Guten Morgen Somadi, was du geschrieben hast rührt mich. Die Scham. Das ist ein heftiges, hartes Gefühl, das viel Macht haben kann.
Es gibt auch das Fremdschämen, die "falsche" Scham, Scham vor dich selbst oder vor anderen... Wie ist das? Ist es so, dass es "nur" im Verborgenen bleiben muss, so wie die Vogelstrauß-Perspektive: was ich nicht sehe existiert nicht? (musst nicht antworten)
Aber du hast Recht, einmal ausgesprochen kannst du es auch kaum noch zurück nehmen. Das ist ein großer Schritt.
Schämst du dich, weil du mit einem Alkoholiker zusammen bist?
Weil das so gar nicht zu eurem äußeren erfolgreichen Bild passt?
Oder schämst du dich für ihn?
Ich habe mich mal einer Kollegin anvertraut. Da habe ich mich auch geschämt. Also für mich selbst, dass ich sowas "mit mache".
Ich finde du drückst dich sehr klar aus. Und das ist doch ein guter nächster Schritt:
Mein nächster Schritt, den ich mir zu gehen wünschen würde, wäre ein Gespräch mit meiner Schwester
Sowas schafft nämlich kein Mensch alleine. Meine Schwester ist auch meine stärkste Stütze. Auch hier um Forum zu schreiben ist ja ein riesiger Schritt gewesen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Etwas auszusprechen macht einen großen Unterschied, finde ich.
Ich fühle mich etwas beruhigt, dass Du auch lange gebraucht hast
Da dachte ich erst, oh je, dann bin ich ja quasi ein "schlechter Einfluss", wenn es dazu führt sich dann darin bestärkt zu fühlen nicht ins Handeln zu kommen.
Aber dann habe ich verstanden was du meinst. Du wirkst sehr leistungsorientiert und hast wohl das Gefühl hier eine 1A - Befreiungsnummer hinlegen zu müssen, um gute Bewertungen zu bekommen 😉. Jetzt mal salopp ausgedrückt.
Dieser "Druck" von dem du sprichst, den kenne ich auch (ich will doch alles "richtig" machen). Ich habe aber gemerkt, dass ich mir den in erster Linie selbst mache, weil ich nämlich ganz genau weiß, dass die anderen Recht haben.
Dadurch hatte ich früher einige Beiträge auch so drängend und abwertend empfunden, obwohl das im Grunde mein eigenes strenges Denken war. Die Frau eines nassen Alkoholikers zu sein hat natürlich nie in mein Selbstkonzept gepasst. Und so lange rum zu Eiern noch viel weniger. Genau da hat es mich dann erwischt.
Du bist erst vier Tage hier. Ich glaube indem du schreibst, Worte findest, die Realitäten auf den Tisch legst wird sich was in dir verändern. Und das ist der Anfang.