und auch nicht, wenn ich Sorge haben muss, er kommt auf Entzug. Dann gehe ich sofort, ohne Diskussion, ohne Anklage, ohne Meckern.

    Was er macht, wenn ich nicht da bin ist seine Sache. Aber für mich kann ich das Festlegen. Ich mache das nicht mehr mit.

    Ich hätte niemals gedacht, dass das funktioniert und ich gehe auch davon aus, dass es nicht lange so klappt. Aber zur Zeit geht es. Wir sehen uns regelmäßig am Wochenende in unserem Haus und einen Tag unter der Woche besucht er mich. Also es ist nicht so, dass ich springe, wenn er mal zufällig nüchtern ist, sondern das ist fest.

    Wenn er nicht mehr aufhören kann zu trinken, breche ich den Kontakt ab. Dann sehen wir uns nicht mehr. Erst nach der Entgiftung.

    Letztes Jahr bin ich auch zwei Mal ohne ihn in Urlaub gefahren, weil ich ihn betrunken oder entzügig nicht mehr mitnehme.

    Anfangs habe ich mir nach meinem Auszug noch sehr schlimme Sorgen gemacht. Einmal den Rettungswagen gerufen, was auch mit vier Promille notwendig war. Einmal die Polizei hin geschickt, was übertrieben war. Aber im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer.

    Jedenfalls hat mir erst der Abstand ermöglicht so klar aufzutreten. Außerdem schaue ich nicht mehr zu wie er sich komplett ruiniert. Das muss er dann alleine machen. Ich toleriere das nicht mehr. Und das ist es doch solange ich weiter "mitspiele".

    Wenn du so viele Wohnungen hast, dann wäre es einfach mit deinem kleinen Hündchen zu gehen, sobald er trinkt oder auf dem Boden liegt oder sonstwas passiert, was dich stresst, oder? Ins Auto und weg. Oder erst gar nicht mit ihm in die Heimat fahren, sondern nur, wenn er nüchtern ist. Falls er das noch kann ohne auf Entzug zu kommen.

    Du kannst ihn nicht ändern. Aber für dich selbst Grenzen setzen. Deine Werte und Standards verteidigen oder überhaupt erst mal für dich selbst klarer kriegen. Wo ist deine Grenze? Was müsste passieren damit du sagst: jetzt reicht es, das mache ich nicht mehr mit?

    Hallo Johanna,

    das was du beschreibst ist wirklich heftig. Für mich hört es sich an, als verdichtet sich da immer mehr eine Gefahr für dich und dein Kind. Bei solchen Mengen ist er doch kaum noch zurechnungsfähig.

    Dann noch die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Wenn das diagnostiziert wurde, dann gibt es da ja vermutlich auch einen Befund-Bericht?

    Vielleicht kannst du alle nötigen Unterlagen schon sicher stellen? Mein Impuls wäre auch, dass du dich ans Jugendamt wendest. Wegen deiner Sorge mit dem Umgangsrecht. Das bedeutet dann aber natürlich auch, dass es dann so nicht mehr weiter gehen kann. Aber das sollte es ja auch nicht.

    Gehst du arbeiten? Wenn du dir die Wohnung alleine nicht leisten kannst, dann ist das so. Deshalb dieses Leben zu ertragen ja verrückt. Eine Anwältin wäre vermutlich wichtig. Du hast dann ja auch Anspruch auf Unterhalt. Vielleicht kannst du Wohngeld bekommen? Du hast eine andere Steuerklasse. Also lass dich beraten. Hier mehr Planungssicherheit zu bekommen ist wichtig, um sich zu trauen sich abzugrenzen, finde ich.

    Bin mal wieder auf den Antwort Button gekommen, statt Zitate 🤦🏼‍♀️...daher konnte ich meinen Beitrag auch nicht mehr gegenlesen. Also entschuldige, wenn manches zu pushy rüber kommt... Ich höre dann auch lieber mal auf.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Mein Ziel ist es, dass sie ihr Alkoholproblem endlich als das erkennt, was es ist

    Tja, mit diesem Ziel mühen sich hier viele Cos Jahre um Jahre vergeblich ab.

    Ich fürchte ein realistisches Ziel wäre, dass DU selbst erkennst, "was es ist". Nämlich vermutlich hoffnungslos, solange sie weiter trinken will. Bei manchen gibt es eine winzige kleine Chance, wenn der Partner sich trennt. Bei vielen nicht. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand trocken geredet werden kann.

    Was hat dich denn damals selbst überzeugt aufzuhören?

    Ja, das war früher bei meinem Mann auch so, dass es im Winter am schlimmsten war. Und er hatte übrigens jahrelang überhaupt gar keine Abstürze, er ist Spiegeltrinker. Filmriss auch fast nie.

    Mein Mann hatte auch schon zig kalte Entzüge Zuhause gemacht, nix passiert, bis er irgendwann dann doch, scheinbar aus dem Nichts, einen epileptischen Anfall hatte. Dann erst hatte ICH gemerkt, dass es für mich so nicht weiter geht. Dass ich trotz allem Meckern und Klagen, Ignorieren, ins Gästezimmer umziehen - das Ganze ja dennoch irgendwo toleriere. Und ein Feigenblatt der Normalität bin.

    Abstinenzphasen waren eher Trinkpausen. Die ihm wohl das trügerische Gefühl vermittelt haben, dass es jetzt ja wieder geht, dass er diesmal ja aufpasst. Der Kopf war ja immer noch nass.

    Ich hab mal in einem wissenschaftlichen Bericht gelesen, dass der Abbau der weißen Substanz im Frontalhirn auch mindestens sechs Wochen nach dem Entzug noch weiter geht. Und damit auch die große Rückfallgefahr in den ersten Wochen erklärt wird. Keine Ahnung. Aber wenn du hier liest bei den Alkoholikern, dann wird jedenfalls klar, dass zwischen nüchtern sein und wirklich trocken sein ein großer entscheidender Unterschied ist.

    Du scheinst finanziell auf eingenen Beinen zu stehen. Wieso ziehst du nicht zumindest in eine eigene Wohnung?

    Und sicherlich wisst Ihr auch, wie schwer man sich tut, wenn am nächsten Morgen der Mann zurück, in den man sich verliebt hat. Gestern war er total betrunken und unausstehlich, heute macht er Frühstück, bespielt den Hund und redet wieder ganz normal

    Da sagst du was!

    Ich glaube das ist ein ganz wesentlicher Punkt: dieses hin und her. Mir kam dann später immer alles vor wie ein böser Traum, so Unwirklich. Nachts hab ich noch vor Verzweiflung wach gelegen. Und morgens wirkt alles wieder normal.

    Und weil es dann ja aber auch immer wieder "gut" war, war es so schwer trotzdem zu gehen. Weil ich immer dachte es ist doch "so unnötig", so offensichtlich falsch, dass er trinkt. Und er muss doch selbst merken, dass das der pure Wahnsinn ist so weiter zu machen. Denn eigentlich wäre doch alles super, wenn nur nicht diese vollkommen überflüssige Sauferei wäre.

    Tja. Nur irgendwann war dann gar nix mehr gut zwischendrin. Da konnte er überhaupt nicht mehr aufhören. Dann war er morgens heftig auf Entzug. Da musste er nachts rum geistern, um den Pegel zu halten. Es wird nämlich immer schlimmer.

    Ich hab viel drüber nachgedacht und aus meiner Sicht ist DAS der Hauptgrund gewesen zu bleiben. Dieses Switchen. Und weil ich nicht alles verlieren wollte, was wir aufgebaut hatten, wegen etwas, was doch so offensichtlich krank ist, dass er das doch raffen muss. Hat er auch. Aber vier Rehas später und keine Ahnung wie viele stationäre Entzüge (9?), nach SH-Gruppe und pipapo trinkt er trotzdem noch.

    Ich hab hier auch schon öfter gelesen, dass dieselben Frauen, die es jetzt nicht schaffen sich zu trennen, dies aber plötzlich sofort können, wenn er fremd geht.

    Das ist dann was anderes. Auch schlimm, aber trotzdem klar.

    Beim Alkoholiker ist da immer diese Hoffnung er schnallt es doch noch; dieses Wissen, es ist ja eine Krankheit; diese zwei Gesichter, die sich zeigen und die nicht übereinander passen.

    Ich kann nur sagen, dass es mir um Welten besser geht, seitdem ich ausgezogen bin.

    Liebe releasme, jetzt hast du eine Weile nix geschrieben...ist ja auch völlig okay... Ich hoffe nur, dass du dich jetzt hier nicht derart "unter Druck" fühlst ausziehen zu müssen, dass du dich dann hier zurück ziehst, weil du dich anders entscheidest oder deine Ambivalenz dir unangnehm ist oder so?

    Vielleicht liege ich völlig daneben.

    Ich will dir nur sagen, dass es ja dein Leben, deine Entscheidung und deine eigene Verantwortung ist. Das kann dir hier niemand abnehmen. Und von Außen sind natürlich alle "schlauer". Weil wir nicht drin stecken.

    Ich bin ja selbst "nur" ausgezogen und gar nicht getrennt und mach' hier die schlauen Sprüche. Ich weiß aber, dass die Katze aus dem Sack ist. Verleugnen und Schön-Reden geht jedenfalls nicht mehr. Und ich glaube so geht es vielen, wenn die Pakete hier erst mal auf dem Tisch liegen.

    Also ich will eigentlich nur sagen: Du bist mit deinen Gedanken und Gefühlen willkommen - auch mit deiner Zerrissenheit.

    Alles Liebe, Jump! 🎄

    Hallo Co-Pilot,

    ich bin eben auf deinen Faden aufmerksam geworden, weil du woanders etwas gepostet hast.

    Deine Beiträge wirken sehr bitter, fast schon hasserfüllt. Du schreibst zwar, du seist längst über die Co-Abhängigkeit hinaus gekommen, aber so liest es sich für mich ganz und gar nicht.

    Du klammerst an der Wohnung und findest anscheinend Gründe nicht auszuziehen, obwohl du weißt, dass sie kaum ausziehen wird und obwohl dich ihre gesundheitlichen Folgen des Alkohols anwiedern. Was hält dich was wichtiger ist als dein Seelenheil? (Ist eine rhetorische Frage, du musst nicht antworten).

    DU bist klar im Kopf, du kannst planen, handeln, für dich sorgen - dort zu bleiben ist deine Entscheidung. Das hat nichts mit Schuldumkehr zu tun, sondern damit sein Leben in die Hand zu nehmen, anstatt alles davon abhängig zu machen, dass jemand anderes dies das jenes macht.

    Ich habe den Eindruck du hast selbst auch nicht verstanden, dass es sich hier um eine schwere grauenhafte Krankheit handelt. Ja, die den Betroffenen irgendwann auch die Würde nehmen kann. Zum Beispiel indem im Internet darüber erzählt wird, dass man einkotet.

    Dein Anwalt hat in dieselbe Richtung argumentiert:

    3 gescheiterte Entzüge sind nicht tragbar, das sei eine selbst herbeigeführte Hilfebedürftigkeit

    Ist es nicht. Es ist Sucht. Und das meine ich nicht als Entschuldigung, sondern als sachliche Tatsache. Das Ergebnis für dich ist aber natürlich das gleiche: wenn du nicht zu einem verbitterten, rachsüchtigen Menschen werden willst, dann geh' da raus. Das ist jedenfalls mein Impuls, wenn ich dich lese. Was hält dich? Die schönste Wohnung ist das doch nicht wert.

    Und nicht, dass das jetzt falsch rüber kommt. Ich kenne das zu gut, dass ich irgendwann so wütend war und wirklich voller Hass und sogar schon gebrüllt hatte: "dann bringe dich doch um! Hau ab, lauf runter an die Gleise, dann ist endich Schluss. Ich ertrage dich nicht mehr."

    Und da wusste ich, ich muss unbedingt was machen, weg gehen, sonst kann ich mich bald nicht mehr im Spiegel anschauen.

    Und ich bin ausgezogen aus unserem schönen eigenen Haus. Also ich weiß was das bedeutet.

    Alles Gute, Jump! 🏵️

    Die Tatsache, dass er unbedingt will, dass du mit kommst zeigt sehr deutlich, dass er mitnichten einen echten Tiefpunkt hat.

    Du musst auf dich aufpassen, dich aus dieser Dynamik lösen und dazu gehört dich raus zu ziehen und ihm alleine die Verantwortung zu übergeben. Mit zu gehen ist das Gegenteil.

    "Suchtklinik" heißt Rehaklinik für stationäre suchtbezogene Langzeit-Therapie? Dann kommt er da auf die Warteliste und wenn ihr so tolle Connections habt, dann kommt er schneller dran.

    Aber, das heißt gar nix.

    Mach' dir nix vor, das Ganze ist noch überhaupt nicht an dem Punkt, um überhaupt von einer zukunftsweisenden Veränderung zu sprechen.

    Ich kenne das von mir, dass ich in meinem Co-Kopf dann alle möglichen Hinweise entdecke, weshalb es JETZT aber ganz anders ist, es diesmal klappen wird...war bei mir alles Wunschdenken.

    Und selbst wenn es aktuell ernst gemeint ist, schaffen es ja trotzdem die allermeisten nicht.

    Releaseme wo liegt das Problem jetzt erst mal auszuziehen und alles aus sicherer Position zu beobachten?

    Weißt du, wenn du alleine wärst, dann würde ich vielleicht denken: okay, sie muss noch eine Runde drehen... Aber du hast Kinder. Da kannst du dir keine Experiment erlauben.

    Eine eigene Wohnung ist erst mal ein sicherer Rückzugsort. Es gibt auch Paare, die leben aus anderen Gründen getrennt, obwohl sie eine gute Beziehung haben. Du musst jetzt nichts entscheiden, außer, dass du kein Risiko eingehst. Alles weitere kommt.

    Hey Karlotti,

    du hast geschrieben, dass du die einzige bist, die wirklich weiß wie schlecht es ihm geht. Dazu will ich sagen es gibt noch mindestens zwei, die das wissen: er selbst und sein Arzt bei dem er war. Und das sind auch die Einzigen, die da was machen können. Du nicht.

    Mich hat es sehr traurig gemacht in aller Tragweite zu realisieren, dass ich nichts machen kann. Aber es hat mich auch insofern erleichtert das wirklich zu kapieren, weil es diese gefühlte Verantwortung von mir genommen hat.

    Als ich vor etwas mehr als einem Jahr ausgezogen bin, da dachte ich jetzt säuft er sich in null komma nix zu Tode. Einmal hab ich die Rettung gerufen, nachdem er geschrieben hatte er stirbt. Die haben ihn dann in die Entgiftung gebracht. Das war Nothilfe, das war was anderes.

    Jedenfalls lebt er immer noch.

    Was ich nicht verstehe und hier aber immer wieder lesen ist, dass Angehörige tatsächlich versuchen mit einem komplett intoxiniertem Menschen noch vernünftige Gespräche zu führen. Oder sich so viel Mühe machen zu verstehen. Oder die Nachrichten ernst/persönlich nehmen und so.

    Ein Besoffener mit drei Promille oder so, ist komplett neben der Spur. Manche werden aggressiv, andere heulen, drohen, machen plötzlich Komplimente, Versprechungen, entwickeln einen Eifersuchtswahn...halt alles mögliche was so ein Nervengift anrichten kann. Sich da den Kopf zu zerbrechen oder gute Antworten zu überlegen oder empört zu sein...ist alles für die Katz. Denn der Empfänger ist auf Droge.

    Dir wünsche ich einen klaren Kopf und dass du dich selbst an erste Stelle stellst.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ich bin ausgezogen. Er lebt im Haus. Wir haben keine Kinder.

    Er wäre bereit gewesen selbst auszuziehen. Aber erstens war das in seinem Zustand unrealistisch. Und zweitens wollte ich dann lieber in die Stadt in der ich arbeite und mein soziale Umfeld habe.

    Ich wusste damals: ich muss das jetzt sofort durchziehen. Und mein Motto war nur noch: Kopf einschalten, Gefühl abschalten und auf Autopilot alle Schritte einleiten.

    Ich hatte unfassbare Panik. Hab innerlich gezittert. Aber ich war fest entschlossen.

    Liebe releasme, ich bin damals ausgezogen. Obwohl ich bis heute den Eindruck habe, dass mein Mann tatsächlich abstinent sein möchte, in seine SH Gruppe geht und damals auch seine (dritte) Reha anstand.

    Und das war absolut richtig und notwendig. Jetzt ist es so, dass ich den Kontakt sofort abbreche, wenn er auch nur das kleinste Fitzelchen getrunken hat. Aktuell ist er nüchtern, wenn wir uns sehen. Ich würde aber den Teufel tun und wieder einziehen. Obwohl wir gemeinsam ein sehr schönes Haus haben. Denn ich bin mir sicher, dass es dann wieder anfängt bzw dass er nie aufgehört hat. Und dann habe ich keinen Rückzugsort. Und kann nicht sofort den Kontakt abbrechen.

    Medikamenten-Namen dürfen ja nicht genannt werden. Aber sicherlich gehören zu einem Entzug mehrere Medikamente und manche machen selbst abhängig. Alleine das zeigt, dass er null kapiert hat. Es stellt sich auch die Frage woher er solche verschreibungspflichtigen Tabletten her hat (rethorische Frage).

    Ich kann dir nur raten auf jeden Fall auszuziehen. Schon allein der Kinder wegen.

    Liebe releasme, du bist bei deinen Eltern doch erst mal gut aufgehoben. Du hast ja keinen Handlungsdruck. Nimm den Druck raus.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn seine Wandlung sowieso die nächsten Tage oder Wochen wieder in sich zusammen bricht.

    Ich glaube nicht mal, dass er bewusst manipulativ ist - er glaubt sich ja vielleicht sogar selbst. Aber es gehört ja soviel mehr dazu dauerhaft trocken zu werden. Mach dir keinen Kopf über ungelegte Eier. Schau wie es weitergeht. Was du selbst willst. Suche dir Unterstützung. Male dir aus wie du leben willst. Du selbst.

    SummerSun hat das sehr gut beschrieben finde ich. Auch der Vorschlag deinen Faden nochmal zu lesen.

    Bis jetzt redet er nur. Geht er Montag zum Arzt, macht er einen Termin in der Suchtberatung, beantragt er eine Reha ("am liebsten stationär"), geht er in eine SHG...oder kommen lauter wenn's und abers?

    Wird sich in den nächsten Wochen klären. Und vielleicht willst du sowieso nicht mehr. So hört es sich für mich nämlich an.

    Wie heißt es: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Ich verstehe nicht, was das mit höheren Stühlen, fehlender Augenhöhe oder Unterschätzung zu tun haben soll. Also mir ist es jedenfalls ein Rätsel wie du auf solche Zuschreibungen kommst.

    Unterschätze mich nicht, ich merke mehr als Du denkst.

    Ich denke gar nichts. Und ich schätze dich auch nicht ein. Anscheinend hast du meine Frage anders wahrgenommen, als sie gemeint war.

    Nix für ungut. Wünsche dir alles Gute,

    Jump! 🏵️

    Liebe c.o.ma,

    vielleicht vermischst du das was, kann das sein?:

    Du hast einen so großen Verlust erlebt und dich immer wieder gefragt, ob du doch irgendwie hättest verhindern können dass dein Partner gestorben ist.

    Und jetzt liest du hier im Vorstellungsbereich von Alkoholikern, die in deiner Wahrnehmung abgeschreckt werden sich zu retten.

    Merkst du was?

    Du hast geschrieben, dass es dir sehr schlecht geht. Ich hoffe du findest einen Weg raus aus deinen Ängsten.

    Und weder du, noch sonst jemand konnte den schlimmen Verlauf damals aufhalten. Das geht nur mit radikaler Einsicht des Betroffenen. Und genau darum geht es bei der Bezeichnung Alkoholiker.

    Das bedeutet aber auch etwas für uns Angehörige. Mein Mann ist Alkoholiker. Er hat nicht nur ein Problem. Das geht niemals weg, wird nicht irgendwann von selbst besser. Er hat eine tödliche Krankheit. Das weiß niemand besser als du. Das habe ich selbst erst so richtig kapiert als mein Mann neben mir einen heftigen epileptischen Anfall hatte. Ich wusste es schon lange vorher - aber erst in dem Moment wurde es mir in seiner tödlichen Dimension wirklich klar.

    Ich verstehe total was du meinst. Aber ich glaube das ist sowas ähnliches wie, wenn ich als Angehörige immer wieder Kompromisse mache, anstatt klare Kante zu zeigen. Nicht weil ich glaube, dass ich damit etwas ausrichten kann, sondern um mich zu positionieren.

    Das wiederum ist dann eher mein eigenes Thema. Mache ich Rumeiern mit. Oder setze ich klare Grenzen.

    Für mich hat diese klare Regel hier im Vorstellungsbereich daher Vorbildfunktion.

    Alles Liebe dir! von Jump! 🏵️